Bücher: Kleiner Auszug aus "Die Zeitbombe tickt... "

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I n h a l t :

Bei den im Text gezeigten Bildern erscheinen bei "Mauszeiger auf Bild" nicht immer Erklärungen!

 

A. Allgemeine Betrachtungen

 

A.1 Phychologische Gegebenheiten.............................................................................

A.1.1 Machtstrukturen und Mittel zur Machterhaltung...............................................

          a)  Definition der Macht.......................................................................................

          b)  Charaktereigenschaften der Machtinhaber.........................................................

          c)  Charaktereigenschaften der Untergebenen.........................................................

          d)  Umwelt und Erziehung....................................................................................

          e)  Zusammenhang zwischen Körper und Seele......................................................

          f)   Das Massenverhalten......................................................................................

A.1.2 Ideologien (allgemein und als Religionen), Weltanschauungen und Traditionen.....

          a)  Das Christentum.............................................................................................

          b)  Der Islam.......................................................................................................

          c)  Der Hinduismus..............................................................................................

          d)  Der Buddhismus.............................................................................................

          e)  Der Schintoismus............................................................................................

          f)   Das Judentum................................................................................................

          g)  Andere Religionen...........................................................................................

          h)  Weltanschauungen..........................................................................................

          i)   Traditionen.....................................................................................................

          j)   Kritik an ideologischen Systemen und Traditionen.............................................

 

A.2 Betrachtungen über geschichtliche Entwicklungen.................................................

A.2.1 Betrachtungen vor „Adam und Eva“..................................................................

          a)  Der Urknall, Energie und Materie, Entwicklung des Kosmos...............................

          b)  Entwicklung der Erde und Voraussetzungen der biologischen Entwicklung...........

 


 

A.  A l l g e m e i n e   B e t r a c h t u n g e n

 

Unter diesem Kapitel möchte ich mir, zusammen mit Ihnen zuerst einmal ein paar allgemeine Themen anzuschauen, die einen wesentlichen Einfluß auf unser Zusammenleben haben und die sich auf die Zukunft der Erde mit ihren Bewohnern auswirken. Beginnen wir mit:

 

A.1 Psychologische Gegebenheiten

 

Ohne einige Kenntnis der Psychologie, also über die Wissenschaft unseres seelischen Verhal­tens und das unserer Mitmenschen, aber auch der Tiere würden wir manche Sachverhalte nur oberflächlich erkennen, und wir würden die Möglichkeiten zu notwendigen wirtschaftlichen und sozialen Veränderungen und vor allem auch Wahrscheinlichkeiten erforderlicher Umstellungen unserer eingefahrenen Verhaltensformen, um zu retten, was noch zu retten ist, falsch einschätzen.

 

Ich persönlich halte die psychologischen Gegebenheiten für das wichtigste Hindernis beim Gegenlenken gegen die (schleichende) Katastrophe, auf die unsere Erde durch unsere „Machen­schaften“ zusteuert.

 

A.1.1 Machtstrukturen und menschliches Verhalten

 

a) Definition der Macht.

 

Max Weber [1] [x], der 1920 in München im Alter von 56 Jahren verstorbene Sozialökonom, Wirtschaftshistoriker und Begründer der verstehenden Soziologie, hat Macht definiert als „die Chance, innerhalb einer sozialen Beziehung den eigenen Willen auch gegen Widerstreben durch­zusetzen, gleichviel, worauf diese Chance beruht.“

 

Der österreichische Psychiater und Psychologe Alfred Adler, Schüler von Sigmund Freud, lange Zeit Professor an der Co­lumbia Universität in New York, starb 1937 in Schottland im Alter von 67 Jahren. Unter Abwandlung der psychoanalytischen Lehre Freuds begründete er in seiner Individualpsychologie [1], daß der Hauptantrieb menschlichen Handelns nicht, wie bei Freud, im Sexu­altrieb, sondern im Macht- und Geltungsstreben, einem Aggressionstrieb zu sehen sei, als so­genannte „Manifestation des Willens zur Machtausübung“.

 

Die Grundlagen der Macht können sein: physische, also körperliche und psychische, d.h. geis­tige Überlegenheit, Wissensvorsprung, höhere Informiertheit, überlegene Organisationsfä­higkeit, mit sich daraus ergebender höherer Effizienz. Oft ist der „Mächtige“ in einem Charis­maglauben (griechisch: Gnadengabe) behaftet, also im Glauben, mit besonderer Weisheit und Er­kenntnis, mit Heilungsbegabung ausgestattet zu sein. (Dazu gibt es interessante Dinge zu lesen im „Neues Testament, 1. Korinther 12 - 14“. Vielleicht haben Sie eine Bibel zur Hand.)

 

Weitere Voraussetzungen zum Erfolg der Mächtigen sind: eingeschränktes Sozialbewußtsein bei demjenigen, der „an der Macht“ ist, aber bei den ihm Unterworfenen, vor allem Angst.

 

Die Verhaltensforscher meinen, beispielsweise durch (widerwärtige) Tierversuche nachge­wiesen zu haben, daß die Erlangung von Macht über andere Lebewesen als Bedürfnis nach Selbst­erhöhung, Selbstbestätigung im sozialen Konflikt und als Selbstbehauptung im Konkur­renzkampf begründet ist.

 

Ich bin ein großer Tierfreund und habe mich besonders auf Hauskatzen „spezialisiert“. Meine Bekannten sind überrascht, daß „meine“ Tiere sehr gut miteinander auskommen. Eigentlich sind ja Katzen bekannt als Einzelgänger und ihresgleichen gegenüber nicht so wohlgesonnen. Wild lebende Tiere bekämpfen sich. Knurren und Fauchen ist das mindeste, was man von ihnen hört, wenn beispielsweise irgendwo etwas zum Fressen entdeckt worden ist, an das mehrere ran wol­len.

 

Da die Katzen in meiner Wohnung in Syrien keinen Mangel an Futter leiden, sich von klein auf kennen, fressen sie völlig friedlich alle zusammen von einem großen Tablett. Nur wenn es mal etwas ganz besonders Schmackhaftes gibt, beginnen sie sich vielleicht zu schubsen. Aber in der Regel „reiben“ sie sich freundlich gegenseitig und spielen ohne Aggressionen miteinander, schlafen zusammen, dabei aneinandergeschmiegt. Tierpsychologen behaupten, daß sie das nur tun, weil sie Wärme lieben und daher die Körperwärme der Mitkatzen ausnutzen wollen. Nun ist es aber bei mir im Sommer so heiß, daß sie ein wenig voneinander wegrücken, aber sichtbar doch beieinander bleiben wollen. Vermisse ich ein Tier, hilft eine andere Katze beim Suchen. Da werden keine „Signale“ in meiner Wohnung verspritzt, um damit einen eigenen Lebensbereich abzugrenzen, wie das häufig vorkommt, wenn Konkurrenzgefühle aufkommen (wenn die Tierhal­ter einige beispielsweise bevorzugen). Dann ist die Bude eines Katzenhalters mit einem widerli­chen Gestank erfüllt.

Koexistanz, wenns allen gut gehtDieses Beispiel zeigt, daß auch Tiere „sozialisiert“ werden können. Bei den Tierversuchen werden Tiere unter Streß gesetzt, wird der Konkurrenzkampf gepflegt, mit Chemikalien und allen Arten der Folter eine Situation geschaffen, in der die Tiere sich dann so aufführen, wie der Ex­pe­rimentator es vorausgesehen hat. Er erfreut sich an seiner Bestätigung: „also genau so“...

 

Die Tierversuche sind völlig unnötig. Beobachtungen des Lebens in der Natur und auch von Menschen in Ausnahmesituation, in wirtschaftlicher Not und im Gefängnis beispielsweise würden durchaus ausreichen, um die „Aggressionstheorien“ (und vieles andere) bestätigt zu bekommen.

 

Die Tiere, die ich draußen, zwar auch ziemlich regelmäßig füttere, zeigen dennoch eine ganz andere Verhaltensform. Sie fauchen sich an, jagen sich, verspritzen ihre Markierungen zum An­zeigen eines Besitzanspruchs.

 

Auch individuelle Unterschiede habe ich beobachtet: Da kommt ein schon älterer Kater, ein ungewöhnlich großes Vieh, der dauernd hungrig ist. Er legt ja auch, nach meinen Beobachtun­gen, kilometerweite Strecken zurück, um Futter zu finden und ist vor allem ständig auf der Suche mach einer begattungsbereiten Katze. Aber er läßt allen anderen, auf Magenfüllung Wartenden, den Vorzug. Wenn ich etwas zum Fressen heraustrage, setzt er sich in einige Entfernung und wird erst dann etwas besorgt, wenn die Schale, auf der sich Futter befindet, leer wird. Ist sein Hunger zu groß, geht er dann los in Richtung auf die breite, ganz flache Schüssel, richtet sich drohend hoch auf und senkt den Kopf wie ein zum Kampf ansetzender Stier. Wegen seiner beson­deren Größe rücken dann die anderen Katzen zur Seite, um ihm Zugang zur Mahlzeit zu gestat­ten.

 

Eine andere Katze, die ich von klein auf kenne, die also wissen müßte, das kein Kampf um ei­nen Platz am Futternapf notwendig ist, stürzt sich auf die Schale, setzt sich mitten darauf, faucht, knurrt, breitet alle Pfoten aus, um einen alleinigen Besitz zu beanspruchen. Sie frißt in einer Weise, als wäre es die letzte Gelegenheit für lange Zeit. Sie ist so dick und rund, daß sie „aus den Nähten platzt“. Da haben Beispiele von 2 ganz verschiedenen Charakterprägungen.

 

Übrigens eine Empfehlung für Katzenhalter: Vermeiden Sie tiefe Näpfe; denn die Tiere haben ja von der Oberlippe ausgehende Fühlerhaare, Schnurrhaare genannt, obwohl sie damit nicht schnurren. Die stoßen dann gegen den Rand einer tiefen Schale. Das ist ihnen sehr unangenehm, und sie zerren Ihnen das Futter aus dem Napf, um es unbehindert neben dem Gefäß zu verzehren. Auch sollte eine breite, also nicht tiefe Schüssel aus Plastik verwendet werden, damit die Tiere beim Anstoßen ihrer Zähne an beispielsweise hartes Metall oder Keramik während des Zubeißens nicht den Stoß zu sehr spüren. Sonst zerren sie Ihnen den Inhalt, ein Fleischstück, vielleicht in Soße einge­hüllt, auf den weichen Teppich, den Sie dann mühevoll säubern müssen.

 

Damit will ich ein Beispiel geben, daß wir einiges auch über unsere lieben Tiere wissen müs­sen, um Ärger zu vermeiden. („Warum schleppen die verdammten Viecher alles umher?... Diese Schweinerei...“ Es ist wegen unserer Unkenntnis.)

 

Falls Sie nach meiner Empfehlung die Futterschalen ausgetauscht hatten, werden Sie in Wut geraten gegen mich: „Dieser Idiot erzählt völligen Blödsinn“; denn nach wie vor zerren Ihre Kätzchen wahrscheinlich immer noch alles neben ihre Freßunterlage und auf den Teppich. Ja, aber warum? Auch unsere Tierchen unterliegen den eingewöhnten Vorprägungen. (Wenn Menschen von ihren Gewohnhei­ten so schlecht wegkommen, dann doch die Katzen wohl erst recht, die in ihrer „geistigen“ Ent­wicklung auf einem vergleichsweise frühkindlichen Niveau stehenbleiben.)

 

Doch zurück zu den Menschen und zuerst mit einem Beispiel für angewöhntes Verhalten: Ich arbeite zur Zeit in der Syrisch Arabischen Republik und besuchte einmal mit einem syrischen Projektkollegen, der (fast) völlig ideologiefrei denkt und eine gute Ausbildung bis zum promovier­ten Physiker in Europa genossen hat, eine uralte Klosterkirche. Beim Eintreten rutschte er in ei­nen Knicks und schlug ein Kreuz. Ich war ziemlich enttäuscht. Doch dann erklärte er mir, nach­dem er meinen erstaunten Gesichtsausdruck richtig gedeutet hatte, daß das bei ihm automatisch abgelaufen sei, weil man ihm, als Katholik erzogen, das so beigebracht hätte (als so etwas wie ein bedingter Reflex im Sinne des berühmten russischen Psychologen Iwan Petrowitsch Pawlow).

 

Neben den politischen Machtstrukturen in Staat, Wirtschaft und Gesellschaft im Allgemeinen bestimmen eben diejenigen, die die Macht an sich gerissen haben, wobei zu sagen ist, daß in den In­dustrienationen die Machtstrukturen weitgehend personen-ungebunden sind. Sie sind system­be­dingt. Wenn da jemand glaubt, daß beispielsweise ein anderer Wirtschaftsminister die beste­hende „Wirtschaftsmisere“ wieder in den Griff bekommen würde, dann wird er sich täuschen.

 

Um die Macht muß immer gekämpft werden. Die Macht fällt niemandem von alleine zu.

 

Machtstrukturen werden schon durch ein sich Behaupten zum Beispiel in Rollen von Mann und Frau, Eltern, Lehrern gesetzt, die vielfach und wesentlich die Handlungen der Menschen und die zwischenmenschlichen Beziehungen in allen Bereichen bestimmen, angefangen von der Ehe, der Familie, über Berufsausübung, ja bis zur Freizeitbeschäftigung, dort beispielsweise in Form von sportlichen Wett­kämpfen.

 

In allen Gesellschaften wird schon im Kindergarten und der Schule Wettbewerbsdenken geför­dert und Konkurrenzkampf „gezüchtet“.

 

Normen der Ethik (Normen des menschlichen Handelns) und Kontrollsysteme des Rechts sollten theoretisch der Machtausübung Grenzen setzen. In der Praxis zeigt sich aber, daß gerade die Ethik und das Recht als sublime Instrumente genutzt werden. Der Mächtige versteht es, die ethischen Normen und das Recht zu seinen Gunsten zu interpretieren und zu nutzen, ja sogar auf sich zuzuschneidern, wofür die Normen des menschlichen Handelns und das Recht im Hitler­re­gime als extremes Beispiel genannt werden können.

 

Vor allem in der Wertehierarchie der Ethik [1] kann die Machtbewertung zur radikalen Beja­hung und Verherrlichung der Macht gesehen werden (wie von den Nationalsozialisten und ihren Mitläufern des Hitlerstaates) oder als strikt und kompromißlos abzulehnen, durch beispielsweise die Anarchisten [1], welche jede Art von Macht von Menschen über Menschen ablehnen (und das menschliche Zusammenleben auf der Basis von Gleichheit, unbeschränkter Freiheit des Einzelnen, Gerechtigkeit und Solidarität untereinander verwirklicht haben wollen). Sie wollen den Staat als politisches und das Eigentum als wirtschaftliches Herrschaftsmittel ab­schaffen, wenn nötig unter Anwendung von Gewalt, Massenstreik, Putsch und Attentat.

 

b) Charaktereigenschaften des Machthabers

 

In der psychoanalytischen Theorie wird der Aggressionstrieb als einheitliche Antriebsquelle gesehen. Sigmund Freud meinte, daß dieser Aggressionstrieb ins Biologische hinabreicht, wäh­rend Alfred Adler den Aggressionstrieb als eine „Manifestation des Willens zur Macht“ sah.

 

Wie auch immer, der Aggressionstrieb spielt bei den Machhabern eine große Rolle [1]. Grund­sätzlich kann man davon ausgehen, daß der Boß ein aggressiver Typ sein wird. Nach einer Selbst­diagnosehilfe von John M. Oldham und Lois B. Morris („Wie gut kennen Sie sich selbst?“, Psy­chologie Heute, Oktober 1992) „bewegen sich aggressive Männer und Frauen instinktiv zur Spitze. Sie sind zur Herrschaft genauso sicher geboren wie der Leithund in der Meute.“

 

Was sind also die typischen Charaktereigenschaften?

 

Aggressive Menschen sind starke und energische Persönlichkeiten, haben keine Angst vor dem Versagen, wenn ihnen Verantwortlichkeit übertragen wird. Sie scheuen vor allem keine Ausei­nandersetzung, keinen Wettkampf. Sie gehen in den Kampf schon mit dem Gefühl, daß sie siegen werden. Sie sind dauernd in Aktion und fühlen sich wohl, wenn sie Macht, Autorität und Verantwortung haben, legen Wert auf Disziplin und erwarten Gehorsam. Sie dulden nicht gerne Widerspruch, lieben Risiko und Abenteuer, sind weder zimperlich noch zaghaft, haben vor allem keine Angst, wie schon gesagt.

 

"Selig seid ihr Armen..."Besonders ist hervorzuheben, daß sie gut „funktionieren“, insbesondere in einer vorgegebenen Machtstruktur, in der die Rangordnung, die „Leiter“, auf der sie emporklettern wollen, klar sichtbar ist. Damit können sie als traditionsbewußt bezeichnet werden; denn sie haben immer ein klares Ziel vor Augen, dem sie mehr oder weniger rücksichtslos zustreben.

 

Menschen mit solchen Charaktereigenschaften sind in den bisherigen Gesellschaftssystemen durchaus erwünscht; denn sie treiben die Dinge voran. Sie treffen Entscheidungen, können durch­aus ihren Untergebenen gegenüber eine bedeutende Fürsorgesorgepflicht empfinden und überneh­men diese sogar gerne, eben wie der Leithammel, der instinktiv seine Herde gut führt und ihr Gemeinwohl im Auge hat. Der psychisch normal aggressive Typ ist sportlich und „fair“ (korrekt, unparteiisch, gerecht), kann eine Niederlage durchaus verkraften.

 

Leider haben auch die aggressiven Typen oft (statistisch allzu oft) psychische Störungen, die sich dann meistens in sadistischen Zügen äußern mit verhängnisvollen Folgen. Der Mächtige neigt in einem solchen Fall  dazu, seine Untergebenen zu schikanieren, zu verletzen, zu erniedrigen, ja ihnen Gewalt anzutun. Sie - die Mächtigen, je höher in der Position - nötigen, drohen mit lauter Stimme, verbreiten Angst und Schrecken um sich. Wehe, wenn da mal jemand wagen sollte zu sagen: „Nein, Herr Präsident... Ich bin völlig anderer Meinung, Herr Direktor.“

 

Bezeichnend ist ja, daß einige Mächtige dauernd mit einem Schlagstock umherlaufen oder liefen, wie die alten Schullehrer, die preußischen Offiziere, die Kolonialisten. Ein Zepter und der Marschallstab haben zumindest symbolischen Charakter (ein Papst mit Kruzifix-“Stock“ im Bild).Volksverhetzung ist bei Politikern sehr beliebt

 

Der Mächtige schreit seine Hetzparolen in die Menge, die er damit mitzureißen und aufzuput­schen versucht wie der Rechtsradikale namens Frey im Bild.

