B.2.3 Produktions- und Dienstleistungsbetriebe

 

a) Großbetriebe

 

Unter Großbetrieben werden Mitarbeiterzahlen über 500 ge­rechnet.

 

Es gibt eine Vielzahl von Großbetriebformen. Die häufigste ist die Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von minde­stens 100 Tausend Mark, und eine Aktie darf nicht kleiner gestückelt sein als 50 Mark. An der Gründung einer Aktiengesell­schaft müssen mindestens 5 Personen beteiligt sein. Die Kon­trolle der Aktiengesellschaft obliegt dem Aufsichtsrat, der die Interessen der Aktionäre und auch der Arbeitnehmer wahrzu­nehmen hat. Der Aufsichtsrat "bestellt" auf mindestens 5 Jahre den Vorstand, der aus einer oder mehreren Personen besteht. Besteht der Vorstand aus mehreren Personen, wird ein Vor­standsvorsitzender bestimmt, der bei Meinungsverschiedenheiten unter den Vorstandsmitgliedern das letzte Wort spricht. Der Vorstand vertritt die Aktiengesellschaft, d.h. ist das durch­führende, das "geschäftsführende" Organ.

 

Die Aktien werden in der Regel an der Börse gehandelt, d.h. sie können von jedermann gekauft und veräußert werden (jedoch mit vielen Ausnahmen). Schauen wir uns einmal an, wie seit 1972 (Aktienindex = 100) die Akti­enwerte im Durchschnitt gestiegen sind:

 

 

  

Die Aktiengesellschaften unterliegen strengen Gesetzen (Ak­tiengesetz, AktG) z.B. mit Bezug auf Buchführung, Veröffentli­chung von Bilanzen.

Hier einige  eine Auflistung der ganz großen, nach Umsatz sortiert:

 

 

Firma

 

Beschäftigte

 in Tausend

Umsatz

in Mio DM

Pro-Kopf-Umsatz

in DM

Siemens AG

350

54.616

156.046

Volkswagen AG 259 52.502

202.710

Daimler Benz AG 231 52.409

226.879

VEBA AG 69 48.597

704.304

BASF AG 130 47.689

366.838

Bayer AG 176 45.926

260.943

Thyssen AG 128 44.321

346,258

Hoechst AG 181 42.722

236.033

Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG 70 28.426

 406.086

Ruhrkohle AG 133 25.906

194.782

Deutsche Shell AG  4 24.430

6.107.500

Bosch GmbH 140 21.223

151.593

VEBA OIL AG

16

20.710

1.294.370

ESSO AG

3

20.352

6.784.000

Krupp GmbH 67 18.479

 275.806

Mannesmann AG 108 18.170

 168.240

BMW AG 47 18.078

403.787

 

Schauen wir uns dieselbe Tabelle noch einmal an, jedoch diesmal in der Reihenfolge des Umsatzes pro Kopf:

 

Firma

 

Beschäftigte

 in Tausend

Umsatz

in Mio DM

Pro-Kopf-Umsatz

in DM

Bosch GmbH 140 21.223

151.593

Siemens AG

350

54.616

156.046

Mannesmann AG 108 18.170

 168.240

Ruhrkohle AG 133 25.906

194.782

Volkswagen AG 259 52.502

202.710

Daimler Benz AG 231 52.409

226.879

Hoechst AG 181 42.722

236.033

Bayer AG 176 45.926

260.943

Krupp GmbH 67 18.479

 275.806

Thyssen AG 128 44.321

346,258

BASF AG 130 47.689

366.838

BMW AG 47 18.078

403.787

Rheinisch-Westfälisches Elektrizitätswerk AG 70 28.426

 406.086

VEBA AG 69 48.597

704.304

VEBA OIL AG

16

20.710

1.294.370

Deutsche Shell AG  4 24.430

6.107.500

ESSO AG

3

20.352

6.784.000

 

Ist es nicht erstaunlich, welchen Umsatz die Ölgesellschaften pro Kopf der Mitarbeiter erzielen? Da ist bereits schon alles weitestgehend automatisiert. Menschen werden nicht mehr gebraucht.

 

Da gibt es Großbetriebe, die in Umsatzgrößenordnungen ihrer Staaten (des Staatshaushaltes) liegen, z. B. in Deutschland (Werte von 1985):

 

Diese Umsatzzahlen pro Kopf sind ja sehr interessant, finde ich. Da macht z. B. BMW den doppelten Umsatz pro Arbeiter und Angestellten wie Volkswagen. Daraus kann doch nur geschlossen werden, daß entweder:

 

-    die BMWs zu teuer sind im Vergleich zu einem Volkswagen und daß der Profit dementsprechend hoch ist oder

 

-    je Arbeiter und Angestellten von BMW nicht so gut bezahlt werden wie bei Volkswagen,

 

-    viele Automaten die Arbeit bei BMW übernommen haben, d.h. die Firma besser rationalisiert ("vernünftig durchdacht") und durchorganisiert ist,

 

-    der Verwaltungsaufwand bei BMW niedriger ist,

 

-    die verwendeten Materialien an einem BMW höherwertig sind bzw. die Zulieferfirmen mehr bekommen als von Volkswagen.

 

Vielleicht trifft alles mehr oder weniger zu.

 

In anderen Ländern sieht der Umsatz (und damit die Macht­stellung) noch erschreckender aus, z. B. an hand von Zahlen aus dem Jahre 1989 über Firmen und deren Umsatz in Milliarden DM (angenähert)

General Motors

 

240

 

IBM

 

118

 

 

Ford Motors

 

183

 

Toyota Motors

 

112

 

 

Exxon

 

158

 

General Electric

 

99

 

 

Royal Dutch Shell

 

155

 

Hitachi

 

99

 

 

 

Leider habe ich die Mitarbeiterzahlen nicht gefunden. Daher möchte ich es mit dieser kurzen Aufzählung bewenden lassen.

 

Kommentar:   Besonders auffällig ist der Pro-Kopf-Umsatz der Chemieunter­nehmen. Das ist einfach dadurch zu er- klären, daß die Produkti­onsprozesse ja bekanntlich fast vollautomatisch ablaufen. Da werden Menschen kaum noch benötigt. Das ist ein typisches Beispiel für das Problem, vor dem wir stehen:

 

Arbeitsplätze werden wegrationalisiert, der Markt mit Produkten überflutet. Aber die Käufer fehlen schließlich. Die große Masse hat kein Geld zum Konsum.

 

Man kann sich jedoch vorstellen, wie groß die wirt­schaftliche Macht solcher Unternehmen ist, die Milliardenbeträge freisetzen können, um zu inve­stieren, Konkurrenten zu schlucken, die Verantwort­lichen in Staat und Gesellschaft zu "beschenken". (Aber Geschenke verpflichten bekanntlich.) Täglich werden ja Skandale aufgedeckt. Die Großunternehmen können ein erhebliches kriminelles Potential ent­wickeln und zu einer Gefahr werden, wenn es nicht gelingt, auch hier Kontrollmechanismen wirksam werden zu lassen. Dagegen weigern sich die Unter­nehmer unter dem Vorwand, daß "Betriebsgeheimnisse" ausspioniert werden könnten.

 

Die Erfolgsbesessenheit der Führungskräfte in ihrer besonderen Charakterstruktur (Kapitel "Macht") verleitet sie zu Handlungen, die allgemeingefähr­lich sein können.

 

Beispiele:

 

Am Rande sei erwähnt, daß dieser Herr Lopez im Werte von 30 Millionen DM, Spezialist für Rationalisierung ist, also rücksichtslos die Preise von Zulieferanten drückt, an Erhaltung von Arbeitsplätzen keinen Gedanken ver­liert, damit für mich ein Sozialver­brecher ist.

 

Umgelegt auf die 202 Tausend Mitarbei­ter bei Volkswagen AG hätte jeder 148,51 DM zusätzlich bekommen können, wenn das Geld nicht von einem Herrn Lopez geschluckt worden wäre.

 

  Trusts, Holdings,

 

b) Klein- und Mittelbetriebe

 

Zu den Klein- und Mittelbetrieben zählen die Unternehmen, die unter 500 Personen beschäftigen, damit keinen, von den sogenannten Arbeitnehmern gewählten Personaldirektor in der Führungsspitze dulden müssen.

 

c) Handwerkliche Betriebe


 

d) Land- und Forstwirtschaft, Fischerei

 

Es gibt zwei Klassen von landwirtschaftlichen Betrieben:

 

-    die Vollerwerbbetriebe und

-    die Nebenerwerbsbetriebe, die kein ausreichendes Einkommen abwerfen und die Betriebsinhaber zwingen, einer zusätzlichen Beschäftigung, meistens hauptberuflich nachzugehen.

 

Die Landwirte in der Europäischen Gemeinschaft haben 1986 nicht weniger als 29,2 Millionen Tonnen Fleisch auf den Markt gebracht, davon:

 

-      8 Millionen Tonnen Rind- und Kalbfleisch,

-    12,4 Millionen Tonnen Schweinefleisch und

-      5,4 Millionen Tonnen Geflügelfleisch sowie Innereien.

 

Bei einer Einwohnerzahl von rund 324 Millionen Men­schen der Mitgliedstaaten (1987), konnte also jeder im Durch­schnitt pro Tag 247 Gramm Fleisch und Innereien verzehren.

 

Ferner wurden 116 Millionen Tonnen Kuhmilch auf den Markt gebracht, d.h. fast 1 Liter pro Person jeden Tag.

 

Dann wurden 7 Millionen Tonnen Fische gefangen, davon allein von Dänemark über 2 Millionen. Das reicht auch aus für die Fischmahlzeit einmal in der Woche, gewöhnlich freitags, mit 415 Gramm pro Person.

 

Die kleine Aus­wahl in der folgenden Tabelle soll zusätzlich zeigen, daß die Landwirt­schaft in den Industrienati­onen durch­aus in der Lage ist, die Bevölkerung überreichlich zu ernähren:

 

Produktion im Jahre 1986 in Millionen Tonnen - pro Person täglich verfügbar in Gramm:

 

 

Getreide

 

Kartoffeln

 

Gemüse

 

Obst

 

 

  Länder

 

insges.Mio.t

 

pro Kopf Gramm

 

insges.Mio.t

 

pro Kopf Gramm

 

insges.Mio.t

 

pro Kopf Gramm

 

insges.Mio.t

 

pro Kopf Gramm

 

 

 Japan

 

14,5

 

340

 

4,0

 

94

 

15,5

 

363

 

5,9

 

138

 

 

 EG

 

157,0

 

1328

 

41,5

 

351

 

45,6

 

386

 

29,7

 

251

 

 

 USA

 

279,0

 

3146

 

17,4

 

196

 

27,9

 

315

 

25,2

 

284

 

 

                 

 

Quellen: FAO Quarterly Bulletin of Statistics, Rom; Jahresbericht des deutschen Statistischen Bundesamtes.

 

Dazu kommt natürlich für die Japaner Reis und Fisch als die Hauptnahrungsquellen (Japan mit etwa 122 Millionen Einwohnern 1987).

 

Auffällig ist ja die totale Überproduktion an Getreide in der Europäischen Gemeinschaft (etwa 324 Millionen Einwohner) und vor allem in den Vereinigten Staaten - USA (243 Millionen Einwoh­ner). Allerdings dient ja ein Großteil als Viehfutter.

 

Dann produzieren die Landwirte ja auch noch: Zuckerrüben (in der EG über 95 Millionen Tonnen 1986), Milchprodukte und vie­les mehr.

 

Die Menschen in den Industrienationen leben also völlig im Überfluß (aber auch nicht alle wegen der ungleichen Einkom­mensverteilung).

