C. Die sogenannten Entwicklungsländer
Lassen Sie mich mit ein paar Vorbemerkungen und danach mit einigen persönlichen Betrachtungen beginnen:
Zu den Entwicklungsländern gehören fast alle Staaten in Afrika, Süd- und Mittelamerika, sowie in Asien. Sie zeichnen sich dadurch aus, daß sie keine hochentwickelte Industrien besitzen und niedriges Pro-Kopf-Einkommen. Für ihre Wirtschaft stehen vorwiegend nur billige und unausgebildete Arbeitskräfte zur Verfügung und kaum Kapital für Investitionen. Wegen dieses Unterschiedes im Einkommen zwischen den Industrienationen und den Entwicklungsländern, wird gerne vom "Nord-Süd-Gefälle" gesprochen.
Etwa 70% der Weltbevölkerung lebt in Entwicklungsländern [x], meistens von landwirtschaftlichen Aktivitäten. Viele Menschen dort sind von Hunger geplagt und von Armut. Sie leiden an Krankheiten, und das Analphabetentum ist noch weit verbreitet.
Aber was ist eigentlich unter Entwicklung zu verstehen? In der Regel wird da lediglich die wirtschaftliche Entwicklung gesehen, als deren Ergebnis die Menschen eine wirtschaftliche Sicherstellung haben, d.h. nicht am Hungertuche (Altarverhüllung während der Fastenzeit) nagen müssen.
Nun sollten wir jedoch vorsichtig sein bei der Forderung, daß die sogenannten Entwicklungsländer in allen Einzelheiten auf das sogenannte Niveau der Industrienationen (als dem "großen Vorbild") gehoben werden sollten, was zur Folge hat, daß auch in diesen Ländern:
produziert und konsumiert wird (fast ohne Sinn und Verstand und rücksichtslos - auf Teufel komm raus - in einem Wirtschaftssystem, das wie ein "Biotop", also wie ein, in langer Entwicklung chaotisch gewachsener Lebensraum dann auch nur noch mit der modernen "Chaostheorie" beschreibbar ist),
die Tätigkeit der Menschen der gleicher Verfremdung unterliegt, wie in den Industrienationen mit der entsprechenden (krankmachenden) Unfreiheit am Arbeitsplatz,
die Familienstrukturen zerschlagen werden,
kulturelle Gegebenheiten völlig verschwinden und als einzige Religion der "Konsumismus" übrigbleibt, die Lebensweise der Menschen sich nicht mehr von einem Land zum anderen unterscheidet.
Ich kenne (fast) alle Industrienationen, einige sogenannte Schwellenländer und auch viele Entwicklungsländer (als sogenannten repräsentativen Querschnitt). Wenn ich dann in Familien komme, ob in der Vereinigten Staaten von Amerika, in England, Frankreich, in Japan, in Singapur oder Malaysia, finde ich keinen nennenswerten Unterschied mehr. Da ist die Familie geschrumpft: Eltern mit höchstens drei Kindern, die vor dem Fernsehgerät sitzen und die gleichen Filme (meistens aus den USA) sehen. Die Mahlzeiten werden mit den gleichen Tischsitten eingenommen: Tischdecke, Teller, Gläser, Bestecke. Man sitzt auf den gleichen Stühlen, sieht die gleichen Polstergarnituren, die gleichen Schrankwände mit allem möglichen, auch überall vorhandenem Krimskram, mit einigen wenigen (Alibi-)Büchern. Natürlich fehlt der Perserteppich nicht. Selbst die Speisen gleichen sich an. Es gibt inzwischen sogar in Singapur und Malaysia nicht selten "Steaks" (war das nicht früher einmal ein einfach gebratenes Fleischstück, kurz Braten genannt?) und "Pommes" oder "Fritten" (diese nach französischer Art in Öl gesottenen Kartoffelstäbchen, für mich widerlich). Es gibt Bier aus dem Kühlschrank, als Appetitanreger einen Whisky (Schnaps) oder was auch immer die internationalen Brauereien herstellen. Aus dem Radio tönt rund um die Welt "Rock- und Pop-Musik", von der sich mir keine einzige Note einprägt und kein einziges der gesungenen Worte. Die Gespräche sind uniformiert, mit zentralem Thema: das Auto. Es wird über "gute Speiselokale" (Restaurants, wo man sich "wiederherstellt") gesprochen, über Reisen, Erlebnisse am Flughafen, über Preise, vor allem über zollfreie Einkäufe. Es wird berichtet, wer es zu was gebracht hat, zu einem Haus mit Swimming Pool (für mich ein Ding, was selber im Garten umherschwimmt als schwimmender Pfuhl. Schwimmbecken würde ich auch verstehen). Es wird dauernd auf die Uhr geschaut, da ja jeder seine Zeit eingeteilt, Vereinbarungen getroffen und laufende und besondere Verpflichtungen hat. Das Telefon (der Fernsprecher - ich werde altmodisch, ich merke es) klingelt, und man entschuldigt sich - nach einem "nett, daß du angerufen hast", keine Zeit zu haben, sich zu sehen.
In den Büros mit standardisierter Einrichtung, einschließlich ein paar großblätterigen Pflanzen, am Arbeitsplatz: die (leitenden) männlichen Wesen mit Schlips und frisch-gewaschenem Hemd, in dezentem Anzug mit messerscharfen Bügelfalten in den Hosenbeinen, manchmal das Gesäßteil ein wenig abgewetzt von Rumrutschen auf den Sitzflächen, die Damen in Kriegsbemalung (denn sie kämpfen um was denn wohl?), die Arbeiter in grauer, blauer oder brauner Uniform, alle sehr beschäftigt und unter Druck. Da wird nicht mal gegähnt und sich geräkelt. Da spürt man die Zucht und die Ordnung (Preußens Gloria überall). Am nächsten Tag erkenne ich niemanden wieder, was ich mit meiner Freundlichkeit zu Jedermann nicht merken lasse. Da ich den "Industriestandard" sehr gut kenne, habe ich keine Schwierigkeiten im Umgang mit meinen genormten Mitmenschen.
So läuft also die Entwicklung (auf eine gesellschaftliche Weltnorm zu); denn auch in einem Entwicklungsland mache ich die gleiche Erfahrung bei Leuten, die bereits schon "besser gestellt" sind. Nur wenn ich da aus dem Fenster schaue, sieht vieles mehr oder weniger völlig anders aus, wenn auch die Bürohäuser und vieles in einem Stadtbild sich dem Stil der Industrienationen völlig anpaßt (Frankfurt, Singapur, Jakarta, Tokio, Damaskus, Paris, Toronto im Nebel: Ja, wo bin ich nur?).
Es wird heute viel von angepaßtem Übertragen von (vereinfachten) Technologien gesprochen ("adaptierter Technologie-Transfer" heißt das), aber angepaßt an was? Antwort der Fachleute: An vorhandene Gegebenheiten, also Möglichkeiten und Kenntnisse.
Mit der Technologie wird dann gleichzeitig die (unangepaßte) industrienationale Lebensideologie transferiert.
In Kenia erzählte mir ein kanadischer (promovierter) Landwirtschaftsexperte stolz, daß er einen weit auf dem Lande gelegenen Versuchsbetrieb für Großviehzucht nach "westlichem Standard" durchrationalisiert habe, einschließlich Einführung einer Melkmaschine und Notstromgenerator gegen die vielen Stromausfälle. Über achtzig Arbeitskräfte hätten "freigesetzt" werden können. In einem Zeitungsartikel wurde der große Erfolg des Projektes gelobt. Ein paar Monate später hörte ich, daß die Melkmaschine ihren Geist aufgegeben hatte, ein Ersatzteil nicht beschafft werden konnte, 50 wertvolle Milchkühe notgeschlachtet werden mußten, nachdem sie nicht gemolken werden konnten; denn die Leute, die das früher anstelle der Maschine gemacht hatten, lebten ja in Freiheit. Die kenianische Regierung tat das einzig Richtige in einem solchen Fall. Sie bat die kanadische Regierung, den Landwirtschaftsfachmann abzuberufen. Er bekam nun auch seine Freiheit wieder.
Ich muß aber leider gestehen, daß ich auch nicht so richtig weiß, was entwicklungspolitisch geändert werden sollte; denn vor allem viele jungen Leute sehnen sich nach mehr Unabhängigkeit, weniger Bevormundung durch die Familie und die Gesellschaft. Über die Situation kommen ich aber später zu sprechen.
Aber lassen Sie mich ein Beispiel erzählen, wie etwas verändert und angepaßt werden könnte:
In Gambia (einem kleinen Land, das sich wie ein Blinddarm in den westafrikanischen Senegal schiebt) hatte ich über ein Gebäude für das Statistikamt nachzudenken. Ich traf zufällig einen jungen englischen Architekten, der sogleich Baupläne entwarf und Kosten kalkulierte. Sein Konzept war: einheimisches Baumaterial, einfache, billige, afrikanische Bauweise unter Berücksichtigung der klimatischen Verhältnisse. Ergebnis: Ein dreistöckiges Gebäude, das ein wenig wie ein chinesischer Tempel aussah mit breiten Sonnenblenden rundherum über den Fenstern aus dickschichtigem Riedgras, das für die Dächer der sogenannten primitiven Hütten der Afrikaner benutzt wird und überall am Gambia-Fluß wächst. Das abschließende, auch aus Riedgras bestehende Dach auf dem Gebäude war etwa 2 Meter abgehoben und seitlich offen. Der innere Teil des Gebäudes mit Treppen ging durch bis zum Dach und wirkte wie ein großer Kamin, um für eine natürliche Luftbewegung zu sorgen und einen Wärmestau zu vermeiden. "Das Gras", so erklärte mein junger, sympathischer Architekt, "hat zwei Funktionen: Es nimmt in der Nacht viel Feuchtigkeit auf, das tagsüber in der Sonne verdunstet. Nach den physikalischen Gesetzen entsteht ja Verdunstungskälte, welche die Umgebung abkühlt. Dann setzen sich im Gras Spinnen und andere Tiere fest, die Moskitos verzehren." Ich war begeistert. Mein Auftraggeber, die Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (als GTZ bekannt), fand den Vorschlag "nicht schlecht". Die gambischen "Projektnehmer" bekamen einen Lachanfall beim Anblick der Zeichnungen. Sie hatten sich ein Gebäude vorgestellt, wie es überall zu sehen ist: einen Betonklotz. Den bekamen sie auch mit zentraler, nach wenigen Wochen gestorbener, zentraler Klimaanlage, mit Innentemperaturen um 5 Grad höher als die tropischen Außentemperaturen, mit vielen Stechmücken, damit die Leute im Gebäude sich dauernd selbst, hörbar klatschend ohrfeigen mußten. (Des Menschen Wille ist sein Himmelreich!) Übrigens wurde der Vorschlag des englischen Architekten dann verwirklicht - als Strandhotel, in dem ich einmal gewohnt habe. Es ist wunderschön und hatte alle vorausgesagten Eigenschaften.
Daß größte unlösbare Problem ist darin zu sehen, daß in Entwicklungsländern kaum rumexperimentiert werden kann, weil vor allem die finanziellen Mittel dazu fehlen. Da können keine Versuche mit geänderten (vielleicht humaneren aber nicht erprobten) Produtionsmethoden gemacht werden, keine Überlegungen zur verbesserten sozialen Situation. Da fehlen die Fachleute, die umfassende Bedarfsanalysen und Systemvorschläge machen könnten. Auch wäre niemand gewillt, diese zu bezahlen. So wird alles einfach rasch kopiert mit allen Vor- und Nachteilen; denn wenn schon, dann soll ja die Entwicklung rasch vonstatten gehen.
Das ist eigentlich schade; denn hier wäre eine Möglichkeit gegeben, alle "Errungenschaften" der Industrienationen zu überdenken und zu einem verbesserten System zu kommen.
Noch einmal die Definitionen:
Zweitländer
Die Definitionen verschiedener Wissenschaftler sind nicht so ganz klar und übereinstimmend. Zu den Zweitländern wurden die ehemaligen (inzwischen untergegangenen und im Abfalleimer gelandeten) sogenannten sozialistischen Länder gezählt, die teilweise einen hohen industriellen Stand erreichen konnten (aber nicht zum sozialen Wohl seiner Staatsangehörigen).
Länder mit immensem Reichtum, wie Saudi Arabien, die Emirate, d.h. die ölexportierenden Länder werden auch oft zu den Zweitländern gezählt, obwohl sie industriell völlig unproduktiv sind.
Schwellenländer
Länder, die sich im Übergangsstadium von industrieller Unterentwicklung zur Industrienation befinden, werden Schwellenländer genannt. Dazu zählen: Malaysia, Singapur, Südkorea, Taiwan.
Länder der Dritten und Vierten Welt
Die Länder der Dritten Welt - inzwischen wird auch von einer Vierten Welt gesprochen - können als die Sorgenkinder betrachtet werden. Während in den Ländern der Dritten Welt noch ein gewisses Wirtschaftswachstum beobachtet werden kann (wenn auch in der Regel weiter nachlassend), ist das Wirtschaftswachstum in den Viertländern negativ. Dazu zählen viele Länder der Sahelzone und südlich davon. Dort ist das Wachstum von ursprünglich 3,1% auf minus 3,7% heruntergegangen, mit weiter fallender Tendenz.
Die Menschen in den Viertländern können ohne fremde Hilfe nicht mehr überleben.
Als Sahelzone wird die Gegend des Übergangs von der Sahara- Wüste zur südlichen Dornenstrauchsavanne betrachtet, die einen Streifen vom westafrikanischen Atlantik bis zum Roten Meer überdeckt. Durch die Übervölkerung wurden die, ehemals von den Nomaden respektierten Land-, Weide- und Brunnenrechte nicht mehr respektiert. Baum- und Strauchvegetation wurde abgeholzt oder von den Ziegen restlos aufgefressen neben den spärlichen Gräsern.
Die zunehmende Bevölkerungszahl ernährte sich von der Ziegenmilch und von den Schlachtungen der Alttiere und Lämmer aus den riesenhaft angewachsenen Herden.
Die dünne Humusschicht flog mit dem Wind davon. Damit veränderte sich das Klima und die Wüste konnte sich weiter ausbreiten. Nun jagt eine Dürrekatastrophe die andere, die Menschen und Tiere verhungern und verdursten läßt [x].
Die Menschen haben mit ihren Ziegen die Welt wüst und leer gemacht.
C.1 Soziale Situation
C.1.1 Politische Systeme
a) Regierungsformen in Entwicklungsländern
In den unterentwickelten Ländern (ich nenne sie bewußt so, weil da in absehbarer Zeit keine Entwicklung möglich ist) können unterschiedlichste Regierungsformen gefunden werden:
(I) Vor allem die uneingeschränkte Diktatur, die am häufigsten vorgefunden wird. Das Land wird nicht nur regiert, sondern weitgehendst ausgeplündert von einem (zumindest im Sinne eines Irakbesitzers, Saddam Hussein (oder Hussain), Möchtegern-)Militärsprößling, der sich an die Macht geputscht hat (wie bereits vorher erwähnt).
(II) Die Monarchie mit Pseudoparlament (Marokko, Jordanien, Saudi Arabien, Swaziland, neuerdings auch wieder Uganda seit August 1993).
(III) Die Demokratie ist nur selten vertreten (Indien, inzwischen Türkei, einige afrikanische Länder).
(IV) Andere Regierungsformen stützen sich immer noch auf leninistisch-stalinistische Ideologien ab (Kuba) oder auf Leninismus-Maoismus (China, Nordkorea).
Die unter (I) und (II) genannten Regierungsformen sind weitgehend mit den Feudalstaaten Europas zu vergleichen. Der einfache Staatsbürger besitzt praktisch keinerlei Rechte.
Die Demokratien, wie z. B. Indien sind durch religiöse Wahnvorstellungen weitgehend oder Kenia durch noch nicht ausgestandene Machtkämpfe lahmgelegt.
Der Anspruch auf absolute ideologische Wahrheit in Ländern wie Kuba, China oder Nordkorea beläßt die Menschen dort im finsteren Mittelalter, also zur Zeit der Oberherrschaft der katholischen Kirche in den ihr ausgesetzten Ländern.
b) Machtstrukturen und Mittel zur Machterhaltung
Fast alle Entwicklungsländer werden von Diktatoren, meistens durch einen Putsch zur Macht gekommene und beim Beseitigen von Rivalen nicht zimperliche Militäroffiziere rücksichtslos und unter Mißachtung aller Menschenrechte despotisch regiert und restlos ausgeplündert. (Ein Despot, ehemals im Griechischen ein angesehenes Familienoberhaupt, ist nach Bedeutungswandel der unrechtmäßige Gewaltherrscher.) Die Regierungsmitglieder sind Familienmitglieder und Freunde der Machtinhaber (der uneingeschränkten Landesbesitzer).
Die völlig überholten Verwaltungsstrukturen, die noch aus der Kolonial- bzw. Mandatszeit stammen, lähmen das wirtschaftliche Geschehen und verbreiten (gewollte) Unsicherheit.