 

Gerne schmückt sich der Mächtige in besonderer Weise, womit er seinen Mitmenschen imponieren und sich von Ihnen abheben will. (Leider, leider fällt die breite Masse auch auf sie nicht selten herein.)

 

Die psychisch gestörten Aggressiven tun alles, um an der Macht zu bleiben und ihren, oft blinden Willen durchzupeitschen.

 

Es kann sicher behauptet werden, daß, je höher ein Mensch mit stark aggressiven Charakterzü­gen angesiedelt ist, desto mehr ist er oft psychisch gestört; denn ganz an die Spitze kommt nur derjenige, den Rücksichtslosigkeit, Skrupellosigkeit, mehr oder weniger krankhafter Wille zur Macht auszeichnet. Umso wichtiger ist daher, Kontrollmöglichkeiten zu haben und Grenzen der Macht setzen zu können, die aber von den Untergebenen aus Angst oft nicht wahrgenommen werden.

 

Fast jeder kann am Arbeitsplatz und in der Politik beobachten, daß der wirklich Mächtige sich mehr oder weniger mit ausgesprochener Dummheit auszeichnet. Er ist ja zumindest konservativ und Neuerungen schwer zugänglich. Werden die Anweisungen des Chefs blind ausgeführt bricht alles zusammen (Dienst nach Vorschrift). Der Fortbestand einer Firma steht und fällt mit den Sachbearbeitern. In der Politik werden notwendige Reformen erst dann vorgenommen, wenn sie „überreif“ sind. Reformvorschläge kommen niemals vom Präsidenten, der sich - im Gegenteil - gegen alles erst einmal wehrt.

 

Natürlich hat auch der Mächtige eine mehr oder weniger große Palette an anderen Charakter­eigenschaften, worauf aber nicht unbedingt eingegangen werden muß. (Natürlich ist alles sehr komplex, d.h. vielseitig, und kaum ein Mensch kann völlig klar irgendwo eingeordnet werden.)

 

Hermann Müller kommt abgerackert nach Hause, öffnet die Haustür und ruft: „Verdammt noch mal, das stinkt ja hier. Was gibt es denn heute wieder für einen Fraß?“

 

Seine Frau kommt ihm zur Begrüßung entgegen, obwohl sie genau weiß, das heute wieder „dicke Luft“ herrschen wird.

 

Prompt wird sie auch angefahren: „Kannst du dir nicht mal was Vernünftiges anziehen. Du bist eine richtige Schlampe.“

 

Der Sohn, der rasch das Fernsehgerät ausgeschaltet hat, das Wohnzimmer verlassen will, um in seinem Zimmer Zuflucht zu suchen, wird von seinem Vater am Arm gepackt und angebrüllt: „Solange du die Beine unter meinen Tisch streckst, hast du zu tun, was ich sage. Da wird nicht vor der Glotze gesessen. Erst hast du die Schulaufgaben zu machen und dein Zimmer aufzuräu­men. Das schau ich mir gleich mal an. Da sieht es bestimmt wieder aus wie Kraut und Rüben. Ich gebe Dir 5 Minuten Zeit, und jetzt verschwinde, du Nichtsnutz!“

 

Nachdem Hermann sich Hausschuhe angezogen und sich kurz das Gesicht gewaschen hat, begibt er sich in das Zimmer seines Sohnes. Von dort hört man ihn bis in die Nachbarschaft: „Das habe ich mir ja gleich gedacht, wie das hier aussieht.“ Poltern und Schreie des Zehnjährigen lassen vermuten, daß der Vater auf ihn einprügelt.

 

Beim Abendessen hat die Familie dem Hausherrn zuzuhören, wie er über den „Scheißladen“ schimpft, der ihn als Lagerverwalter beschäftigt. Dabei fallen Sätze wie: „Dem habe ich Beine gemacht... Das lasse ich nicht durchgehen... Dem Chef habe ich auch meine Meinung gesagt.“

 

Als Frau Müller andeutet, daß sie etwas mehr Haushaltsgeld haben müsse, wir sie angebrüllt: „Du schmeißt das Geld zum Fenster raus, das ich sauer verdiene.“

 

Sie kann aber genau belegen, was sie in den vergangenen Monaten ausgegeben hat. Hermann Müller studiert die Liste sorgfältig und sagt ruhig: „Ja, ich sehe ein, das ich dir mehr geben muß. Aber 180 Mark zusätzlich müssen reichen. Der Junge braucht auch ein paar neue Schuhe und ein Fahrrad, damit es nicht so aussieht, als könnten wir uns nichts leisten.“

 

Hermann Müller ist streng, aber gerecht. Nachbarn bitten ihn gerne um Hilfe, wenn sie Ärger mit Handwerkern oder mit anderen Nachbarn hatten, da sie wissen, daß er Angst vor nie­mandem hat und meistens zu einem, schließlich von allen sich streitenden Parteien annehmbaren Urteil kommt. Er wird geachtet, wenn auch ein wenig gemieden, weil gefürchtet.

 

Schon bei diesen „kleinen Krautern“ schlägt in der Regel der typische Charakter, der den Mächtigen kennzeichnet, durch.

 

c) Charaktereigenschaften der Untergebenen

 

Im Extremfall tendieren Untergebene dazu, einen aufopfernden Stil zu haben. Sie fühlen sich wohl mit ihrem Platz im Ordnungsgefüge, sind mit sich, mit Gott und der Welt zufrieden. Sie pflegen zu sagen: „Da kann man ja nichts machen. Wir können die Welt nicht ändern. Das war immer schon so und wird auch so bleiben.“ Bei Letzterem meinen sie eher: „und so sollte es auch bleiben… Ich tue nur, was mir gesagt wird.“

 

Menschen mit aufopferndem Charakter zeigen sich oft großzügig, sind bereit, für andere ihr Hemd vom Hintern zu ziehen und wegzugeben. Sie brauchen nicht einmal um etwas gebeten zu werden. Sie zeigen in der „Reinform“ Rücksicht, sind ehrlich, aufrichtig und vertrauenswürdig, tolerieren Schwächen der Mitmenschen mehr oder weniger, stehen nicht gerne im Mittelpunkt, prahlen nicht. Sie können Leiden lange aushalten. Sie sind ein bißchen naiv und arglos.

 

Als psychische Störung wird gesehen, wenn die Aufopferung soweit geht, daß sie durch ihre Großzügigkeit in Schulden geraten, an ihrem Arbeitsplatz auf Urlaub verzichten. Sie können nie Nein sagen und neigen dazu, sich zu Menschen hingezogen zu fühlen, die sie ausnutzen. Von Letzteren gibt reichlich

 

Natürlich sind die aufgezählten Eigenschaften nur dem „unverdorbenen“, sich aufopfernden Menschen zuzuschreiben, den es in dieser Reinform natürlich auch nur ganz selten gibt.

 

Bei den meisten Menschen sind eben - wie schon erwähnt - viele Charaktereigenschaften mit­einander vermischt.

 

d) Umwelt und Erziehung

 

Der Mensch ist bekanntlich weitgehend „Produkt (Ergebnis) seiner Umwelt“ und wird vorwiegend durch seine frühe Kindheit geprägt. (Der seelisch kranke Mensch trägt unbewältigte Konflikte aus seiner Kindheit mit sich herum, sagen folgerichtig die Psychologen.)

 

Die Einflüsse auf die Kindheit bewirken, daß der einmal geprägte Mensch sich dann nur noch schwer ändern kann. Er ist mehr oder weniger „eingemacht“ (konserviert, konservativ), hält für den Rest seines Lebens in der Regel an der Religion fest, in die er „hineingeboren“ wurde, wird zumindest in fortgeschrittenem Alter fast unmöglich eine andere Sprache so gut wie seine „Muttersprache“ erlernen können, kann sich also nur schwer aus der frühkindlichen Umwelt mit ihrem Kulturkreis lösen. Das hat zur Folge, daß er kaum zu neuen Denkgewohnheiten findet - eine starke Behinderung für notwendige Reformen, so dringend sie auch durchgeführt werden müßten in unserer „schnellebigen Zeit“ mit täglich neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen.

 

Es wird hingenommen, daß der Mensch so oder so veranlagt ist und durch Umwelt und Erzie­hung zusätzlich geprägt, „konserviert“ wurde (ja sogar Schaden genommen haben könnte). Die Psychologen und Psychotherapeuten klassifizieren, d.h. ordnen uns ein in bestimmte „Schubladen“, zeigen vollstes Verständnis für unsere Macken und versuchen mit ihren Psychoanaly­sen und allen möglichen Arten von Therapien, wie Verhaltenstherapie, Gestalttherapie, Gruppen­therapie, Familientherapie und hundert mehr, unsere „Seele zu heilen“.

 

Allein am Beispiel der sogenannten Verhaltenstherapie als Dachbegriff, die auf eine Ände­rung der Verhaltensweise eines Menschen hinzielt, kann gezeigt werden, welche Entwicklung die modernen „Seelenheilungsmethoden“ genommen haben von der „Aversionstherapie“ (Ekel er­zeugenden) bis zur „kognitiven“ (der erkennenden, über den „Kopf laufenden“). Da wurde unter anderem die Aversionstherapie mit Elektroschocks bei Leuten angewendet, die ihre Sexualität auf das eigene Geschlecht gerichtet hatten und über Schmerzen dazu gebracht werden sollten, das Gereiztwerden ihrer „unnormalen“ Gelüste als widerlich und unangenehm zu empfinden.

 

Heutzutage wird eher vom (vermeintlich nicht geisteskranken) „Homo Sapiens“ verlangt, worunter die La­teiner den „weisen Menschen“ verstanden, daß er in der Lage sein sollte, über sich und sein Sein in seiner Umwelt nachzudenken und umdenken zu können, dabei seine Schwächen zu analysieren und diese zu seinem Wohl und dem seiner Mitwelt selbst abzumildern. [x]

 

Dieses Verlangen wird jedoch von vielen Fachleuten als problematisch angesehen; denn die Schere, auf deren einem Arm sich das Wollen befindet und auf dem anderen das Können, klemmt häufig und läßt sich nicht schließen.

 

Nachdem bekannt ist, daß Umwelt und Erziehung den Menschen letztlich prägen, ihn also für den Rest seines Lebens weltanschaulich und in seinem Verhalten festlegen, wird nur derjenige umdenken und neue Gegebenheiten erkennen und sich ihnen anpassen können, der bereits frühkindlich gelernt hat zu lernen und nicht nur alles auswendig oder - besser gesagt - inwendig. Andernfalls muß der angelernte Konservative sich einer langwierigen Verhaltenstherapie unterziehen, deren Ziel das Umlernen ist. Aber Hans lernt nun mal schwerer als Hänschen. Vor allem wird der angelernte Konservative sowohl sich nicht, als auch überhaupt nichts verändert haben wollen.

 

Kommentar:   All die Therapien und Analysen sind Werkzeuge, ich muß genauer sagen, verschie­dene Werkzeuge. Was ein Hammer schafft, kann man mit einem Schraubenzieher (heute Schraubendreher genannt) nur schwer machen. Sicher könnten jeweils nur eine oder vielleicht doch mehrere, sich ergänzende Methoden als wirkungsvoll bei bestimmten Leiden, also für unterschiedliche Probleme von Klienten angewendet werden, aber nicht jede x-beliebige. Da kann man ja weniger die Familientherapie zum Kurieren einer Phobie einsetzen (phobos, „Furcht“ auf Griechisch), z.B. der Platzangst, Angst vor Spinnen. Dennoch werden die verschiedenen Thera­piemethoden leider auch wie Glaubensrichtungen gesehen. Der Gestalttherapeut glaubt, daß er den Stein der Weisen in Händen hält. Der Verhaltenstherapeut schwört, daß seine Glaubensrichtung die allein selig machende ist und so weiter. Das ist jammerschade, daß Menschen immer nur mit Scheuklappen rumlaufen und völlig einseitig sind. Im Prinzip hätte ja auch ein Chirurg recht, dessen Spezialität das Zer­schneiden des Menschen ist, wenn er vorschlägt, bei einer Hepatitis, also einer durch Viren funktionsgestörten Leber. die sich als Gelbsucht äußert, diese Leber herauszuoperieren und durch ein Transplantat, also durch eine nicht von Viren befallene, von einem verunglückten aber sonst gesunden Menschen zum Beispiel, zu ersetzen...

 

Dieses Unterkapitel über Umwelt und Erziehung ist deshalb wichtig, weil das hier Erörterte das wesentliche Hemmnis erklärt, warum notwendige Veränderungen sich nicht so leicht durchsetzen lassen.

 

In diesen Zusammenhang sind die Betrachtungen, die unter dem Kapitel „Traditionen“ (Seite yy) zu finden sind, mit einzubeziehen.

 

e) Zusammenhang zwischen Körper und Seele

 

Da wird auch ins Feld gebracht, daß da sogar ein objektiv festgestellter Zusammenhang zwischen körperlichem und seelischen Befinden besteht oder genauer umgekehrt: Der seelische Zustand, den der Mensch zu schwer beeinflussen kann, wirkt sich auf den Körper aus. Es scheint erwiesen, daß bei

 

- seelischem Leiden (bei Trauer, bei unter starkem Druck stehen, „Streß“ genannt) die Versorgung der Haare mit Mineralien nachläßt, sich die Haare entfärben, also grau oder weiß werden, ja sogar ausfallen,

 

- depressiven Gefühlen das Immunsystem (die körpereigene Abwehr) geschwächt wird und der Stoffwechsel sich verlangsamt mit schlechterer Entgiftung des Körpers, wodurch die Zellen angegriffen werden und die Haut altert,

 

- seelischem Unwohlsein sich der Sauerstoffanteil im Blut um bis zu 40% reduziert mit der Folge, daß Zellen schlechter versorgt werden und zu Entzündungen bereit machen, insbesondere in den Gelenken, Wirbeln und Sehnen.

 

Diese Liste läßt sich weiter fortsetzen mit Einflüsse auf Gehirn (Erhöhung der Gefahr zu einem Schlaganfall), Herz (Infarktrisiko), Lunge (Lungenentzündung), Magen (Magenkrämpfe, schließ­lich Geschwüren), Leber (Entzündungen), Nieren (Steine) usw. Fast alle Allergien (Überempfindlichkeit gegen irgend welche Stoffe, angefangen von Lebensmitteln bis hin zu Tierhaaren) haben eine seelische Ursache. Manche Leute bekommen schon beim Anblick eines Gemäldes mit einem blühenden Kornfeld einen „Heu“-Schnupfenanfall (als „bedingten Reflex“).

 

Aber gerade diese Beispiele belegen, wie wichtig es ist, sich zu seinem eigenen Wohl seelisch zu gesunden. Wer möchte das nun aber nicht, sogar aus eigener Kraft, und wer will denn schon vorzeitig alt und grau werden, mit einer Lederhaut rumlaufen? Wer aber kann „über seinen Schatten springen“?

 

Die Beeinflussung des seelischen Zustands auf den Körper ist ja altbekannt, was Sprichworte beweisen wie: Der hat sich grün und blau geärgert (mangelnder Sauerstoff); dem ist eine Laus über die Leber gelaufen; der hat sich über Nacht aus Gram weiß gefärbt; was ich da gesehen habe, war zum Kotzen; der oder die grämt sich zu Tode usw.

 

Um aber zurückzukommen auf die summarische Charakteranalyse der Mächtigen, so kann kei­neswegs bewiesen werden, daß die Herrscher an sich selbst leiden und wegen eines seelischen, den Körper beeinflussenden Drucks (Streß) statistisch „früher ins Gras beißen“ als andere Menschen. Viele Diktatoren sind eines gewaltsamen Todes gestorben, wie Caesar und Hitler, womit sie aus der Lebenserwartungsstatistik herausfallen (oder diese „versauen“). Stalin ist über 73 Jahre alt geworden, der deutsche Verleger Axel Caesar Springer fast 73, Sir Winston Churchill, der Mitverantwortliche der militärisch sinnlosen Bombardierung von Dresden in der Nacht vom 13. zum 14. Februar 1945, etwas mehr als 91, trotz vieler Zigarren und ohne sportliche Betätigung. Napoleon, der selbsternannte Kaiser, erreichte zwar nur über 53, aber alle ein durchaus „normales“ Alter, gemessen an der Lebenserwartung ihrer jeweiligen Zeit.

 

Kommentar:     Wie die obige Aufzählung der Charaktereigenschaften des Mächtigen zeigt, fehlt ihm die Möglichkeit zum Zweifel an der Richtigkeit seines Handelns. Die Mächti­gen, die Privilegierten unter den Menschen, sind auf grund ihrer charakterlichen Veranlagung davon überzeugt, daß sie nie einen weltanschaulichen Fehler ma­chen. Mit ihrem Selbstbewußtsein stellen sie sehr selten eine einmal gegebene Anweisung in frage. Sie sind seelisch recht gesund. Das macht sie so gefährlich und kontrollbedürftig.

 

f) Das Massenverhalten [x]

 

Das Verhalten der Menschen als Masse kann völlig verschieden sein vom individuellen, also losgelöst von einer Gruppe.

 

Eine Kenntnis über das kollektive Verhalten ist von besonderer Wichtigkeit für das Zustan­dekommen von Machstrukturen und für das Verständnis von bestimmten historischen Verläufen.

 

Der Einzelmensch kann sich regelrecht verändern, wenn er sich in einer Gruppe, der Masse befindet:

 

- Er übernimmt das Urteil über bestimmte Situationen und über Mitmenschen aus der Gruppe, meistens vom Wortführer in der Masse. Nur so sind Kriege unter Volksgruppen zu erklären, die einmal mehr oder weniger gut (aber immerhin) lange Zeit zusammengelebt haben, bevor sie von einem zur Macht strebenden aufgehetzt wurden.

 

- Kritikfähigkeit schwindet.

 

Da feiert der Inhaber einer kleinen Firma mit seinen Mitarbeitern das zehnjährige Bestehen seines Unternehmens und erzählt (unter anderem), wie ein Freund von ihm bei der Überführung von Werkstattfahrzeugen in den Tschad (Republik in Zentralafrika) im Rahmen eines Entwick­lungshilfeprojektes ein paar Mädchen angeheuert hatte, um sie „auf den Strich“ zu schicken. „Dabei hat der Sowieso ganz gut Geld nebenbei gemacht,“ erklärt er.