 

Schauen wir uns einfach mal spaßenshalber an, was so die Leute in den Industrieländern für Essen, Trinken und Rauchen prozentual ausgeben:

 

 

1973

 

1985

 

 

Italien

 

36,5%

 

34,4%

 

 

Deutschland

 

26,2%

 

23,8%

 

 

Japan

 

27,9%

 

22,2%

 

 

Frankreich

 

24,4%

 

20,6%

 

 

Großbritannien

 

22,8%

 

19,7%

 

 

Kanada

 

23,0%

 

17,7%

 

 

Vereinigte Staaten

 

16,6%

 

14,8%

 

 

 

Die Italiener geben also mit Abstand das meiste für's Essen aus

 

Bekannt sind ja die Lebensmittelvernichtungsaktionen, die "Butterberge" in den Kühlhäusern der EG, die beweisen, daß die Lebensmittelerzeugung weit höher liegt als es der Nachfrage entspricht.

 

Die Landwirtschaft wird unterstützt (subventioniert) aus Steuermitteln.

 

Die Erzeugerpreise für die Bauern in der Europäischen Ge­meinschaft werden auf diese Weise weit über die Weltmarktprei­se angehoben, um den Landwirten ein bestimmtes Einkommen zu sichern. Hohe Zollmauern heben Auslandsprodukte auf das glei­che Preisni­veau.

 

Um Produkte aus Europa zu Weltmarktprei­sen absetzen zu kön­nen, übernehmen die Staaten die Differenz zwi­schen den "Kunst­preisen" und den Weltmarkpreisen.

 

Oft wurde die Butter, die sich in den Lagern in Brüssel und sonstwo zu einem gewaltigen Gebirge auftürmte ("Butterberg"), im Ausland zu absoluten Billigpreisen angeboten, also weit unter den Herstellungskosten in den europä­ischen Molkereien. Das regte weitere Butterproduktion an; denn das Geschäft lief gut. Der Steuerzahler gab ja kräftig dazu.

 

Um die steigende Produktion auch noch loszuwerden, erhöhten die EG-Ver­antwortlichen die Export­prämien. Aber gleichzeitig gab man profi­table Ab­schlachtprä­mien für die Milchkühe. Die Bauern gaben sich an's Abschlach­ten bis die Milch knapp wurde und die Läger sich statt mit Butter nun mit Fleisch häuften. Dann wurde das wie­der umge­dreht durch Aufzuchtprämien.

 

Das ist ein typisches (sinnloses) Beispiel, wo der Staat meint, lenkend eingreifen zu müssen, und eine "Regelschwin­gung" erzeugt: Butter, Fleisch, keine Butter, weniger Fleisch, dann wieder Butter. Die Kosten sind gewaltig, wobei die Lager­haltungs­kosten nicht zu vernachlässigen sind.

 

Für fast alles zahlt der Staat Subventionen, also zweckge­bundene Unterstützungen an bestimmte Wirtschaftszweige (ohne Gegenleistung!), die sich im Laufe 16 Jahren, also von

 

1969 mit 7,85 Milliarden Mark bis 1985 mit 36,35 Milliarden Mark, fast verfünfacht haben.

 

Die landwirtschaftliche Nutzungsfläche in den Industrienati­onen ist reduziert worden, in Deutschland z.B. von:

 

1949:   13.280 ha (1 ha = 10 Tausend m²)

1960:   12.935 ha

1979:   12.204 ha

1990:   11.773 ha also um fast 11 %.

 

Die Zahl der Kleinbetriebe unter 20 ha Nutzungsfläche ist erheblich gesunken, während die Zahl der "Großbauern" sich erhöht hat, d.h. die Großen haben die Kleinen geschluckt.

 


Die landwirtschaftliche Produktionsweise unterscheidet sich in den Industrienationen kaum von einer industriellen Produktion. Da werden jede Art von Maschinen eingesetzt zur Bodenbearbeitung, zum Bepflanzen des Bodens, zur Ernte. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden genutzt. Ein moderner Landwirt muß schon recht viele Kenntnisse haben.

 

Viele Produkte reifen in Treibhäusern. Tiere werden aus­schließlich als Ware zum Verzehr gesehen. Daß sie (entsetzlich leidende) Lebewesen sind, ist ihr Problem, mit dem wir nichts zu tun haben. Sie werden in Produktionsstätten eingesperrt, gepeppelt, mit Hormonen und anderen Medikamenten behandelt. Schweine bekommen vor dem Transport zum Abschlachten ein Mit­tel gegen drohenden Herzinfarkt, damit sie auch lebens im Mordzentrum ankommen; denn wegen der Todesangst macht ihr Herz oft nicht mit.

 

Kommentar:   Ich bin auf dem Lande groß geworden, habe als Stu­dent im Schlachthof gearbeitet und kann durchaus kompetent über die Mentalität der in der Landwirt­schaft und in den Schlachthöfen tätigen Menschen urteilen. Sie unterscheiden sich keineswegs von Aufsehern in nationalsozialistischen Konzentrati­onslägern. Das Geschrei und das Leiden der Tiere berührt sie in keinster Weise.

 

                     Diese Art von Menschen kann ich mir sehr wohl bei Greueln auf einem "Kriegsschauplatz". Dieses Wort wird ja sogar offiziell gebraucht und ist nichts anderes als ein Schauplatz, wo ein Torero einen Stier zur Freude der Zuschauer zu Tode quält.

 

                     Ich habe bei uns auf dem Lande einquartierte Sodaten über unbeschreibliche Greuel berichten hören, was die Zuhörern zu großer Begeisterung anregte.

 

e) Einrichtungen zur Unterbringung und Verpflegung

 

Heutzutage wird viel gereist, und in den Industrienationen ist der Reisesektor ein umsatzträchtiges Geschäft, wie an den nachstehenden Diagrammen allein für einige ausgewählte Länder der Europäischen Gemeinschaft belegt sei.

 

Allerdings sind in den Kosten die Ausgaben für den Transport mit enthalten (nicht nur die für die Unterbringung):


 

 

               

 

                   

 

                 

  

                  

Welche Menschenmengen sich allein in der früheren deutschen Bundesrepublik im Jahre 1991 durch die Hotel- und Pensionsbet­ten gewälzt haben, zeigt das nachfolgende Bild:

 

                    

 

Die Reisenden suchen Speise-, Nachtlokale und Trinkhallen auf, geben Geld für ihre Unterhaltung aus. Da keine ordnungs­gemäßen Rechnungen ausgestellt werden für den Verzehr, können die Umsätze nur grob geschätzt werden. Sie erreichen in der Bundesrepublik Deutschland etwa 30 Milliarden Mark, wahr­scheinlich jedoch viel mehr. ("Wer nichts wird, wird Wirt" und kann davon ganz gut leben.)

 

f) Einrichtungen zur Freizeitgestaltung

 

Da die Freizeitgestaltung eine in Zukunft immer wichtigere Rolle spielen wird, sollen darüber einige Worte gesagt werden; denn auch das "Freizeitgeschäft" hinterläßt nicht vernachläs­sigbare Spuren in unserer Umwelt.

 

Sportliche Einrichtungen

 

Jedes Dorf hat einen Sportplatz

 

Tanzlokale (Diskos)

Parks und andere Einrichtungen zur Erholung

Schwimmbäder, zoologische Gärten

 

B.2.4 Finanzwirtschaft, Banken und Versicherungen

 

Wo das Geld ist, da ist auch die Macht, kann man allgemein sagen. Erstaunlich ist, daß die Banken mit den größten Umsätzen, fast in Billionenhöhe, sich in Japan befinden, z.B.:

 

The Dai-ichi Kanggyo Bank    850 Milliarden DM

Sumitomo Bank                      838 Milliarden DM

Fuji Bank                               811 Milliarden DM

Mitsubishi Bank                      783 Milliarden DM

Sanwa Bank                           768 Milliarden DM

Industrial Bank of Japan         601 Milliarden DM

The Tokai Bank                     478 Milliarden DM

Bank of Tokyo                       457 Milliarden DM

The Norinchukin Bank            454 Milliarden DM

The Mitsui Bank                     453 Milliarden DM

 

In anderen Ländern kommen erst ab Stelle 11:

 

Crédit agricole (Frankreich)                425 Milliarden DM

Barclays Bank (Großbrit.)                  370 Milliarden DM (Stelle 17)

Deutsche Bank (Deutschl.)                 345 Milliarden DM (Stelle 24)

Bank of China (China)                                    306 Milliarden DM (Stelle 27)

Union de Banques Suisses (Schweiz) 220 Milliarden DM (Stelle 34)

Alle Zahlen beziehen sich auf das Jahr 1989.

 

Wir können uns "gegen" alles versichern lassen. Dabei wird nur ein finanzieller Gegenwert gesehen. Stirbt jemand, der "gut" versichert war, fließt ordentlich Geld. Wird jemand durch einen Unfall für den Rest seiner Lebens an einen Rollstuhl gefesselt, braucht er sich, wenn er gut versichert war, keine geldlichen Sorgen zu machen. Da gibt es Versicherungsschutz gegen:

 

- Leben(sverlust),

- Krankheit und Unfall,

- Arbeitsunfähigkeit,

- Arbeitsplatzverlust,

- Alter, wenn sich jemand aus dem Arbeitsleben zurückziehen will,

- Sturm-, Wasser-, Feuerschäden,

- Raub- und Diebstahl,

- Ernteausfall, wenn ein Gewitter alles vernichtet hat,

- Produktionsausfall nach einem Unfall,

- Haftpflicht desjenigen, der oder dessen Haustier jemandem einen Schaden zugefügt hat.

 

Wann immer Sie meinen, Sie sollten ein Risiko auf eine Ver­sicherung abschieben, wird Ihnen (fast immer) ein Schutz gewährt werden können. Natürlich müssen Sie und wir alle zusammen dafür bezahlen. Die Versicherungen verteilen das Risiko auf die breite Masse der Prämienzahler, führen Statistiken über Schadensfälle und versuchen, in der Regel erfolgreich, trotz aller Inanspruch­nahmen mehr an Prämien einzunehmen als das, was sie auszahlen müssen.

 

B.2.5 Handel, Verkehr und Auswirkungen

 

Schauen wir uns doch erst einmal an, wer (welche Ländergrup­pen) da die Waren hin und erschiebt, also importiert und ex­por­tiert. Die Zonen: Afrika, mittlerer Orient und Lateinameri­ka sind zusammengefaßt worden, da sonst ihre einzelnen "Ku­chenstückchen" fast nicht mehr zu erkennen wären. Ihre Anteile betragen:

 

 

 

Import-

 

Exportanteile

 

Überschuß

 

 

Afrika

 

3,0 %

 

2,5%

 

- 0,5%

 

 

Mittlerer Orient

 

2,9 %

 

3,0%

 

- 0,1%

 

 

Lateinamerika

 

3,7 %

 

4,2%

 

+ 0,5%

 

 

 

Die Handelsbilanzen für Afrika and den Mittleren Orient sind negativ. Es wird mehr ein- als ausgeführt, was bedeutet, daß da Schulden gemacht werden auf Dauer.

 

                      

 

Die beiden folgenden Schaubilder zeigen, was da so alles transportiert wird am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland:

 

                       

  

Da wurden also 1990 in dieser Bundesrepublik insgesamt knapp 3,7 Milliarden Tonnen hin- und hertransportiert im Vergleich zu 1,8 Milliarden im Jahre 1960. Der Warentransport hat sich mehr als verdoppelt. Das ist doch schon was vom Standpunkt des Wirt­schaftswachstums gesehen.