Die Situation wird durch die Korruption der niedrig bezahlten Verwaltungsangestellten bzw. -beamten weiter verschlimmert. Ohne Bestechung gelingt keine Ein- und Ausfuhr.
Zur Erhaltung der Macht wird das Militär gepäppelt. Die Militärausgaben sind unverhältnismäßig hoch (Seite xxx und folgende), obwohl kaum eine Gefahr von außen gegeben ist und auch keine Verteidigung gegen einen mächtigen (potentiellen) Feind möglich wäre. Das Militär dient lediglich zur Unterdrückung von inneren Revolten (Präambel der Menschenrechtskonventionen der Vereinten Nationen, Absatz 3, Seite xxx) und zur Erhaltung der persönlichen Macht der Landesbesitzer.
Geschulte Geheimdienstorganisationen bespitzeln jeden Staatsbürger, natürlich auch Ausländer.
Die Medien werden zensiert und dürfen keine Kritik an den Machtinhabern und ihrem Clan ("Abkömmling" im Gälischen), also Sippen- und (beifällig klatschenden) Cliquenverband (dem "Kölschen Klüngel") üben. (Die Zensur, also die Überwachung der freien Meinungsäußerung wurde zuerst systematisch von der katholischen Kirche praktiziert.) Daher füllen die Tageszeitungen nur wenige Seiten mit Lobhudeleien und unrichtigen Erfolgsmeldungen. Mobutu Sese Seko, der Hahn, "der alle Hennen tritt" (kein Scherz!), der Landesinhaber von Zaïre (so heißt er offiziell und nicht polemisch) steigt jeden Abend auf den Fernsehschirmen wie ein von Gott Gesandter aus den Wolken zu seinen Zuschauern herab.
Die Volkswut wird auf Minderheiten und Kritiker abgeleitet, vor allem auf das reiche Ausland, das angeblich nach wie vor das Land in "imperialistischer" Weise ausbeutet. (Es gibt sogar viele Menschen in Industrienationen, die das sogar glauben, was historisch gesehen durchaus mal richtig war.) Tatsächlich haben insbesondere einige Regierungen aus Industrienationen (Frankreich, England, Belgien, vor allem die Vereinigten Staaten von Amerika) Militärputsche begünstigt, mitfinanziert und vorbereitet. Chile ist nur ein Beispiel von vielen. Ohne die Unterstützung von Belgien und vor allem von Frankreich existierte heute ein Mobutu Sese Seko, ein Hahn der alle Hennen tritt, längst nicht mehr, ohne die ehemalige, jetzt zum Problem der Abfallbeseitigung gewordene UdSSR kein fideler Castro auf Kuba.
Die schönsten Paläste der Reichen befinden sich in Entwicklungsländern, geschützt von Privatarmeen. Die meisten Privatflugzeuge befinden sich (im katholischen) Lateinamerika, um die Inhaber über die allgemeine Armut hinwegfliegen zu lassen.
Kommentar: Eigentlich hätte das vorher Gesagte schon als Kommentar gewertet werden müssen. Aber das sind die tatsächliche Tatsachen.
Nun werden gerne Vergleiche gezogen zwischen den Machthabern. Da gibt es dann Aufschreie von "Fachleuten", wenn Hitler und ein Saddam Hussein in einen Topf geworfen werden; denn da müsse differenziert werden zwischen den unterschiedlichen geschichtlichen Voraussetzungen, den verschiedenen kulturellen Gegebenheiten, den Traditionen und zwischen was sonst noch allem. Richtig und gut und schön, aber die Mentalität der Machtinhaber ist die Gleiche, meiner Ansicht nach.
Wer sich für Einzelheiten bezüglich der Motivationen der Machtinhaber, der Auswirkung der Macht und der Machtstrukturen interessiert, mag in entsprechende Literatur schauen. (Was die Betrachtung arabischer Länder betrifft, so empfehle ich das Buch von Bassam Tibi: "Die Verschwörung" [x])
C.1.2 Religionen und Traditionen.
Die verschiedenen Religionsformen sind bereits unter dem entsprechenden Kapitel A.1.3 vorgestellt worden.
In den Entwicklungsländern sind jedoch die Menschen noch sehr stark in ihre jeweiligen religiösen und traditionellen Systeme eingebettet, deren Propagandisten einen großen Einfluß ausüben und einen guten Erfolg verzeichnen können, weil ihre Anhänger sich zu gerne mit dem Lohn nach dem Leben trösten lassen; denn sie spüren, daß sie in "diesem" Leben aus ihrem Elend nicht herauskommen. Daher bietet ihnen der Glaube, die Religiosität einen großen Trost.
Die Erfolge des Islams nicht nur in den arabischen Ländern sind bekannt. Die sogenannten Fundamentalisten (z.B. Hassan Al- Scharqawi in Ägypten) haben Hochkonjunktur. Sie predigen, daß die islamische Denkweise mit der in den Industrienationen unvereinbar ist. Der "Nahostspezialist" Bassam Tibi [2] ist der Meinung, daß es nach Auffassung der islamischen Fundamentalisten keinen Dialog zwischen Muslimen und den Andersgläubigen, die Welt des Islam an ihre Normen anpassen wollen, geben darf; denn "wenn ein Muslim liberal-demokratisch wird, dann ist er für die Fundamentalisten kein Muslim mehr".
"Es geht darum, die islamische Denk- und Lebensweise gegen die Invasion durch den Westen zu verteidigen - auch mit Waffen, die notfalls aus dem Westen importiert werden."
Die Ausbreitung des Islam "mit Feuer und Schwert" wird von den propagandistisch geschickten Fundamentalisten als "Verteidigungskrieg" proklamiert: Die Muslime sind durch ihre Religion zur Ausbreitung ihres Glaubens verpflichtet. (Dazu können sie ja nichts; denn Vorschrift ist nun mal Vorschrift.) Wer sich ihnen dabei in den Weg stellt, der ist als Angreifer zu betrachten. (Das muß man doch verstehen oder?)
(In diesem Zusammenhang fällt mir ein, daß ja auch der propagandistisch geschickte ehemalige Vertigungsminister der Bundesrepublik Deutschland und langjährige - während seiner Amtszeit reich gewordene bayrische Ministerpräsident Franz-Josef Strauß von "Vorwärtsverteidigung" sprach, was keineswegs einen Angriffskrieg meinte oder? So verstehen es die Machthaber, Begriffe zu verdrehen.)
Kommentar: In allen Entwicklungsländern konnte ich den "Verschwörungsgedanken", den Bassam Tibi [2] aufzeigt, beobachten. Die ganze Welt hat sich gegen das einzelne Entwicklungsland verschworen, so wie das "internationale Judentum" sich nach Meinung des Kriegsverbrechers Adolf Hitler sich ja gegen das reine Ariertum verschworen hatte. Entgegen Bassam Tibi bin ich der Meinung, daß die Arten und Weisen, wie Despoten (also unrechtmäßige Gewaltherrscher) denken und handeln kaum unterschiedlich sind. Dabei möchte ich die "Menge" und die "Qualität" der Verbrechen auf ihrem Konto mal außer Acht lassen. Das hängt ja von den unterschiedlichen Umständen ab.
Einen Verschwörungsgedanken wollen die Landesherren ihrem Volk ständig einreden, indem solche Parolen immer wieder über Rundfunk und Fernsehen verbreitet werden. Gegen die Verschwörung muß man sich zur Wehr setzen und dauernd auf der Hut sein. Man befindet sich also in einem ständigen Kriegszustand. (Da im Krieg aber nichts entwickelt und aufgebaut wird, im Gegenteil alles in die Binsen geht, ist die Ursache für alles Leid und Elend den Verschwörern zuzuschieben.) Die Syrisch Arabische Republik ist - um eine typisches Beispiel zu nennen - nur von Feinden umgeben: Israël natürlich (mit seinem verschwörerischen Weltjudentum und Weltbeherrschungsauftrag, in der Bibel festgeschrieben), Jordanien (dessen Fernsehsender gestört werden muß, damit die "Unwahrheit" und die Verschwörung der beiden Husseins, also des "kleinen" Königs von Amman und des Großkotzes in Bagdad nicht Früchte trägt), Saudi Arabien (mit seinem islamischen Oberherrschaftsanspruch), Irak (dessen Führer dem Führer von Syrien den Garaus machen will), die Türkei (die syrisches Land besetzt hält und seine Macht durch Knebelung über Absperren des Euphrats auszudehnen versucht), der Libanon (der durch Begünstigung illegaler Wareneinfuhren die syrische Wirtschaft zerstören will). Eine solche Aufstellung kann für fast jedes Entwicklungsland gemacht werden. Hinzu kommen die "Bedrohungen von innen", die Bedrohungen aus den verschwörerischen Industrienationen, vor allem aus den "imperialistischen" Vereinigten Staaten von Amerika. Der Landesbesitzer muß also auf allen Fronten gegen alle Arten von Feinden kämpfen. Mit stolz geschwellter Brust tritt er vor die Fernsehkameras und erklärt, daß er allen trotzen wird und kann.
Natürlich ist - wie immer - auch ein Körnchen Wahrheit vorhanden; denn das biologische System bedeutet Machtkampf. Niemand kann sich aus diesem Kampf um's Überleben ausklammern, was ja schon bei einer Bewerbung um eine Verdienstmöglichkeit (Arbeit genannt) anfängt. Da verlangen die Kinder mehr als der "Ernährer" ihnen geben kann. Da bringen wir Tiere und Pflanzen um, damit wir nicht verhungern. Da gehen Erben vor's Gericht, um den ihnen vermeintlich zustehenden Anteil zugesprochen zu bekommen. Da werden Machtkämpfe größeren Stils unter Nationen ausgetragen, Wirtschaftskämpfe, ideologische Auseinandersetzungen. Jeder will zumindest Recht haben (ich auch).
Da ist aber in Entwicklungsländern keine Tendenz des Zusammenschlusses, des sich gegenseitigen Helfens ernsthaft zu beobachten. Wären diese Länder bereit, sich zusammenzuschließen, gemeinsame Interessen definieren, gemeinsame Märkte schaffen, überregional planen, würden sie sogleich ein größeres Gewicht bekommen, sich besser Gehör verschaffen können. Das Gegenteil ist zu beobachten: Immer mehr Unabhängigkeitssforderungen werden gestellt. Der "Abfall" der Zweiten Welt verstreut sich immer mehr, so daß es immer schwieriger wird, die Scherben zusammenzukitten, das System wiederaufzubereiten, in einen Wirtschaftskreislauf einzugliedern.
Für mich sind die Entwicklungsländer eine Art Mitleidsgesellschaft. Nun werden aber Bettler einfach nur als lästig empfunden. Aus diesem "Geruch" müssen die Länder endlich heraus. Armut schändet zwar nicht, aber die Hilfen, die gewährt werden, werden doch zu einem Großteil von Bettlern in Alkohol umgesetzt, in den Entwicklungsländern in Korruption und Waffen.
Fast alle Flughäfen, die sich in Entwicklungsländern durchaus sehen lassen können, werden meistens mit Entwicklungshilfegeldern finanziert, dazu die breiten Zubringerstraßen. Da wird dann boshafter Weise oft gesagt, daß die breiten Straßen deshalb nötig sind, damit die Despoten im Falle eines Falles eine leichtere Fluchtmöglichkeit haben. Doch mehr zu diesem Thema später unter dem Kapitel "Wirtschaftliche Zusammenarbeit".
Die Regierungsstrukturen in Entwicklungsländern sind ziemlich undurchsichtig. Obwohl in der Regel Parlamente existieren, meistens mit Mitgliedern aus der "Einheitspartei" besetzt, kann von einer Gewaltenteilung kaum die Rede sein. Echte Oppositionen sind nicht zugelassen. Personen, die sich oppositionell betätigt haben, sitzen entweder hinter Gittern oder haben sich in's Ausland abgesetzt. Es besteht kaum ein Schutz des einzelnen Staatsbürgers gegen willkürliche Verhaftung, gegen Unrecht, verübt an ihm von Staatsmächtigen. Die Gerichtsbarkeit urteilt in der Regel nur im Interesse der Machthaber und deren Stützen. Da gibt es keine Möglichkeit, rechtliche Schritte einzuleiten, wenn Waren im Zoll bleiben, weil man sich weigert, die geforderte "private Zuwendung" zur Abwicklung eines Vorgangs einzuleiten.
In Marokko wurde am Flughafen mit meinem selbstgebauten, tragbaren Computer von einem Zollbeamten festgehalten, der mir erklärte, daß die Einfuhr nicht erlaubt sei (mir bekannt). Er schlug eine "private Lösung vor", also die Zahlung von 300 US$ vor. Ich weigerte mich und ließ den Computer in der Obhut des Zolls, besorgte mir aus Rabat (Hauptstadt von Marokko) ein Schreiben des Finanzministers, indem er den Zoll anwies, mir das Gerät auszuhändigen, weil ich es für meine Tätigkeit brauche und nach Ende meines Aufenthaltes wieder ausführen werde. Daher sei es in meinen Paß einzutragen. Genau das entspricht einer "zolltechnischen Regel" für diesen Fall. Ich ging zum Zoll. Mein Computer war inzwischen im Hauptlager der Zollverwaltung, wurde rasch ausfindig gemacht, aber die Aushändigung verweigert. Ein dekorierter Beamte, der sich in die Verhandlungen eingeschaltet hatte, laß das Schreiben seines Ministers, warf es auf den Boden und trat mit Fuß darauf, um dessen Wert zu demonstrieren. Nach zähen Verhandlungen bekam ich mein Gerät gegen Zahlung von 100 Dollar. Ich bat um Eintrag in den Paß, damit ich bei der Ausreise kein Problem bekäme. Das wurde verweigert. So hatte ich beim Verlassen des Landes noch einmal 100 Dollar zu zahlen, die ich schon gleich beim Händeschütteln in der Hand des Zollbeamten kleben ließ, der sich daraufhin für meinen Computer nicht interessierte.
Ähnliche Probleme hatte ich in allen Ländern, die ich besucht habe, außer in Kenia, weil ich für den dortigen Zoll gearbeitet habe und einen offiziellen Ausweis der kenianischen Zollverwaltung besaß.
Selbst bei Zivilprozessen und "kleinen" Delikten ist derjenige benachteiligt, der jemanden mit "Einfluß" verklagt bzw. angezeigt hat.
Ein mir bekannter ausländischer Student an der Universität in Damaskus, der dort im Studentenwohnheim untergekommen ist, wurde von einem Zimmergenossen mehrfach bestohlen. Er ging schließlich zur Polizei. Nachdem sich herausgestellt hatte, daß der Dieb der Sohn eines "angesehenen" und einflußreichen Vaters war, wurde versucht, die Situation umzukehren. Der Student, der Anzeige erstattet hatte, wurde peinlichst verhört mit dem Unterton, daß er jemandem wohl nur etwas "anhängen" wolle. Es wurde ihm nahegelegt, sich zu entschuldigen. Nachdem allerdings dem Vater selbst die Vorkommnisse zu Ohren gekommen waren, hat er - wie Gerüchte sagen - seinen Sohn verprügelt, aber an Schadensersatz im Traum nicht gedacht.
C.1.3 Sprachen
Die meisten heute gepflegten Landes- und Stammessprachen in den Entwicklungsländern sind recht einfach, um nicht zu sagen primitiv (Indonesisch, Kisuaheli oder eher bekannt unter Swahili, sogar Chinesisch), die nicht an moderne Wortbildungen angepaßt sind. Es fehlen traditionsgemäß technische, wirtschaftliche, überhaupt wissenschaftliche Begriffe vollkommen, sogar in einer so hoch entwickelten Sprache wie Arabisch.
Die Regierenden fördern jedoch zur "Wiederfindung der eigenen Identität" die Landessprachen, so daß sogar viele gut ausgebildete Leute von neuen Informationen abgeschnitten werden; denn die (oft nicht verständlichen) Übersetzungen von Fachliteratur hinkt ziemlich hinter der Aktualität her.
Über die Sprache versuchen also die Herrschenden, ihre Untertanen weiter zu isolieren. Mir wurde im Dritten, dem Tausendjährigen Reich die Süterlin-Schrift beigebracht und nicht die lateinischen Buchstaben. Damit sollte wohl verhindert oder zumindest erschwert werden, auf internationaler Ebene Schriftverkehr zu üben.
Über Sprachen im Allgemeinen ist bereits schon unter dem entsprechenden Kapitel A.2.4 (f) (ab Seite 139) gesprochen worden.
C.1.5 Arbeitssituation
a) Traditionelle Arbeitsteilung (zwischen Mann und Frau), Kinderarbeit
Umschulung
b) Abhängige Arbeit
c) Recht(losigkeit) und Pflicht am Arbeitsplatz
d) Beschäftigungssituation, Berufsausübung und Berufschancen
e) Lohn und Einkommen, Tarifautonomie und soziale Absicherung
Die Einkommen stagnieren, d.h. sie erhöhen sich nicht im gleichen Maße wie die Preise. Die Entwicklung des Preisindex sei am Beispiel Syriens gezeigt:

Wenn wir uns mal die Einkommensverteilung der Syrer, die im öffentlichen Dienst arbeiten, anschauen, dann wird klar, daß die Voraussetzungen für eine funktionierende Verwaltung in keiner Weise gegeben sind:

Von den gezahlten Gehältern kann niemand leben, insbesondere nicht mit der zu ernährenden Großfamilie. Das führt dazu, daß die Mitarbeiter in der öffentlichen Verwaltung Bestechungen sehr zugänglich sind, sich ein zweites Einkommen suchen, die Kinder auf die Straße schicken, um etwas anzubieten: Zigaretten, Brot, Süßigkeiten und dergleichen.
Nicht selten trifft man auf Taxifahrer, die Lehrer, ja sogar Universitätsprofessoren von Beruf sind.
Eine wirtschaftliche Entwicklung ist wegen der mangelnden Kaufkraft unmöglich. Daher sollte der Begriff "Entwicklungsland" aufgegeben und durch "Hinter(n)land" ersetzt werden.
Tarifautonomie
Arbeitgeber, Gewerkschaften, außertariflich Arbeitende
Krankheit
Altersversorgung
C.1.6 Soziologische Gesichtspunkte und Lebensformen
a) Bevölkerungsentwicklung
Ein nicht zu bewältigendes Problem ist die Bevölkerungsexplosion. Die Menschen können heute schon nicht mehr mit den notwendigsten Dingen versorgt werden. Das folgende Diagramm zeigt die Bevölkerungsentwicklung am Beispiel Syriens. Die Zunahme erfolgt exponentiell!

Das nächste Diagramm veranschaulicht die Altersverteilung:

b) Volksgemeinschaften (einschließlich Stellung der Urbevölkerung)
c) Familien und Lebensgemeinschaften
d) Erziehung und Ausbildung
Erschreckend hoch sind die Zahlen der Menschen in einigen Ländern, die
weder lesen noch schreiben gelernt haben, wie die folgende Tabelle der über
15-Jährigen zeigt (Quelle: Statistical Yearbook 1983/84 of the UN):
Prozentualer Anteil an:
|
Land |
Männern |
Frauen |
insgesamt |
|
|
Afrika |
|
|
|
|
|
Botswana |
63,1 |
56,0 |
59,0 |
|
|
Burkina Faso |
85,3 |
96,7 |
91,2 |
|
|
Camerun |
45,4 |
75,5 |
59,5 |
|
|
Ägypten |
46,4 |
77,6 |
61,8 |
|
|
Äthiopien |
91,7 |
99,8 |
5,8 |
|
|
Ghana |
56,9 |
81,6 |
69,8 |
|
|
Liberia |
70,4 |
7,8 |
79,0 |
|
|
Lybien |
38,7 |
85,2 |
61,0 |
|
|
Mali |
86,5 |
94,3 |
90,6 |
|
|
Marokko |
66,4 |
90,2 |
78,6 |
|
|
Mozambik |
63,2 |
86,1 |
73,5 |
|
|
St. Helena |
3,2 |
2,5 |
2,9 |
|
|
Seychellen |
44,4 |
40,2 |
42,3 |
|
|
Swaziland |
42,7 |
46,5 |
44,8 |
|
|
Togo |
73,1 |
92,9 |
84,1 |
|
|
Tunesien |
38,9 |
67,7 |
53,5 |
|
|
Tanzania |
37,8 |
68,6 |
53,7 |
|
Nordamerika
|
Barbados |
0,7 |
0,7 |
0,7 |
|
Belize |
8,8 |
8,8 |
8,8 |
|
Bermuda |
2,1 |
1,1 |
1,6 |
|
Costa Rica |
11,4 |
11,8 |
11,6 |
|
Dominikanische Republik |
31,4 |
34,6 |
33,0 |
|
El Salvador |
34,5 |
41,2 |
38,0 |
|
Grenada |
2,0 |
2,4 |
2,2 |
|
Guatemala |
46,4 |
61,5 |
54,0 |
|
Haiti |
73,8 |
83,1 |
78,7 |
|
Jamaika |
4,4 |
3,5 |
3,9 |
|
Kuba |
4,3 |
4,9 |
4,6 |
|
Mexiko |
? |
? |
17,3 |
|
Nicaragua |
42,0 |
42,9 |
42,5 |
|
Panama |
12,9 |
12,8 |
12,9 |
Prozentualer Anteil an:
|
Land |
Männern |
Frauen |
insgesamt |
Südamerika
|
Argentinien |
6,5 |
8,3 |
7,4 |
|
Bolivien |
24,2 |
48,6 |
36,8 |
|
Brasilien |
22,0 |
25,7 |
23,9 |
|
Chile |
10,1 |
11,8 |
11,0 |
|
Equador |
21,8 |
29,6 |
25,8 |
|
Guyana |
5,7 |
11,0 |
8,4 |
|
Kolumbien |
13,6 |
16,1 |
14,8 |
|
Paraguay |
14,9 |
24,5 |
19,9 |
|
Peru |
16,7 |
38,2 |
27,5 |
|
Uruguay |
6,6 |
5,7 |
6,1 |
|
Venezuela |
20,3 |
26,6 |
23,5 |
Asien
|
Afghanistan |
66,8 |
94,2 |
80,0 |
|
Bahrain |
25,2 |
48,1 |
36,6 |
|
Bangladesch |
62,7 |
86,8 |
74,2 |
|
Emirate |
41,6 |
61,9 |
46,5 |
|
Hong Kong |
9,9 |
15,9 |
12,7 |
|
Indien |
52,3 |
80,6 |
65,9 |
|
Indonesien |
22,5 |
42,3 |
32,7 |
|
Israel |
7,4 |
16,7 |
12,1 |
|
Jordanien |
19,9 |
49,5 |
34,6 |
|
Korea-Süd |
5,6 |
19,0 |
12,4 |
|
Kuwait |
27,2 |
40,9 |
32,5 |
|
Libanon |
21,5 |
42,1 |
31,8 (?) |
|
Malaysia |
27,8 |
54,9 |
41,5 |
|
Sabah |
44,8 |
67,6 |
55,7 |
|
Sarawak |
53,4 |
76,6 |
65,1 |
|
Moldavien |
17,5 |
17,7 |
17,6 |
|
Nepal |
66,6 |
95,0 |
80,8 |
|
Pakistan |
64,0 |
84,8 |
73,8 |
|
Philippinen |
15,7 |
19,1 |
17,4 |
|
Singapur |
7,6 |
26,0 |
17,1 |
|
Sri Lanka |
9,2 |
18,8 |
13,9 |
|
Syrien |
40,4 |
80,0 |
60,0 |
|
Thailand |
7,7 |
16,0 |
12,0 |
|
Türkei |
16,8 |
46,6 |
31,2 |
Anteil der Analphabeten bei:
|
Land |
Männern |
Frauen |
insgesamt |
|
Vietnam |
9,5 |
21,7 |
16,0 |
|
Jemen |
52,3 |
92,1 |
72,9 |
|
Zypern |
4,0 |
17,0 |
11,0 |
Europa
|
Griechenland |
6,7 |
23,7 |
15,6 |
|
Italien |
4,7 |
7,4 |
6,1 |
|
Polen |
0,7 |
1,7 |
1,2 |
|
Portugal |
22,4 |
34,7 |
29,0 |
|
Spanien |
4,3 |
10,3 |
7,5 |
|
UdSSR |
0,1 |
0,1 |
0,1 |
|
Ungarn |
0,7 |
1,5 |
1,1 |
Da müßten die Gründe untersucht werden, warum z.B. in manchen Ländern die Ausbildung der Frauen so sehr hinter der Männer hinterher hinkt (Islam, Katholizismus?) und manchmal Frauen besser ausgebildet zu sein scheinen als die Männer.
Aber das Ergebnis ist katastrophal!
Grund-, Haupt- und Berufsschule
Berufliche Ausbildung
Hochschulausbildung
e) Ideologien
f) Lebensqualität (Freizeitgestaltung, Lebenserwartung und soziale Sicherheit)
C.1.7 Erwartungen und Wunschvorstellungen
Überall in der Welt träumen die Menschen von einem "besseren" Leben. Sie sehen Filme, die ihnen zeigen, wie Mitmenschen leben, in großen luxuriösen Wohnungen oder Häusern mit allen technischen Errungenschaften, als da sind: Radio und Fernsehen, Telefon, bequeme Wohnungseinrichtung mit Kühlschrank und Herden zum bereiten der Speisen. Da steht ihnen eine Auto zur Verfügung. Sie setzen sich ein Flugzeug, um einen Urlaub in einem sonnigen, fernen Land zu verbringen. Ihr Umfeld ist nicht eine Kloake, eine mit Dreck und Staub überzogene Landschaft.
Die meisten Menschen, insbesondere in den Nichtindustrienationen leben in unbeschreibbarer Armut. Sie hungern und haben nicht das Nötigste zum täglichen Leben, keine gute Ausbildung, sind in ihrer Traditionen und Ideologien verwurzelt, die sie allerdings dann doch zum Weiterleben in der derzeitigen Form ermutigen.
Aber sie sehnen sich nach mehr oder weniger bewußt nach Möglichkeiten, sich selbst zu ernähren, nach besserer sozialer Absicherung, nach Lebensqualität. (Die Ideologien, sprich Religionen stellen ihnen das nach dem Tode in Aussicht, damit sie ruhig bleiben, sich in ihr Schicksal fügen und nicht revoltieren).
C.2 Wirtschaftliche Aspekte
C.2.1 Allgemeine wirtschaftliche Situation
a) Wirtschaftsformen
In den meisten Entwicklungsländern herrscht mehr oder weniger starke Planwirtschaft mit der Folge:
n Die "Schwarzmärkte" blühen. Insbesondere der Geldumtausch wird strengstens kontrolliert. In Syrien gibt es beispielsweise eine Unzahl von Umtauschkursen, die sich ständig ändern. Im Juni 1993 war der Kurs für den US-Dollar gegenüber dem Syrischen Pfund (SP) wie folgt:
1 US$ etwa = 11 SP für übliche Auslandsgeschäfte bei der Ausfuhr,
1 $ = 55 SP bei der Einfuhr,
1 $ etwa = 26 SP für Investitionsgeschäfte, für Fluggesellschaften und eine Liste von anderen Aktivitäten,
1 $ etwa = 42 SP für Touristen ("Animations-, also Anlockungskurs"),
1 $ etwa = 47 SP auf dem Schwarzen Markt.
Einfuhr und Ausfuhr werden also ganz erheblich erschwert.
Bei diesem Umrechnungskursen für Ausfuhr tut sich der Produzent, trotz Billiglöhne sehr schwer, um preislich konkurrenzfähig zu sein, und bei der Einfuhr steigen die Preise entsprechend, insbesondere da beispielsweise 30 % für Computer und Computerzubehör an den Zoll gehen. Die Zollgebühren hängen vom Produkt ab und sind in einem dickbändigen Tarifbuch zu finden.
Bemerkenswert ist, daß im täglichen Leben die Leute ausschließlich bei Preisvergleichen, den Schwarzmarktkurs heranziehen.
Es ist der bewundernswerten arabischen Händlermentalität, die in Afrika als Libanesen beliebt sind, zu verdanken, daß es trotz aller Erschwernisse nahezu alles zu kaufen gibt, angefangen von Transistoren und elektrischen Widerständen bis hin zu komplizierte, technischem Gerät. Mein Händler beschafft mir sogar Dosenfutter für meine Katzen und französischen Sprudel, wofür ich dann aber ordentlich blechen muß.
Ausländer mit Arbeitsverträgen aus einer Industrienation leben wegen der günstigen Umtauschkurse im Gegensatz zu den Einheimischen äußerst billig und komfortabel.
n Wer immer es sich leisten kann, unterhält ein Konto im Ausland (Kapitalflucht), z.B. der 1965 selbsternannte Präsident von Zaïre, Mobuto Sese Seko (mit dem Zusatz: Der Hahn, der alle Hennen tritt, nicht zu vergessen bitte): bekannter Weise um die 20 Milliarden US-Dollar !! Die Dunkelziffer seiner tatsächlichen Ausplünderung seines Landes ist überhaupt nicht abschätzbar.
n Diese Kapitalabschöpfung macht es nahezu unmöglich, neben anderen Faktoren, daß sich ein solches Entwicklungsland fortbewegt. Es bleibt unterentwickelt.
n Lohn- und Preiskontrolle, was jede Arbeitsmotivation und Geschäftsinitiative verhindert.
n Ein- und Ausfuhrkontrollen und vor allem -einschränkungen, was den Schmuggel und die Korruption blühen läßt.
n Der Aufwand für Kontrollen ist erheblich und bedeutet, neben dem Zeitaufwand zur Erfüllung aller Formalien, vor allem ein enormes Risiko für Unternehmer und Geschäftemacher, die sich über Gesetze und Vorschriften zwar hinwegsetzen, aber einen gewissen Scheinwohlstand vortäuschen. Die Gefängnisse sind überfüllt (neben den aus politischen Gründen Eingesperrten.
Der Korruption sind - wie schon gesagt - Tür und Tor weit geöffnet.
n Die Arbeitsmöglichkeiten gut ausgebildeter Menschen sind beschränkt. Lehrer auf jedem Niveau werden völlig unterbezahlt.
Wissenschaftler werden praktisch überhaupt nicht gebraucht.
Wertvolle Arbeitskräfte werden vom Militärdienst absorbiert.
Wer immer die Möglichkeit hat, versucht irgendwo im Ausland Fuß zu fassen. Damit gehen vor allem dem Entwicklungsland Fachkräfte verloren.
n Es gibt offiziell keine Inflation; denn die Löhne und Preise bleiben ja konstant. Die schleichende Inflation kann man jedoch an den sich ändernden Geldumtauschkursen, insbesondere auf dem Schwarzen Markt erkennen.
n Überall wird subventioniert. Die großen Staatsbetriebe arbeiten (wie überall) nicht kostendeckend.
n Kaum ein Entwicklungsland ist nicht pleite, total heruntergewirtschaftet und auf ausländische Hilfe angewiesen, die aber wegen der Korruption und Mißwirtschaft versickert.
n In einigen
Ländern, wo die kapitalistische, freie Marktwirtschaft herrscht, wie z.B.
in Malaysia, sieht auf den ersten Blick die wirtschaftliche Situation besser
aus. Aber auch dort herrscht der Wunsch des Reichwerdens auf Kosten der
Mitmenschen und der gesamten Umwelt vor.
Subsistenzwirtschaft
b) Entwicklungshilfe und Schulden
Das folgende Diagramme zeigen die Zusammensetzung der Entwicklungshilfe über den Zeitraum 1985 bis 1987 mit einer Trendberechnung:

OECD ist die Organization for European Economic Co-operation {Organisation für Europäische Wirtschaftliche Zusammenarbeit; Näheres unter Kapitel D.2.1.4 Trends, a) Trend zu internationalen Kontrollen und Eingriffen in nationalstaatlichen Unzulänglichkeiten.}

Im obigen Diagramm sind die staatlichen und privaten Hilfen (Transaktionen) aufeinandergesetzt.
Nun sei gezeigt, welche Länder der OECD im Jahre 1987 an der Hilfe in Milliardenhöhe (US$) beteiligt waren. Unter das Tortenstück für staatliche Hilfe, "Andere" genannt, fallen:
|
|
Staatliche Leistung |
|
|
Land |
in Millionen US$ |
|
|
Norwegen |
886 |
|
|
Dänemark |
780 |
|
|
Australien |
570 |
|
|
Schweiz |
537 |
|
|
Finnland |
415 |
|
|
Österreich |
279 |
|
|
Neuseeland |
87 |
|
|
Irland |
51 |
|
|
Land |
Private Leistung in Millionen US$ |
|
Schweiz |
-1.985 |
|
Niederlande |
-1.895 |
|
Belgien |
-1.327 |
|
Österreich |
-126 |
|
Australien |
542 |
|
Kanada |
294 |
|
Großbritannien und Nordirland |
228 |
|
Schweden |
185 |
|
Finnland |
166 |
|
Dänemark |
71 |
|
Irland |
58 |
|
Neuseeland |
34 |
|
Norwegen |
26 |
|
Summe: |
-3.729 |
Die Summe ist negativ, weil einige private Hilfsorganisationen aus den langfristigen Kapitalanlagen Gewinne geschlagen haben, die Exportkredite zurückbekommen haben oder über die internationalen Entwicklungsbanken Zinsen und Rückzahlungen verbuchen konnten. Da der Kuchen keine negativen Stücke zeigen kann, ist im zweiten Kreisdiagramm für private Transaktionen kein Ausschnitt für "Andere" zu finden.

Die Entwicklungshilfe hat im Allgemeinen keine Entwicklung bewirkt. Wie das nächste Diagramm zeigt, sind die Schulden der Entwicklungsländer unermeßlich gestiegen. Da gibt es keine Chance für die Länder, von diesem Schuldenberg runter zu können. Die Geber müssen sie also als Totalverlust irgendwann vergessen.
Die beiden nächsten Graphiken zeigen die 16 Länder mit dem höchsten Schuldenstand.
Dabei ist zu beachten, daß sich darunter ein europäisches Land befindet, nämlich Griechenland (unterer Teil der Grafik).