 

Alle lachen, insbesondere die Mitarbeiterinnen. Niemand wagt eine Kritik, daß Zuhälterei und Ausnutzung einer Notlage von Menschen als Verbrechen zu sehen sind. Nein, die dem Chef zu­arbeitenden „Weiber“ (wie er sieselbst, sogar in ihrer Gegenwart nennt) kommen in einer solchen Situation nicht einmal auf die Idee, daß da Kritik angebracht wäre.

 

- Die individuelle Verhaltenssteuerung läuft sehr gefühlsbetont ab. Ein typisches Beispiel ist das kollektive Weinen und Schluchzen bei einem Beerdigungsgottesdienst, nachdem der Pfarrer ge­sagt hat: „... und nun meine lieben Trauernden müssen wir für immer Abschied nehmen von unserem so sehr geliebten Sowieso.“

 

- Die eigene Vernunftsteuerung wird von kollektiver Instinktsteuerung überlagert.

 

Einfaches Beispiel: Da hat einer eine Prüfung bestanden: „Das muß gefeiert werden! ... Was du“ (gemeint ist ein Mitstudent, Kommilitone, also Mitstreiter genannt) „trinkst keinen Alkohol? Das gibt's nicht bei mir!“

 

Der dem Alkohol nicht sehr Zugeneigte fügt sich dem allgemeinen Druck und endet auch die Feier ziemlich angetrunken, behauptet hinterher, daß es herrlich gewesen sei.

 

- Das persönliche Verantwortungsbewußtsein ist gemindert.

 

Ingenieur Schmitz, Mitarbeiter eines großen, mit Braunkohle befeuerten Stromversorgungs­unternehmens, erzählt in Bierlaune in einer Kleinkneipe in Köln: „Also nachts, da blasen wir dann schon mal die Filter (auf den Schornsteinen) durch. Wenn dann die Weiber (in den umlie­genden Orten) vergessen haben, ihre Wäsche reinzuholen, dann ist sie schwarz.“ Alle lachen und freuen sich. Niemand kommt auf die Idee, gegen den Erzähler Anzeige zu erstatten.

 

Da identifizieren sich die Menschen mit „ihrem“ Unternehmen, führen „Schweinereien“ aus, die vielleicht nicht einmal angeordnet waren, nur um der Firma „gefällig zu sein“.

 

- Innere Hemmungen sind gemindert oder fallen sogar ganz weg.

 

Es ist doch erstaunlich, daß Menschen sich völlig entblößt an einem Nacktbadestrand oder in einer Sauna aufhalten können, während sie sonst peinlichst darauf aus sind, ihre Ge­schlechtsteile zu verbergen.

 

- Da ist eine große Bereitschaft, sich einem „Führer“ zu unterwerfen, dessen Ideen und Vorstel­lungen zu folgen und auszuführen.

 

Als Doktor Goebbels, der Propagandaminister des „Dritten Reiches“, des Hitlerregimes, die Masse gefragt hatte: „Wollt ihr den totalen Krieg, totaler als jemals einer bevor?“ hatte die Menge mit jubelndem „Ja“ im Chor geantwortet. Goebbels soll anschließend gesagt haben: „Wenn ich die aufgefordert hätte, alle aus dem Fenster zu springen, hätten die es auch gemacht.“

 

- Es kann leicht zu wahnhaftem, suggestiv hervorgerufenem Fehlverhalten kommen. Dann spricht man vom Massenwahn. So werden in der Masse plötzlich Menschen angegriffen, die erkennbar nicht zu der Masse gehören. Da werden Autos umgeworfen und in der Kleingruppe Straßen­laternen mit Steinen beworfen.

 

- In Ausnahmesituationen, Notlagen, aber auch besonders freudigen Ereignissen (Lottogewinn) und unter psychischem Druck kann sich das vernünftige Ich-Verhalten ganz auflösen, was unter den Begriff der Massenpsychose fällt.

 

Nachdem der erste Jumbo-Jet, ein Flugzeug der deutschen Fluggesellschaft, Lufthansa, kurz nach dem Start bei Nairobi (Kenia) abgestürzt war und brennend auf dem Boden lag, blieben einige Leute in ihren Sitzen und lasen ihre Zeitung weiter, als sei nichts geschehen. Andere begannen, trotz Aufforderung zum raschen, fluchtartigen Aussteigen in ihren Taschen zu kramen. Das wird als Ausweichreaktion bezeichnet. (Bei einem Hahnenkampf beginnt plötzlich ein Tier irgend etwas Imaginäres, also Eingebildetes vom Boden aufzupicken.) Andere Passagiere waren in Panik geraten (nach dem griechischen Gott Pan, der als Bock Menschen und Tiere in undeutbare Schrecken und Ängste versetzt haben soll).

 

Das sind die beiden extremen Möglichkeiten des Massenverhaltens in einer Gruppe: Panik (Kopflosigkeit, meistens verbunden mit Schreien und völlig unangebrachten Handlungen) kann von einer einzigen Person auf alle anderen übertragen werden. Die Personen, die eine sogenannte Ausweichreaktion zeigten, wollten sich vor den anderen Mitpassagieren keine Blöße geben.

 

Kommentar:   Da kann zweifellos eine große Gefahr vom Massenverhalten für die Gesellschaft, insbesondere für einzelne Gruppen in der Gesellschaft ausgehen:

 

Minderheiten werden angegriffen, obwohl vielleicht ein angreifendes Einzelindivi­duum gute Freunde unter den Angehörigen der Minderheit haben kann.

 

Die Masse läßt sich in einen Krieg treiben und die Einzelindividuen begehen in ihrem Massenwahn die gräßlichsten Verbrechen an Mitgliedern anderer Gruppen, für die das Feindbild von den Herrschenden aufgebaut worden ist.

 

Es gibt aber auch Soziologen, die im Massenverhalten einen positiven Ansatz sehen, nämlich die Potenz (Fähigkeit) zu Revolutionen und zu Reformen. Selbstverständ­lich werden Veränderungen nur auf grund des Drucks der Massen erreicht. Wie schon erwähnt, haben niemals Regierende von sich aus etwas unternommen, ehe „die Zeit nicht dazu überreif war“.

 

Die positive Seite des zur Macht strebenden muß aber auch gewertet werden: Er oder sie (seltener jedoch eine „Sie“) erkennen eine gegebene, zu verändernde Situ­ation, sie können Menschen begeistern, „mitreißen“. Sie haben meistens eine gewisse Ausstrahlung, die Mitmenschen den Eindruck vermittelt, daß sie als „Führer“ geeignet sind, im richtigen Augenblick das Richtige tun. Sie sind ja nicht ängstlich, wie wir gesehen haben. Sie sind kämpferisch veranlagt, schrecken vor nichts zurück.

 

Ohne Menschen, die sich aus einer Gruppe als deren Führer herausgehoben haben, wären ja auch keine Veränderungen zur Verbesserung der allgemeinen menschlichen Lage, zumindest in den Demokratien der Industrienationen der sozialen Sicherheit, der Meinungsfreiheit und - ganz gewiß - der Lebensqualität möglich gewesen. Nur mit Hilfe der zur Führung geeigneten Personen sind gewaltige Fortschritte gemacht worden. Ohne Führer (zumindest Wortführer) läuft nichts.

 

Der Ochse rennt hinter der Rübe her, ohne sie je zu erreichenWie die Karikatur (Witzzeichnung) zeigt, sitzt der Mächtige, der Tüchtige, der schlaue Führer wie auf einem Ochsen, dem er eine schmackhafte Rübe an einer Stange vor die Augen hält. Der Ochse rennt los, um die Rübe zu erreichen, was ihm nie gelingen wird. Aber der Reiter kommt zu seinem Ziel.

 

Es sei immer wieder betont, der Macht muß Grenzen gesetzt werden. In der Regel wird der Machtinhaber, der Führer gefährlich, entwickelt sich zu einem bösartigen Krebsgeschwür, das nicht mehr unter Kontrolle zu bringen ist. „Wehret den Anfängen!“ empfiehlt ein Sprichwort.

 

Diese kleine psychologische Betrachtung sollte ausreichen, um die Beziehungen der Menschen zueinander und ihre Verstrickungen, in denen sie sich befinden, vor allem die Schwierigkeit der Anpassung an veränderte Lebensbedingungen besser verstehen zu können.

 

A.1.2 Ideologien [2] (allgemein und als Religionen), Weltanschauungen und Traditionen

 

 

Dieses Kapitel habe ich entgegen den üblichen Gepflogenheiten unter den Oberbegriff „psychologische Gegebenheiten“ gesetzt, da Ideologien das Verhalten der Menschen sehr stark bestimmen und bei manchen Mitmenschen sogar ein (anerzogenes) instinktives Handeln bewirken.

 

Beispiel 1:

 

Der junge K., Schreibkraft und Büroangestellter in einer syrischen Ingenieurhochschule, sagte einmal einem ausländischen Lehrer in offensichtlicher Erregung: „Wenn ich könnte, würde ich alle Juden und Türken umbringen, alle Jordanier, Saudis und Iraker.“

 

Der Lehrer erkundigte sich: „Warum denn das? Haben die dir was getan?“

 

Antwort: „Die Juden und Türken haben unser Land weggenommen. Palestina gehört uns und das Gebiet um An­takya auch“ (seit 1939 wieder einmal zum äußerster Süden der Türkei geworden), „und die Türken drehen uns das Wasser ab“ (Atatürk-Stausee im Euphrattal).

 

Frage: „Ja, gut. Aber meinst du, alle Probleme seien gelöst, wenn Palestina und der derzeitige südlichste Teil der Türkei wieder zu Syrien kommen würde?“

 

Antwort: „Das ist doch egal. Wer unser Land wegnimmt, der muß umgebracht werden.“

 

Lehrer: „Du meinst also, daß jeder einzelne Türke und jeder einzelne Jude sich an deinem Land vergangen haben? Übrigens hast du in diesen Teilen denn eigenes Land?“

 

Antwort: „Die müßten alle sterben.“

 

Frage: „Meinst du nicht, daß darüber verhandelt werden sollte? Solche Entscheidungen wer­den doch von Regierungen und nicht von einzelnen Volksangehörigen getroffen. Kennst du Juden und Türken persönlich?“

 

Antwort: „Nein, um Gottes Willen! Mit solchen Leuten würde ich doch nie verkehren.“

 

Lehrer: „Ich kenne viele Türken zum Beispiel und finde die alle genau so lieb und nett, freundlich und hilfsbereit, aber manche auch widerlich wie bei anderne Menschen anderer Gruppen. Ich meine, die einzelnen Menschen haben keinen Einfluß und tragen keine Schuld.“

 

Junger Mann: „Ich bin für Hitler. Der hätte mit denen aufgeräumt.“

 

Lehrer: „Der war aber auch in seiner Wahnvorstellung kein Freund der nichtarischen Araber. Sein Propagandaminister hat mal gesagt: »Wenn es keine Juden gäbe, müßten wir welche erfinden«. Die Regierenden machen immer andere verantwortlich, egal wen, meine ich. Zum Glück gab es nicht viele Araber im damaligen Hitler-Staat... Du hast meine Frage , ob du selber Land in Palästina oder der Türkei hast, nicht beantwortet. Ich vermute: nein. Hier drüben ist eine hohe Mauer um ein Besitztum eines stinkreichen Mannes. Wag es mal, über die mit Glassplittern abgedeckte Mauer zu klettern. Wie schätzest du deine Lebenschance? Das ist doch auch euer Land, syrisches Land und du bist doch Syrer...“

 

Der junge Mann entfernte sich ärgerlich. Es kann mit Sicherheit angenommen werden, daß er bei einer Begegnung mit diesen, „seinen Feinden“ genauso empfindet wie ein Kater, der instinktiv meint, einen anderen Kater aus „seinem Revier“ vertreiben zu müssen.

 

Er als Christ (griechisch-orthodox) hatte natürlich etwas gegen seine anderen „Nachbarn“ die muslimischen Saudis usw. Das war nicht näher diskutiert worden.

 

Ideologien, Traditionen, Weltanschauungen werden offensichtlich genauso an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wie eine Muttersprache, und selbst im eigenen Land wird die Herkunft aus einem Gebiet in Form eines Akzentes beibehalten. Der bekannte und beliebteste deutsche  Außenminister, Hans-Friedrich Genscher, hatte große Probleme, seinen sächsischen Akzent loszuwerden. Er nahm lange „Sprach(um)erziehung“ in kauf. Es ist also nicht verwunderlich, wie hartnäckig Ideologien, Traditionen, Weltanschauungen, ja auch Angewohnheiten, Phobien (Spinnenangst, Angst vor Mäusen und Schlangen) und anerzogenes Verhalten (bei kompletter Nacktheit „erwischt“ werden) uns beherrschen.

 

 

Beispiel 2:

 

In Saudi Arabien schob ein Autofahrer an einer Tankstelle den Fahrhebel des automatischen Getriebes seines protzigen Ami-Wagens in den Rückwärtsgang und rammte das Auto des hinter ihm auf den Zu­gang zur Zapfsäule wartenden. Der Gerammte verlangte Bezahlung der Reparatur seiner beschädigten und eingebeulten Karosse. Doch der Unfallverursacher brachte das Argument: „Wärest du nicht dagewesen, hätte ja nichts passiert können.“

 

Wird jemand durch einen Unfall schwer verletzt, kümmert sich in diesem Land niemand um ihn. Verblutet er, war es Gottes Wille. Würde sich eine Person vergebens um Hilfe bemühen, wäre sie Schuld am Tode, wurde mir berichtet.

 

Der Soziologe, Theodor Geiger, der 1952 im Alter von fast 62 Jahren verstarb, hat mal defi­niert: „Die Tugend der Ideologie ist die Tugend des Messers, nämlich die Schärfe. Ihr Wert ist nicht ihr Wahrheitsgehalt, sondern ihre Wirksamkeit“.

 

Jede Gesellschaftsform wird von Ideologien geprägt und eingeengt. (Im Griechischen bedeutet „idéa“ Erscheinung und meint Begriff, Vorstellung.)

 

Die typischen Zielvorstellungen aller Ideologien sind aber (fast) immer ein totaler Anspruch auf absolute Gültigkeit und auf die Wahrheit schlechthin.

 

Da gibt es beispielsweise:

 

- Rassen, Blut-, Boden- und Raumideologien mit den unbeschränkten und „reinen“ Zielen materieller und immaterieller Daseinsvoraussetzungen,

 

- Elite- und Massenideologien, wobei gesellschaftliche Strukturen als absolut, also unantastbar dargestellt werden,

 

- alle möglichen „Ismen“, wie Kommunismus, Sozialismus, Katholizismus, Protestantismus, Libe­ralismus, jeweils mit dem Absolutheitsanspruch auf das „Allein-selig-Machende“.

 

Karl Marx, promovierter Philosoph nach Studium der Rechtswissenschaften, 1883 im Alter von fast 65 Jahren in London gestorben, hat drei Merkmale für die Ideologien herausgestellt, die Dr. Heinrich Fisch, Herausgeber der Bände „Abiturwissen“ [1] wie folgt zusammengefaßt hat (Zitat):

 

a. Ideologien enthalten ein System gesellschaftlicher, politischer, rechtlicher, moralischer und re­ligiöser Ideen (den Überbau), das im wesentlichen durch die materiellen, ökonomischen Bedin­gungen (den Unterbau) bestimmt wird.

 

b. Ideologien sind die herrschenden Gedanken der herrschenden Klasse.

 

c. Ideologie ist ein falsches Bewußtsein: das Bewußtsein der herrschenden Klasse, das die Tendenz hat, die gesellschaftlichen und ökonomischen Zusammenhänge verzerrt und falsch zu denken. Das richtige Bewußtsein ist das, die materielle Wirklichkeit widerspiegelnde Bewußtsein (Zitat Ende).

 

Daraus kann abgeleitet werden, daß Ideologien einigen Leuten dazu dienen, Herrschaft zu er­langen, ihre Herrschaft zu begründen und zu sichern. Ferner meinen Marx und Engels, daß jede Klasse eine ihrer gesellschaftlichen Lage und ihren gesellschaftlichen Interessen entsprechende Ideologie hervorbringe.

 

 

Im letzten Augenblick hindert ein Engel Abraham daran, seinem Sohn die Kehle durchzuschneidenEs kommt nicht von ungefähr, daß die erfolgreichsten Religionen - das Christentum und der Islam auf Abraham (bzw. Ibrahim), den (nach Meyers Taschenlexikon) ersten der biblischen Patriarchen (1.Mose 1225) und Stammvater des Volkes Israel (1.Mose 12,2) basieren. Das Alte Testament betont v.a. seinen Gehorsam gegenüber Gott, da Abraham bereit ist, ihm seinen Sohn Isaak zu opfern (1.Mose 22); das Neue Testament beschreibt ihn als Urbild des wahrhaft Glaubenden (Römer 4). Auch die Muslime verehren Abraham als den Vater Ismaels* und betonen v.a. seinen Glauben an einen einzigen Gott. Der Koran bezeichnet Abraham als den ersten Muslim, der zusammen mit seinem Sohn Ismael die Kaaba** gegründet habe (Sure 2,124ff. und 3, 67, 95ff.).

 

Die Mächtigen der Welt, die sogar als Päpste gemordet haben, um an die Macht zu kommen oder an der Macht zu bleiben, fanden den sogenannten Kadavergehorsam der Untertanen (d.h. Ausschaltung des eigenen Willens und Urteilsvermögens), wie alle Mächtigen, sicherlich als sehr unterstützenswert. Nur so kann man den Erfolg dieser "Hauptreligionen" erklären. Der Mächtige kann mit den Religionsanhängern machen, was er will; denn er ist Gottes Stellvertreter.

 

 

* in der Bibel "Isaak"

** Kaaba [arabisch »Würfel«] die (Kaba), Hauptheiligtum des Islam mit dem Beinamen »Haus Gottes«; ein Gebäude in Mekka, in das Hadjar al-Aswad (d.h. schwarzer Stein), ein Meteorit, eingelassen ist; Ziel der Pilgerfahrt (des Hadjdj).
 

Das Bild - von Rembrandt 1635 gemalt - zeigt die Perversion der Religionen

 

Da der Einfluß der Ideologien auf die Menschen, auf den einzelnen Menschen von so immenser Wichtigkeit ist, insbesondere als wesentlicher Hinderungsgrund für die erforderliche Abwendung des drohenden „Weltuntergangs“, sollten noch ein paar Betrachtungen angestellt werden über das, was die Soziologen herausgefunden haben:

 

-   Das Vorurteil nimmt eben als Vorab-Urteil ein objektives Urteil vorweg. Dabei werden Mit­menschen und Sachverhalte beurteilt aus einer voreingenommen, durch Ideologien, durch eine durch Erziehung gesetzte Einstellung, ohne eigene „Beweisaufnahme“. Ein Vorurteil kann leicht festgelegt werden durch eine oberflächlich gemachte Erfahrung.