 

Erstaunlich ist zwar die Zunahme des Warenverkehrs mit dem Flugzeug von über 16-fach. Aber das meiste rollt über die Straße. (Natürlich sieht die Statistik anders aus, wenn die bewegten Tonnen über die zurückgelegten Strecken betrachtet werden.)

 

Aber die grafische Darstellung umfaßt ja nicht alles, z.B. was sich da in den Kofferräumen der privaten Personenwagen befand, was reisende Personen alles mitgenommen haben.

 

Die nächste Grafik zeigt, wieviele Menschen bewegt worden sind, wobei wir keinen zu große Genauigkeitsanspruch erheben können; denn wieviele Menschen z. B. in den privaten Personenwa­gen sitzen, kann ja nur geschätzt werden. Offensichtlich spielt der Transport mit dem Schiff keine wichtige Rolle mehr, und wer da alles mit dem Fahrrad unterwegs ist, kann sicher auch vernach­lässigt werden. (Dabei handelt es sich ja sowieso nur nächsten Nahver­kehr):

 

                   

 

Auch im Personenverkehr sind erhebliche Zuwachsraten zu vermerken. Nur bei der Eisenbahn scheint der Anreiz zu fehlen. Gegenüber 1960 sind in Jahre 1990 etwa 8% der Fahrgäste auf ande­re Verkehrmittel umgestiegen (wahrscheinlich auf das eigene Auto).

 

Übrigens wußten Sie, daß die modernen Lokomotiven immer noch keine Toilette für das Fahrpersonal haben? Nach Dienstvorschrift haben die Damen und Herren mit entleertem Darm und ungefüllter Blase zur Arbeit zu erscheinen. Aber das Reinigungspersonal er­zählt schaurige Geschichten. Doch lassen wir das; denn über die­ses Thema wird ja in unserer Gesellschaft sowieso nicht gerne ge­redet.

 

Die höchste Zuwachsrate hat der Flugverkehr: 1990 um den 13- fachen Betrag gegenüber 1960. Statistisch gesehen saß jeder deut­sche Bundesbürger 1990 einmal in einem Flugzeug.

 

Die nächste Grafik zeigt wieder den Personenverkehr nach Verkehrszweigen, aber diesmal unter Berücksichtigung der zurück­gelegten Strecke, Personenkilometer genannt (also Zahl der trans­portierten Personen multipliziert mit der durchschnittlich zu­rückgelegten Strecke).

 

 

                          

 

Rund 127 Milliarden Personenkilometer sind also abge­leistet worden allein in Deutschland. Kennt man die Zahl der transpor­tierten Personen nicht, könnten, extrem gesehen, 127 Milliarden Menschen je einen Kilometer zurückgelegt haben oder eine Person 127 Milliarden Kilometer gereist sein. (Das wäre dann die Strecke, die unsere Erde in 135 Jahren mit einer Geschwindig­keit von fast 110 Tausend km/Std immer um die Sonne herum zurücklegt. Diese Rechnung nur zum Spaß.)

 

Auf langen Strecken ist das Flugzeug mit Abstand natürlich das schnellste, aber auch das billigste (und sicherste) Verkehrs­mittel. (Unsere Erde fliegt mit uns jedoch 110 mal schneller um die Sonne. Das soll nur erwähnt sein, um zu zeigen, wie beschei­den wir sind.)

 

Da tankt so ein Jumbo-Jet (Boeing 747) für einen Flug ohne Unterbrechung von Singapur nach Frankfurt 300 Tonnen Kero­sin (ein Gemisch aus Dieselkraftstoff und Petroleum, recht billi­ges Zeug). Über 400 Personen (je nach Fluggesellschaft), ein­schließ­lich des Flugpersonals, Speisen, Getränke, Gepäck und einige Transportgüter viel, viel werden schneller als ein Pfeil durch die Luft über eine Strecke (je nach Flugweg) von 9 Tausend Kilometern getragen, wobei um die 250 Tonnen Kerosin in den Turbinen verbrannt werden (Rest zur Sicherheit, falls Frankfurt beispielsweise Nebel hat). Nach Adam Riese (eigent­lich Ries) kommen wir auf einen Verbrauch von etwa 7 Litern pro 100 Kilometern und pro Fluggast. Das schafft kaum ein Auto, das durchschnittlich ja nur mit einem Zehntel der Ge­schwindigkeit vorwärtskommt. Aber die Umwelt­be­lastung eines solchen Fluges ist schon erheblich.

 

Das Verkehrswesen stellt einen mächtigen Wirtschaftszweig dar. Nicht nur in den Verkehrsmitteln, also den Transportfahrzeu­gen zu Lande, im Wasser und in der Luft stecken riesige Werte. Straßen, Häfen, also die ganze Infrastruktur hat eine Menge Geld gekostet und kostet ständig an Unterhaltungskosten.

 

Allein in Deutschland stehen zur Verfügung:

 

An Wasserstraßen:

            - Flüsse            4.801 km

            - Kanäle           2.029 km

 

Überörtliche Autostraßen:

            - Bundes- und Landstraßen       221.062 km (im Jahre 1990)

            - Autobahnen                              10.854 km (im Jahre 1991)

            - Dazu kommen Gemeindestraßen, Straßen in den Städten, Feld­wege (die heute alle befestigt sind).

 

Gesamtgleislänge:          91.028 km (im Jahre 1989)

            davon

            - Eigentum der Bundes-/Reichsbahn      44.330 km

              (davon elektrifiziert                             15.737 km)

            - andere Eigentümer                              46.698 km

              (davon elektrifiziert                             25.520 km)

 

(Kaum zu glauben, daß die staatlichen Bahnen weniger km haben als private. Aber das "Statistische Jahrbuch 1992 für die Bundesrepublik Deutschland" zeigt es.)

 

Alle Straßen und Schienen allein in Deutschland aneinander­gereiht können ganz bequem die Strecke von der Erde zum Mond über­brücken. (Die Eingriffe des Menschen auf die Erdoberfläche nehmen also beinahe schon kosmi­sche Formen an.)

 

Nun hatte gerade der Verkehr mit den vielen Unfällen auch eine negative Auswirkung auf unser Dasein.

 

In der folgenden grafischen Darstellung habe ich die Zahl der Autos pro Tausend Einwohner in verschiedenen Ländern und die Zahl der Unfälle mit tödlichem Ausgang pro Millionen Einwohner aufgezeigt.

 

                  

 

Nun sagt eine solche Statistik auf den ersten Blick nicht alles, nämlich, daß die Zahl der durch ein Auto Getöteten keineswegs abhängig ist von der "Menge" der Autos. Daher habe ich mal umge­rechnet auf:

 

                         

 

In dieser Bilanz ist Portugal ganz auffällig das "Schwarze Schaf", absolut federführend im Töten von Menschen im Straßenver­kehr, dicht gefolgt von Ungarn. Was die Lage noch verschlimmert, ist, daß die Stati­stik für Portugal "nur" Todesfälle berücksich­tigt, die innerhalb von 24 Stunden nach einem Unfall registriert wurden. Für andere Länder war der Zeitraum von 30 Tagen genommen.

 

Die Frage ist nun, warum müssen in Portugal und Ungarn 6 mal bzw. 5,6 mal mehr Menschen sterben als durch holländische Fahr­zeuge und das bei geringerer Verkehrsdichte? In Holland sind ja pro Tausend Einwohner 2.3 mal mehr Autos als in Portugal.

 

Wahrscheinlich liegt es in erster Linie am unterschiedlichen Verantwortungsbewußtsein der Fahrer bzw. der am Straßenverkehr beteiligten Personen in den verschiedenen Ländern. Ob das nun aber auf Eigeninitiative beruht oder durch strengere polizeiliche Überwachung, sei dahingestellt. (Leider müssen Menschen ja immer kontrolliert werden, sonst schlagen sie über die Stränge.)

 

Es ist kaum anzunehmen, daß es an den Straßenverhältnissen oder dem technischen Zustand der Fahr­zeuge liegt, was natürlich auch eine Rolle spielen kann. Es würde zu weit führen, eine Un­tersuchung im Einzelnen über die Unfallur­sachen anzustellen.

 

Kommentar:   Mit diesem Beispiel sollte gezeigt werden, daß der Faktor Mensch, also seine Bewußtseinslage, seine Ver­haltensweise mit Bezug auf Leichtfertigkeit, Rück­sichtslosigkeit oder was sonst auch immer bei unserem Zusammenleben eine wichtige Rolle spielt.

 

                     Die Menschen in Belgien, Irland, Spanien, Ungarn oder Portugal sind ja nicht anders als in den übrigen Län­dern. Warum verursachen sie also soviele Unfälle? Sicher leben sie aber unter unterschiedlichen Voraus­setzungen: Weniger Aufklärung über Verhalten im Stra­ßenverkehr, weniger strikte polizeiliche Überwachung.

 

Kommen wir zurück auf die Sicherheit von Verkehrmitteln im Allgemeinen, dann ist das Flugzeug als das sicherste anzusehen, jedoch nur im Linien- und Charterverkehr. Bei kleinen Privat­maschinen ist das Risiko recht hoch. Eine Tabelle über Unfälle mit tödlichem Ausgang während des Jahres 1990 (in der "alten" Bundesrepublik Deutschland) soll uns das mal verdeutlichen:

 

 

 

Beförderte

 

 

 

Verkehrstote

 

 

 

 

Personen

 

Zahl der

 

pro 1 Millionen

 

 

Verkehrsmittel

 

in Millionen

 

Getöteten

 

beförd. Personen

 

 

Straßenverkehr

 

5.888

 

7.906

 

1,34

 

 

Eisenbahn

 

 

 

170

 

"Betriebsunfälle"

 

 

  Reisende

 

1.172

 

35

 

0,03 (0,17)

 

 

Schiffe

 

keine Angabe

 

13

 

?

 

 

Luftverkehr: Linie/Charter

 

                   43,5

 

               2

 

                     0,05

 

 

 sonstige

 

9,5

 

57

 

6,00

 

 

 

Nimmt man bei der Eisenbahn die Unfälle der Betriebsange­hörigen dazu (was allerdings mehr den Güterverkehr betrifft), dann schneidet die Bahn nicht so gut ab, vor allen bei weitem nicht, wenn die Beförderung pro Kilometer berücksichtigt wird. Offensichtlich lohnt sich der technische Aufwand für Flugzeuge und für die Ausbildung des Flugpersonals. Das Risiko im Auto ist um 27 mal höher als im Linien- und Charterflugzeug. Berücksich­tigt man jedoch die zehnfache Geschwindigkeit der Flugzeuge, dann steigt das Risiko für das Auto auf das 270-fache!

 

Die "Draufgänger" der Privatflugzeugbesitzer (einschließlich Segelflieger) sollte man meiden.

 

Kommentar:   Die Schlußfolgerung aus der Unverfallbetrachtung ist: Zum Schutz unseres Lebens und unserer Gesundheit soll­te uns der technische Aufwand nicht hoch genug sein. Die im Flugzeug gebotene Sicherheit ist gegeben durch den hohen technischen Stand, also den Einsatz von komplizierten Automaten und die doppelte, ja manchmal sogar dreifache Absicherung gegen Systemausfälle.

 

Nun erstellen wir mal eine Tabelle über Unfälle mit Perso­nenschäden überhaupt:

 

 

 

Beförderte

 

 

 

Verletzte

 

 

 

 

Personen

 

Zahl der

 

pro 1 Millionen

 

 

Verkehrsmittel

 

in Millionen

 

Verletzten

 

beförd. Personen

 

 

Straßenverkehr

 

5.888

 

444.158

 

75,40

 

 

Eisenbahn

 

 

 

682

 

"Betriebsunfälle"¦

 

 

  Reisende

 

1.172

 

785

 

0,67 (1,25)

 

 

Schiffe

 

keine Angabe

 

75

 

?