Nun werden Grafiken gezeigt, einmal eine Gegenüberstellung von Schulden und Rückzahlungen (nächste Grafik). Aus der übernächsten ist der Trend zu sehen, wonach die Rückzahlungen den Schulden inzwischen hinterherhinken. Also die Verschuldung steigt:


Als nächstes schauen wir uns mal das Bruttosozialprodukt an. Dabei sind natürlich in erster Linie die Zahlen pro Kopf der Bevölkerung von besonderem Interesse.
Für die ersten beiden Grafiken wurden aus jedem Kontinent die beiden "erfolgreichsten" Länder gewählt:


Nun schauen wir uns mal die Armenhäuser an, wobei die beiden ungünstigsten Länder ausgewählt worden sind:


c) Eigene Entwicklungsbeiträge
Die breite Masse der Bevölkerung in einem Entwicklungsland ist weitgehend nicht nur wirtschaftlich, sondern auch geistig unterentwickelt.
Es fehlt die objektive Informationsmöglichkeit. Wie wir gesehen haben, gibt es einen hohen Prozentsatz an Analphabeten, die also keine Zeitung und kein Buch lesen können. Abgesehen würde ihnen das Geld fehlen, so etwas zu kaufen. Selbst bei sogenannten Akademikern, also Personen, die studiert haben, sind Bücher rar. Ein Interesse an einer breiten Information und Weiterbildung wird durch die täglichen Sorgen um das einfache Überleben zurückgedrängt.
Während Moscheen wie Pilze aus dem Boden schießen, während Denkmäler und Statuen der Landesbesitzer errichtet werden und sich in jedem Büro ein Bild des jeweiligen Abgottes befinden muß, gibt es kaum Schul- oder Krankenhausneubauten. Universitäten und Hochschulen haben ein so niedriges Niveau, daß ohne Weiterbildung in einer Industrienation ein Abgänger keine Chance hätte, in einem europäischen Land tätig zu werden. Wegen der miserablen Bezahlung der Lehrer auf jedem Niveau, der Statistiker, der Wirtschaftsfachleute in der öffentlichen Verwaltung, der Ärzte und sonstigen sogenannten Akademiker fehlt jede Motivation. Die Gehälter reichen nicht aus, über einen Monat lang sich und die Großfamilie zu ernähren. Viele Akademiker findet man daher hinter dem Steuer eines Taxis.
Kommentar: Die Entwicklungshilfe ist zum Fenster hinausgeworfen. Überall verrotten teuere Maschinen. Da ist z. B. im Veterinärzentrum der syrischen Regierung in Damaskus ein ganzes Lager mit wertvollen Stereomikroskopen derart mit Staub überzogen, daß an einen Gebrauch nicht mehr zu denken ist.
Im Zaïre wurde das Großrechenzentrum des Finanzministeriums geschlossen, weil es keine Sicherungen gab.
Es kann gesagt werden, daß Eigeninitiative von den Regierenden völlig unterdrückt wird, andererseits von ihnen selbst nicht ausgeht.
Es gibt keine Diskussion in den Medien über Wasserprobleme und wie Probleme überhaupt zu lösen sind. Es gibt keine Aufklärung über Energie- und Rohstoffschonung. Umweltbewußtsein wird nicht gefördert.
Es gibt offiziell keinerlei Probleme, die von den Landesbesitzern in dem Medien erörtert werden müßten. Damit ist doch alles bestens. Warum mischen wir uns da bloß ein? Nur wird als Ursache für die Unmöglichkeit der Entwicklung verbreitet, daß die imperialistischen Industrienationen nach wie ausbeuten, unterdrücken und ihren Machtanspruch in's Spiel bringen. Leider fördern einige Länder diese Unterstellung.
Zur Erheiterung hier ein Foto aus der tz - München von 1991: Karikatur Bill Clinton stimmt sich mit Saddam Hussain ab

Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, daß einiges in den Entwicklungsländern nur deshalb noch funktioniert, weil es einige ausländische Fachleute gibt, die von Hilfsorganisationen der Industrienationen oder den Weltorganisationen bezahlt werden. Würden diese abgezogen, was die Regierungen eigentlich sogar sehr gerne sähen (denn die kommen ja dauernd mit unliebsamer Kritik), würde alles in kurzer Zeit zusammenbrechen.
Die Regierenden sind lediglich an ihrer persönlichen Bereicherung interessiert. Aber sogar ihre militärischen Einrichtungen, die zur Erhaltung ihrer Macht dann schon ein wenig gepflegt werden, könnten sich ohne ausländische Militärberater nicht mit ihrem "Schrottmaterial" gegen einen Schlag einer Industrienation wirksam verteidigen. Das Militär reicht gerade aus, um Revolten und innere Aufstände zu unterdrücken.
Solange die Landesbesitzer nicht zum Teufel geschickt werden, haben die Entwicklungsländer keine Möglichkeit, sich auch nur ein wenig weiterzuentwickeln. Es geht mit ihnen immer weiter bergab. Aber in den Strudel werden wir alle mit hineingezogen, fürchte ich.
Aber selbst wenn ein Saddam Hussein seinen Aufenthalt in's Paradies verlegen würde, müßte sehr in Frage gestellt werden, ob sich eine neue demokratische Regierung im Irak entwickeln könnte. In den Industrienationen haben sich die Gedanken zur Demokratie auch nicht von einem Tag zum anderen entwickelt. Dieses Grundbestreben nach ist überhaupt nicht in den Köpfen der breiten Masse der Menschen in den Entwicklungsländern.
Die lächerlichen Erfolgsmeldungen einiger auf Entwicklungshilfe spezialisierter Organisationen, wie z. B. vom Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen (UNDP, United Nations Development Programme), der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ) GmbH., dem Deutschen Entwicklungsdienst (DED) und von hunderten überall auf der Welt dienen lediglich der Selbstbefriedigung. Da werden kurz vor Abzug der sogenannten Experten schöne Fotos gemacht, Händedrucke auf Ministerebene vor einer neuen Straße, einer Bewässerungsanlage, einer neuen Technikerschuleinrichtung. Einige Jahre später ist die Straße nicht mehr wegen Schlaglöcher befahrbar (Autobahn zwischen Nairobi in Kenia zur Sommerresidenz des Herrn Präsidenten Daniel Arab Moi in Nakuru). Die Berieselungsanlage hat ihren Geist aufgegeben und einen völlig versalzten Boden hinterlassen. Die schöne Schuleinrichtung wartet auf Museumsgäste. Die Werkstatteinrichtungen und wertvollen Geräte sind verdreckt, verstaubt, defekt und unbrauchbar. Nur der Experte hat nicht schlecht verdient und nicht schlecht gelebt. Die sogenannte Entwicklungshilfe ist (zum Glück) zu einem Großteil in sein Heimatland (das "großzügige" Geberland) zurückgeflossen.
Ich bin gerne bereit, meine Meinung zu ändern, wenn mir jemand nachweisen kann, daß auch nur ein Entwicklungshilfeprojekt noch nach 10 Jahren der Übergabe (ohne zwischenzeitliche "Nachbetreuung") den geplanten Erfolg bringt.
Da keinerlei Eigeninitiative von den Landesbesitzern der Entwicklungsländer ausgeht bzw. zugelassen wird, ist es Aufgabe der Industrienationen, wenn sie selbst überleben wollen, die wirtschaftliche und technische Zusammenarbeit an strikte Bedingungen zu knüpfen:
n Achtung der Menschenrechte, woraus sich völlig automatisch eine Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Situation ergeben würde (Artikel 19, 20, 21, vor allem 22, 23, 24 und 25 der Menschenrechtskonvention der Vereinten Nationen- siehe Kapitel Cxx. Aber die Artikel 22, 23, 24 und 25, vor allem aber 23 sind ja keineswegs in Industrienationen verwirklicht. Das, was erreicht worden ist, soll sogar zu Gunsten der Reichen wieder geschmälert werden).
n Eigenbeteiligung der Landesbesitzer aus ihrem Vermögen bzw. Beschlagnahme des Vermögens und Anweisung an die Banken, die Konten zu begrenzen. (Mobuto, der das Land Zaïre gewaltsam in Besitz genommen also es dem Volk geraubt hat, besitzt zig Milliarden auf ausländischen Konten.)
n Vorschriften für die Aufstellung eines Staatshaushaltes.
Ich weiß, daß jetzt einige der ideologisierten "Büßerhemdträger" in den Industrienationen mir Anregung zur Rekolonialisierung vorwerfen werden. Aber es geht leider nicht anders. Welche Alternative haben wir, um mit Verbrechern fertig zu werden, und um solche handelt es sich an der Spitze eines jeweiligen Entwicklungslandes.
Falls da nicht bald steuernd und korrigierend in das Geschehen in den Entwicklungsländern eingegriffen wird, könnte das Büßerhemd bald zum Leichenhemd werden. Natürlich bin auch ich der Meinung, daß mit der Kolonialzeit die Kolonialherren - meistens waren es ja keine Damen - große Schuld auf sich geladen haben. Aber die Vergangenheit ist nicht korrigierbar. Vor allem geht es doch nicht an, daß nun die jahrhundertelang unterdrückten Völker weiter unterdrückt werden.
Ansätze in meiner Denkrichtung gibt es zum Glück bereits an verantwortlichen Stellen. (Die Menschenrechtskonvention ist ja bereits ein solcher ausgezeichneter Ansatz. Die Weltbank macht inzwischen oft einschneidende Auflagen, um nicht ihr Geld auf dem Abfall wiederzufinden.
Der ehemalige deutsche Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Herr Wahnke, hat einmal gefordert, daß nur noch mit den Ländern zusammengearbeitet werden solle, wo die Militärausgaben sich in Grenzen halten (z. B. unter 6% des Staatshaushaltes liegen).
C.2.2 Wirtschaftliche Aktivitäten
a) Großindustrie, Klein- und Mittelproduktionsbetriebe, handwerkliche Betriebe
Abgesehen von einigen Ländern, wie China, Indonesien, Indien beispielsweise, sind Großindustriebetriebe kaum vorhanden, außer vielleicht einige Raffinerien. Jedenfalls spielen diese Großbetriebe am Gesamtbild der Wirtschaft gemessen keine wichtige Rolle.
Klein- und Mittelproduktionsbetriebe
Auch Mittelbetriebe existieren kaum in den meisten Entwicklungsländern.
Es gibt jedoch oft eine große Zahl von Kleinbetrieben, eher als handwerklich zu betrachten, die jedoch in der Regel auf einem Stand von England des vorigen Jahrhunderts sind: Alte Maschinen, keine Unfallverhütung. Es mangelt völlig an Kenntnis mit Bezug auf Gesundheitsgefahren der dort tätigen Mitarbeiter. Umweltbewußtsein ist ein völlig fremdes Wort.
Normen und Qualität sind völlig untergeordnet. Moderne Produktionsmethoden, also Fließbänder sind mir nirgends begegnet (eigentlich positiv, was aber durch die Stellung der Arbeiter - der letzte Dreck für den Produzenten - aufgehoben wird).
b) Dienstleistungen für Freizeit und Erholung (einschließlich Prostitutionsangebot)
Der Freizeitsektor ist natürlich völlig unterentwickelt, da die breite Masse kein Geld hat, um ein Kino zu besuchen, ein Restaurant, sich auf einem Tennisplatz und was es sonst so alles gibt zu entspannen.
c) Groß- und Kleinhandel
Auch der Großhandel ist kaum ausgebaut. Oft gibt es staatliche Einrichtungen, um bestimmte Großeinkäufe an Kraftfahrzeugen, Rundfunk- und Fernsehgeräten, Haushaltsgeräten usw. zu kontrollieren. Dabei ist jedoch die Kontrollfunktion im Vordergrund zu sehen.
Kleinhändler sind, wie überall auf der Welt, aktiv, zeichnen sich durch Flexibilität aus, stehen aber meistens mit einem Beim im Gefängnis, weil sie gezwungen sind, mit Schmuggelware, mit Bestechungen und allem umzugehen, was für ihr Überleben notwendig ist. Sie halten es mit den Gesetzen nicht so genau, sorgen aber dafür, daß die Wirtschaft immer noch einigermaßen in Gang bleibt.
d) Landwirtschaftliche Klein-, Mittel- und Großbetriebe
Die Landwirtschaft kann die wachsende Bevölkerung in vielen Entwicklungsländern nicht (mehr) ernähren, obwohl von allen möglichen Geberländern Bewässerungsprojekte finanziert werden. Die künstliche Bewässerung ist aber nur eine kurzfristige Lösung; denn Wasser verdunstet und wird dem natürlichen Kreislauf entzogen. Die Böden versalzen außerdem; denn Regenwasser ist als destilliertes, also salzfrei anzusehen das verwendete Leitungswasser nicht.
Da die Entwicklungsländer als die Abfallhalden der Industrienationen benutzt werden, werden wie wild Pestizide (Pflanzenschutzmittel) gegen die Insekten versprüht, die längst in Europa verboten sind. DDT wird in Diesel- oder Heizöl gelöst und und mindestens einmal die Woche sorgfältig in ganz Damaskus zerstäubt -übrigens gerüchteweise mit einer Maschinerie, mit deren Hilfe der Präsident Assad die Leute in einem aufrührerischen Dorf vergast haben soll. Durch das Öl soll erreicht werden, daß das Gift möglichst lange erhalten bleibt und nicht von Regen weggespült wird. Jedenfalls gibt es trotz dieser Aktion winzig kleine Mücken, die kaum sichtbar aber sehr starken Juckreiz auslösend Blut saugen. Es gab auch mutierte Hornissen, die jedoch nicht aggressiv waren. Vögel gibt es in Arabien überhaupt nicht mehr. Wenn sich in Deutschland die Leute über Elstern, Krähen, Tauben und andere Vögel beklagen, sollten sie in ein arabisches Land ziehen.
Jetzt ein paar Aufnahmen von der Umweltvergasung, was natürlich bei vielen Menschen Allergien (Asthma) hervorrief.