 

„Ich mag keine Engländer,“ gab mal jemand zu und erklärte: „Ich hab' da mal einen kennen gelernt, der ... usw. Diese Erfahrung reicht mir.“ Es reicht eine einzige Erfahrung aus, um daraus auf alle (Engländer) zu schließen.

 

Wie leicht wir selbst in Vorurteile geraten können, sei an einem Beispiel erläutert.

 

Da kommt ein Ausländer zum ersten Mal nach Syrien, mietet sich ein Auto und fährt los, um sich unter der Vielzahl der historischen Stätten umzuschauen.

 

An der ersten Kreuzung, die er ansteuert, wird er durch die, den Verkehrsfluß regelnde Ampel an der Weiterfahrt gehindert. Sie zeigt Rot. Da schieben sich Fahrzeuge an ihm vorbei, setzen sich vor ihn, was seinen Puls beschleunigt. Die Ampel schlägt um auf Grün, was die vor ihm stehenden Autofahrer nicht sehen und daher nicht gleich losfahren. Wütend hupt er, und der Verkehr beginnt zu fließen. Ein links neben ihm rollendes Fahrzeug beschleunigt und schneidet seine Fahrtrichtung, kurft vor ihm und allen anderen Fahrzeugen her, um dann nach rechts abzubiegen. Wieder hupt und blinkt der Ausländer zornig, murmelt Schimpfworte: „So eine un­verschämte Frechheit...“

 

Nun bringt ihn zur Verzweiflung, daß langsame Lastwagen auf der breiten, dreispurigen Aus­fallstraße mit Fahrbahnmarkierungen, zwei Spuren beanspruchen. Der Fahrer des schweren Fahrzeugs vor ihm fühlt sich offensichtlich als Flugkapitän auf einer Startbahn, der seine Ma­schine mit dem Bugrad genau über die Startbahnmarkierung führt.

 

Unser ausländischre Freund versucht, eine Lücke im links fließenden Verkehr zu füllen, um zu überholen. Aber ein Taxi vor ihm bremst plötzlich ab, bleibt stehen, um Fahrgäste aussteigen zu lassen. Wieder drückt der Neuling im Lande voller Wut auf die Hupe. Es gelingt ihm, an dem Taxi vorbeizukommen, und er befindet sich bald wieder hinter dem Lastwagen, der nach wie vor gemütlich seine beiden Spuren beansprucht.

 

Voller Verzweiflung blinkt und hupt der Europäer, und, siehe da, der Lastwagen gibt die linke Spur frei. Mit der größtmöglichen Beschleunigung rast unser ausländischer Freund vorbei, wobei er ein tiefes Loch mit zerbrochenem Kanaldeckel übersah, in dem seine Räder jedoch nicht wegen der hohen Geschwindigkeit seines Fahrzeugs ganz eintauchen. Dank der Lenkhilfe wird ihm auch nicht das Steuer aus der Hand gerissen. Aber es gab ordentliche Schläge.

 

Er ist außer sich, einem Schlaganfall nahe, schimpft und regt sich über die Fahrweise der Sy­rer und über die Straßenverhältnisse auf. „Also, das ist meine erste und letzte Fahrt“, sagt er zu seiner Frau, die seine Aufregung nicht teilt. Daher wird sie angebrüllt: „Dich geht das alles nichts an. Du läßt dich wie eine Prinzessin durch die Gegend kutschieren. Du blöde Kuh!...“ Sie lächelt nur; denn sie kennt ihrem Ehemann ja gut und weiß, daß er sich auch wieder abregen wird, desto schneller, je weniger sie ihn zusätzlich „aufheizt“.

 

In einer Raststätte trifft das Ehepaar andere Europäer, bei denen unser Landesneuling seinen Ärger ablädt: „Das ist das rücksichtsloseste Volk, das mir je begegnet ist, dieses miese Pack. Wenn mir einer von denen zu Hause begegnet, haue ich dem eine in die Fresse...“

 

Seine Landsleute lächeln aber nur und erklären: „Wissen Sie, wir sind schon sehr lange hier und wissen, daß an den Fahrbahnrändern oft Löcher sind oder etwas rumliegt. Ganz links ist manchmal ein Fahrzeug liegengeblieben oder da parkt jemand. Also konzentriert sich alles auf die Mitte. Aber Sie haben doch selbst schon erfahren, daß die Verkehrsteilnehmer durchaus auf Hupen und Blinken reagieren und den Weg freigeben. Eine Ampel an der Kreuzung hat nicht die Bedeutung wie bei uns. Da sind meistens Polizisten, die einem ein Zeichen geben, wenn die Ampel umschlägt. Spätestens weiß man durch das Hubkonzert hinter einem, daß es weitergeht. Also braucht man die Ampel nicht unbedingt im Auge zu behalten, und wenn kein Querverkehr an der Kreuzung ist, kann man hier durchaus sogar bei Rot weiterfahren. Eigentlich ist das Verhalten der Leute viel vernünftiger als bei uns... Hat sich jemand falsch bei uns eingeordnet, dann hat er keine Chance, den Fehler zu korrigieren. Da man muß eben bis zur nächsten Kreuzung fahren. Hier ist alles möglich, jeder toleriert den anderen...“

 

Dieses Beispiel zeigt doch deutlich, daß alles aus verschiedenem Blickwinkel gesehen werden kann, aber auch, wie leicht sich ein Vorurteil aus Unkenntnis der Gesamtsituation aufbauen kann.

 

Nun noch ein paar Begriffserklärungen, die mir im Zusammenhang mit Ideologien wichtig erschei­nen:

 

- Da sollte die kognitive Dissonanz genannt werden, wonach jemand mit seinem Tun in Wider­spruch (Dissonanz) gerät zu seinem Wissen (kognitiv, aus dem Lateinischen: die Erkenntnis be­treffend), z.B.: Ein Angestellter will sich ein Haus kaufen, das abseits vom Großstadtrummel am Rande von Feldern steht. Der Preis ist so, daß er es sich gerade leisten kann. Nun erfährt er, daß die angrenzenden Felder bereits als weiteres Bauland verkauft worden sind. Eine andere Alternative findet er nicht. Den ursprünglichen Wunsch des Käufers, eben fast auf dem Lande wohnen zu können, funktioniert er sich selbst und seiner Frau gegenüber um und überredet sie nun, dennoch dem Kauf zuzustimmen mit den Argumenten: „Das ist doch viel vorteilhafter. Da fällt einem doch nicht die Bude auf den Kopf, weil es so ruhig ist. Dann bist du nicht zu weit weg von Einkaufsmöglichkeiten und anderen Dienstleistungsbetrieben, wie dem Haarschneider“ usw. (Heute gehen jedoch die Leute zum „Haarstudio“ oder zum „Hair-Stylist“.)

 

Da er sein (äußeres) Handeln kaum ändern kann, versucht er seine (innere) Überzeugung den Umständen entsprechend anzupassen. Er redet sich selbst Vorteile ein, an die er nachher sogar selbst glaubt.

 

- Die Soziologen mögen, so wie heute viele (eigentlich) deutschsprechenden Wissenschaftler, auch anglo-amerikanische Begriffe. Da gibt es den Begriff der self-fulfilling prophecy, also der sich selbst erfüllenden Vorhersage.

 

Auch hierzu wieder ein Beispiel: Jemand ist Anhänger der Ideologie des Okkultismus [2]. Er glaubt also an die Macht menschlicher Seelenkräfte über die Naturgesetze und an Geister.

 

Er jagt mit seinem Wagen zum Flughafen, von wo er eine kurze Urlaubsreise antreten will. Un­terwegs beginnt der Motor seines Autos zu stottern und stellt schließlich seinen Dienst ganz ein. Am Straßenrand konzentriert unser Okkultist sich darauf, den Motor zum Wiederanspringen zu bewegen, dreht oftmals den Zündschlüssel um, und tatsächlich springt der Wagen nach einigen Minuten des Stillstandes wieder an. Er erreicht sein Flugzeug gerade noch, sitzt zufrieden im bequemen Sessel und freut sich über die Bestätigung seiner „übernatürlichen“ Fähigkeiten.

 

Er hat verdrängt, daß man ihm bei der letzten Inspektion des Autos dringend geraten hatte, die Zündkabel austauschen zu lassen; denn, wenn der Motor zu warm werde, würde sich das alte, inzwischen rissig gewordene Kabel von der Zündspule zum Verteiler ausdehnen und könne dann den Strom unterbrechen, hatte der Me­chaniker bei der Probefahrt festgestellt. Aber der Autobesitzer war in Eile gewesen und wollte den Austausch nicht mehr ab­warten. (Natürlich wird er die Reparatur machen lassen müssen; denn seine „Fähig­keiten“ können die Naturge­setze leider nicht überwinden. Sonst hätte er ja auch den Wagen mit seinen Seelenkräf­ten ohne Motor zum Flughafen treiben können. Wenn schon, denn schon oder?)

 

Nun wird häufig die sich selbst erfüllende Voraussage oft be­wußt angewandt. Es gibt Fachleute, die be­haupten, daß eine Wirtschaftskrise bewußt herbeigeredet werde, um be­stimmte Ziele der Firmeninha­ber zu erreichen, nämlich die soge­nannten Ar­beitneh­mer „kuschen“ zu las­sen: Es wird ein angesehenes Wirt­schaftsfor­schungsin­stitut beauftragt, die Zu­kunftschancen der Wirt­schaft zu ermit­teln. Die sehen auftragsgemäß tatsächlich nicht so rosig aus wie bis­her. Das wird dann in allen Medien ver­öf­fentlicht und dis­kutiert. Die breite Bevölkerung ist er­schreckt, hält sich mit Käufen zurück, wo­durch der Umsatz sinkt und sich die (ge­wünschte) Wirtschaftsflaute tat­sächlich einstellt [x].

 

Nehmen wir uns auf den folgenden Seiten erst einmal einige der wichtigsten Religionen vor:

 

a)  Das Christentum

 

 

Im Lateinischen bedeutet „religere“: sorgsam beachten und „religare“: binden oder verbinden.

 

Religionen können als „historische“ Ideologien [x] bezeichnet werden, also auch, wie eben alle Ideologien, mit uneingeschränktem Wahrheitsanspruch, wonach die Menschen ihr normatives Verhalten an etwas Überweltliches, Übersinnliches, Übernatürliches (Transzendentes), etwas Heiliges, an einer oder mehreren Gottheiten orientieren (religere). Sie, die religiösen Menschen fühlen sich mit einem höheren Wesen (als Über-Vater, Gottheiten) verbunden (religare).

 

In der Regel sieht jede Religion eine Gottheit im Mittelpunkt, die sich einem Religionsstifter offenbart hat. Der Religionsstifter hat das Gottesbild, die Art und Weise wie sich die Menschheit entwickelt hat, den zu beschreitenden Lebensweg, den Heilsweg und das Ziel am Ende dieses Weges, das Jenseits oder das „Weiterleben“ nach dem „irdischen“ Tode definiert. Ferner hat der jeweilige Religionsstifter die ethischen Anforderungen und die kulturellen Verpflichtungen festgelegt. Diese sind dann in den heiligen Schriften niedergeschrieben (meistens nicht vom Religionsstifter selbst, so beispielsweise weder von Christus, noch von Mohammed oder von Buddha).

 

In der Regel besteht aber eine Kluft zwischen den Lehren der Religionsstifter, dem Verhalten der Religionsträger (Priester, Mönche) und dem Lebenswandel des allge­meinen Volkes, seinen Vorstellun­gen, Wünschen und Gedanken.

 

Die Menschen versuchen in Kontakt mit der Gottheit ihrer Vor­stellung zu kommen durch Gebete, Gottesdienste, Opferdienste, religi­öse Feste, sich ganz in den Dienst der Gottheit stellen (Kloster), Fas­ten usw. Gebete sind meistens Bitten um etwas (um Erfolg beim Examen, bei der Wahl eines Lebensgefährten, um irdische Güter, Abwendung einer Gefahr, Heilung einer Krank­heit, schließlich um Auswahl für das Paradies, d.h. um „Erlösung vom schweren Erdendasein“). Da wird aber auch eine nicht mit den Geboten im Einklang gewesene Tat bereut, um Verzeihung gebeten. Es wird gedankt, alles wie bei einem Kind-Eltern- oder einem anderen irdischem Obrigkeitsverhält­nis.

 

Auf grund der Psychologie der Massen (Seite yy) kann ein Einzelindividuum Mensch sich ganz in der religiösen Ideologie verlieren, im Namen seiner Gottheit Anders-Gläubige foltern und ermorden, ja sich sogar selbst opfern.

 

Ausdruck der Religion ist die Kunst, also Poesie und Drama, Malerei und Bildhauerei, Musik und Tanz.

 

Die Muslime holen aufIn manchen Ländern, z.B. den islamischen, werden religiöse Leitlinien zur Grundlage des Rechts.

 

Das Kreisdiagramm zeigt die Verteilung der Zugehörigkeit von etwa 60 Prozent der Weltbevölkerung zu den bekanntesten Religionen. Die restlichen 40 Prozent sind entweder statistisch nicht erfaßbar, oder es handelt sich um Mitgliedern von kleinen Religionen (Sekten), wie Zeugen Jehovas, die Neuapostolische Gemeinde, die Baptisten und Tausende von Gruppen mehr. Zu den 40 Prozent der statistisch nicht erfaßten Zugehörigen zu einer bestimmten Religion zählt auch der sehr geringe Prozentsatz der Religionslosen, also der (prozentual recht wenigen) Gottlosen, oft auch Atheisten genannt (die die Existenz einer Gottheit verneinen).

 

Religion kann man sogar studieren (Theologie) und auch einen Doktortitel erwerben (aber D. abgekürzt bei den Protestanten statt Dr.) mit Teilbereichen wie Religionsphilosophie, Reli­gionssoziologie und -psychologie, Religionspädagogik. (Der Studienabsolvent wird aber nur über die Religionsrichtung unterrichtet, die er gewählt hat, sonst bestünde die Gefahr, daß er  sich zu etwas anderem bekennen könnte.)

 

Es gibt Religionsschulen (Koranschulen für die Muslime) und Religionsunterricht, auch noch in den meisten Schulen der Industrienationen.

 

Es gibt sogar einen religiösen Sozialismus. Ein bekannter Vertreter dieser Richtung war der schweizerische Reformtheologe, Karl Barth, der 1968 in Basel im Alter von 82 gestorben ist.

 

In den untergegangenen sogenannten sozialistischen Ländern sind die Gotteshäuser voll, obgleich dort der Atheismus (Gottlosigkeit) als Teil des Marxismus und Leninismus (neben Stalinis­mus, Maoismus usw.) zur „Staatsreligion“ erhoben worden war. Offensichtlich besteht ein Hang der Menschen zum Überweltlichen, Übersinnlichen, Übernatürlichen (Transzendenten) mit der Wunschvorstellung, wenigstens nach dem Tode in's Paradies kommen zu dürfen. Daher sind die jahrelang „atheistisch“ erzogenen Leute rasch in die Gotteshäuser zurückgekehrt, nachdem ihnen die irdischen Mächte keinen Wohlstand und keine Lebensqualität bieten konnten. Nun hoffen sie auf das „Glück“ nach dem Erdendasein.

 

Obwohl in den modernen Demokratien prinzipiell eine Trennung zwischen Staat und Religion durchgesetzt werden konnte, spielen diese Institutionen immer noch eine wichtige Rolle:

 

- Da sind Kirchenvertreter in den Programmausschüssen der deutschen staatlichen Rundfunk- und Fernsehanstalten.

 

- Da ist Religionsunterricht nach wie vor Unterrichtsfach in den Schulen (anstatt eines Faches über Ideologien im Allgemeinen).

 

- Da sind nur die traditionellen Kirchen in Deutschland offiziell anerkannt.

 

Deutschland ist zwar kein Gottesstaat; aber dieser deutsche Staat erhebt (nach der Reichsverfassung von 1919) von jedem Lohn- und Gehaltsempfänger, das Mitglied einer staatlich anerkannten Kirche ist, bis zu 10% („der Zehnte“ wie im Mittelalter) seiner allgemeinen, regulär zu zahlenden Lohn- oder Einkommenssteuer zusätzlich für diese Kirche. (Die Zeugen Jehova's und die Muslime, also die Muselmänner und Muselfrauen, sowie andere, den „Groß“-Kirchen nicht angehörende arbeitende Menschen brauchen theoretisch nichts zu zahlen. Aber keine Angst: Auch sie werden von ihren „Gurus“ abgezockt.) Mir ist kein anderer Staat bekannt, in dem für religiöse Einrichtungen vom Staat Steuer eingezogen werden.

 

Schauen wir uns einmal einige Statistiken über das Steueraufkommen dieser Großunternehmen „Kirchen“ näher an:

 

Diese erste Grafik zeigt das Aufkommen der beiden Großkirchen nebeneinander und über die Jahre von 1987 bis 1991, während das zweite Bild die Einnahmen aufeinander gestapelt, also zu­sammen wie­dergibt, jedoch älteren Datums. Das Stapeln der Balken im obe­ren Bild können Sie ja selbst er­rechnen. Wäh­rend die Kir­chen 1985 etwa 13,2 Milliarden Mark bekamen, konnten sie 1991, also 6 Jahre später, 15,2 Milliarden kassieren, eine Steigerung um 15 %, was in etwa der jährli­chen Inflations­rate von 2,5% entspräche. Sie sehen, daß auch die Kirchen mit der „Zeit gehen“.

 

Das ist sicher nicht gerade wenig, was die Kirchen, die Evangelische Kirche Deutschlands und die Römisch-Katholiche Kirche umsetzen, und da Geld mit Macht verbunden ist, kann der Einfluß dieser Organisationen keineswegs übersehen werden [x].

 

Leider habe ich keine Zahlen über die Ausgabenverteilung gefunden (aber auch nicht intensiv gesucht), also über das, wo diese Kirchen das eingenommene Geld lassen. Auch hätte mich inter­essiert, was die Bischöfe und Pfarrer und andere so verdienen täten.