 

 

Luftverkehr: Linie/Charter

 

                 43,5

 

                 3

 

                     0,07

 

 

 sonstige

 

9,5

 

230

 

24,20

 

 

 

Hier wird ganz deutlich, wie sicher ein fast vollautomati­siertes Linien- oder Char­ter­flugzeug ist. Das Risiko, sich im Straßenverkehr zu verletzen, ist um 829 mal höher, und kaum je­mand in den Industrienationen hat nicht zumindest jemanden im Freun­des- oder Familienkreis, der keine mehr oder weniger böse Unfallerfahrung hat.

 

Wie das nächste Bild zeigt, sinkt in Deutschland die Zahl der Unfälle im Straßenverkehr mit Personenschäden leicht. Die Zahl der jährlich Getöteten ist von 1980 bis 1990 immerhin um fast 40% zurückgegangen und das bei gestiegener Zahl von Kraft­fahrzeugen.

 

Da die Straßenlänge geblieben ist (um die 220 Tausend km), hat die Verkehrsdichte zugenommen und sich damit vielleicht die Ge­schwindigkeit, also die Gefährlichkeit, vermindert. (Bei Verdoppelung der Geschwindigkeit steigt die "Gefährlichkeit" um das vierfache nach den Gesetzen der Physik!)

 

                          


Leider habe ich keine Zahlen über Unfälle nur mit Sachschä­den gefunden und auch nichts über den Geldwert von durch Ver­kehrsunfälle beschädigte Sachen. Es wäre sicher sehr interessant zu erfahren, wie hoch der Schaden durch Staus wegen Baustellen und Unfällen geschätzt werden kann.

 

Aber die Unfallursachen sollten wir uns anschauen; denn die lassen ein wenig auf die menschliche Verhaltensweise im Allgemei­nen schließen:

 

              1,2 % der Unfälle passieren wegen technischer Probleme, aber

            98,2 % wegen menschlichen Versagens (wären also vermeidbar), der Rest von

              0,6 % aus anderen Gründen (z.B. durch einen von einem Unwetter gefällten Baum).

 

Setzen wir das menschliche Versagen (offiziell: Fehlverhal­ten der Fahrzeugführer) mit 100% an, so gibt es folgende Gründe:

 

Mangelnde Verkehrstüchtigkeit:    Unter Alkohol------------------- 6,7%

                                                    Übermüdung-------------------- 0,6%

                                                    andere Gründ-------------------- 0,5%

                                                    (Drogen, Krankheit)

Verstoß gegen Rechtsfahrgebot, Benutzung falscher Fahrbahn------ 7,2%

Überhöhte ("nicht angepaßte") Geschwindigkeit------------------- 19,9%

Ungenügender Sicherheitsabstand (Auffahren) 11,3%

Fehler beim Überholen--------------------------------------------- 4,5%

Fehler beim Vorbeifahren und Nebeneinanderfahren (Fahrspur

                                                     wird nicht eingehalten)---------- 1,4%

Nichtbeachten der Vorfahrt--------------------------------------- 13,6%

Falsches Abbiegen, Rückwärtsfahren, Wenden-------------------- 13,9%

Mißachtung von Fußgängern--------------------------------------- 4,7%

Falsche Beleuchtung------------------------------------------------ 0,2%

Falsche Beladung-------------------------------------------------- 0,3%

andere Gründe---------------------------------------------------- 15,2%

 

Obwohl die "nicht angepaßte" Geschwindigkeit eine Hauptursache für Unfälle ist - vor allem mit tödlichem Ausgang und schweren Verletzungen, wird eine Geschwindigkeitsbeschränkung in Deutschland nicht einführbar sein.

 

Der Anteil der durch erhöhte Geschwindigkeit verursachten Unfälle liegt bei nahezu 20%. Dennoch dürfen Automobilfirmen nach wie vor damit werben, daß ihre Fahrzeuge sportliches Fahrvergnügen ermöglichen. In einem Leserbrief des "BMW-Magazin", Heft 3/1992 schränkte ein Leser in einem Brief ein, daß die "Freiheit" im ungehinderten Fahren auf vielleicht 230 km pro Stunde zu beschränken sei. Das ist ein Aufruf zur fahrlässigen Tötung von weiterhin über 2 Tausend Menschen und zur fahrlässigen Körperverletzung von jährlich 100 Tausend Verletzten durch überhöhte Geschwindigkeit. (Bei derzeit etwa 2,5 Millionen Unfällen pro Jahr in Deutschland sterben über 10 Tausend Menschen und werden 500 Tausend verletzt.)

 

Da schlug einmal der bekannte deutsche Kabarettist Dr. Dieter Hildebrandt vor, auch die Kirchenwände für Werbung zu nutzen. (Besonders würden sich die Calvinistischen dazu eignen wegen der schmucklosen Wände.) Da könne z.B. stehen: An Gott kommt niemand vorbei außer mit einem BMW der Klasse sowieso.

 

Kommentar:   Wenn nicht einmal gegen einen Massenmord in dieser Größenordnung vorgegangen wird, wie können wir erwarten, daß etwas unternommen wird, um die, von den Menschen eingeleitete schleichende Katastrophe abzuwenden?

 

                     Zurück in Deutschland, stelle ich fest, daß Schilder für die Geschwindigkeitsbegrenzung auf Autobahnen oder sonst wo als Hinweisschilder für Mindestgeschwindigkeiten angesehen werden. Halte ich mich an die Hinweise, muß ich in kauf nehmen, angeblinkt und mit Hupen belästigt und nervös gemacht zu werden.

 

                     Offensichtlich hat die Polizei etwas anderes zu tun, als die Einhaltung der Straßenverkehrsordnung zu überwachen.

 

                     Mit technischen Zusätzen, wie z.B. einem Bordcomputer in jedem Auto, könnten viele Unfälle weitgehend vermieden werden durch Induktionsschleifen in den Straßen (bereits an vielen Kreu­zungen vorhanden) durch Impulsgeber in oder an der Straße, womit die Geschwindigkeit, die Fahrspur, der Abstand von anderen Fahr­zeugen (abhängig von der Geschwindigkeit), die Fahrtrichtung, der Gegen- und Querverkehr (also die Vorfahrtsregelung) usw. durch "Fühler" am Auto auf den Bordcomputer übertragen werden, der dann 70 % der Unfallursachen weitgehend verhindern helfen könnte, nämlich:

 

                     - Verstoß gegen Rechtsfahrgebot, Benutzung falscher Fahrbahn,

 

                     - Überhöhte ("nicht angepaßte") Geschwindigkeit,

 

                     - Ungenügenden Sicherheitsabstand (Auffahren),

 

                     - Fehler beim Überholen,

 

                     - Fahrspur wird nicht eingehalten,

 

                     - Nichtbeachten der Vorfahrt,

 

                     - Falsches Abbiegen, Rückwärtsfahren, Wenden.

 

                     An solchen Möglichkeiten wird bereits rumgebastelt, die jedoch den Entscheidungsträgern als unwirtschaftlich erscheinen. Uns sollte aber das Leben und die Gesundheit nicht zu teuer sein. Auch könnte diese Zusatzeinrichtungen in den Autos das vom schleichenden Marktübersättigungstod befallenen Wirtschaftszwei­ges neue Lebensimpulse geben.

 

                     Zu bedenken sind ja auch die Kosten, die entstehen durch Sach­schäden, Krankenhausaufent­halt, Entschädigungen bei Personen­ver­letzungen und bei Tod, Ge­richtskosten, Aufwand an Polizeikräf­ten, Senkung der Versiche­rungsprämien.

 

                     Ein Kostenvergleich ließe sich leicht machen.

 

                     Vielleicht ist das, so wie es jetzt ist, im Interesse der Wirtschaft ge­wollt; denn die Unfälle beleben zwei­fellos die Konjunktur. Meine persönliche Meinung ist, daß die Wirtschaftsverantwortlichen mit einem nicht zu vernachlässigenden kriminellen Potential agieren zu ihrer Machterhaltung, Machtausweitung und in ihrer Erfolgs­geilheit. (Mit letzterem werde ich mich öfter wie­derholen müssen.)

 

                     Die Zahl der Unfälle sinkt zwar in den Industrienatio­nen (in Kapitel B.2.13 wird das mit Zahlen nochmals bestätigt), ist aber nicht genug.

 

                     Wir haben an Anrecht darauf - das ist die Hauptaufgabe unserer Staatsregierungen, alles zu tun, was unserem Wohlerge­hen, körperlich und seelisch, dient. Die von der brei­ten Masse des Volkes gewählten Vertreter in einem modernen Staat, wie eine Bundesrepublik Deutschland, sind durch dazu durch das Grundgesetz und die mit unterzeichnete Charta der Menschenrechte der Vereinten Nationen dazu verpflichtet. Jede Abweichung davon, insbesondere Begünstigung einer mächtigen und wohlha­benden Minderheit steht im Widerspruch zu diesem Ver­pflichtungen.

 

Als Auswirkungen des Verkehrs auf unsere Umwelt können wir zusammenfassen:

 

-    Landschaftsveränderung durch Auto- und Wasserstraßen (Kanäle), was im wahrsten Sinne des Worte erhebliche Einschnitte in die Ökosysteme bedeutet.

 

-    Veränderung, insbesondere Begradigung der Flußläufe mit den Folgen, daß zwar die Schiffe darauf kürzere Strecken fahren können, aber in Zeiten von Hochwasser der Fluß keine Ausweich­möglichkeit mehr hat, also sogleich über die Kunstufer zu tre­ten. (Je länger der Flußlauf, desto besser kann er zunehmende Wassermengen auffangen - puffern.)

 

-    Bau von riesigen Hafen- und Flugplatzanlagen, von Bahnhöfen, Raststätten an den Fernstraßen, die Millionen von Quadratkilo­metern Landschaftszerstörung bedeuten.

 

-    Umweltbelastung durch Abgase, wobei die Eisenbahn, Straßenbahn und andere nicht mit Verbrennungsmotoren ausgestatteten Ver­kehrsmittel keine unerhebliche Rolle spielen; denn die inzwi­schen fast ausschließlich gebrauchte elektrische Energie ist in Wärme- oder Kernkraftwerken erzeugt worden. Die Umweltbelastung tritt nur am Ort des Gebrauchs nicht auf und wird daher gerne übersehen.

 

     Allerdings meint Herr Prof. Dr. C. J. Fritz Böttcher (77), übrigens auch Mitglied des "Club of Rome", zur Beruhigung der Autofahrer sagen zu müssen, daß die Autoabgase über ein Jahr von Westeuropa keine schlimmeren Folgen hätten als der Ausbruch eines Vulkans von der Größe des Pinatubo auf den Philippinen (im April 1991 nach 61-jähriger Ruhe ausgebrochen). (Richtig, aber die verheerenden Folgen mit Klimaveränderungen eines solchen Vulkanausbruchs, den wir zum Glück nicht jedes Jahr haben, sind bekannt. Nehmen wir den Gesamtausstoß von Abgasen, den Vereinigten Staaten, Japan und dem Rest der Welt, ja dann haben wir schon einige Pinatubos. Ist aber nicht so schlimm meinen die Werbeleute von BMW in ihrer bereits vorher erwähnten Zeitschrift.)

 

-    Durch Unfälle mit ihren Folgen für Leben und Gesundheit, sowie Sachbeschädigung tritt eine starke volkswirtschaftliche Bela­stung auf. (Nur die volkswirtschaftliche Belastung gilt als Argument bei den Verantwortlichen, nicht die menschlichen Lei­den.)