...und wegen der Ungeheuerlichkeit eines solchen Giftversprühens (Natur-Vergasens) noch ein Bild:

Die Fotos zeigen eine Sprüheinrichtung, die DDT in Dieselkraftstoff gelöst auf alles niedergehen läßt. Der Dieselkraftstoff wird vom Regen nicht abgewaschen. Doch die Insekten haben sich durch Mutation dem Giftstoff angepaßt, die Menschen und die insektenfressenden Vögel noch nicht. Außer ein paar Spatzen ward also nichts mehr zu sehen.
Chemische Kampfstoffe sind sehr beliebt. Da werden die offenen Mülltonnen eingesprüht, damit die Ratten und die rumstreunenden Katzen verschwinden mit dem Ergebnis, daß nun die Abfälle vor sich hinrotten, Schwärme von Fliegen anziehen und einen infernalischen Gestank verbreiten.
Wie erwähnt, gibt es in Syrien praktisch keine Vögel mehr (außer Spatzen in den Städten). Sie sind entweder vergiftet oder abgeschossen worden. Da jeder Penisträger, gleich welchen Alters, eine Flinte haben kann, geht er mit seinem Freunden auf Jagd. Es wird auf alles geballert, was sich bewegt. Damit sind nur noch Menschen zu sehen (und einige Katzen). Streunende Hunde sind ein besonders beliebtes Abschußziel.
In Syrien brauchte die Landwirtschaft:
593 Tausend Tonnen Düngemittel im Jahre 1987 und
782 Tausend Tonnen Düngemittel im Jahre 1991, also 86 Kilogramm pro Einwohner! (Quelle: Statistical Yearbook ...)
e) Fischerei und Forstbetriebe
In den völlig verseuchten Flüssen kann kein Fisch mehr leben. Es gibt also fast nirgends einen Süßwasserfisch zu kaufen, außer in Ländern, wo es große Binnenseen gibt, wie z.B. in Burundi.
Forstbetriebe
Die Wälder in einigen Entwicklungsländern sind verschwunden. Da, wo noch etwas übriggeblieben ist wird ordentlich abgeholzt mit Zuwachsraten um beispielsweise etwa 15% mehr von 1974 bis 1983.
Zahlen über Wiederaufforstung habe ich nicht gefunden. In Europa, insbesondere Skandinavien ist das Holzfällen zurückgegangen.
Es gibt in manchen Entwicklungsländern Wiederbepflanzungsprogramme, die aber nicht mehr als eine Erklärung guten Willens sind; denn da ruft der Landesbesitzer auf, daß jeder ein Bäumchen zu pflanzen habe. Er selbst erscheint in den Zeitungen und im Fernsehen neben einer Importpflanze, grinsend auf eine Schaufel gestützt.
Die in den Boden gesteckten isolierten Pflänzchen, weniger als ein Tropfen auf einen heizen Stein, in den Wüstenrandzonen werden so sehr mit Wasser übergossen, daß sie ertrinken, eine jahrelang praktizierte Methode am Higher Institute for Applied Science & Technology im syrischen Damaskus, wo seit vielen Jahren niemand merkt, daß der importierte Englische Rasen nun mal keine Sonne mag, insbesondere dann nicht, wenn er bis in die Wurzeln hinein abgeschoren worden ist, so wie die Haare der zum Militärdienst eingezogenen jungen Männer. Mein kleiner Vorgarten wird mit einigen Kubikmetern Wasser täglich im Sommer, außer freitags, gefüllt. Selbst die öfters nachgepflanzten Gräser fallen sogleich dem Ertränktwerden zum Opfer. Naturpflanzen, die während der Regenzeit an den angeschütteten Hügeln aus hergewehten Samenflocken zu grünen beginnen, werden als Unkräuter systematisch herausgerissen und auf die Müllkippe geworfen. Ein völlig kahler Boden gefällt den Menschen eben nun mal besser. (Sie freuen sich offensichtlich, daß ihr Gott sie in die Wüste geschickt hat.) Das Ergebnis sind riesige Staubaufwirbelungen im trockenen Sommer.
In keinem Entwicklungsland, ob in Afrika, Asien, Amerika bin ich einem Förster begegnet. (Ich hatte aber auch andere Dinge zu tun und befand mich meistens in den Großstädten.) Die offiziellen Statistiken führen die Försterei nicht, woraus ich schließe, daß sie nicht existiert.
f) Bank- und Versicherungswesen
Direkt nach meiner Ankunft im Zaïre ging ich in die Staatsbank, um Geld umzutauschen. Der Schalterbeamte lächelte mich mitleidig an und erklärte: "Wir haben kein Geld. Wenn du aber dringend etwas brauchst, dann habe ich da einen Freund, der tauscht dir was" (zum für beide Tauschinteressenten zum Schwarzmarktkurs, versteht sich).
Die meisten Entwicklungsländer sind inzwischen von ihren Landesinhabern in den völligen Bankrott geführt worden. Die Währungen der Entwicklungsländer werden von Banken in Industrienationen in der Regel nicht als Zahlungsmittel anerkannt, und wenn, dann zu einem Umtauschkurs, der die völlige Wertlosigkeit bekundet.
Privatbanken
Rolle der Staatsbanken (Bundesbank)
Der Geldwert sinkt rapide. Brasilien hatte 1992 eine Inflationsrate von über Tausend Prozent.
Geldverkehr
Haushalte auf Gemeinde-, Staats- und Bundesebenen
g) Handel und Verkehr
Import-, Exportbeschränkungen
Straße
Schiene
Schiffahrt
Luftfahrt
Orts- und Fernverkehr
h) Energiewirtschaft, Versorgungs- und Entsorgungsunternehmen
Für Syrien nennt die offizielle Statistik des Landes (Statistical Abstract 1992) folgende Produktionszahlen:
|
Jahre: |
Trinkwasser |
Elektrizität |
|
1987 |
486 Mio. m3 |
7,2 Mio. kWh |
|
1991 |
487 Mio. m3 |
11,2 Mio. kWh |
|
Tendenz |
steigend |
steigend |
Da das hinten und vorne nicht mehr reicht, wird die Wasser- und Elektrizitätsversorgung stundenweise eingestellt, oft die einzige Möglichkeit, mal die Straßenbeleuchtung abzuschalten.
Das erste, was ein Angestellter tut, wenn er sein Büro betritt: Das Licht einschalten. Das zeigt jedem, daß er anwesend ist (war).
Elektrizitätserzeugung
Die oft veralteten Stromerzeugungswerke, oft regelrechte Rußschleudern, können den Bedarf nicht decken. Sie fallen hin und wieder aus, da notwendige Reparaturen nicht durchgeführt werden können, weil entweder das Geld (harte Devisen) fehlt oder sogar Ersatzteile nicht mehr geliefert werden können.
Überall in den Entwicklungsländern rattern die Notstromaggregate vor den Geschäften, den Restaurants, den reichen Privathäusern.
Das ist volkswirtschaftlich gesehen völlig wahn- und schwachsinnig; denn die Energieausbeute ist viel geringer als in einem Großkraftwerk. Die Gesamtkosten für die Notstromgeräte übersteigen oft die eines Großkraftwerkes. Dazu kommt die Umweltverschmutzung durch Abgase, ausfließendem Brennstoff und Lärmbelästigung.
Brennstoffe
Andere Energieerzeugung
Fernwärme, Sonnenenergie
Wasserversorgung
Abwasser
Müllbeseitigung
Industrieschadensbeseitigung
Verursacherprinzip
i) Gesundheitswesen
j) Öffentliche Verwaltung
Die öffentliche Verwaltung spiegelt den allgemeinen Geist einer Diktatur wieder: "Niemand traut niemandem. Jeder ist ein potentieller Verräter und Betrüger". Auf dieser Basis sind die zu durchlaufenden Verwaltungsschritte unüberschaubar, z.B.
Ich bekam in Syrien ein Buch von meiner Frau geschickt, das natürlich an der Post abzuholen war. Der Institutspostbote hatte im Postfach zwei Zettel gefunden. (Postzustellung gibt es nicht.) Auf einem stand in arabisch die postinternen Angaben. Der andere Zettel war die Zweitschrift des bundesdeutschen Posteinlieferungsscheins.
Ich fuhr also zur Post - etwa 8 km entfernt, zeigte die Zettel einem Beamten, der mich freundlich zu der entsprechenden Stelle leitete, wo dieser vorzuzeigen war. Der Schalterbeamte schaute in einem Buch nach, wo die eingegangenen Sendungen verzeichnet waren, hakte meinen "Fall" ab, machte einen Vermerkt auf dem postinternen Zettel, schickte mich zu einem anderen Beamten, der einen Vorgang aus seinen Akten suchte, wo er einen Eintrag mit Datum machte. Dieser Eintrag mußte von einem weiteren, übergeordneten Beamten bestätigt werden. Mit dem Vorgang wurde ich zur ersten Anlaufstelle zurückgeschickt, das Buch ausfindig gemacht und die Verpackung geöffnet (aber so daß der Inhalt bereits litt). Das ausgepackte Buch wurde einem Beamten vorgelegt, der den Inhalt prüfte (ob vielleicht "schweinischen" Inhaltes oder politischer Art). Nachdem er nichts fand, trug er seine Unterschrift auf den Vorgang ein. Ich wurde zu dem übergeordneten Beamten geschickt, der bereits schon einmal eine Unterschrift bestätigt hatte. Mein Buch war inzwischen wieder eingepackt und zu der Stelle zurückgetragen worden, wo es ursprünglich angelegt worden war. Ich wurde angewiesen, an anderen Schalterbeamten aufzusuchen, der eine Kopie des postinternen Vorgangs suchte, auch fand, einen Eintrag machte, der von einem anderen, wieder übergeordneten, jedoch von mir noch nicht gesehenen Beamten bestätigt wurde. Zurück zu dem Postmenschen, der die vorletzte Unterschrift geleistet hatte. Nun füllte er einen Zahlschein aus, offensichtlich zur Begleichung der Verwaltungsgebühren (20,75 Syrische Pfund, etwa gleich 0,80 DM). Das Geld wurde entgegen genommen, der Betrag in das "Journal" (wo alle Zahlung aufgelistet sind) eingetragen, mir einen weiteren Zettel gegeben, auf dem ich den Empfang des Buches zu bestätigen hatte. Meine Unterschrift und die Angaben zur Person wurden mit meiner syrischen Aufenthaltsgenehmigung verglichen. Alles war noch einmal von einem weiteren Beamten zu bestätigen. Zurück zu dem Beamten, der die Zahlung entgegen genommen hatte, bekam ich eine Anweisung ausgehändigt, mir das Buch nun endlich zu geben. Ich ging zur ersten Anlaufstelle und bekam tatsächlich mein Buch. Da das so kompliziert war, schauen wir uns die Lauferei mal als Diagramm an:

Nur um eine Buch in Empfang zu nehmen, sind also insgesamt neun Beamte zu sprechen, davon zwei je dreimal und einer zweimal. Das ist ein richtiges Ping-Pong-Spiel.
Die Ummeldung eines Autos ist nur mit einem Agenten möglich, der sich auf Behördengänge spezialisiert hat. Bei der Ummeldung meines aus Deutschland mitgebrachten Wagens waren insgesamt bei der Zollverwaltung, der Staatssicherheit (wegen der Feststellung der Frequenzen des eingebauten Radios) und der Straßenverkehrsbehörde insgesamt 28 Beamte eingeschaltet. Mehrere davon waren öfters anzusprechen. (Trotz kleiner "Geschenke" dauerte der Vorgang fast vier Wochen.)
Auf diese Weise werden in fast allen Entwicklungsländern die wirtschaftlichen Aktivitäten stark behindert, ja fast ganz gelähmt; denn hochwertige Ausrüstungsgegenstände verrotten nicht selten bei den Zollbehörden.
Wegen der geringen Bezahlung der Beamten ist der Korruption Tür und Tor geöffnet. Ohne Zahlung von Schmiergeldern läuft absolut überhaupt nichts.
In Marokko habe ich mich einmal geweigert, auf den Vorschlag eines Zollbeamten einzugehen, der mich an der Mitnahme meines tragbaren Computers hinderte und sich erkundigte: "Willst du den offiziellen Weg wählen oder sollen wir eine private Lösung finden?"
Ich probierte den offiziellen Weg. Selbst mit einem vom marokkanischen Wirtschaftsminister persönlich unterschriebenen Brief, den ich mir in der Huaptstadt, Rabbat, besorgt hatte, bekam ich das Gerät nicht frei. Der Verlust an Zeit und wegen der Nichtverfügbarkeit des Computers war hundertfach höher als die vom Zöllner (und "Sünder") vorgeschlagene "private" Lösung.
Steuern und Abgaben
Kapitalflucht, Steuerflucht, Schutzzölle,
k) Sicherheit
Polizei
Militär
Gerichtswesen
Zivilrecht, Handelsrecht, Arbeitsrecht, Strafrecht, Strafvollzug
l) Kommunikationswesen
Postdienst
Obwohl die Post meiner Erfahrung nach zuverlässig ist, also kaum etwas verloren geht, kann aber über die Dauer zwischen Absendung und Zustellung keine Angabe gemacht werden. Briefkästen werden irgendwann mal geleert. In den meisten Ländern gibt es keine Hauszustellung. Da muß man sich um ein Postfach bemühen. Weil die Zahl der Fächer auch beschränkt ist, wird häufig von denjenigen, die irgendwo eine Beschäftigung gefunden haben, das Postfach des sogenannten Arbeitgebers benutzt.
In vielen Länder werden Briefe kontrolliert; denn der Landesinhaber duldet keine Kritik.
Ein paar Beispiele für die Zahl der Telefone pro Tausend Einwohner im Jahre 1984:
|
Afghanistan |
2 |
Australien |
536 |
|
Algerien |
33 |
Bahamas |
436 |
|
Äthiopien |
3 |
Dänemark |
749 |
|
Brasilien |
80 |
Finnland |
592 |
|
Burkina Faso |
2 |
Frankreich |
600 |
|
Chile |
57 |
Griechenland |
355 |
|
China (rot) |
5 |
Hong Kong |
403 |
|
Ghana |
6 |
Island |
525 (?) |
|
Indien |
4 |
Israel |
369 |
|
Kenia |
13 |
Italien |
426 |
|
Kongo |
11 (?) |
Japan |
535 |
|
Kuba |
49 |
Monaco |
1239 |
|
Malawi |
6 |
Niederlande |
590 |
|
Nepal |
1 |
Deutschland-West |
599 |
|
Niger |
2 (?) |
Deutschland-Ost |
211 |
|
Pakistan |
6 |
Österreich |
476 |
|
Philippinen |
15 |
Portugal |
173 |
|
Sudan |
3 (?) |
Spanien |
360 |
|
Thailand |
14 |
Schweiz |
250 |
|
|
|
USA |
760 (?) |
Wo ein (?) gesetzt ist, sind die Angaben aus einem früheren Jahr.
m) Medien und Informationswesen
Schauen wir uns die Zahlen der verschiedenen Tageszeitungen einmal an, die 1982 erschienen (Quelle: Statistical Yearbook 1983/84 der UN):
Afrika Asien Europa
|
Ägypten |
10 |
Afghanistan |
13 |
Albanien |
2 |
|
Algerien |
4 |
Bangladesch |
30 |
Belgien |
26 |
|
Angola |
1 |
Burma |
6 |
Bulgarien |
12 |
|
Äthiopien |
3 |
China |
53 |
Dänemark |
47 |
|
Benin |
1 |
Kambodscha |
16 |
Finnland |
64 |
|
Botswana |
1 |
Hong Kong |
79 |
Frankreich |
90 |
|
Burkina Faso |
2 |
Indonesien |
94 |
Deutschl.-West |
368 |
|
Burundi |
2 |
Iran |
12 |
Deutschl.-Ost |
39 |
|
Kamerun |
1 |
Irak |
5 |
Griechenland |
131 |
|
Kenia |
2 |
Israel |
36 |
Ungarn |
27 |
|
Marokko |
10 |
Japan |
154 |
Italien |
79 |
|
Mosambik |
3 |
Jordanien |
11 |
Niederlande |
82 |
|
Niger |
3 |
Korea-Nord |
11 |
Norwegen |
85 |
|
Nigeria |
15 |
Korea-Süd |
27 |
Polen |
42 |
|
Réunion |
2 |
Kuwait |
7 |
Spanien |
104 |
|
Ruanda |
1 |
Laos |
3 |
Schweden |
114 |
|
Senegal |
1 |
Libanon |
14 |
Schweiz |
90 |
|
Seychelles |
1 |
Macao |
8 |
Großbritannien |
113 |
|
Somalien |
2 |
Malaysia |
47 |
|
|
|
Swaziland |
1 |
Moldavien |
2 |
|
|
Afrika Asien
|
Tanzania |
3 |
Nepal |
19 |
|
|
|
Tunesien |
1 |
Pakistan |
6 |
Amerika |
|
|
Uganda |
1 |
Philippinen |
22 |
USA |
1710 |
|
Zaïre |
5 |
Qatar |
3 |
Kanada |
120 |
|
Zambia |
2 |
Syrien |
6 |
Mexiko |
374 |
|
Zimbabwe |
2 |
Thailand |
69 |
Kuba |
17 |
|
Kongo |
5 |
Emirate |
9 |
Argentinien |
191 |
|
Tschad |
4 |
Vietnam |
4 |
Chile |
37 |
Nicht alle Länder sind aufgeführt, da es zu weit führen würde. Aber da wird doch schon deutlich, daß die mangelnde Vielfalt typisch für ein Entwicklungsland ist. Wenn Sie dann mal in eine Zeitung im Zaïre oder Uganda geschaut hätten, wäre die Lektüre nach 5 Minuten für einen Europäer erledigt. Es steht praktisch nichts drin, außer was der jeweilige Landesherr (Mobutu, Idi Amin, zwar 1982 bereits bei Ghadafi im Asyl) alles am Vortag gesagt hat.
Die nächsten 6 Grafiken zeigen die Zahl der Radio- und Fernsehapparate (im Vergleich zu Industrienationen):






n) Internationale Verflechtungen
Wirtschaftsverflechtungen
Internationales Banken- und Versicherungswesen
Arbeitkräfteaustausch und Migration
C.2.3 Öffentlicher Haushalt .
Es mag bezeichnend sein für die meisten Entwicklungsländer wie am Beispiel der Syrisch arabischen Republik in ihren statistischen Jahrbüchern (z.B. "Statistical Abstract 1992" des syrischen "Central Bureau of Statistics) keine Angaben über den gesamten Staatshaushalt macht; denn das wäre für die Öffentlichkeit zu peinlich, wenn wirklich offen gelegt würde, wohin das Geld fließt, nämlich nach Schätzungen:
- 50 bis 60% für Militärausgaben,
- mindestens 20% für geheimdienstliche Tätigkeit (innere Sicherheit? Fragezeichen deshalb, weil die Aufgaben und die Kompetenzen unbekannt sind),
- 5% zum Unterhalt des Präsidialamtes,
- ein paar Prozent zur Unterstützung der Religion (Moscheenbau, Koranschulen),
- öffentliche Verwaltung: großes Fragezeichen,
- Ausgaben für Präsidentenpalastbauten, Präsidentenstatuen, Werbung für die Regierung
- und andres mehr (alles völlig undurchsichtig).
Zählen wir nun die (auf Hörensagen beruhenden Prozentzahlen zusammen, kommen wir leicht auf über 100%; denn da sind in der öffentlichen Statistik Ausgaben genannt für den Sozialbereich mit 7% bei fallender Tendenz bei steigender Bevölkerungszahl (für Schulwesen, Unterhalt von Krankenhäusern, wo die Patientenunterbringung kostenlos ist, usw.)
Foto: Touristen vor Präsidentendenkmal

Hier der Präsident, der immer alle grüßende syrische General Hafis al-Assad (möglichst nie Uniform zu sehen im Gegensatz zu seinem irakischen Amtskollegen und "Counterpart" in der Baath-Partei, der ohne hohen militärischen Rang ausschließlich eine Uniform schmuck findet).
Auf den nächsten Seiten ist die prozentuale Aufteilung des Staatshaushaltes verschiedener Länder grafisch dargestellt, jeweils verglichen mit einer Industrienation. In den Säulen sind die Militärausgaben jeweils schwarz hervorgehoben:










C.2.4 Rohstoffe
Wegen der Wichtigkeit der Rohstoffe, wie z.B. Wasser, fossile Brennstoffe usw., ist diesem Thema ein eigenes Kapitel gewidmet.
Der wichtigste Rohstoff, das Wasser, wird so genutzt, als wäre er unerschöpflich. Obwohl die Statistiken eine eindeutige Sprache sprechen, geschieht nichts. Am Beispiel von Syrien sei einmal die Fließrate einiger Quellen aufgezeigt:

Leider zeigt die offizielle Statistik keine Angaben über Jahre vor 1987. Eine Betrachtung über einen Zeitraum von nur 4 Jahren ist nicht aussagefähig genug. Dennoch: Keine einzige Quelle, die in der offiziellen Statistik aufgeführt ist, hat nicht fallende Tendenz! Dabei ist die Niederschlagsmenge (die Ergiebigkeit des Regens) gleich geblieben. Hier muß das Wort "noch" hinzugefügt werden. Auch die Temperaturen haben sich nicht (merklich) geändert.
Wo bleibt also das Wasser?
n Die Menschen brauchen es, solange es da ist. Es ist ein Geschenk des Himmels.
Nur mit fließendem Wasser wird gereinigt, eimerweise, möglichst mit einem Schlauch alles abgespritzt. Putzlappen und Aufnehmer sind nicht gebräuchlich. Geschirrspülen, Wäschewaschen, alles geschieht mit fließendem Wasser. Die religiöse Reinigung der Muselmänner erfolgt unter fließendem Wasser. Für die Reinigung des Hinterns wird fließendes Wasser benutzt. Megatonnen (Mega = Millionen) an Wasser fließen, um irgendwo zu versickern oder von der Sonne aufgeleckt zu werden.
n Es wird zur künstlichen Bewässerung in den meisten Ländern während der heißen Tageszeit auf die Felder versprüht und verdampft.
n Es werden riesige Stauseen angelegt, aus denen auch die Sonne einen Teil in die Luft gehen läßt.
Die offizielle syrische Statistik gibt einige Zahlen über Rohstoffausbeutung:
|
Jahre |
Öl |
Phosphat |
Sand |
Marmor |
|||||
|
1987 |
13 Mio. m3 |
2 Mio. t |
13 Mio. m3 |
15 Tausend m² |
|
||||
|
1991 |
30 Mio. m3 |
1,5 Mio. t |
12 Mio. m3 |
42 Tausend m² |
|
||||
|
Tendenz |
steigend |
fallend |
fallend |
steigend |
|
||||
C.2.5 Ökologische Gesichtspunkte
Ökologie ist fast ein Fremdwort in den Entwicklungsländern. Es gibt kein allgemeines Umweltbewußtsein: Abwässer fließen irgendwohin, gelangen in's Grundwasser, in die Flüsse, in's Meer. Obwohl katastrophale Wasserknappheit herrscht, denkt niemand an Kläranlagen, Wasseraufbereitung und Wasserwiederverwendung.
Wiederverwendung (in Neudeutsch: Recycling genannt) ist nahezu unbekannt, obwohl in manchen Ländern keine Rohstoffe im Lande vorhanden sind: Praktisch keine Wälder mehr in Afrika und dem mittleren und nahen Osten zur Papier- und zur Möbelherstellung. Es gibt keinen Stahl und kein Aluminium, keine Glasindustrie, keine nennenswerte Kunststoffindustrie.
Aber alles wandert in den Müll oder besser einfach in die Natur. Wo die unterentwickelten Leute sich gerade aufhalten, fliegen ihre Abfälle einfach auf die Erde: Glasflaschen, Plastikflaschen und Plastikverpackungen, Papier, Coladosen.
Ich fuhr einmal mit dem sogenannten blauen Zug in der Türkei von Ankara nach Istanbul. Es gab etwas zu Essen auf Plastiktellern, mit Plastikfolien abgedeckt, dazu Bestecke aus Plastik, das alles auf einer Plastiktischdecke schön dekorativ ausgebreitet. Nach der Mahlzeit bat ich den Kellner, den Tisch abzuräumen, was er sehr rasch vollbracht. Um alles, was auf dem Tisch übriggeblieben war, schlang er die Plastiktischdecke, verschnürte sie zu einem Bündel, öffnete das Fenster und die Natur hatte das wieder, was sie nach "Produktionsveredelung" durch den Menschen gegeben hatte.
C.2.6 Eigentumsverhältnisse
Eigentum an Mitteln der Produktion, des Handels, Verkehrs
Banken und Versicherungen
Gesundheitswesen
Ländereien und öffentlichen Einrichtungen
Wald, Gewässer, Parks, Schulen, Museen, Theater
Medien
Eigentum und Wohnungssituation
C.2.7 Wissenschaft und Forschung
C.2.8 Tendenzen
C.2.9 Aussichten für die Zukunft
Die derzeitigen Aussichten sind nicht gerade rosig. Es gibt keine Ansätze zur Einkommensverbesserung und zur sozialen Sicherstellung der großen Masse der Bevölkerung, die von manueller oder geistiger Arbeit ihren Lebensunterhalt verdienen muß (und will).
Es gibt keinen gewerkschaftlichen Schutz, keine Organisation, die Interessen der Arbeitenden tatsächlich vertreten darf. Gewerkschaften sind offiziell vorhanden, die aber die gleiche Rolle spielen wie in den ehemaligen leninistischen Ländern. Sie sind "gleichgeschaltet", wie es im Dritten, dem Tausendjährigen Reich des Hitlerdeutschlands hieß.
Wegen der Unmöglichkeit, die Kaufkraft der breiten Bevölkerungsmasse zu erhöhen, kann keine wirtschaftliche Verbesserung eintreten.
Verbraucherschutz ist ein Fremdwort. Technische Normen sind kaum vorhanden. Daher paßt oft nichts zusammen, was man kauft. Qualitätskontrollen werden von staatlichen Institutionen selten durchgeführt, in manchen Ländern überhaupt nicht.
Aus diesem Grunde sind eventuell exportfähige Produkte für den Weltmarkt nicht konkurrenzfähig bzw. nicht "reizvoll".
Ich habe zwei chinesische Uhren gekauft, eine mit einem modernen elektronischen Antrieb, die lief nach Einsetzen der Batterie entgegen dem Uhrzeigersinn. Nachdem ich zwei Räder vertauscht hatte, geht sie bis heute sehr genau. Die andere Uhr, ein einfacher mechanischer, schön laut tickender Wecker bliebt bei einer bestimmten Zeigerstellung stehen. Das Gehäuse war verbogen und ein Zahnrad. Nach Zurechtbiegen läuft auch diese einigermaßen (mal vor mal nach. Aber die Zeit in einem Entwicklungsland wird sowieso kaum eingehalten). Dann habe ich ein Ladegerät für Kleinbatterien angeschafft, das nach Betrieb stark stank. Irgend etwas schmorte. Ein sogenannter Brückengleichrichter, bestehend aus 4 einzelnen Dioden (Halbleitergleichrichter) war falsch gepolt. Die Liste kann ich auf zig Seiten ausdehnen, wie z.B. Kauf einer völlig falsch berechneten Fernsehantenne, zwei verschieden lange Strümpfe usw. usw. Brauche ich einen neuen Stecker, kaufe ich immer zwei; denn in einem fehlt bestimmt eine Schraube zum Kabelbefestigen.
Patent- und Kopierrechte ("Copyright") werden in der überwiegenden Zahl der Länder ignoriert. Aus diesem Grunde weigern sich Lieferanten (mit Recht) kompliziertere technische Produkte mit notwendigen Reparaturunterlagen auszuhändigen. Damit bleiben defekte Geräte unbenutzt und unbenutzbar liegen.
Da es keine Ansätze zur Demokratisierung, vor allem nicht zur Machtkontrolle gibt, ist eine Verbesserung der Situation nicht möglich. Jegliche belebende Kritik ist nahezu tödlich. Es besteht also keine Möglichkeit,
- Kinderarbeit zu verbieten,
- die Arbeit an eine menschlich zumutbare Zeit anzupassen,
- die Arbeitsbedingungen (Reduzierung der Unfallgefahr und der Gesundheitsgefährdung) zu verbessern,
- die Einkommen über das Existenzminimum zu heben.
In manchen Entwicklungsländern werden Kinder von ihren Eltern verstümmelt, damit sie später als Bettler genügend Mitleid erregen. (Das muß man sich mal vorstellen. Menschen sind zu allem fähig. Aber es gibt auch Katzen, die ihre eigenen Jungen fressen.)
Wegen der Rechtsunsicherheit haben die Reichen alle ihre Bankkonten in's Ausland verlegt. An Investitionen wagen sie sich nicht. Neue Industrien und damit Arbeitsplätze, was gleichzeitig potentielle Erhöhung der Konsumenten bedeutet, werden nicht geschaffen.
Wegen der hemmungslosen Vermehrung der Bevölkerung streben die Entwicklungsländer (offensichtlich unaufhaltsam) einer Katastrophe zu: Keine Möglichkeit der ausreichenden Ernährung, der Versorgung mit Wasser und Energie, geschweige denn, der sozialen Sicherstellung, einer ordnungsgemäßen Gesundheits für- und -vorsorge.
Dennoch findet man immer wieder Menschen, die (risikofreudig) Waren beschaffen, die eine Reparatur mit primitivsten Mitteln ausführen, die Ersatzteile aus Abfällen, zumindest für eine Übergangszeit fertigen, die in einer Art Hundehütte eine Kleinproduktion zustande bringen, die elektrische Leitungen zusammenflicken. Ich wundere mich nur, daß ich noch nie ein Haus wegen eines Kurzschlusses oder einer defekten Gasleitung oder ausgelaufenem Öl in Flammen gesehen habe. Ich habe noch keinen Ölbrenner gesehen, der nicht leckt und Gestank verbreitet. Mir erklärte jemand, daß ja in einer Wohnung, einem Haus immer jemand wäre, um den Beginn einer größeren Katastrophe rechtzeitig zu entdecken und zu verhindern.
Überregionale Aspekte
C.3 Betrachtungen über geschichtliche Entwicklungen
C.3.1 Voraussetzungen für die Entwicklung
a) Umweltbedingte Voraussetzungen
Im Gegensatz zu den heutigen Industrienationen hatten die Entwicklungsländer günstige klimatische Voraussetzungen:
n Keine starken Klimaschwankungen, so daß zu jeder Jahreszeit die Natur etwas Eßbares hervorbringt und keine Vorsorge für eine fruchtlose Zeit getroffen werden mußten.
n Keine hohe Bevölkerungsdichte in einer oft sehr üppigen Natur, die reichlich bot: Eßbares und Wasser im Überfluß.
Aus diesen Gründen brauchte kaum Erfindungen zur Lagerhaltung von landwirtschaftlichen Produkten für die kalte Winterzeit überlegt werden, war es also nicht notwendig, sich zu viele Sorgen um die Zukunft zu machen.
Es war auch nicht so notwendig, Kriege anzuzetteln, um ein anderes Land zu besetzen, was die Versorgung verbessert hätte.
b) Unterwerfung durch Kolonialisierung und missionarische Aktivitäten
Fast alle Entwicklungsländer waren ehemals Kolonien der Industrienationen, welche eine oft rücksichtslose Ausbeutungspolitik betrieben haben nicht nur an Grundrohstoffen, wie Erze, Chemikalien (Phosphate z.B.), landwirtschaftliche Produkte (Gewürze, Früchte, die das ganze Jahr über wachsen). Auch menschliche Arbeitskräfte wurden ausgebeutet als Diener und für andere niedere Arbeiten, ja sogar als Sklaven, die rechtlich den Tieren gleichgesetzt waren.
Oft wurden die Kolonien auch als Handelsstützpunkte bewertet, wo Schiffe anlegten, Waren umschlugen und die Mannschaften sich erholen konnten. Typische Beispiele sind Hong Kong und Singapur.
Die Kolonialherren waren nicht an einer Entwicklung der von ihnen unterworfenen Länder interessiert. Während sich in Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika bereits soziale Fortschritte abzeichneten, beispielsweise mit Bezug auf Verbot von Kinderarbeit, Reduzierung der Arbeitszeit, Sicherheitsvorkehrungen am Arbeitsplatz, Altersversorgungen, Kranken- und Unfallversicherungen, Schulpflicht, wurden solche "Errungenschaften" auf die kolonialisierten Staaten nicht ausgedehnt.
Nach der Unabhängigkeit wurden und werden die meisten Länder von einheimischen Landesherren in Besitz genommen und tyrannisiert, die Ausbeutung weiterbetrieben, ja sogar jede Ansätze einer Entwicklung und einer Humanisierung brutal unterdrückten. Unterstützung finden sie bei den ehemaligen Kolonialherren, die daran interessiert sind, daß der von ihnen oft hinterlassene Scherbenhaufen sich ja nicht zusammenfügt. (Vielleicht spielt da auch ein ganz primitives Denken eine Rolle: Nun sind sie unabhängig, was sie ja immer wollten. Aber ach ja, da seht ihr, daß die Primitivlinge ohne uns nicht fertig werden.)
Landesgrenzen, die von den ehemaligen Kolonialherren willkürlich gezogen worden sind, ohne auf Zugehörigkeiten zu Volksgruppen (Stämmen) Rücksicht zu nehmen, werden von den nunmehr Herrschenden verbissen aufrecht erhalten und mit Zähnen und mit Klauen verteidigt, ja versucht auszudehnen.
c) Zufälligkeiten
d) Vielvölkerstaaten, ethnische Gruppen, Minderheiten, Urbevölkerung
C.3.2 Folgen der geschichtlichen Entwicklung
Wirtschaftliche und kulturelle Gegebenheiten
Zwischenstaatliche Ergebnisse
Menschliche Gegebenheiten
Da gibt es eine Untersuchung von dem Arzt, Christoph Staewen [x], der einen Unterschied zwischen Menschen in Industrienationen und afrikanischen Ländern zu begründen versucht:
In Afrika werden und wurden die Kleinkinder immer von ihren Müttern umhergeschleppt. Sie fühlten sich nie allein und werden sogleich gestillt, wann immer sie ein Bedürfnis kundtun. Dadurch sind die Menschen an die Einhaltung von festen Zeiten , überhaupt an einen Zeitbegriff nie gewöhnt und zur Passivität erzogen worden, während sie in den Industrienationen gelernt haben zu warten und auf sich aufmerksam zu machen.
Nun ist der Zeitbegriff die Grundlage jeglicher Planung und organisatorischer Tätigkeit, womit sich die Afrikaner äußerst schwer tun.
Kommentar: Dieses Ergebnis der Untersuchung von Herrn Staewen scheint auch mir ein Grund für das fehlende Interesse an Planung und Organisation in Entwicklungsländern allgemein zu sein; denn in allen Entwicklungsländern, die ich kennengelernt habe, also auch asiatische, lateinamerikanische, islamische, kümmern sich die Erwachsenen um die Kinder mit viel größerer Sorgfalt. Die Kinder sind nie und nirgends in den Großfamilien allein und werden regelrecht verhätschelt. Aber es ist nur ein Faktor, der als Erklärung für das mangelnde Zeitempfinden und damit für den Drang zum Planen und Organisieren dienen kann.
C.4 Schlußfolgerungen
a) Soziale (wirtschaftliche und politische) Situation
b) Voreingenommenheiten und Bewußtseinssituation, Einfluß von Ideologien und Traditionen
In Syrien hatte sich ein junges Mädchen mit einem jungem Mann eingelassen, wobei ihre sogenannte Unschuld verloren gegangen war. Die Eltern bekamen das Ereignis mit. Der streng christlich gläubige Vater ergriff ein großes Schlachtermesser und durchschnitt seiner Tochter die Kehle vor den Augen seiner Ehefrau, so wie ein Hammel abgeschlachtet wird. Die Verwandten und Bekannten strömten herbei, um ihm zu gratulieren; denn er hatte das schlimme Vergehen seiner Tochter in traditioneller Weise gesühnt. Die polizeiliche Untersuchung bestätigte, daß es kein Mord war.
Ein verliebter, junger Mann hielt bei einem alten Herrn um die Hand seiner Tochter an. Der Vater verweigerte die Tochter, weil der Bewerber nicht die Voraussetzungen erfüllte (Einzelheiten sind nicht so wichtig). Der junge Mann sah ein Gewehr, ergriff es, zielte auf den Vater seiner Angebeteten, ein Schuß ging los und durchschlug die Hand des alten Herrn. Der Schütze floh, wurde aber vom, mit besagten Gewehr bewaffneten Bruder des Mädchens aufgesucht und in den Kopf und das Herz geschossen. Dieser Fall wurde als Blutrache gesehen und keineswegs als Mord (oder Totschlag).
c) Entwicklungsmöglichkeiten
d) Allgemeiner Beitrag zur Entwicklung der Menschheit
Es muß leider festgestellt werden, daß im Allgemeinen aus den Entwicklungsländern keinerlei Impulse kommen (können), die Anregungen zur Weiterentwicklung der Menschheit geben könnten, weder gesellschaftlich noch wirtschaftlich, technisch, kulturell. Die Entwicklungsländer sind von ihren Landesbesitzern "eingekocht" worden. Da werden die Traditionen konserviert und die Religionen. Da werden Menschenrechte völlig mißachtet, das Einzelindividuum in die Masse geknetet. Wer selbständig laut denkt, wird beseitigt.
Um nur ein Beispiel zu nennen: Die riesige Zahl allein von Kunstrichtungen in den Industrienationen, die teilweise traditionelle Komponenten aus Entwicklungsländern eingearbeitet haben, gibt es in Entwicklungsländern nicht. Da wird lediglich kopiert. Es gibt auch in diesen Ländern hervorragende Künstler, z. B. Schriftsteller, die jedoch dann meistens ihre Veröffentlichungen in einem Industrieland wagen.
Psychologen, Philosophen, Antropologen, Wissenschaftler sind so gut wie unbekannt, außer aus Indien (übrigens eine Demokratie, was ja bezeichnend ist).
Da wird in der Regel - wie schon gesagt - nur ein wenig kopiert, was es bereits lange schon irgendwo in einer Industrienation gibt. Die arabische Musik (monophon, also alles auf ein und denselben Ton abgestimmt wie der alte Gregorianische Gesang) wird heute noch so dargeboten wie vor Hunderten von Jahren. Da die Menschen an Experimentierfreude nicht gewohnt sind, setzen sich sehr ansprechende Kompositionen eines Solhi Al-Wadi (Leiter des Musikkonservatoriums in Damaskus) nicht durch. Es bleibt bei einer einmaligen (auszugsweisen) Übertragung im Fernsehen. Der Komponist muß also versuchen, sich einen Bekanntheitsgrad im Ausland zu verschaffen.
Da wird versucht, (sogenannte angepaßte) Technologien einzuführen, wozu die Beziehung, das eine Entwicklung voraussetzende Verständnis fehlt, ohne Ausbildung, ohne eigene Forschung, ohne spielerisches Lernen der Kinder im Umgang mit technischen Geräten. Daher stehen dann komplizierte Maschinen und technische Geräte ungenutzt umher. Tritt ein Defekt auf, sind sie unbenutzbar; denn eine Reparatur wird selten durchgeführt. (irgendwann wird dann ein bei einer Industrienation ein Antrag gestellt, neue Geräte zu beschaffen.)
Dabei kann ich aus meiner Erfahrung in etwa 30 Entwicklungsländern sagen, daß es durchaus nicht an den Fähigkeiten der dortigen Menschen mangelt. Aber sie dürfen nicht, wie sie gerne möchten. Darin liegt das große Hindernis. Die Machtinhaber bremsen aus Eigeninteresse jegliche Entwicklung. Es ist ja bekannt, daß alle, meist schlecht ausgebildeten Despoten eine instinktive Angst vor den sogenannten Intellektuellen haben. Sie spüren, daß diese sie nicht so recht ernst nehmen.