 

Es scheint sinnvoll wegen der Wichtigkeit des Einflusses der Religionen auf das menschliche Denken und Empfinden, die wichtigsten religiösen Ideologien ein wenig näher zu betrachten. (Dabei werden wir feststellen, daß da viele Gemeinsamkeiten sind. Nur der Buddhismus schert ein wenig aus.)

 

 

Beginnen wir in der Reihenfolge der „Bedeutung“, also des Ausbreitungserfolges (Grafik Seite 18):

 

 

a) Das Christentum [x]

 

Fast 1 Milliarden Menschen sind im christlichen Glauben behaftet, davon sind allein etwa 550 Millionen als römische Katholiken getauft, 320 Millionen als Protestanten und 85 Millionen gehören zu den Orthodoxen. Der Rest verteilt sich auf unzählbare Sekten.

 

Der Religionsstifter war ein Jesus Christus, der „direkte, fleischgewordene Sohn Gottes“ (als einzig bekannte „geschlechtslose“ Zeugung eines Menschen. Die Mutter hieß Maria). Es wird ge­glaubt, daß Gott sich durch Jesus Christus den Menschen gleichstellen wollte, indem er selbst un­ter ihnen weilte von einer (nicht normalen) Geburt bis zu einem (auch nicht ganz normalen) Tode; denn eigentlich fußt ja die christliche Religion auch auf einem monotheistischen Glauben, also dem Glauben an einen einzigen Gott, der verschiedene Erscheinungsformen haben kann als Gottvater, Gottsohn und als Heiliger Geist.

 

Jesus Christus wurde wahrscheinlich 4 Jahre vor der Zeitrechnung geboren und endete mit 34 Jahren am Kreuz (vielleicht auch erst mit 37 Jahren. Nichts Genaues weiß man nicht).

 

Die Ideen des „Sohnes Gottes“ sind in den Büchern (Evangelien) des Neuen Testamentes von seinen Jüngern niedergeschrieben. Wesentliche Gedanken sind:

 

- Der Mensch selbst hat keinen Einfluß darauf, durch welche Handlungen auch immer und durch eigene Kraft das Reich Gottes zu erwirken. Gott allein entscheidet im „Jüngsten Gericht“, was wirklich Sünde war, wer in den Himmel kommt und wer in die Hölle, die „ewige Verdammnis“. (Dagegen gibt es keine Berufungsinstanz).

 

- Zum ersten Mal wird von der Liebe zum Nächsten, ja zum Feind, wie zu sich selbst gesprochen (Matthäus 5, 44), womit endlich der nie endende Kreislauf an Rachegedanken und Vergel­tungssucht durchbrochen werden sollte (z.B. Lukas 10, 27).

 

- Weitere wichtige Gedanken betreffen die Toleranz (z. B. gegenüber Andersgläubigen, den Sama­ritern oder Samaritanern Lukas 10, 30 ff.) und die Ablehnung der Anmaßung, über Mit­menschen zu richten (Bergpredigt, Lukas 6, 37: „Richtet nicht, auf daß ihr nicht gerichtet werdet“).

 

   Als dem Christus eine Ehebrecherin vorgeführt wurde, die nach den alten Gesetzestafeln von Moses (Altes Testament) eigentlich zu steinigen gewesen wäre, soll Christus gesagt haben: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein.“ (Das Neue Testament, Evangelium des Johannes, Kapitel 8, Vers 7.) Damit wird die Sünde in Gedanken einer „sündigen Tat“ gleich­gestellt.

 

- Sozialistische Gedanken werden begründet, und die Ansammlung von irdischen Güter ist abzu­lehnen (Bergpredigt, Matthäus 6, 19: „Ihr sollt keine Schätze sammeln.“)

 

- Problemlösung mit Waffengewalt wird abgelehnt (Matthäus 26, 52: „Wer das Schwert erhebt, wird durch das Schwert umkommen.“)

 

- Es werden irdische Machtstrukturen in frage gestellt, die religiösen Führer abgelehnt und die „Pharisäer und Schriftgelehrten“ als Heuchler erkannt (z.B. Matthäus 23). Diesen Gedanken hat der Islam teilweise weiter verdeutlicht.

 

Es soll sich niemand anmaßen, daß er einem Mitmenschen überstellt sei, ist als Ansatz zu finden. Kein irdisches Wesen dürfe sich Vater nennen lassen, da dieser Begriff allein für Gott bestimmt sei (Matthäus 23, 9).

 

Kommentar:      Zweifellos muß festgestellt werden, daß  Jesus Christus, wie die meisten Religions­stifter, aus heutiger Sicht, an einer endogenen Psychose, d.h. einer körperlich nicht begründbaren Gei­stesgestörtheit, nämlich der Schizophrenie (Spaltungsirresein) gelitten hat; denn die typischen Symptome, die alle mehr oder weniger auf alle Schizophrenen zutreffen, sind:

 

- Störung des Eigenbewußtseins, der Grenze zwischen seinem Ich und der Außenwelt. Seinen eigenen Körper, seine Gedanken und Gefühle empfand er als von außen gesteuert, nämlich von b seinem himmlischen Vater. Er hörte Stimmen und war von einer Wahnidee besessen, nämlich Gottes Sohn zu sein. (Viele Schizophrene identifizieren sich mit bekannten Persönlichkeiten. Sie glauben Napoleon oder auch ein Prophet zu sein. Ein weit entfernter Verwandter von mir, als Schizophrener von seinen Mitmenschen isoliert, war ganz umgänglich und geriet nur dann außer sich, wenn er nicht mit „Majestät“ angeredet wurde; denn er hielt sich für den Kaiser Napoleon den ersten.)

 

-  Aus seiner Wahnidee heraus wurde Christus sogar tät­lich, was die Beschreibung der sogenannten Tempelreinigung aufzeigt (Johannes 2, 15).

 

Die sogenannte normale Seite seines Geisteslebens erkannte durchaus Mißstände. Er war wohl keineswegs „unterbelichtet“, hatte recht gute analysierende Fähigkeiten. Allerdings wurden dann seine „Verbesserungsvorschläge“ durch die krankhaften Wahnvorstellungen von einem völlig irrealen transzendenten System überlagert.

 

Sicherlich wäre heute ein Jesus Christus sogar zwangsweise in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden.

 

Es ist zu beobachten, daß insbesondere die römisch katholische Kirche oder die griechisch orthodoxe keinen einzigen der oben unter den Spiegelstrichen aufgelisteten Grundgedanken beherzigt hat; denn

 

-  die Kirchenvertreter können Sünde durchaus vergeben nach der Beichte, einem ausgezeichneten, psychologisch zu sehendem Ventil,

 

-  Rachegedanken und Vergeltungssucht haben zu den Judenverfolgungen, als die Christusmörder geführt,

 

-  Mischehen waren und sind immer noch verpönt. Ungläubige wurden verfolgt, Andersdenkende gequält und gefoltert und schließlich verbrannt,

 

die Sexualität wird nach wie vor sowieso als Sünde gesehen. Der Geschlechtsakt ist immer noch nur in der Ehe erlaubt, um Nachwuchs zu zeugen,

 

-  die Kirchen zählen zu kapitalistischen Großunternehmen mit unschätzbaren Reichtümern. Es gibt undurchsichtige Geschäfte. Die Vatikanbank veröffentlicht keine Bilanzen,

 

-  Kriege aller Art sind abgesegnet worden. Sogar reine sogenannte Glaubenskriege sind ausdrücklich gefordert worden (Kreuzritterkriege), obwohl meiner Ansicht nach kein Krieg ohne die Absicht der Machtausdehnung und nicht aus wirt­schaftlichen Gründen geführt worden ist und wird,

 

-  Der Papst, „Heiliger Vater“ genannt, direkter Stellvertreter Gottes (quasi Gott selbst), hat sich immer als die ausschließliche Obrigkeit gesehen, war allen irdischen Königen und Kaisern überstellt.

 

"Wer sich selbst erhöht"... Nun, dem geht es gut, nicht wahr?Ich würde gerne wissen, wie dieser Christus auf die geschmückte, ja sogar mit echtem Gold und kostbaren Edelsteinen verzierte, also „sehr wertvolle“ Person im Bild links reagieren würde, die sich als sein (beru-fener?) Vertreter ausgibt.

 

Es handelt sich um einen Bischof der griechisch orthodoxen Kirche, also um einen Stellvertreter dieses Jesus Christus.

 

(Das Bild habe ich aus „Mémo Larousse, 2° Édition“ abgekupfert.)

 

b) Der Islam [x]

 

Islam bedeutet im Arabischen: Ergebung (gemeint ist in Gottes Willen). Daher wird dauernd wie von gläubigen Christen auch von den Muslimen („die sich Gott unterwerfen“, von Nichtmuslimen oft auch Mohammedaner genannt) von „so Gott will“ gesprochen (Inschallah).

 

„Gestiftet“ wurde diese jüngste der „Groß“-Religion von Mohammed, dem Propheten, der, basierend auf dem Alten Testament der Bibel, nur einen einzigen Gott zuläßt (strikter Monotheismus). Da gibt es keinen Sohn und keinen Heiligen Geist. Auch Engel spielen ursprünglich keine Rolle.

 

Die islamische Ideologie ist im Koran (der Heiligen Schrift), der „Mutter aller Bücher“, mit 114 „Suren“ (Reihen, Kapitel) in unterschiedliche „Aja“ (Verse) eingeteilt. Er (der Koran) gibt das wieder, was der Erzengel Gabriel (Djabra'il), der Chef der Wächter des Thrones Gottes, dem Propheten Mohammed befohlen hat.

 

Die fünf „Säulen“ des Islam, neben anderen Dingen in der heiligen Schrift (Koran) nieder­geschrieben, sind:

 

  I.   das Glaubensbekenntnis (Schahada): „Es gibt keinen Gott außer Allah, und Mohammed ist der Gesandte Gottes“;

 

 II.   das Gebet, das fünfmal am Tage durchgeführt werden muß (Salat), möglichst in einer Mo­schee, dem Ort, wo „man (der Mann) sich niederwirft“;

 

III.   die Gabe von Almosen (Sakat);

 

IV.  das Fasten während eines Monats (Ramadan) und

 

  V.  die Pilgerfahrt nach Mekka (Hadsch), dem Geburtsort des Propheten (siehe später), die einmal im Leben durchgeführt werden muß.

 

Ein Besuch von Mekka ist für „Ungläubige“, also alle Nichtmuslime streng verboten (der ein­zige Ort in der Welt, für den ein solches Verbot gilt, abgesehen von „militärischen Gebieten“, zu denen man sich dennoch in Ausnahmefällen Zutritt verschaffen kann).

Ein Besuch von "Ungläubige" ist unmöglich

Mekka liegt im Westen von Sau-di-Arabien und ist die Hauptstadt von Hedschas (ein Staats­gebilde, in etwa vergleichbar mit dem Vatikan in Italien).

 

Das Bild vom Hof der Hauptmo-schee (mit der Kaaba, „Würfel“, schon vor dem Islam arabische Kultstätte) hat ein, mir sehr gut bekannter thailändischer Diplomat (Mr. Bancha Boonthana) sehr naturgetreu, foto-realistisch gemalt. (Ich kann ihn nicht mehr fragen, ob er - ein sehr liebenswürdiger Mensch - mir die Veröffentlichung erlaubt; denn er ist vor einigen Jahren in New York verstorben.)

 

Nicht erlaubt sind im Islam: Wein (Alkohol schlechthin, obwohl nur Wein im Koran zu finden ist, da den Verfassern Whisky und Bier wohl nicht be­kannt waren – Bier gabs schon lange vorher im Alten Ägypten und bei den Sumerern), Schweinefleisch (wegen der damals weit verbreiteten Trichinenverseuchung der Tiere) und Glücksspiele.

 

Bis zu vier Frauen können auf Erden „genommen“ werden. Im Himmel, dem schattigen und reichlich mit Quellen ausgestattetem (Männer-)Paradies gibt es jeden Tag neue Paradiesjungfrauen (Huris, also die „frischen, unberührten, süßen Hürchen“). Da muß man aber erst mal hinkommen; denn es könnte einem auch die Hölle drohen.

Über die Stellung der Frau in der islamischen Ideologie ist viel geschrieben worden [x]. Sie soll wenigstens vor Gott dem Mann gleichgestellt sein, wie folgender „Vers“ (aja) 43 aus der „Reihe“ (sure) 40 aus dem Koran gedeutet wird:

 

„Wer Böses getan hat, dem soll nur mit Gleichem gelohnt werden, und wer das Rechte getan hat, sei es Mann oder Weib, sofern sie gläubig waren, die treten ein ins Paradies, in dem sie ohne Maß versorgt werden“. [Max Henning: „Der Koran“, Reclam-Ausgabe, 1981]

 

Folgender Satz ist zu unterstreichen:

 

Die islamische Gesellschaft ist zum Glaubenskrieg (Dschihad), dem Heiligen Krieg, verpflichtet, damit das Land, das von den „Ungläubigen“ besetzt ist, dem Islam („mit Feuer und Schwert“) ein­verleibt werden kann und unter seine Herrschaft gelangt (Dar al-Islam), in das Haus des Islam kommt. Diese Verpflichtung zur Glaubensausbreitung wird häufig auch als eine (sechste) Säule des Islam betrachtet.

 

Der Islam muß also als eine äußerst aggressive Religion gesehen werden mit Machtanspruch über alles Nichtislamische.

 

Das Einzelindividuum, also der einzelne Mensch zählt nicht, so wie im Judentum und dem Leninismus. Er geht in der Masse unter.

 

Einen Missionsgedanken gibt es nicht im Islam, nach dem das Christen­tum etwas subtiler (unterschwelliger) die gleiche Expansion betrieben hat.

 

Der Islam erlaubt (eigentlich) keine Trennung zwischen Staat und Religion. Der Macht­anspruch erstreckt sich also auf alle Bereiche des Lebens mit gesetzlichen Vorschriften (Fikh), die teilweise schon im Koran niedergelegt sind, aber von islamischen Rechtsgelehrten ausgeweitet wurden zu einem Pflichtenkatalog (Scharia), begründet auf dem „vorbildlichen Leben“ des Pro­pheten.

 

Der Islam kennt keine irdische Obrigkeit und Priesterschaft und damit keinen Kult von irdi­schen Personen.

 

Natürlich hat auch diese Religion ihre Repräsentanten, die Gelehrten (Ulamas) oder die „Ajatollahs“ der Chiiten (einer islamischen „Sekte“), denen niemand zu widersprechen wagt (wenn er nicht des Todes sein will wie in der „Islamischen Republik Iran“).

 

Inzwischen ist auch die islamische Religion in viele Sekten aufgegliedert, die Sunniten, denen etwa 90% der Mohammedaner folgen, die Chiiten, Charidchiten und einige mehr.

 

In einem islamischen Staat muß heute jeder einer Glaubensgemeinschaft angehören. (Atheismus wird nicht geduldet.) Mischehen sind nicht erlaubt. (Damit hat der Islam einiges gemeinsam mit dem Grundgedanken des strengen Katholizismus.)

 

Gott, der Erzeuger der Welt mit allem drum und dran, entscheidet auch über ihr Ende. (Er setzt den „jüngsten Tag“, das Ende der Zeit fest [Koran XXI, 104].)

 

Kommentar:   Aber alles das wird „nicht so heiß gegessen wie es gekocht wurde“. Mir sind auch Mischehen bekannt zwischen Muslimen und Christen. Ich habe Alkoholiker kennen gelernt. Allerdings dürften solche Fälle in Staaten wie der Islamischen Republik Iran oder Saudi Arabien nicht an die Öffentlichkeit gelangen; denn das hätte schwere Strafen zur Folge.

 

Etwa 550 Millionen Menschen haben sich diesem Glauben unterworfen, der Staatsreligion in den nordafrikanischen Staaten, dem mittleren und nahen Osten (außer Israël) ist, sowie in Indonesien, Malaysia, Pakistan, Afghanistan. Starke Gruppierungen werden in Indien, Albanien, den ehemaligen jugoslawischen Staaten, den südlichen Zonen der ehemaligen Sowjetunion, in China und den Philippinen angetroffen.

 

Die islamische Zeitrechnung beginnt 622, nachdem Mohammed, der Prophet, dessen eigent­licher Name Abul Kasim Muhammad Ibn Abd Allah ist, in Medina eingezogen war, einer Oasen­stadt in Saudi-Arabien. In diesem Medina starb der „von Gott Gesandte“ 10 Jahre später (also 632) in Alter von etwa 62 Jahren.

 

Mohammed war nicht unvermögend und gehörte einer angesehenen Sippe (Haschimiden) in Mekka, seiner Geburtsstadt, an. Die Leute aus Mekka hielten nicht allzu viel ihm, der so ab dem vierzigsten Lebensjahr immer mehr von Visionen und Offenba­rungserlebnissen heimgesucht wurde (eigentlich ein aus heutiger Sicht klinischer Fall für die psychiatrische Abteilung. Stimmenhören und Fremdbestimmtwerden ist ein typisches Symptom der Schizophrenie). Von Medina aus führte er mehrere Kriege gegen die Stadt seiner Herkunft und konnte sie sich schließ­lich unterwerfen.

 

Kommentar: Die islamische Ideologie birgt die Gefahr in sich, daß ihre Angehörigen wenig Neigung zu einer Toleranz Andersgläubigen (oder allgemeiner ausgedrückt Andersdenkenden) gegenüber haben, da sie sich allein als die „Auserwählten“ fühlen, ähnlich dem „Herrenrassengedanken“ der deutschen Nationalsozialisten (Nazis). (Aber jede Ideologie erhebt ja Anspruch auf absolute Wahrheit. Da macht das Chri­stentum keine Ausnahme.)

 

Wegen der Aufforderung, die Macht auf die „Ungläubigen“ auszudehnen, können leicht von nach Macht strebenden Glaubensfanatikern kriegerische Konflikte an­geheizt werden.

 

Es muß aber gesagt werden, daß islamische Länder (bzw. deren Machthaber - immer wieder betone ich deren Verantwortlichkeit) nicht mehr, vielleicht sogar weniger Kriege und andere „Schweinereien“ auf dem Gewissen haben, als die (in ihren Augen) Ungläubigen, z.B. die unter sogenanntem christlichen Einfluß stehenden.

 

Daher möchte ich vor einer einseitigen Verteufelung des Islams warnen. Ich kenne persönlich einige sogenannte Fundamentalisten sogar recht gut, die ich achte und mit denen ich genauso gut diskutieren kann wie mit „aufgeklärten“ (aber gläubigen) Christen.