 

B.2.6 Energiewirtschaft, Versorgungs- und Entsorgungsunternehmen

 

B.2.7 Bauwesen

 

a) Wohnungssituation, öffentlicher (sozialer) und privater Woh­nungsbau

 

b) Andere Bautätigkeiten

 

B.2.8 Kommunikationswesen

 

Zwischen 95% und 99% der Haushalte in Deutschland haben einen Telefonanschluß über Leitung. In den übrigen Ländern, wie Frankreich, England, den Vereinigten Staaten (natürlich) und Japan sieht es nicht anders aus. Fast jeder, der in einer Indu­strienation lebt, kann angerufen werden. Für drahtlose Telefone wird stark geworben. Im Gegensatz zu Entwicklungsländern sind die Leitungen nicht gestört, werden die gewählten Nummern auch rich­tig geschaltet. Viele Geräte haben eine automatische Rufwiederho­lung, die den gewünschten Teilnehmer immer wieder anwählen, wenn er durch ein anderes Gespräch "besetzt" ist. An Bildtelefonen wird rumgebastelt. Man kann inzwischen von den modernen Schnell­zügen aus anrufen, sogar aus manchen Flugzeugen.

 

Heimcomputer mit Zugang zu einem externen Datennetz werden beliebt ("Mailbox" auf Neudeutsch).

 

Briefaustausch und Versand anderer Mitteilungen durch die Post und private Unternehmen (mit Empfangsgarantie) erfolgen zuverlässig und in recht kurzer Zeit.

 

Fast jedes Büro hat inzwischen eine Fernkopiereinrichtung, welche die Telexmaschinen aus dem Dampfmaschinenzeitalter ab­lösen.

Fast kaum noch zählbare künstliche Satelliten sind in den Weltraum geschossen worden, darunter auch Kommunikationssatelli­ten zur Übertragung von Nachrichten aller Art, also Telefonge­spräche, Fernsehprogramme, Radioprogramme, Schiffs- und Flugfunk. Diese Kommunikationssatelliten arbeiten als Zwischen-(Verstär­ker-)Stationen zwischen Stellen, die miteinander in Verbindung treten wollen.

 

Solche Satelliten müssen sich in einem unveränderlichen Abstand von der Erde (etwa 36 Tausend Kilometer über dem Äquator) befinden und die Erddrehung genau einhalten (geostationär). Sie empfangen Signale von der Erde, verstärken sie und senden sie wieder zurück zur Erde. Theoretisch reichen 3 Satelliten aus, um jeden Punkt der Erde versorgen zu können (bis auf die Pole).

 

Das bedeutendste Kommunikationssatellitensystem ist z.Z. immer noch INTELSAT, bestehend aus 17 Stationen im Weltraum, über die 33 Tausend Fernsprechkanäle laufen und 4 Fernsehkanäle [x].

 

[] Kommunikationssatelliten:

 

   R. Kabel und T. Strätling: "Kommunikation per Satellit", ein internationales Handbuch, Berlin 1985

 

Nun machen sich bei diesen riesigen Abständen von der Erde bereits die Laufzeiten der elektromagnetischen Wellen bemerkbar, die zwar mit Lichtgeschwindigkeit laufen, also mit etwa 300 Tau­send km pro Sekunde. Bei einem Abstand von etwa 36 Tausend km des Satelliten von der Erde müssen die Wellen hin und zurück also mindestens 72 Tausend km zurücklegen, was also etwa eine Viertel­sekunde dauert. Sprechen wir mit jemandem über Satellit, so mer­ken wir diese Verzögerung in "Rede und Antwort" bereits recht störend.

 

Inzwischen umkreisen Hunderte von Satelliten die Erde.

 

B.2.9 Medien und Informationswesen [x]

 

Zu den Medien zählt alles, was der Mensch audio-visionell, also über Hören und Sehen konsumiert. Das sind:

 

-    Bücher, also Romane (Liebesromane, Krimis, Phantasiegeschichten und was sonst noch), Sachbücher, Lehrbücher, Bilderbücher usw. Zigmillionen Bücher befinden sich auf dem Markt. Es gibt sicher nichts mehr, worüber nicht schon jemand mal etwas geschrieben hat.

 

-    Zeitungen und Zeitschriften, die täglich, wöchentlich oder in größeren Zeiträumen erscheinen mit politischen, fachlichem, pornographischen Inhalt, ausschließlich mit Klatsch- und Tratschgeschichten. Eine unendliche Zahl befindet sich auf dem Markt, wie für die Mode, den Sport, das Auto, das Segeln, mit Kreuzworträtseln. Es gibt immer etwas für alles, was Menschen an allgemeinen und speziellen Dingen interessieren könnte.

 

-    Schallplatten, Tonbandkassetten, Kompakt-Scheiben (CD's), Video-Filme, alles zu Tausenden.

 

-    Rundfunk und Fernsehen mit unüberschaubaren Programmen.

 

-    Beschäftigung mit Heimcomputern, Zugang zu Datenbanken. Einen großen Teil der Zeit wird sicher mit Computerspielen verbracht.

 

-    Lichtspieltheater.

 

Wenn wir uns einmal anschauen, was die Menschen verschiede­ner Ausbildung an Stunden pro Woche als Beschäftigung mit den Massenmedien aufwenden, dann ist das nicht gerade wenig:

 

                        

 

Die Zahlen im vorigen Schaubild stammen aus der Mitte der achtziger Jahre. Es müßte heute überprüft werden, wie weit sie sich zu Gunsten der Beschäftigung mit Heimcomputern verschoben haben.

 

Jedenfalls haben die Medien als starker Wirtschaftszweig eine wichtige Bedeutung, wie das nachfolgende Diagramm zeigt:

 

 

Bild "UMS-MEDI.CHT

(Medienumsatz)

 

B.2.10 Gesundheitswesen

 

Im Rahmen der psysischen (körperlichen) und psychischen (seelischen) Pflege, also um uns Wohlergehen zu gewähren und zu verschaffen, spielt das Gesundheitswesen eine wichtige Rolle. Fast jeder Mensch hat irgendwann die Hilfe eines Arztes in An­spruch genommen.

 

Dennoch sollte vorweggenommen werden, daß der Anstieg der Lebenserwartung weniger den Medizinmännern zuzuschreiben ist als der Verbesserung der hygienischen Verhältnisse und vor allem der besseren Ernährung (die übrigens auch die Menschen körperlich größer werden läßt).

 

Der Gesundheitsdienst ist zu einer kaum aufrechtzuerhalten­den Kostenbelastung geworden.

 

Allein in den Krankenhäusern kassieren 12 Tausend Chefärzte durch Privatrechnungen rund 6 Milliarden jährlich ab. Das macht pro Chefarzt 500 Tausend im Jahr zusätzlich zum Gehalt (fast 5 mal mehr als ich verdiene, was mir durchaus zu einem angenehmen Leben reicht).

 

Leider hatte mich kurz vor Weihnachten 1991 eine sehr schwächende Gelbsucht erwischt. Obwohl ich wußte, daß es dagegen keine Medikamente und keine Behandlungsmöglichkeit gibt, bin ich mit dem nächsten Flugzeug nach Deutschland geflogen, um mich sogleich in stationäre Behandlung auf einer Isolierstation zu begeben. Ein Herr vom Gesundheitsamt warf mir vor, daß ich viel­leicht während des Fluges jemanden hätte anstecken können. Es gibt aber hygienische Verhaltensweisen, die das verhindern. Ich war gut untergebracht mit Telefon und Fernsehgerät, fühlte mich aber in den ersten Tagen zu schwach, um davon Gebrauch zu machen. Die Ärzte kamen täglich und bedauerten, daß der Chefarzt in Ur­laub sei, über die Weihnachtstage zum Schneeschuhlaufen. Alles an Untersuchungen wurde mir angeboten, obwohl mir sonst nichts fehl­te. "Da Sie schon mal hier sind, können wir Krebsvorsorge machen usw.... Was Sie haben noch nie?... Aber in Ihrem Alter..." (Ich bin inzwischen 60.) So einiges ließ ich mit mir geschehen, viel­leicht teilweise aus Langeweile, weil ich nichts lesen, kaum Besucher ertragen ertragen konnte. Auch war ich zweifellos neu­gierig. Alle Befunde verliefen negativ. Ich war also gesund, nur nicht munter. Endlich kam der "Chef" aus dem Urlaub zurück, strahlend und braungebrannt. Er war ein angenehmer Unterhalter, brauchte jedoch bei mir als Arzt in keinster Weise eingreifen. Ich mochte ihn und freute mich auf seinen tägliches Kommen. Nach meiner Entlassung bekam ich eine Kopie der Rechnung und ein "Zeugnis". Das Original der Rechnung war direkt meiner Kranken­kasse zugeschickt worden, da ich von ihr eine Kreditkarte besit­ze. Die Rechnung bestand aus Unterbringung und Verpflegung, was pro Tag teurer war als eine Mehrzimmerwohnung in einem der teuer­sten Hotels auf der Welt. Die tägliche Plauderei mit dem Chef­arzt, sicher auch ein bischen Erholung für ihn, kostete ein paar Tausend Mark. Zum Glück waren er und sein Oberarzt die erste Zeit nicht im Krankenhaus gewesen. Dann kamen die unnötigen Untersu­chungen. Jedenfalls hatte die Krankenkasse (ohne Nachforschung und Murren) meine gezahlten Prämien von mehr als 2 Jahren heraus­zurücken. Ich verlor meine Prämienrückerstattung wegen Nichtinan­spruchnahme der Versicherung für mehr als 10 Jahre. In einem Hotel wäre ich für ein Drittel des Preises nicht schlechter ver­sorgt gewesen.

 

Allein in Deutschland müssen von Krankenhäusern über 1 Mil­lionen Tonnen Abfälle beseitigt werden.

 

Die Grafik zeigt die Einnahmen und Ausgaben der um die 50 verschiedenen Versicherun­gsunternehmen in Deutschland:

 

 

Von diesem Umsatz (Ausgaben) kassieren allein die Chefärzte 6 Milliarden Mark.

 

B.2.11 Öffentliche Verwaltung

 

Wir werden inzwischen ziemlich stark verwaltet. Da hat man sich bei Wohnungswechsel ab- und anzumelden, wobei der Hausbesit­zer, der Vermieter einem bescheinigen muß, daß man eine Wohnung bei ihm gemietet hat. Dem Mieter glaubt man nicht. Wir brauchen ständig irgendeinen Vormund, einen Nachweis, einen Beweis. Die Behörden sind grundsätzlich mißtrauisch, weil einige unserer Mitmenschen lügen und nicht vertrausenswürdig sind.

 

Wir brauchen einen Ausweis, der nur ausgestellt wird, wenn wir nachweisen können, daß wir auch existieren. Ohne Geburtsur­kunde wird die erste Ausstellung eines Ausweise nicht gemacht.

 

Für den Führerschein brauchen wir neben der Prüfung ein polizeilichen Führungszeugnis und ein Gesundheitszeugnis. Hat jemand schlechte Augen, wird er als Brillenträger im Führerschein ausgewiesen.

 

Obwohl die meisten Leute bei einem Gang zu einer Behörden einen Kloß im Halse spüren, sind die Verwaltungsabläufe in den Industrieländern in der Regel recht einfach und übersichtlich. Da holt man sich erst einmal ein "Merkblatt", in dem (oft unver­ständlich) drinsteht, was alles für einen "Vorgang" an "Unterla­gen" benötigt wird. Sogar über die Kosten (die Verwaltungsgebüh­ren) kann man informieren.

 

Glosse: Da habe ich neulich in meinem "Postgebührenheft" einmal nachgeschaut, was es kosten würde, ein Fotoalbum zu ver­schicken, als Briefsendung? wahrscheinlich nicht; als Päckchen? auch nicht; denn "Höchst- und Mindestmaße wie Brief - Länge zwischen 14,0 und 23,5 cm, Breite zwischen 9,0 und 12,0 cm (Breite bis 12,5 cm wird nicht beanstan­det), Höhe bis 0,5 cm, Länge mindestens das 1,41 fache der Breite". Hallelujah, das haute nicht hin.

 

Dann schied auch aus: Standarddrucksache, Standardbrief­drucksache, Büchersendung ("zugelassen sind unter be­stimmten Bedingungen" - welche? "Bücher, Broschüren, Notenblätter und Landkarten von jedermann. Auskunft er­halten Sie am Schalter"). Wurfsendung kam wohl auch nicht infrage, obwohl ich gerne werfe.

 

Da gibt es übrigens "zuzustellende Wurfsendungen" (die werden dann einem in den Briefkasten geworfen), "Wurfsen­dungen an Abholer von Briefsendungen" (die werden denen dann an den Kopf geworfen?), "Blindensendung" ("gebühren­frei", sicher gegen Nachweis der Blindheit).

 

"Warensendung" ging auch nicht; denn "Höchst- und Min­destmaße wie Brief". (Das hatten wir schon.)

 

Ich hab mich schließlich für ein "Paket" entschieden ("1. Zone - bis 150 km").

 

"Selbstgebuchtes Paket" habe ich nicht verstanden, auch nicht, was unter "Postgut" zu verstehen ist. Das wurde an der Uni oder den Schulen nicht gelehrt. Dann fand ich "Postprotestauftrag - bei Einlieferung - für die Über­mittlung - bei Protesterhebung", ferner "Postzustellungs­auftrag", "nachträgliches Verlangen des Absenders - Über­mittlung eines nachträglichen Verlangens des Absenders", "zusätzliche Zeitungsgebunde - je Leiteinheit", "Postver­triebsstücke", "Streifbandzeitung". Da war mein deutscher Sprachschatz zu Ende, und ich habe das "Postgebührenheft" zugeklappt. (vielleicht melde ich mich beim Goethe- Institut, um einen Deutschkurs zu belegen.)

 

Ich habe auch schon Schwierigkeiten, mir eine Fahrkarte für eine Straßenbahn zu kaufen. Ehe ich weiß, was da zu zahlen ist, setze ich mich lieber in ein Taxi. Da sehe ich, was es kostet und kann aussteigen, wenn ich nicht genug Geld dabei habe.

 

Aber im Vergleich zu einem Entwicklungsland (dortiges Kapi­tel über Behörden) macht es Spaß, mal in einer Industrienation zur öffentlichen Verwaltung gehen zu dürfen. Da ist es sauber. Da hängen große Leitschilder, wohin man zu gehen hat. Da drängt sich niemand vor. Da riecht es nach gutem Filterkaffe. Da wird mein Vorgang ruck-zuck entgegengenommen und bearbeitet.

 


 

B.2.12 Öffentliche Sicherheit

 

a) Innere Sicherheit durch (gültige) Gesetze und Gesetzesüberwa­chung (z.B. durch die Polizei)

 

Die Sicherheit in den Industrienationen ist weit besser gewährleistet als in den meisten Entwicklungsländern, außer dort in völlig autoritären Diktaturen, wie z. B. Syrien, wo man immer noch ein Auto unabgeschlossen mit Taschen auf den Sitzen abstel­len kann. Da wird nichts weggenommen. Aber dort wimmelt es auch nur so von nicht uniformierten Staatssicher­heitsleuten. In den Industrienationen fehlen die Beamten für das allgemeine Volk. Die werden abgezogen, um die Häuser der sogenannten Exponierten, der hohen Staatsbeamten und der rei­chen Industriellen zu bewachen. Sie gehen auf Terroristenjagd. Leider liegen mir keine Zahlen darüber vor, wieviele Sicher­heitskräfte wie verteilt sind. Das wäre eine Untersuchung wert.

 

Die Sicherheitskräfte werden (zum Glück) kontrolliert, ins­besondere durch die Presse, was am Fall einer Festnahme von Ange­hörigen der sogenannten Roten-Armee-Fraktion (RAF) auf dem Bahn­hof Bad Kleinen in Deutschland im Sommer 1993 belegt sei (Wochen­zeitschrift: "Der Spiegel" 27/1993). Offensichtlich verletzte einer der mutmaßlichen Terroristen einen Polizisten tödlich, woraufhin dem Leben des Todesschützen selbst mit einem Kopfschuß aus nächster Nähe ein Ende gesetzt wurde. Wurde der Terrorist von einem Ange­hörigen der Sondereinheit des Bundesgrenzschutzes (GSG 9) "hinge­richtet" (was als Motiv durchaus verständlich wäre in einer Ge­fühlsaufwallung der Beamten über den Tod eines Kameraden, aber nach deutschen Gesetzen keineswegs erlaubt ist)? Die offizi­elle Darstellung der Beteiligten lautete zuerst: Der Terrorist habe sich mit seiner eigenen Pistole selbst erschossen. Aber es kamen Zwei­fel auf. Die Behörden versuchten, den Fall zu vertu­schen. Gutachter wollten herausgefunden haben, daß kein Schuß aus einer Dienstpistole abgeben worden sei, jedoch auch nicht aus der Waffe des RAF-Verdächtigen. Um es kurz zu machen: Der Innenmini­ster trat zurück. Der Bundesanwalt mußte seinen Hut nehmen. Es ist also in einer Industrienation nicht so einfach für die Si­cher­heitskräfte, das zu tun, was sie für richtig halten. (In einem Entwicklungsland wäre über einen solchen Fall nichts an die Öf­fentlichkeit gedrungen.)

 

Die Bundesrepublik Deutschland hatte

 

1950    135.200 Ordnungshüter insgesamt, davon

              94.000 den Ländern unterstellt, also Polizisten aller Art und

1990    312.400 insgesamt mit

            216.000 Polizeibeamten in den Ländern.

 

1965 wurden    4.215.451 Straftaten registriert, davon 1.988.476 aufgeklärt      (47,2 %) und

1990                4.455.333 Straftaten und aufgeklärt:    2.033.130 (also 45,6 %).

 

Die folgende Tabelle zeigt eine Aufschlüsselung der Straftaten und deren Aufklärung im Jahre 1990:

Art des Verbrechens

 

angezeigt

 

aufgeklärt

 

 

Taschendiebstahl

 

50.813

 

3.743

 

7,4 %

 

 

Diebstahl von Fahrrädern

 

357.363

 

34.935

 

9,8 %

 

 

sonstige Einbrüche

 

81.119

 

16.055

 

19,8 %

 

 

Einbrüche in Geldinstitute

 

1.053

 

249

 

23,6 %

 

 

Diebstahl von Kraftwagen

 

72.172

 

22.176

 

30,7 %

 

 

Raub, räuberische Erpressung

 

35.111

 

15.357

 

43,7 %

 

 

Sexueller Mißbrauch von Kindern

 

12.741

 

7.694

 

60,4 %

 

 

Sexuelle Nötigung und sonstige

 

15.982

 

10.232

 

64,0 %

 

 

Vergewaltigung

 

8.896

 

5.821

 

65,4 %

 

 

Verbrechen an der Umwelt

 

21.412

 

15.527

 

72,5 %

 

 

Gefährliche u. schwere Körperverletzung

 

      67.095

 

   55.424

 

       82,6 %

 

 

Mord und Totschlag

 

2.387

 

2.257

 

94,6 %

 

 

Ladendiebstahl

 

458.391

 

439.898

 

96,0 %

 

 

 

 

Das, was als Unterschied zu der vor der Tabelle angegebenen Gesamtzahl fehlt sind (wie üblich) andere Straftaten: Sachbeschädigungen, Betrügereien usw.

 

Aus der Tabelle geht hervor, daß Ladendiebstähle fast alle aufgeklärt werden. Auch sind die Chancen, ungestraft davon zu kommen, ist für Mörder und Totschläger gering. Taschendiebstahl "lohnt" sich. Wer sich auf diese Weise bereichert, entkommt mit hoher Wahrscheinlichkeit unerkannt.

 

Nun ist noch wichtig zu wissen, wie viele Verbrechen wurden prozentual der Einwohner begangen und wer sind die Täter. (Das erinnert mich an das Lied: "Die Männer sind alle Verbrecher".)Das schauen wir uns besser als Grafiken an:


 

 

Für mich war verblüffend, was die Statistik über die Alters­verteilung der mit den Gesetzen in Konflikt geratenen Personen aussagt. Offensichtlich haben die 25 bis 30-jährigen die größten Schwierigkeiten, bestehende Gesetze zu respektieren, damit ent­sprechen die begangenen Delikte (rechtswidriges, schuldhaftes Verhalten) fast genau der Verteilung in der vorherigen Tabelle. Ich hätte eher vermutet, daß besondere Deliktarten mehr oder weniger altersspezifisch gewesen wären. Aber schauen Sie sich an, wie lieb doch die Mädchen im Vergleich zu den bösen Jungs sind. Was zu weit geführt hätte, aber sicher sehr interessant gewesen wäre, auch noch die Deliktarten nach Geschlechtern aufzuschlüs­seln. Mädchen begehen zum Beispiel keine Verbrechen gegen die "sexuelle Selbstbestimmung" (33 im Gegensatz zu 1282 jugendli­chen, männlichen Altergenossen). Nur im Klauen erreichen sie mit zunehmendem Alter fast ihre männlichen Diebeskollegen.

 

In der nachfolgenden Grafik sind die Zahlen auf 100 Personen gleichen Alters und Geschlechts bezogen. So sind z.B. im Jahre 1990 von 1000 Jungen im Alter von 14 bis 16 Jahren 17 zu einem Gericht "geladen" worden, aber nur 3 Mädchen von 100 Mädchen (d.h. von 1000 jungen Leuten dieser Altersgruppe etwas weniger als 10; denn Mädchen sind leicht in der Überzahl).


 

Leider zeigen die Statistiken nur die angezeigten Strafta­ten, so daß es schwer is, ein objektives Urteil über die tatsäch­liche Sicherheit abzugeben, d.h. in wie weit man ruhig schlafen kann, ohne von einem Einbrecher gestört zu werden, der in der Regel abhaut, wenn man wach wird und das Licht einschaltet. Da die Gefahr sehr individuell verschieden ist, abhängig davon, ob man Werte angehäuft hat, sichtbar Schmuck mit sich umherträgt usw.

 

Es gibt einige Untersuchungen über das Opfer-Täter- Verhältnis [x], auf die ich gerne verweisen möchte.

 

Persönliches:  Ich bin zum Glück in all den vielen Ländern, in denen ich war, praktisch von allem verschont ge­blieben, was echt als Ver­brechen gewertet werden müßte. Mir hat mal eine "Freundin", die bei uns im Hause wohnte, ein paar Mark geklaut, um sich davon z.B. Hummer zu kaufen (den ich mir nicht leisten wollte). Ein recht guter und enger Freund hat mir ein Auto verkauft, um seine Bier- und Schnapsschul­den bezahlen zu können. Das hat mich schon geär­gert, insbesondere wegen des "Schleuderpreises", den er dafür bekommen hatte. Einmal mußte ich einer Erpressung nachgeben, die rechtlich so abgesichert war, daß eine Anzeige erfolglos gewesen wäre. Das habe ich dem Erpresser (mit dem ich sogar beruflich nach wie vor zu tun habe) bis heute nicht verzeihen können. Zu den Verbrechen kommen also noch die Hundsgemeinheiten hinzu, gegen die wir nichts aus­richten können, da uns kein Gesetz davor schützt.