 

Die Ergebung in Gottes Willen bewirkt eine leicht zu beobachtende Neigung bei den Mohammedanern zum Fatalismus (sich in sein Schicksal fügen, da Gottes Wille) und zu einer Verweigerung von Verantwortung; denn schließlich ist Gott für alles ver­antwortlich, wenn es kein Wasser mehr gibt, wenn etwas nicht geklappt hat, wofür das Einzelindividuum gerade zu stehen hätte (Gott der Allmächtige hat es nicht so gewollt wie man selbst, und Gott ist eben weise und wird schon seine Gründe gehabt haben). Diese Ergebenheit in Gottes Willen ist die größte Entwicklungsbremse der islamischen Staaten, meiner Meinung nach.

 

Die den Muslimen auferlegten Pflichten bewirken eine enorme Energieabsorption. Da muß 5 mal am Tag gebetet werden, wozu als Vorbereitungen die Waschungen erfor­derlich sind und die Ausrichtung nach Mekka (möglichst auf einem Gebetsteppich). Die Gebetsausrufer wecken die Gläubigen morgens zwischen 3 und 5 Uhr, je nach Mondstand. Abends ist das letzte Gebet zwischen 20 und 22 Uhr. Es ist also kaum durchgehender Schlaf möglich. In den islamischen Ländern sind die Moscheen so dicht angeordnet, daß niemand den Megaphonen der Gebetsaufrufer entgehen kann.

 

c) Der Hinduismus

 

„Hindu“ ist einfach das persische Wort für Inder. Damit bezeichnet der Hinduismus vom Namen her eigentlich nur eine Volkszugehörigkeit. Heute gehören dieser Religion um die 450 Millionen Menschen an. Sie hat sich aus dem Weda („Wissen“, alte heilige Schrift) bzw. dem Brahmanismus (Brahma, Name eines Gottes, des „Urgrunds des Kosmos“) entwickelt ohne einen Stifter.

 

Der wichtigste Gedanke des Hinduismus ist der ewige Kreislauf der Wiedergeburt (Samsara), wobei das Karma, also ein für die Taten und Werke der Menschen gültiges „moralisches Vergeltungsgesetz“, eine Rolle spielt.

 

In diesen Kreislauf ist alles einbezogen: Götter, Menschen, Tiere, Pflanzen, Durch-die-Hölle-müssen.

 

Doch kann man diesem Kreislauf entrinnen und Erlösung finden durch:

 

- Askese („Übung“ im Griechischen), d.h. Einschränkung oder Weglassen von allem Weltlichen, als da sind: Geschlechtsverkehr, der sowieso total verpönt ist, Speise, Trank, Schlaf, Kleidung und irdischer Besitz. Mit der Askese soll der Mensch aus der Gebundenheit an die Materie gelöst werden. Nach den buddhistischen Gedanken, die ja auch auf den Hinduismus nicht ohne Einfluß geblieben sind, sind die irdischen, die materiellen Dinge sowieso ja nur als eine Illusion zu werten.

 

- Joga, das „Joch“, in das der Körper eingespannt ist. Joga ist eine Meditationsübung mit dem Ziel, sich aus der Materie zu lösen, also die Seele von der Materie zu lösen, sich bewußtlos zu machen und sich jenseits der Welt zu begeben. Natürlich müssen auch hier einige vorbereitende (eigentlich genau 8) Regeln beachtet werden:

 

-- „Zügelung“ (jama) z.B. seines Geschlechtstriebes,

-- „Beachtung von Reinheitsvorschriften“ (nijama),

-- „Sitz“ (asana), also die richtige Körperhaltung einnehmen (damit der Körper nicht umkippt, wenn die Seele entfleucht ist),

-- „Beherrschung des Atmens“ (pranajamana),

-- „Zurückziehung der Sinnesorgane von seinen Objekten“ (pratjahara), damit man ja nicht ab­gelenkt wird bei dem Trip in's Jenseits (nichts hört und nichts sieht),

-- „Festhalten“ (dharana) an der Konzentration auf den Jenseitstrip,

-- „Versenkung“ (samadhi) durch entsprechende Gedankenausrichtung,

-- „Meditation“ (dhjana) oder Beschauung (Kontemplation), also Zuwendung zum Übersinnli­chen mit dem Ziel, sich in einen bestimmten Bewußtseins- und Empfindungszustand fallen (versenken) zu lassen, um außerhalb sich selbst sein und sich mit dem Göttlichen vereinigen zu können.

 

Da Joga mehr und mehr beliebt wird, sei auf das Buch von S. Hoare verwiesen: „Yoga, Ge­schichte, Philosophie und ein komplettes Übungsprogramm“, erschienen als deutsche Überset­zung 1984 in Ravensburg.

 

In der Aufzählung, wie man Erlösung finden kann fehlen noch:

 

- Gottesliebe (Bhakti) und

 

- magische Praktiken [x], womit der Mensch mit seinem eigenen Willen auf seine belebte und unbelebte Umwelt Einfluß nehmen will (was nach naturwissenschaftlichen Betrachtungen völlig irrational erscheint). Im Hinduismus ist natürlich nur die „weiße“ Magie erlaubt.

 

  Der „Führer“, das Oberhaupt, der Lehrer einer hinduistischen Sekte ist der Guru (was eigent­lich „geistig“, „ehrwürdig“ heißt).

 

Götter verkörpern Naturelemente. Die wichtigsten Götter sind:

 

- Brahma, der kaum noch eine Rolle spielt, aber

 

- der gütige Wischnu, der in zehn Inkarnationen [x] („Fleischwerdungen“ also menschlichen Ge­stalten) erscheint und der uns von Dämonen befreit (aber nur wenn wir daran glauben),

 

- Schiwa (der Gnädige), der aber einerseits einen starken Aspekt der Zerstörung bedeutet, andererseits wiederum furchtbar (daher als Phallus, dem „Schöpfer“ verehrt) und unheimlich ist. Schiwa lebt mit seiner Frau (Parwati) und seinen beiden Söhnen (Skanda und Ganescha) im Himalaya (jedoch mit nicht genauer Adresse), sowie

 

- Indra (der Regen), Waruna (das Wasser), Agni (das Feuer), Waju (der Wind), Surja (die Sonne), Soma (der Mond), Jama (der Tod), Kama (die Liebe).

 

Da wegen des Hinduismus ein Land wie Indien kaum entwickelt werden kann, sei auf einige weitere Einzelheiten eingegangen. Da gibt es die recht fanatischen Sikhs, Anhänger eines Sektierers Nanak, der, um 1540 gestorben, eine Verbindung zwischen dem Islam und dem Hinduismus anstrebte. Ein Herr Gobind Singh, den 1708 der Tod ereilte, gab diesem Re­ligionszweig einen militanten Charakter, basierend auf der islamischen Ausbreitungsaufforderung.

 

Die Männer dürfen sich weder den Bart noch die Haare ab­schneiden. Die ziemlich langen Haare werden unter einem Turban zusammengerollt. (Ich habe mal einen Singh, mit dem ich mich etwas angefreundet hatte, gebeten, den Turban abzusetzen, was er widerwillig tat.

 

Heute gehören dieser Sekte etwa 15 Millionen Menschen an. Ihre Bibel (das Heilige Buch der Sikhs), Adigrantha (zu deutsch: Urbuch), etwa 60 Jahre nach dem Tod des Sektengründers Nanak erschienen, wird wie ein Guru verehrt. Es ist im Goldenen Tempel von Amritsar aufbewahrt.

 

Verteidiger des Glaubens sind wohl alle ReligiösenDas Foto zeigt ei­nen jungen Sikh (Singh) vor dem „Goldenen Tempel von Amritsar“, im indischen Bundesstaat Punjab (etwa 30 km von der Grenze zu Pakistan entfernt). Der Staat Punjab wurde 1966 den Sikhs zuer­kannt. (In Amritsar sind 1919 von den Briten hunderte von Anhängern Gandhis umgebracht worden.)

 

Die Sikhs lehnen das Kastenwesen ab. Auf die „Kasten“ (wahrscheinlich aus dem Portugiesi­schen: rein, keusch) im Hinduismus muß ich näher eingehen. Wahrscheinlich ist das Kastensystem aber eine Erfindung der in Indien eingewanderten Arier, die ihre Gesellschaftsform und (reine und keusche) arische Rasse nicht durch die Asiaten verderben lassen wollten.

 

Während es anfänglich „nur“ 4 Kasten [x] (auf indisch: warna, was aber „Farbe“ bedeutet) gab, nämlich:

 

- Priester (Brahman),

- Krieger (Kschatrija),

- Bauern und Handwerker (Waischja),

- Knechte (Schudra),

 

gibt es heute um die 3000 (!).

 

Es darf nur mit Mitgliedern der eigenen Kaste gegessen und getrunken werden. Eine Mischehe ist nahezu undenkbar. Jede Kaste hat eigene (konservierte) Sitten und Gebräuche, sowie Pflichten, denen das Einzelindividuum nachzukommen hat (Dharma). Mitglied einer Kaste wird man durch Geburt. Niemand kann also von einer Kaste in eine andere überwechseln.

 

Eine besonders traurige Stellung nehmen die „Unberührbaren“ (Paria, zu deutsch: Trommler) heute ein. Ein körperlicher Kontakt zwischen ihnen und einem Angehörigen einer anderen Kaste wäre eine schlimme Befleckung. Die „Unberührbaren“ haben die niedrigste und dreckigste Arbeit zu verrichten, die Untergruppen der Bhangi und der Mehtar vor allem den Kot und den Unrat der anderen zu beseitigen.

 

Mohandas Karamschand (Mahatma, „dessen Seele groß ist“) Gandhi, Ende Januar 1948 im Al­ter von 78 Jahren von einem fanatischen Hindu ermordet, hatte auch versucht, das Kastenwesen infrage zu stellen. Er stieg einmal in eine Lokusgrube, um diese von menschlichem Kot und Urin zu entleeren, vor allem um damit zu demonstrieren, daß es jeder machen könne und zu machen habe. Dieser großartige Mann ist am religiösen Fanatismus gescheitert. Es ist ihm nicht gelungen, die heute noch andauernden, blutigen Kämpfe zwischen Muslimen und Hindus zu besänftigen. (Über Indien wird etwas mehr unter dem Kapitel „Entwicklungsländer, Regierungsformen“ zu finden sein.)

 

d) Der Buddhismus [x]

 

Dieser Religionszweig ist nach seinem Stifter Siddhartha Gautama, mit dem Ehrentitel Buddha, dem „Erwachten und  Erleuchteten“, benannt. Er entstammte einer reichen, im Luxus le­benden Adelsfamilie mit Schlössern im Jahre 560 vor der Zeitrechnung, wirkte vorwiegend in der nordindischen Gegend von Uttar Pradesch, an der Grenze zu Nepal, und verstarb im Alter von (wahrscheinlich) 60 Jahren an der Ruhr (hruora im Althochdeutschen: „Unruhe“ durch die Dick­darminfektion).

 

Es wird berichtet, daß ihn in seinen frühen Jahren vier Begegnungen sehr beeindruckt hatten, nämlich die mit einem alten Mann, mit einem Schwerkranken, einem Mönch und einem Toten. Das machte ihm die Vergänglichkeit von allem klar. Er schlich sich aus dem väterlichen Schoß, um als Asket (sich in völliger Enthaltsamkeit übend) zu leben, was ihn selbst an den Rand des Vergängli­chen brachte. Er beschloß einen Kompromiß zwischen viel und nichts haben. Mit 35 Jahren über­kam ihn die „Erleuchtung“, und er begann zu predigen. Damit fing die „Inbewegungsetzung des Rades“ an. Er sammelte Mönche (des Sagha) um sich. Auch Frauen durften bei ihm mitmachen.

 

Zuerst stützte sich Buddha bei seinen Predigten auf die älteste Religion Indiens, den Wedismus [x] ab (von einwandernden Indo-Germanen importiert). Da gibt es Naturgötter: den Himmel (Djaus), die Erde, das Feuer (Agni), den Wind (Waju), die Sonne (Surja), die Morgenröte (Uschas). Der Gott Waruna wacht über die Ordnung der Welt (Rita). Besondere Bedeutung hat der Kriegsgott Indra, der die Menschen von den Kühen befreit und Überschwemmungen fernhält. Statt in einem Tempel spielt sich alles auf dem Opferplatz ab, wo die Gläubigen die Gottheiten zum Essen einladen und sich mit Roma, einem Rauschtrank besaufen. Es wird an ein Jenseits geglaubt, wo man die Verstorbenen alle wiedertrifft. Aus der wedischen Religion entwickelte sich über den Brahmanismus, mit Witwenverbrennung und Wiedergeburt, schließlich der Hinduismus.

 

Buddha behielt die Idee der Wiedergeburt. Mit dem Tode geht der Mensch, je nach Lebens­wandel, also je nachdem ob er gute oder böse Taten vollbracht hat, über in eine neue, entweder in eine gute oder in eine schlechte Existenz. Schließlich führte er den Begriff des Nirwanas ein, des Verwesens, im Sinne von Dahinschwinden, der Vernichtung des Leidens, des Verlö­schens des Durstes, des Verschwindens der Lebensgier. Damit ersetzte er den Erlösungsgedanken, den die Upanischaden, die „sich in die Nähe“ des Lehrers „niedersetzen“ (so heißt das in San­skrit), aus dem Nachdenken über den Ursprung der Welt und über den Kreislauf der Geburten, sowie aus dem Wirken des Karmas, dem Fortwirken der guten und bösen Taten entwickelt hatten (Karma: die Tat, das Werk). Bei den Upanischaden ist der Atem die wichtigste Lebenskraft und das „alles durchdringende Feuer“ bringt die Erlösung. So wird alles verbrannt: die Leichen, die Witwen. (Etwas bösartiger Kommentar: Vielleicht bringt die Kohlendioxiderhöhung durch den Menschen dann schließlich die Enderlösung für uns alle.)

 

Buddha, von dem eigentlich nur die Rede sein sollte, predigte über seine „vier edlen Wahrhei­ten“:

 

- die edle Wahrheit vom Leiden und

 

- von der Entstehung der Leiden,

 

- die edle Wahrheit von der Vernichtung des Leidens und

 

- von dem „edlen, achtteiligen Pfad“, der dahin führt, nämlich

--   rechte Anschauung,

--   rechtes Wollen,

--   rechtes Reden,

--   rechtes Tun,

--   rechtes Leben,

--   rechtes Streben,

--   rechtes Gedenken und

--   rechtes Sichversenken.

 Siebenstufiger Pyramidenbau mit Zentralstulpa wurde um 1830 entdeckt

Ferner beherrschen seine Predigten:

 

- die Forderung der Gewaltlosigkeit (Ahimsa),

 

- die mitleidige Liebe (Maitri) und

 

- die Enthaltsamkeit.

 

Da bei Buddha Gottheiten keine Rolle spielen, wird oft diskutiert, ob der Buddhismus als Re­ligion zu bezeichnen ist oder "nur" als eine Weltanschauung.

 

Eines der schönsten Bauwerke buddhistischer Kunst befindet sich in Indonesien auf der Insel Java (nördlich von der südlichen Küstenstadt Jogjakarta). Dieses Buddhistische Heiligtum, der Borobodur, um 800 nach Christus erbaut und im letzten Jahrzehnt vollständig renoviert, hat 432 Nischen mit 1300 Steinrelievs.

 

Kommentar:   Ich persönlich neige dazu, den Buddhismus als eine Weltanschauung zu sehen; denn er stellt ethische Regeln und Leitlinien auf und läßt viel individuellen Spielraum zur eigenen Interpretation. Da wird nicht eine Gottheit angebetet. Da ist man nicht dem uns Menschen undurchschaubaren Willen einer höheren Macht ausgeliefert. Jeder ist sich selbst gegenüber und seinen Mitlebewesen gegenüber verantwortlich.

 

Der „Übergang in eine gute oder schlechte Existenz“ mit dem Tode wird u.a. fälsch­lich so interpretiert, daß als neue „Bewährung“ die Seele in ein Tier wandert, die „schlechte“ in die Schlange z.B. Daher darf keinem anderen Lebewesen ein Schade zugefügt werden. Das sind aber eher hinduistische Gedanken. Dennoch gefällt mir (im Prinzip) das, obwohl ich andere Motive habe, einem Mitlebewesen möglichst nichts zuleide zu tun.

 

e) Der Schintoismus

 

„Der Weg der Götter“ ist eine fast nur auf Japan beschränkte Religion, in der die Ahnen und die Natur verehrt werden.

 

Die Japaner glauben, daß ihr Land von einem Gott (Isanagi) und einer Göttin (Isanami) ge­zeugt wurde. Gott Isanagi vertraute der Sonnengöttin Amaterasu die Herrschaft über den Himmel an und die Macht über die Nacht dem Mondgott Tsukijomi. Es geht weiter in der Machtverteilung: Zum Herrscher über das Meer wurde der Sturmgott Susa-no-o, und der Enkel Ninigi der bereits vorgestellten Sonnengöttin Amaterasu bekam die Macht über Japan. Dieser Enkel ist der Ahne der heute noch herrschenden Kaiserdynastie. Der jeweilige Kaiser ist der Tenno, der „Himmelsherrscher“.

 

Das „göttliche Organigramm“ sieht also wie oben aufgezeigt aus und spricht wohl für sich selbst.

 

Das sollte ausreichen zur Beschreibung dieser Religion. Wer mehr wissen möchte kann nach­lesen [x].

 

f) Das Judentum

 

Das Judentum ist (wahrscheinlich) die älteste Religion und hat auch Be­zeichnungen wie mo­saischer, israëlitischer, hebräischer Glaube.

 

Die jüdische Tradition erhebt den Anspruch, daß Gott, der Schöpfer der Welt (Jahwe) das Volk Israël als einziges auserwählt hat, was durch die Offenbarung des Moses am Berg Horeb- Sinai begründet ist und in der „Thora“ (Lehre, Weisung) als das Gesetz Gottes niedergeschrieben ist (5tes Buch Moses in der Bibel). Dieses wichtige Schriftstück (Schriftenrolle) wird im Thora­schrein (der Bundeslade) aufbewahrt und daraus während der Gottesdienste in der Synagoge (was auf Griechisch „Versammlung“ bedeutet) am Sabbat (dem Ruhetag) vorgelesen.

 

Da hat Gott 6 Tage wirklich geschuftet, um alles fertig zu bekommen, die Erde mit allem drum und dran, vor allem den Menschen, als die „Krone der Schöpfung“, als das Ebenbild Gottes, der kurz vor Feierabend sogar mit Frau (der Eva) rum­lief. Verständlicherweise brauchte Gott dann einen Ruhetag, den Sabbat (ruhen, ablassen). Es ist aber nichts überliefert, was Gott an den fol­genden Tagen bis heute gemacht hat (vielleicht andere Welten?).

 

Der Sabbat ist nach jüdischer Festlegung der Samstag der Woche. Da darf nicht gearbeitet werden, nach fundamentalistischer Auffassung absolut nichts, nicht einmal ein Lichtschalter umge­legt. Da wird dann am Tage der Ruhe und der Heiligung an Gottes Werk gedacht, ihm gedankt, Gottesdienste abgehalten, aus der Thora vorgelesen und aus den Schriften der Propheten.

 

Im jüdischen Glauben, von dem ja vieles vom Christentum und dem Islam übernommen worden ist, sind Gehorsam und Ungehorsam des einzelnen gegen die Gesetze Gottes die Ursache für Na­tur- und andere Katastrophen als Strafen für die „Sünde“. Diese Katastrophen können durch die „Buße“ gemildert oder aufgehoben werden.

 

Auf dem Foto lamentieren und beten fromme Juden an der Klagemauer und lesen aus der Schriftenrolle.

 

Das Judentum ist - wie der Islam und das Christentum bis zu den Reformations-bewegungen - eine Kollektivreligion, wonach das einzelne Volksmitglied einen Beitrag zum „Erwählungsauf­trag“ an das Volk als Sendung gegenüber der ganzen Welt und zur Errichtung des Gottesherrschaft zu leisten hat, jedoch im Judentum anders als bei den anderen Religionen ohne Bekehrung der Anders- oder Nichtgläubigen; denn die Religion ist an die Volkszugehörigkeit gebunden.

 

Da gibt es strikte Bräuche und Vorschriften, die Speisen betreffen und die Sabbatfeiern. Von großer Wichtigkeit ist die Beschneidung (Abschneiden der Vorhaut des männlichen Gliedes, damit das Onanieren, die „Sebstbefleckung“ erschwert wird, auch vom Islam übernommen – inzwischen auch den USA – aus hygienischen Gründen, sagt man dort allerdings).

 

Kommentar:   Es ist doch sicher sehr aufschlußreich, daß ein so kluger Kopf, wie dieser „nichtreligiöse“ Karl Marx, als Jude in seinem „Vatersglauben“ behaftet geblieben ist. Sein soziales (kommunistisches) Denkgebäude basierte ja auch auf einer „Kollektivreligion“. Da wird ja auch immer nur von Massenbewegung gesprochen und vom Aufgehen des Einzelnen in der Masse. (Auch für die deutschen Nationalsozialisten des katholisch erzogenen Adolf Hitlers zählte der Einzelmensch nichts, der sich für Führer, Volk und Vaterland zu opfern hatte.)

 

Auch für diese Religion sei ein Foto gezeigt, nämlich fromme Juden vor der „Klagemauer“ Kotel auf Hebräisch) im (arabischen) West-Jerusalem, einem Rest des im Jahre 70 nach der Zeitrechnung zerstörten Herodestempels, wo seit dieser Zeit „Klage“-Gebete verrichtet werden, um Gott zu bewegen, das Volk Israël in sein Land zurückkehren zu lassen.

 

g) Andere Religionen

 

Es gibt eine unüberschaubare Vielzahl von Religionen, die nicht alle betrachtet werden kön­nen; denn das würde den Rahmen dieses Buches sprengen. Daher sei auf vorhandene Literatur verwiesen [x].

 

Doch möchte ich gerne nur ein paar Sätze über afrikani-sche Religionen sagen, die sehr gerne als „nur primitiv“ angesehen werden.

 

Auf dem Bild: Ein unheimlich wirkender religiöser Umzug

 

 Ein in Kenia arbeitender englischer Lehrer sagte mir einmal, daß die hinterweltlerischen, primitiven Afri­kaner heute immer noch an Geister glauben würden.

 

Als ich ihm dann, ironisch gemeint, erwiderte, daß „ihr Engländer ja auch noch eure Schloß­geister habt“, gab er zu meiner großen Verblüffung zu: „Ja, die gibt es ja nun wirklich. Dafür gibt es Beweise.“ Ich hielt es nicht für sinnvoll, dieses Thema weiter auszudiskutieren.

 

Die vielen, traditionellen Religionen in Schwarzafrika haben einige verblüffende und durchaus anerkennenswerte Gemeinsamkeiten:

 

- Sie sind monotheistisch, es wird also nur eine ewige Gottheit angenommen (z.B. bei den Ban­tus „Zambé“ genannt).

 

- Das Leben verläuft in einem ewigen Kreislauf: Mit der Geburt beginnt der Tod. Das „Verschwinden“ des Menschen ist die Rückkehr in den „Leib“ Gottes. So, wie die Natur in ihren Jahreszeiten sich erneuert, ist bei den Menschen auch ein „Kommen und Gehen“ der Generatio­nen, Absterben und Wiederaufleben.

 

- Es gibt drei Klassen menschlichen Seins: Die Vorfahren, die (zur Zeit) Lebenden und die Kinder, die geboren werden.

 

- Der Mensch ist nicht der Herr der Natur, die weitgehend von „unsichtbaren Lebewesen“ be­herrscht wird, welche den Menschen helfen, sofern diese ihnen gegenüber Achtung und Respekt erweisen. Der Mensch muß ihnen Geschenke und Opfer darbringen. Man kann aber nie sicher sein, ob diese dann auch von den „Unsichtbaren“ als annehmbar gesehen werden.

 

- Es gibt eine Weltordnung, in der der Mensch seinen Platz hat. Er soll nicht versuchen, den ihm gege­benen Platz zu verlassen, weder indem er sich anderen Menschen gegenüber für überlegen und übergeordnet hält, noch indem er sich wie ein Tier (eine „Bestie“) verhält, z.B. durch sexuelle, widernatürlich Ausschweifungen. Die Vorfahren und die „Unsichtbaren“ sind zu achten (zu re­spektieren).

 

- Es gibt zwar keine Priester aber „Spezialisten“ für das Organisieren von kultischen Handlungen und Opferzeremonien, z.B. um eine fruchtbare Ernte zu bekommen, insbesondere die „Mächte der Nacht“ zu besänftigen, die danach streben, vorzeitigen Tod, Unfälle, Krankheiten und sonstiges Ungemach des Lebens zu verursachen.

 

Heute spielen die ursprünglichen afrikanischen Religionen keine bedeutende Rolle mehr; denn die Völker Afrikas sind ja missioniert worden: durch die Christen und in den Küstenregionen vorwiegend durch die Araber, also dem islamischen Glauben unterworfen.

 

Kommentar: Auch die afrikanischen Religionen haben mit allen anderen gemeinsam, daß der Mensch „unsichtbaren Kräften“, einer Gottheit, einer vorgegebenen Weltordnung willkürlich, zumindest für ihn undurchschaubaren Gesetzmäßigkeiten ausgeliefert ist. Das Ergebnis ist: Der religiöse Mensch meint, er könne nichts machen und müsse sich in die Gegebenheiten, also sein Schicksal fügen. (Das scheint wohl immer die Absicht der „Religionsstifter“ gewesen zu sein: Die Menschen an Eigenständigkeit zu hindern und Eigenverantwortung zu unterdrücken.)

 

h) Weltanschauungen

 

Es gibt so viele Weltanschauungen wie es Menschen gibt; denn jeder hat seine eigene. Und das macht ja das Zusammensein mit Mitmenschen mehr oder weniger interessant, daß wir nämlich dis­kutieren und uns auseinandersetzen können.

 

Eine Weltanschauung ist die Gesamtauffassung von der Welt, die eigene Lebensphilosophie, die das eigene, individuelle Handeln schließlich bestimmt. Natürlich gibt es auch allgemeine Welt­anschauungen, die durch Ideologien und Traditionen bestimmt sind.

 

In anderen Sprachen (dem Französischen, Englischen) gibt es keine genaue Übersetzung von dem weitumfassenden Begriff der „Weltanschauung“. Da wird von „Lebensphilosophie“, „Ideolo­gie“, „Anschauung“, „Auffassung von der Welt“, „Glaubensbekenntnis“ usw. gesprochen.

 

Doch möchte ich unter diesen Abschnitt den Sozialismus/Kommunismus betrachten; denn er verkörpert eine typische Weltanschauung:

 

Da wurde 1941 der Schriftsteller Wolfgang Hilbig „in einem sächsischen Provinznest, na­mens Meuselwitz geboren, wuchs dort als Kriegswaise im völlig amusischen Bergarbeiterhaushalt seines Großvaters auf, wurde selbst Dreher, arbeitete später in verschiedenen anderen Arbeiterberufen, lebte bis 1985 in der damaligen Deutschen Demokratischen Republik (DDR). Bei seiner eigentlichen Liebe, dem Schreiben, wurde er in jeder Weise behindert. Als er seiner Verkäuferin-Mutter als Jugendlicher berichtete, er wolle Schriftsteller werden, fürchtete sie doch vor allem, er werde Familieninterna der Öffentlichkeit preisgeben. Unter seinen Arbeiterkollegen galt er natürlich als komischer Kauz, sintemalen er nicht den in der DDR ja durchaus geförderten Weg eines sogenannten Arbeiterschriftstellers einschlug. Er schrieb von Anbeginn an höchst artifiziell und reflektiert, pauschal beurteilt etwa auf einer Position zwischen Kafka und Thomas Mann. Da der (sozialistische Arbeiter- und Bauern-)Staat natürlich nur solche Leute förderte, die in meist grauslichem Stil das Loblied des realen Sozialismus sangen, hatte Hilbig von dort nichts zu erwarten. Im Gegenteil: als er wegen Aufsässigkeit aus seinem Betrieb geschmissen wurde, sich aber nicht gleich einen neuen Job suchte, sondern mit seinen Ersparnissen sich zum Schreiben zurückzog, wurde er zu einer Art Arbeitsbeaufsichtigungsbehörde bestellt. Dort wurde er von einer Frau à la Ex-Bildungsministerin Margot Honecker gefragt, warum er sich keine neue Arbeit suche. Er erzählte von seiner schriftstellerischen Arbeit. Die Frau reagierte mit einer Mischung aus Spott und Empörung. „Ach“, sagte sie, „was wollen sie denn schreiben?... Sie haben doch nicht einmal das Abitur gemacht... Sie haben noch nicht einmal die zehnte Klasse geschafft.“ (Hilbig ist von der Schule geflogen, weil man einen sogenannten pornografischen Text bei ihm fand.) „Aber wir haben Ihnen die Chance gegeben, einen sehr ordentlichen Beruf zu erlernen... Ihre Dankbarkeit, dem Staat und der Gesellschaft gegenüber, läßt sehr zu wünschen übrig, um nicht zu sagen, sie nimmt kriminelle Ausmaße an. Sie wollen Künstler sein... und scheuen doch davor zurück, einen Blick in's wahre Leben zu werfen. Ich kann Ihnen da einen sehr guten Vorschlag machen... in der Abteilung der Stadtreinigung in M. ... bei der Müllabfuhr... werden andauernd Leute gesucht ... Sie müssen sich dort unbedingt so schnell wie möglich melden... Ich werde Sie einstweilen regi­strieren, damit wir ein Auge auf Sie haben können, damit Sie uns nicht auf der schiefen Bahn bleiben.“

 

Obwohl Hilbig zurecht besorgt ist, daß er ansonsten in ein Arbeitslager eingewiesen wird, geht er nicht zur Müllabfuhr. Aber er treibt sich auf Müllhalden rum und schreibt über den Müll, über alle möglichen Arten von Abfall und Schmutz und wie er selbst darin rumwühlt, eine teils realistisch-poetische, teils surrealistische Prosa, durch die er die Aufmerksamkeit einiger DDR-Schriftsteller erregte, die ihn förderten. Seine Arbeit - Titel „Die Weiber“ - wurde dann im Westen veröffentlicht und mit einem Preis ausgezeichnet.“ (Aus dem Brief meiner „Ex“-Frau vom 9.6.1993.)

 

Dieses kurze Beispiel zeigt, daß in einem der untergegangenen sozialistischen (kommunistischen) Länder der Freiheitsraum des Einzelnen erheblich eingeschränkt war. Der Ein­zelne hatte sich dem Kollektiv, also der Masse einzuordnen, um ihr „zum Sieg“ über den „Klassenfeind“ zu verhelfen.

 

Vor allem macht das Beispiel deutlich, daß sich die Gedanken des stu­dierten Rechtsanwaltes Wladimir Iljitsch Uljanow, mit dem Decknamen Lenin, durchgesetzt hatten. Die ehemalige DDR muß daher als Staat mit der Staatsreligion Leninismus bezeichnet werden. Also dieser Lenin hatte ge­fordert, einen neuen Menschentypus heranzuziehen. (Ziehen und zerren sind fast gleichbedeu­tende Begriffe.) Marx und Engels hatten geglaubt, daß dieser „neue, optimal moralisierte Men­schentyp“ sich von alleine „gänzlich wandeln“ würde, nachdem die Klassen besei­tigt und völlig geänderte (repressionsfreie und humane) Lebensbedingungen herrschten.

 

Doch schauen wir uns einmal die Definitionen und die Ideen des kommunistischen Weltbildes [x] an:

 

Communis meint im Lateinischen „gemeinsam“, „allgemein“. Der Kommunismus ist strecken­weise gleichzusetzen mit Sozialismus [x], ein Begriff, der erstmals gegen 1830 aufkam. Die Hauptzielsetzung war:

 

- Gleichstellung der Menschen in einer „menschlichen“ Gesellschaftsform, in der alle

 

- in einer Gütergemeinschaft mit gemeinsamer Lebensführung, frei von Be­herrschtwerden durch Einzelne oder durch eine Gruppe klassenlos leben sollten.

 

Daraus ergab sich als Konsequenz: Die Abschaffung des Privateigentums an den Produkti­onsmitteln.

 

Es gab gleich einige Fraktionen (Gruppenbildungen), die Anarchisten, die bestehende Gesell­schaftsordnung, also Staat und Eigentum als wirtschaftliches Machtmittel beseitigen woll(t)en (Michael A. Bakunin und Pierre J. Proudon).

 

Die utopischen und politischen Kommunisten wollten nicht nur die Produktionsmittel in Gemeineigentum überführen, sondern auch die Verbrauchsgüter dem Privatbesitz entziehen. Der fran­zösische Schriftsteller und ursprüngliche Rechtsanwalt Etienne Cabet, der 1856 in Alter von 68 starb, hatte vergeblich versucht, diese Idee praktisch vorzuleben. Natürlich mußte er scheitern; denn es läßt sich nun mal keine Insel schaffen, wie Dr. Julius Nyerere (1964 bis 1985 Staatspräsi­dent von Tanzania) einmal selbstkritisch zugegeben hat. Cabet wurde bekannt durch den Roman: „Reise nach Ikarien“, der 1842 erschienen war und in einem kommunistisch, utopischen Umfeld spielt.

 

Die radikalen Sozialreformer wollten auch die gesamte Gesellschaft umformen, z.B. das Geld abschaffen und durch eine Tauschbank ersetzen (Seite xx: Robert Owen, Charles Fourier, Louis Blanc, Henri de Saint Simon usw.). Sie glaubten, daß die Ziele so einleuchtend seien und da­her keine große Gewalt zur Erreichung erforderlich sei.

 

Wir kommen nicht umhin, uns mit dem wissenschaftlichen Sozialismus, dem Marxismus zu beschäftigen.

 

Diese Ideologie wurde gegründet von Karl Marx, 1818 in Trier geboren, und von Friederich Engels, zwei Jahre später in (Wuppertal-)Barmen zur Welt gekommen.

 

Als Ergebnis ihrer geschichtlichen und gesellschaftlichen Analyse entwickelten sie den histori­schen Materialismus und kamen zu dem Schluß, daß im Klassenkampf zwischen der Arbeiter­schaft (dem Proletariat) und dem Bürgertum (der Bourgeoisie) die Arbeiterschaft folgerichtig als Sieger hervortreten würde. Damit werde die Klassengesellschaft beseitigt, die durch Ausbeutung und Entfremdung gekennzeichnete bürgerliche, kapitalistische Gesellschaft aufgehoben und eine allmähliche menschliche Selbstverwirklichung möglich. Zur Entfremdung hat Marx richtig er­kannt: „Der Arbeiter fühlt sich erst außerhalb der Arbeit bei sich und in der Arbeit außer sich.“

Für ihn ist Arbeit nur Mittel, um Bedürfnisse zu befriedigen. Da bleibt nur der Wunsch „zu haben“ und die produzierte Ware bekommt einen Fetischcharakter, wird zu einer magischen Kraft.

 

 

 

Karikatur aus „Der Spiegel“

16. September 1991, S. 175

 

 

- Marx sah 2 Phasen zur Erreichung des Endzieles:

 

- eine „niedere“ kommunistische Gesellschaftsform, in der noch das Leistungsprinzip und folglich die Güter immer noch ungleich verteilt wären und

- die „höheren“ Gesellschaftsform, wo nur noch das Bedürfnisprinzip gelten werde.

In dieser „Endphase“ ist der Staat überflüssig. Er „stirbt ab“. Körperliche und geistige Arbeit sind gleichwertig. Geld und Lohn gehören der Vergangenheit an. Die bürgerliche Ehe ist hinfällig, was der Frau eine uneingeschränkte Gleichstellung gibt. Nationale Schranken gibt es auch nicht mehr. Sich für die Gesellschaft nützlich machen, ist (aus innerer Einsicht) das oberste Interesse des Einzelindividuums. Über Bedarfsgegenstände kann frei verfügt werden. Kontrolle ist nicht nötig; denn es herrscht kein Mangel.

 

„Jeder nach seinen Fähigkeiten, jeder nach seinen Bedürfnissen.“ Der Himmel ist auf Erden verwirklicht.

Nun wurde in den inzwi­schen untergegangen, als marxistisch-leninistisch zu bezeichnenden Ländern die erste Phase als Sozia­lismus und die zweite, die letztlich zu erreichende, als Kom­munismus bezeichnet. (Marx hat aber keinen Unterschied diesbezüglich definiert.) Dazu ist es aber nicht mehr gekommen. Die Heranzie­hung des „neuen Menschen“ ist nicht gelungen, und die „Selbsterziehung“, an die Marx geglaubt hatte, hat sich auch nicht vollzogen.

 

Während der Marxismus immer den revolutionären Charakter der Gesellschafts­veränderung in den Vorder­grund gestellt hat, versuch­ten die Sozialdemokraten die Gesellschaftswandlung durch permanente Reformen zu erreichen.