 

Nun möchte ich noch eine Statistik zeigen über die Entwicklung des Verbrechens in den letzten 20 Jahren. Die Erwachsenen haben ihre kriminelle Neigung beibehalten. Die jungen Leute scheinen die Gesetze in letzter Zeit mehr zu respektieren.

 

                          ABURTEIL.CHT

 

 

Da heute immer wieder von dem Ausländerproblem gesprochen wird, sollten wir uns mal anschauen, welchen Anteil sie im Ver­gleich zu deutschen Einheimischen an Verurteilungen haben, auch nach Altersgruppen aufgeschlüsselt und bezogen auf 100 Personen gleicher Personengruppe, also gleichen Alters und Geschlechts.

 

Die Zahlen für die weiblichen Verbrecher habe ich über alle Altersgruppen in der Grafik zusammen­gefaßt, da sie sonst gegen­über dem männlichen Übergewicht un­sichtbar geblieben wären.

 


 

 

                          D-ND-URTL.CHT

 

 

 

Tatsächlich ist der Anteil der Ausländer sichtbar höher. Zu einer objektiven Beurteilung müßten wir aber Näheres über die Hintergründe und Motive wissen. Leider habe ich auch keine Zahlen über die Art der Verbrechen gefunden.

 

Da Vergehen im Straßenverkehr bis zur fahrlässigen Körper­verletzung, ja sogar Tötung gehen können, sei die Entwicklung der "Vergehen, auch über die letzten 20 Jahre gezeigt. (Eigentlich hätte ich die Zahlen auf die jeweilige Gesamtbevölkerung beziehen müssen, um ein exakteres Bild zu bekommen. Doch es war mir im Augenblick zu mühsam, bekenne ich offen.)


 

Da ist doch sehr erfreulich, daß die Zahlen der wegen fahr­lässiger Körperverletzung und Tötung ganz erheblich gesunken sind, was bedeutet: Die Fahrer sind verantwortungsbewußter geworden. Leider nicht aus eigenem Antrieb, sondern durch Werbungen und wahrscheinlich striktere Polizeikontrollen. Die Zahl der "Fahrer­flüchtigen" nach einem Unfall hat zugenommen und auch die allgemeinen Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung.

 

Im nächsten Bild ist zu sehen, wie vielen Leute die Fahrerlaubnis auf Zeit entzogen worden ist, bzw. wie vielen der Führerschein ganz entzogen wurde. Der muß dann neu gemacht werden, wenn die Damen und Herren wieder an's Steuer wollen.

 

Leider habe ich keine Zahlen nach Geschlechtern getrennt gefunden. Ich bin aber sicher, daß auch hier die Frauen sich strenger an die Vorschriften (die Straßenverkehrsordnung) halten. Auch wäre interessant gewesen, die Vergehen nach Fahrzeugtypen und -arten zu sehen. Aber ich finde keine Zahlen (und es würde auch zu weit führen im Rahmen dieses Buches).


 

In der Bundesrepublik Deutschland sind die Gefängnisse zu 74 belegt. (Es ist also noch Platz vorhanden.)

 

Viele Menschen fühlen sich jedenfalls (auch) in den Indu­strienatio­nen nicht mehr vor Dieben, Räubern, Gewalttätern und sonstigen Verbrechern sicher, wagen sich abends nicht kaum noch auf die Straße und in die Stationen der Untergrundbahnen.

 

Aber die Statistiken weisen ganz klar aus, daß die Gefahr, in Deutschland einen Unfall im Straßenverkehr zu erleiden (zumin­dest mit Sachschaden), etwas höher ist als die Wahrscheinlich­keit, einem Verbrecher zu begegnen, abgesehen von andren Unfäl­len: Am Arbeitsplatz, im Haushalt. Vor allem sei objektiv mal betrachtet: Die Gefahr einer Körperverletzung (ganz zu schweigen mit Todesfolge) durch einen Verbrecher macht nur einen ganz ge­ringen Bruchteil aus im Ver­gleich, sich eine Verletzung oder gar den Tod im Straßenverkehr zu holen (340 Tausend Verkehrstote und weniger als 2 Tausend 400 Morde; fast 450 Tausend Verletzungen durch Fahrzeuge und 67 Tau­send Körperverletzungen durch andere Bösewichte). Warum haben meine Mitmenschen also kein Angst vor dem Auto? (Das wäre eine Untersuchung wert.)

 

Selbstverständlich soll das vorher Gesagte keineswegs der Verharmlosung dienen.

 

Allerdings muß hervorgehoben werden, daß die Sicherheit in den Großstädten ganz erheblich im argen liegt. Es wurde (Quelle: deutsches Bundeskirminalamt - BKA) im Jahre 1991 eine unerträg­lich hohe Zahl an Straftaten registriert in (jeweils pro hundert Einwohner):

 

Frankfurt

 

20

 

 

Bremen

 

18

 

 

Lübeck

 

17

 

 

Hamburg

 

16

 

 

Hannover

 

15

 

 

Berlin

 

15

 

 

Bremerhaven

 

14

 

 

Kiel

 

14

 

 

Oldenburg

 

13

 

 

Offenbach

 

12

 

 

 

 

Das bedeutet, daß jede 5. Person, die einem in Frankfurt begegnet (im Durchschnitt), auf dem Wege zu einer eine Straftat ist. In anderen Ballungszentren, wie New York, London usw. sieht das ja nicht besser aus. Da kann man ja nur noch beten; denn die Polizei schützt uns offensichtlich nicht.

 

Es ist die Aufgabe des Staates, beide Pro­bleme zu lösen, die durch den Verkehr gegebene und durch Kriminelle, und uns die notwendige (zumindest körperliche) Sicherheit zu gewähr­leisten. Das gehört zu seiner Dienstleistung, meiner Meinung nach, als Oberziel dazu.

 

Kommentar:   Durch Polizei und höhere Strafen lassen sich die Pro­bleme aber nicht echt lösen. Es müssen vor allem die Ursachen angegangen werden:

 

- Sportliches Fahren im Straßenverkehr ist immer noch eine wesentliche Komponente der Werbung für Autos, d.h. es wird empfohlen, riskant zu fahren. Die Poli­zei spielt dann wohl die Rolle des Schiedsrichters: Wer hat sich im öffentlichen Straßenrennen regelwi­drig verhalten?

 

- Falls die Arbeitslosigkeit, damit die verbundene Aussichtslosigkeit vieler Menschen und das tägliche Voraugenführen des zunehmenden Wohlstandsgefälles nicht endlich eingedämmt werden kann, werden die Staatshüter immer mehr zu tun bekommen. Da wären zumindest viel mehr Stellen zu besetzen.

 

b) Äußere Sicherheit durch militärischen Schutz

 

Nach dem Zweiten Weltkrieg, der 1945 zu Ende ging, ist keine Industrienation wirklich ernsthaft so bedroht worden, daß eine solche Bedrohung nur durch kriegerische Mittel hätte abgewendet werden können.

 

Lediglich Großbritannien sah sich genötigt weger der Falklandinseln militärisch gegen Argentinien vorzugehen.

 

Der Golfkrieg wurde nicht geführt, um einen Angriff auf eine Industrienation abzuwehren.

 

Es sieht so aus, als wäre die Zeit der Kriege der Industrienationen untereinander endlich vorbei.

 

B.2.13 Eigentumsverhältnisse

 

B.2.14 Rohstoffe

 

Schauen wir mal zuerst ein wenig an, was da allein an Wasser verbraucht wird.

 

Da wurden allein in der "alten" Bundesrepublik Deutschland für die Wärmekraftwerke für. die öffentliche Versorgung im Jahre 1987 über 30 Milliarden Kubikmeter Wasser benötigt. Das sind 30 Würfel mit einer Grundfläche von einem Kilometer mal einem Kilo­meter und der Höhe ebenfalls von einem Kilometer gebraucht. Das meiste Wasser wurde dem sogenannten Oberflächenwasser entnommen, also Seen und Flüssen.

 

Ein wenig wurde 1987 dem Grund- und Quellwasser entzogen, nämlich 57 Millionen Kubikmeter mit fallender Tendenz; denn 1975 waren es noch 122 Millionen Kubikmeter (jedoch 1985 nur 45 Milli­onen Kubikmeter).

 

Dieser Grund- und Quellwasseranteil fällt in dem folgenden Diagramm nicht in's Gewicht:

 

 

Die Nutzungsverteilung in den Kraftwerken zeigt die nachste­hende Grafik:

 

Das, was die Wärmekraftwerke benötigen, ist im Vergleich zum anderen industriellen Verbrauch und zur Haushaltsversorgung fast nichts. Vor allem wird im Gegensatz zum anderen industriellen und Haushaltverbrauch das Wasser nicht verunreinigt (nur aufgewärmt).

 

 

B.2.15 Ökologische Gesichtspunkte

 

 

B.2.16 Wissenschaft und Forschung

 

Da gab es im Jahre 1991 über 100 Tausend wissenschaftliche Veröffentlichungen. Das ist eine nicht mehr im Einzelnen zu durchforstende Flut.

 

Bemerkenswert ist, daß die meisten Forschungsergebnisse auf einige Forschungszentren konzentriert sind, wie das nachstehende Schaubild zeigt:

 

 

Es gibt also regelrechte Forschungsfabriken, die aber - auch das ist ja sehr bemerkenswert - ausschließlich in Industrienatio­nen konzentriert sind.

 

Wir wollen nicht Fragen nachgehen, wieso z.B. aus dem ehemaligen Sowietrussischen Reich alles sich auf Moskau zu konzentrieren scheint oder überhaupt meistens auf die Hauptstädte (Berlin, London, Paris, Tokio).

 

Natürlich sagen ja auch die Unmengen an Veröffentlichungen nichts über die Qualität aus, sind aber in jedem Fall ein Anzei­chen für die wissenschaftlichen Aktivitäten, zumindest quantita­tiv, also mengenmäßig.

 

Greifen wir uns mal ein etwas ausgefallenes Thema heraus, die Hochtemperatur-Supraleitung. Die Forscher auf diesem Gebiet suchen nach einem Material, das bei fast "normalen" Temperaturen dem elektrischen Strom keinen nennenswerten Widerstand bietet. (Es ist lange bekannt, daß bei sehr niedrigen Temperaturen, also um den absoluten Nullpunkt herum, der bei minus 273 liegt, Metal­le den Strom durchlassen, ihm keinen Widerstand mehr entgegen bringen. Das sogenannte Ohm'schen Gesetz ist ungültig:

Strom = Spannung geteilt durch Leitungswiderstand.

 

Geht also dieser Lei­tungswiderstand gegen Null, so kann der Strom ungehindert flie­ßen. Nun ist es aber nicht so einfach die Strom­leitung auf so niedrige Temperaturen abzukühlen, also zu teuer. Daher lassen wir den Strom durch "normal temperierte" Leitungen fließen und nehmen inkauf, daß am Ende nicht mehr viel ankommt.)

 

Da arbeiten auf diesem Gebiet allein in Deutschland schon eine enorme Zahl an öffentlichen und privaten Institutionen, die u. a. aufgelistet sind in der Reihenfolge der Zahl ihrer Veröf­fentlichungen über die Jahre 1988 bis 1992:

 

I n s t i t u t i o n

Publika-

tionen

Max-Planck-Institut für Festkörperforschung, Stuttgart 170
Kernforschungszentrum, Karlsruhe 108
Forschungszentrum, Jülich 105
Siemens AG., Erlangen 58
Universität, Tübingen 52
Universität, Erlangen-Nürnberg 48
Max-Planck-Institut für Metallforschung, Stuttgart 46
Freie Universität, Berlin 43
Rhein.-Westf.-Techn.-Hochschule (RWTH), Aachen 43
Universität, Regensburg 43
Universität, Karlsruhe 30
Universität, Bayreuth 27
Gesamthochschule, Wuppertal 22
Universität, Konstanz 16
Universität, Kiel 13
Universität, Dortmund 9
Universität, Mainz 8
Vakuumschmelze, Hanau 5

 

Es ist also erstaunlich, wie hoch der Forschungsaufwand allein auf diesem Gebiet der Hochtemperatur-Supraleitung ist. Ich will nicht kritisieren und darüber diskutieren, warum da bei diesem Forschungen nur tröpfchenweise Ergebnisse herauskommen, was also grundsätzlich bei den Ansätzen, den Planungen einer For­schung faul ist (immer noch meistens wildes Rumexperimentieren, anstatt zu rechnen und sich erst mal informieren, was es alles schon gibt). Immerhin da tut sich schließlich doch etwas, und neue, oft ungeahnte Möglichkeiten, umgesetzt in Technologien kommen als Ergebnis heraus.

 

Da waren z.B. die Leute in den fünfziger Jahren der Meinung, daß mit der Ultrakurzwelle mit ihrer sogenannten Frequenzmodula­tion der Übertragungswellen des Radios die technische Grenze bezüglich Qualität einer guten Tonübertragung erreicht sei. Weit gefehlt! Heute, nach der Ausreizung der Digitaltechnik, also alles in "Licht-an-Licht-aus" zerlegt, haben sich neue, viel bessere Über­tragungsmöglichkeiten gezeigt.

 

B.2.17 Internationale Verflechtungen

 

B.2.18 Tendenzen

 

B.2.19 Aussichten für die Zukunft

 

Die wirtschaftlichen Aussichten hängen weitgehend davon ab, in wie weit notwendige Reformen mit auf

 

- Neuverteilung der Arbeit und Humanisierung der Arbeitswelt,

 

- Verhinderung des Abgleitens in Richtung auf das Lohn- und Ge­haltsniveaus von Entwicklungsländern

 

"erkämpft" werden können. (Die Firmeneigner sehen bekanntlich nur ihren kurzfristigen Profit und werden freiwillig keine Lohn- und Gehaltsanhebungen, sogar bei kürzerer Arbeitszeit zur Stärkung der Kaufkraft anbieten.)

 

Gelingen diese Reformen nicht rechtzeitig, werden Inflation, zunehmende Arbeitslosigkeit die Wirtschaft der Industrienationen in einen schleichenden Tod schicken, Rezession genannt.

 

Im Augenblick sind jedoch keine Ansätze zu Reformen zu se­hen, im Gegenteil: Die Arbeitenden haben Angst um den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Anstatt sich wie zu Beginn des industriel­len Zeitalters zusammenzurotten, zersplittern sie sich, bekämpfen sich gegenseitig. Es herrscht Konkurrenz (hat nicht mehr viel mit dem lateinischen Ursprung "conurrere - zusammenlaufen" zu tun), also Wettstreit, Wettkampf, Kampf gegen den Mitbewerber, Wettbe­werb, Rivalität. (Im Rivalitätskampf töten sich manchmal Tiere.) Viele junge Leute greifen Ausländer an, neidisch darauf, daß diese irgendwie untergebracht sind, daß sie Sozial­hilfe bekommen, teilweise (weil faul) nichts tun (Asylanten dürfen per Gesetz nicht arbeiten), ja dann aber sogar teilweise Arbeit haben. Sie werden aufgehetzt von den Regierungsverantwortlichen, die ihre Sache jedoch inzwischen besser verstehen als die primitive Hetze während des (tausendjährigen) Dritten Reiches (unter Adolf Hitler und seinem Reichspropagandaminister Dr. Josef Goebbels). Diese jungen Menschen sehen nicht die eigentlichen Ursachen, haben keine Ahnung davon, daß der geringe Ausländeranteil, selbst nach­dem er nach ihrem Wunsch physisch völlig vernichtet worden wäre, ihnen keine persönliche Verbesserung ihrer Situation bringen würde. Sie schlucken ernorme Kräfte an Analysen, warum sie so gewalttätig sind. Die dafür eingesetzten Fachleute fehlen, um eine Analyse der viel wichtigeren derzeitigen Wirtschaftssituati­on und der Aussichten für die Zukunft zu betreiben.

 

B.3 Schlußfolgerungen

 

a) Staats- un Wirtschaftsgefüge

 

Die Staatsgefüge in den Industrienationen bröckeln. Das Vertrauen in die Politiker schwindet immer mehr. In den Verei­nigten Staaten beteiligen sich nicht einmal die Hälfte der Bevölkerung an der Wahl. Mir sagte einmal eine Amerikanerin als Erklärung, daß es kaum einen Unterschied zwischen den beiden großen Parteien, den Demokraten und den Republikanern gäbe. Man hätte die Wahl zwischen Zahnschmerzen und Ohren­schmerzen.

 

Es wird sicher nicht lange dauern, bis durch den Druck der unzufriedenen Bevölkerung das demokratische System verändert wird, wobei allerdings die Gefahr besteht, daß sich ein Mächtiger als Diktator an die Spitze eines Staates putscht und ein Terrorregime errichtet; denn Tendenzen sind zu sehen, nach denen sich viele Leute einem Volksverführer wieder am liebsten unterordnen möchten.

 

b) Voreingenommenheiten und Bewußtseinssituation

 

Das, was ein Mensch einmal gelernt hat, wird er nicht so schnell wieder los. Das können die Verhaltensforscher bestäti­gen. Und es gibt ein bekanntes Sprichwort: "Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr," will sagen, daß die Prägbarkeit und die Empfänglichkeit für neue Ideen mit zunehmendem Alter abnimmt. Das ist eine biologisch begründete Tatsache, leider ein starkes Hemmnis für den Fortschritt und für notwendige Reformen.

 

Dennoch, in den Industrienationen, wo inzwischen die viel­fältigsten Meinungen, manchmal regelrecht so aufeinander pral­len, das es richtig kracht, kann sich doch etwas ändern, sogar rasch. Vor dreißig Jahren wäre es noch undenkbar gewesen, dieses Buch zu schreiben mit Angriffen auf "heilige Güter". Man hätte mich sofort in das nächste Gefängnis gebracht, wenn ich auch nur andeutungsweise dem "Sohn Gottes" ein seelisches Leiden "unterstellt haben würde. Da hatten wir noch in der Bundesrepublik Deutschland den "Gotteslästerungsparagraphen". Viele Leser mögen auch heute noch aufschreien, wenn sie so etwas lesen. Aber sie müssen es hinnehmen oder Argumente fin­den, diese (freche) Behauptung zu entkräften. (Sie können auch mich als verrückt bezeichnen, was mir nichts ausmacht; denn der "Verrückte" hat ja keine Einsicht in sein Verrücktsein. Daher nehme ich für mich das Recht in Anspruch, ganz normal zu sein.)

 

Vor fünzig Jahren wäre ich in ein Konzentrationslager einge­wiesen worden, wenn auch nur mit einem sogenannte negativen Wörtchen die Gottähnlichkeit des damaligen Machthabers infrage gestellt worden wäre. (Da wurde ein Bekannter unserer Familie abgeholt, weil er gesagt hatte: "Ich glaube, daß es uns auch wieder besser gehen wird, wenn der mit dem Besen unter der Nase verschwunden ist - gemeint war, aber nicht direkt gesagt, Adolf Hitler mit seinem kleinen Oberlippenbärtchen.)

 

Offene Bemerkungen waren nicht erlaubt noch vor wenigen Jahren ("wenn das ein unschuldiges Kind lesen würde!" Dabei war für mich die Sexualität, so lange ich zurückdenken kann, das mich am meisten interessierende Thema, das von den Erwach­senen mit Verlogenheit, Heimlichtuerei, Strafandrohungen usw. behandelt wurde. Ich erinnere mich einer Begebenheit, wo die Eltern meines 12jährigen Freundes mit ihm und mir zu einer Trinkwassertalsperre gefahren waren, die wir umwanderten, was schon nicht erlaubt war. Nun war es dunkel geworden, und wir erfrischten uns, völlig entblößt in dem erfrischenden, aber auf eine angenehme Temperatur durch die Sommersonne aufgewärm­ten Wasser. "Baden, Lagern usw. am Ufer ist unter strenge Stra­fe gestellt", stand auf dem Schild, an das wir unsere Beklei­dungsgegenstände gehängt hatten. Ich hätte nie gewagt, das meinen Eltern zu erzählen).

 

Es hat sich so vieles in den wenigen Jahren, die ich hinter mich gebracht habe (im Vergleich zur Menschheitsgeschichte), geändert: Sozialer Rechtsstaat (wenn auch kritikwürdig), Um­weltbewußtsein, Möglichkeit, über alles zu reden (sogar als Mann mit nicht einmal gut bekannten Frauen und Kindern über Sexualität) und zu schreiben (obwohl ich merke, daß es doch nicht einfach war, einen Verleger für dieses Buch zu finden) und vieles mehr.

 

Im Gegensatz zu einem Tier, das noch weitgehend der sogar ausschließlich von Instinkten geleitet wird (wie ein alter festverdrahteter Elektronenrechner - Computer genannt), hat der Mensch etwas, das als Vernunft bezeichnet wird. Wird diese Vernunft richtig angesprochen, kann der Mensch zu einer Ein­sicht gebracht werden, umdenken und seine Handlungsweise ändern.

 

Das Bewußtsein der Großzahl der Menschen in einer Industrie­nation hat sich gewandelt, wie alles, das sich exponentiell mit der Zeit verändert. Exponentiell bedeutet, daß nicht eine Verdopplung der Zeit auch eine doppelte Veränderung bringt, sondern mehr: Nehmen wir eine quadratische Veränderung, so verliefe das so:

Neue Situation = (alte Situation) mal Zeit² (hoch zwei).

 

Nehmen wir die alte Situation als 1 an und betrachten mal 1 Jahr als Zwischenraum (Periode), so kommen wir auf 

Neue Situation nach n Jahren (n = 1, 2, 3, 4, 5, 6, 7 Jahre):

 

1

 

noch keine Veränderung

 

 

2

 

4-fache Veränderung

 

 

3

 

9-fache Veränderung

 

 

4

 

16-fache Veränderung

 

 

5

 

25-fache Veränderung

 

 

6

 

36-fache Veränderung

 

 

7

 

49-fache Veränderung.

 

 

 

Nun ganz so schlimme ist es nun doch nicht. Aber was die Menge der Veröffentlichungen pro Jahr heutzutage betrifft, so ist das in etwa richtig: In sieben Jahren wir der Markt mit der 49-fachen Papiermenge überflutet und in 10 Jahren die hundertfache. Da schaut dann niemand mehr durch. Was die wis­senschaftlichen Erkenntnisse und die Entwicklung der verschie­denen Kunstrichtungen betrifft, so kommen wir solch einer Überlegung schon recht nahe. Auch die soziale Entwicklung hat ganz enorme Sprünge gemacht, wenn auch im Augenblick mit rück­läufiger Tendenz. So einfach ist die Entwicklungsformel also nicht aufzustellen. Doch darauf komme ich noch im Kapitel E.

 

Leider sehnen sich viele Menschen nach einer starken Führung, da sie selbst zu unselbständig sind, sich hängen lassen und zu allem von eben einer Führungspersönlichkeit getrieben werden wollen oder müssen. Das Problem liegt in der Erziehung der Kinder, wie wir es bereits beleuchtet haben.

 

 

c) Weiterentwicklung