 

Kommentar: Wie bei allen Religionen und anderen Ideologien sind auch die eigentlich „guten An­sätze“ der kommunistisch-sozialistischen Ideologie durch die Machtansprüche von Einzelindividuen pervertiert worden.

 

Während Marx an die Selbstbefreiung der Arbeiter geglaubt hatte, forderte Lenin: „Das Klassenbewußtsein kann in den Arbeiter nur von außen hineingetragen wer­den...“ Damit sah er den Arbeiter als unmündig an und legte die Grundlage zu den leninistischen Terrorregimen, die von Stalin perfektioniert wurden.

 

Maxim Gorki hat einmal gesagt, daß Lenin ein kaltblütiger Gaukler sei, der sich weder um die Ehre noch um das Leben der Arbeiter kümmere, und Lenin selbst hat kurz vor seinem Tode 1924 gestanden: „... Ich habe mich vor den Arbeitern Rußlands sehr schuldig gemacht.“

Karikatur: „Der Spiegel“ 23. Sept. 1992, S. 177

 Leider ist der Text bei dieser Verkleinerung nicht mehr zu lesen.

Auf dem Grabstein steht: "Hier schaufelt der Kommunismus dem

Kapitalismus das Grab" und der Kapitalist ruft: "Hallo Totengräber, is was?"

 

Während im Zeitraum von 1880 bis 1890 in Rußland 17 Personen hingerichtet wur­den, schaffte Josef Wissarionowich Stalin, nach der Er­mordung Kirows an die Macht gekommen, das Milli­onenfache. Seine Massen­mordquote kommt in die Nähe er von Hitler (mit um die 6 Millionen, allerdings „nur“ in den nationalsozialis­tischen Ver­nichtungslagern. Ungezählt sind die Toten in den Zwangsarbeitslagern).

 

Da sei erwähnt, wie rigoros dieser Stalin mit Gesetzen gegen die Arbeiter vorging: „Wer bei einer wiederholten 21-minütigen Verspätung an­ge­troffen wird, kommt in Haft“.

 

Nun ist ein Scherbenhaufen, völlig zerstörtes, verstörtes und gestörtes Zweitländerchaos übriggeblieben, wie Lenin bereits alternativ gefordert hat: „Entweder untergehen oder die fortgeschritte­nen Länder auch ökonomisch einzuholen und zu überholen.“

 

 

Stalin hat offensichtlich während seiner Diktatur von 1927 bis 1953, als er im Alter von 74 starb, die Zweitländer und den Kommunismus vollkommen zugrunde gerich­tet.

 

  Da auch der Kapitalismus als eine Gesellschafts-Ideolo­gie - also als eine Weltanschauung - angesehen werden muß, sollte diesem Begriff auch eine kurze Betrachtung gewidmet werden.

 

  Der wirtschaftliche Aspekt soll hier ausgeklammert werden (auf Seite xx hinreichend beschrie­ben).

 

  Im Kapitalismus ist die menschliche Gesellschaft in Klassen unterteilt:

 

- Die Besitzer an Produktionsmitteln, also die Kapitaleigner, die Kapitalisten, die „Arbeitgeber“ und

 

- die breite Masse der Arbeiter, der „Arbeitnehmer“.

 

  Inzwischen gibt es fließende Übergänge: In Großbetrieben, z.B. Aktien­gesellschaften, sind die Kapitaleigner nicht mehr identisch mit den „Arbeitgebern“, also denjenigen, die mit der Betriebsleitung und der Interessenvertretung der Firmenpolitik beauftragt sind. Sie sind in der Regel selbst Angestellte, wenn auch außergewöhnlich gut bezahlt (etwa 10 bis 100 mal höher als ein durchschnittlicher „Arbeitnehmer“). Sie unterliegen dem (ungeschriebenen) „ideologischen“ Druck, das (ihr) „Wirtschaftsimperium“ erfolgreich, möglichst expansiv zu führen ist, so wie die Mitverantwortlichen in einem imperialistischen Staatsgebilde (Seite xx), das auch auf Machtaus­dehnung aus ist.

 

  Diese Spitzenfunktionäre der kapitalistischen Unternehmen begeben sich in Machtkämpfe un­tereinander, d.h. im eigenen Unternehmen, und sie tragen Machtkämpfe mit der Konkurrenz (der Mitbewerber um Marktanteile) aus. Dabei ist ihnen oft jedes Mittel recht: Abwerbung von „guten“ Leuten, Preisunterbietung (Dumping-Preise), Aufkauf von Anteilen der Konkurrenzfirmen, Werksspionage, Druck auf Zulieferer, Anwerbung von billigen Arbeitskräften (neben dem Produk­tionskapital das Produktionsmittel). Die Funktionäre streben danach, das Produktionskapital zu erhöhen und die Produktionsmittel (Arbeitskraft) so billig wie möglich „einzukaufen“, also die Löhne niedrig zu halten bei möglichst hoher Arbeitszeit. Die Arbeitsverteilung und -durchführung erfolgt diktatorisch durch Betriebsordnungen, Arbeitsplatzbeschreibungen, Verantwortungs­hierarchien (Über-, Unterordnung), Geheimhaltungsverpflichtung und was sonst noch alles.

 

  Das kapitalistische Unternehmen ist ein Staat im Staate.

 

  Psychologisch gesehen, funktionieren die Funktionäre bestens im Interesse „ihres“ Unterneh­men, mit dem sie sich identifizieren. Sie dürfen und können oft den gesamtgesellschaftlichen Komplex nicht sehen:

 

- Auswirkung von Niedriglöhnen auf die Kaufkraft und damit die gesamt­wirtschaftliche Lage,

 

- Erhöhung der Arbeitszeit und damit Freisetzung von Arbeits­kräften mit dem Ergebnis der Ge­samtkaufkraftsminderung,

 

- Unbefriedigtsein der „Arbeitnehmer“ durch die „Diktatur“ am Arbeitsplatz und damit verminderte Motivation, außerdem: Hervorrufen von psychischen und physischen Schäden. (Die Ausfälle durch Krankheit nimmt bei den niedrigsten Arbeitsstellen nachweislich zu.)

 

  Die Arbeiter können sogar Anteile (Aktien) am eigenen oder an einem Fremdunternehmen er­werben und werden damit selbst zum Kapitalisten.

 

  Der Kapitalismus ist wie eine Jagd zu sehen: Wer erlegt die meisten Tiere, oder wie ein sportliches Ereignis: Wer wird Sieger. (Wahrscheinlich gibt es noch einen instinktiven Jagdtrieb bei den meisten Menschen.)

 

  Dadurch daß der Arbeiter seine Arbeitskraft als Ware dem Kapitalisten zur Verfügung stellt, wofür er jedoch nur einen Teil des Reallohnes erhält, schafft er einen Mehrwert (nach Marx), den Profit. Dieser Profit ist die einzige Motivation des Kapitalisten zu seinen Aktivitäten. (Kaum ein Kapita­list unterhält eine Firma nur aus „Spaß an der Freud“, wie die Kölner sagen.)

 

  Der Kapitalismus kann als Nachfolgeideologie des Feudalismus (la féodalité) gesehen werden, in dem adelige Grundbesitzer eine unein­geschränkte Herrschaft über die ihnen untergebenen Men­schen ausübten. Der Feudalismus war teilweise eine Sklaven­haltergesellschaft: Der „Untertan“ konnte sich nicht ohne Erlaubnis seines Herrn von seinem Wohn­ort entfernen. Er hatte unbedingt gehorsam zu sein und Anweisungen ohne Murren auszu­führen.

 

Parallelen zum Kapitalismus können durchaus gesehen werden:

 

- Eigenmächtiges Fernbleiben von der Arbeit oder Verspätung,

 

- schleppende Aufgabenerledigung (trotz „Abmahnung“) und

 

- Verweigerung einer Arbeit

 

führen zur fristlosen Entlassung (abgesichert durch das Arbeitsrecht).

 

Der Arbeiter hat keinen (oder kaum einen) Einfluß auf die Arbeitsplatzgestaltung, auf die Auswahl seiner Kollegen, auf die Arbeitszeitfestlegung (Beginn und Ende der Arbeitszeit), auf die Art der Arbeit, die er gerne durchführen möchte, und auf die Weise der Durchführung, kein Infor­mationsrecht über die Firmenpolitik, über Kostenkalkulation. Er hat sich den „diktatorischen“ An­weisungen seines Vorgesetzten (fast) bedingungslos zu fügen.

 

Mitbestimmungsideen haben sich (noch) nicht durchsetzen können (obwohl da vieles auf dem Papier steht, z.B. in den Montanunionsgesetzen, also der Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl).

 

Diese Freiheitseinschränkung pflanzt sich nahezu bis zum Vorstandsvorsitzenden einer Akti­engesellschaft fort, der sich den Weisungen des Aufsichtsrates zu fügen hat.

 

Dennoch wird heute der Kapitalismus als die „beste“, die best funktio­nierende Gesellschafts­form gesehen.

 

Kommentar: Wir sind also noch meilenweit entfernt von einer menschlich zu sehenden Gesellschaft.

 

Während der Kapitalismus wahrscheinlich dem menschlichen Grundcharakter am angepaßtesten zu sein scheint (nach Hobbes: Der Mensch ist des Menschen Wolf), kann dennoch angenommen werden, daß auch ihm irgendwann ein Ende bevorsteht, daß er zumindest nicht weiter wild weiter wuchern kann (freie Marktwirtschaft mit mehr oder weniger stetigem Wirtschaftswachstum).

 

Diesen Schluß ziehe ich daraus, daß alle Ideologien zeitlich begrenzt auf fruchtbaren Boden fallen und dann austrocknen.

 

Der Kapitalismus wird sicherlich früher oder später dahingehend reformiert, daß den, gegen Entgelt tätigen Menschen endlich die notwendige Mündigkeit zuerkannt wird, was natürlich nicht ohne Machtkämpfe gehen wird.

i) Traditionen [x]

 

Traditio bedeutet im Lateinischen die „Übergabe“, also die Weitergabe von eingefahrenen An­schauungen und Regeln.

 

Hier sollte eher von Traditionalismus gesprochen werden, um das, was die Problematik um den Begriff „Tradition“ beinhaltet, besser in den Bereich (Komplex) der Ideologien einordnen zu kön­nen. Die Traditionalisten halten sich am Herkömmlichen fest, reagieren mit Wut, wenn da einer dran rütteln will.

 

Also unter einer Tradition wird das Festklammern an Sitten und Gebräuchen (Brauchtum), an einmal getroffenen Übereinkommen (Konventionen), Lebenserfahrungen, Machtstrukturen (Insti­tutionen), Gewohnheiten und Normen (Gesetzte, Verordnungen, Regeln) gesehen. Der in der Tradition behaftete fühlt sich nur wohl, wenn sein Umfeld in den gleichen Traditionen eingebettet ist, und er will seine Vorstellungen an die näch­ste Generation weitergeben. Damit hängen Tradi­tionen eng mit Konservatismus zusammen, welcher das einmal Bestehende unabän­derlich fest­schreiben und „einmachen“ will in eine Konservendose. (Einmal eingemach­tes Obst ändert sich nicht mehr, bis es verdirbt.) Es soll sich möglich nichts ändern (Kontinuität) und alles beim Alten bleiben.

 

Kommentar:   Eigentlich wäre es garnicht so schlecht, wenn man in eine „vernünftige“ Tradition eingebunden wäre; denn da weiß man immer, wo man „dran“ ist, kann sein Leben leichter ausrichten. Man kennt ja die Normen, Konventionen und die Institutionen.

 

Aber wir müssen neuen Gegebenheiten und veränderten Erkenntnissen gegenüber offen sein, uns anpassen und wandeln, aus gemachten Fehlern lernen können, sonst verpassen wir den entwicklungstechnisch gegebenen „neuen Fahrplan“.

 

Traditionell steuern die Autofahrer auf dem europäischen Kontinent und in vielen anderen Ländern ihre Fahrzeuge über die rechten Straßenseite. Aber in Großbritannien und seinen ehemaligen Kolonien wird die linke Stra­ßenseite benutzt. Im Prinzip ist das ja völlig gleichgültig. Nur muß man die jeweilige Norm (die Straßenverkehrsordnung) kennen.

 

Hans lebt in einem Dorf. Es geht ihm gut, hat so etwa al­les, was eine Industriegesellschaft an materiellen Dingen bietet.

 

In der Kneipe erzählt er einem Saufkumpanen, daß er beabsichtigt, mit seinem neuen Wagen nach England zu fahren.

 

„Da mußt du aber vorsichtig sein,“ rät sein Freund und erklärt: „Die fahren da nämlich auf der anderen Straßenseite.“

 

 Ein paar Tage später trifft Hans seinen Freund zufällig wieder und sagt: „Also das mit der Fahrt nach England habe ich aufgegeben.“

 

„Ja, warum denn das?“ will sein Freund wissen.

 

Hans meint: „Nee, also das ist ja so gefährlich und so anstrengend. Das kann ich mir nicht antun.“

 

„Was ist gefährlich in England?“ erkundigt sich sein Ge­sprächspartner.

 

„Ich habe ein paar Tage lang mal probiert, da auf unserer Umgehungsstraße mich mit mei­nem Auto ganz links zu halten,“ gesteht Hans und fährt fort: „Ich mußte manchmal sogar in den Graben fahren, um keinen Unfall zu bauen. Also wirklich nicht, das schaffe ich nicht, auf der an­deren Seite zu fahren. Damit ist die Idee eines Urlaubs in England für mich gestorben. Die Eng­länder sind wohl bekloppt, wenn die immer nur falsch fahren.“

 

Die Normen sind unerläßlich. Im allgemeinen Recht werden die Bezie­hungen zwischen den einzelnen „Rechtsobjekten“ allgemein­verbindlich gere­gelt durch Gebote und Verbote.

 

Die Sozialwissenschaftler sehen unter Normen die Regelmäßigkeiten eines sozialen Verhaltens beim menschlichen Zusammenle­ben. Die Normen fordern ein bestimmtes Verhalten.

 

Man stelle sich doch mal vor, daß an einem unwahrscheinlich heißen Tag die trauernde Witwe zur Beerdigung ihres Mannes im zweigeteilten Bade­anzug (Bikini) erscheinen würde und der Pfarrer in einer Badehose.

 

Würde ein Gerichtsvorsitzender, in dessen Eingeweiden es fürchterlich zwickt, plötzlich aufste­hen, zum Fenster schreiten, dieses öffnen und einen vernehmlichen Furz ablassen, wäre sicher die weitere Verhandlung infrage gestellt und seine Autorität dahin. Das kann er doch nicht machen oder? Er wird es mit Sicherheit nicht tun und sich bis zum Ende der Gerichtssitzung quälen. (Vielleicht beschleunigt er das Verfahren ein bißchen.)

 

Aber jeder von uns ist doch nicht frei von Anerzogenem und damit Vorurteilen. Mich versetzt zum Beispiel in Wut, wenn jemand mit offenem Mund auf einem Gummi kaut oder wenn ich je­manden sehe, der sich am kleinen Finger den Nagel zentimeterlang hat wachsen lasse, ein Symbol in manchen Entwicklungsländern dafür, daß der Kleinfingerstruwelpeter keine körperli­che Arbeit zu machen hat. Ferner beschleunigt sich mein Puls, wenn dann jemand dauernd an seiner Gebets­kette rumfummelt, mit einem Schlüsselbund klappert, beim Sitzen nervös mit den Bei­nen zappelt. Das alles regt mich ohne objektiven Grund auf. Obwohl also nichts gegen die Kaugummis ein­zu­wenden ist, gegen den Ministruwelpeter, gegen die Nervosität eines Mit­menschen, kann ich meinen Ärger nicht loswerden. Wenn Sie völlig frei von Voreingenommenheiten sind, lassen Sie es mich wissen.

 

Schauen wir uns einmal an hand der Grafik auf der nächsten Seite ein „klassisches“ Beispiel von Voreingenom­menheit an, wie Deut­sche über Ausländer den­ken, welche uns also am näch­sten stehen. (Leider habe ich keine Ahnung, wie die Fragen im Einzelnen gestellt worden sind, was wichtig wäre für eine Interpretation.)

 

Ein Beispiel zu Voreingenommenheiten: Ein Neffe von mir gab einmal seine Meinung über Türken kund, die primitiv seien, dazu dreist und vor allem stinken würden. Als ich ihn fragte, ob er denn Türken persönlich kennengelernt habe, bekam ich zur Antwort: „Um Gottes Willen, mit solchen Leuten will ich nichts zu tun haben!“ Es lebe die erlernte Voreingenommenheit!

 

 Ich erklärte ihm, daß ich während meiner Ar­beit in der Türkei viele Men­schen kennenge­lernt hätte und manche als gute Freunde be­zeichnen könne, daß es keinen Rassenun­ter­schied gäbe, daß es un­angenehme Tür­ken gäbe, so wie sehr unan­genehme und bornierte Deutsche (als kleinen Hieb ge­gen ihn). Leute aus anderen Ländern und von anderen Rassen seien weder bessere noch schlechtere Men­schen. Natürlich wären sie manchmal anders erzogen als Deutsche und würden daher auf den ersten Blick unterschied­lich wirken. Meine Predigt hatte aber nichts be­wirkt. Türken sind nun mal Türken, und dabei bleibt es.

 

Normen und Konventionen sind für unser tägliches Leben wichtig, damit wir uns orientieren können, damit wir wissen, wo wir „dran“ sind.

 

Sicher haben Sie doch alle schon erlebt, wie unangenehm es ist, daß in einem anderen Land eventuell das mitgebrachte Radio nicht ohne weiteres an die Steckdose anzuschließen ist, weil das System anders ist, die technische Norm. Wie angenehm also, wenn die (technische) Norm stimmt.

 

 

Kommentar:   Wegen des Festklammerns am Herkömmlichen werden notwendige Reformen nur schleppend oder überhaupt nicht durchgeführt. Die Probleme stauen sich dann und es kommt zu einem großen Krach, einer Revolution, wo alles umgedreht (revolvere), erst einmal auf den Kopf gestellt wird (und nichts mehr geht). Die Geschichte hat bewiesen, daß Revolutionen keine kurzfristige und oft keine langfristige Lösung angestauter Probleme gebracht haben. Im Nachhinein sind dann alle ursprünglich revolutionären Ideen verwässert worden, oder es kam zu einer Gegenrevolution. Die revolutionärsten Gedanken sollten daher kanalisiert und als schrittweise ange­paßte Reformen umgesetzt werden. Ja, da sind aber dann die Traditionalisten (die Holzköpfe) vor, die sich leider oft nur mit Gewalt beseitigen lassen.

 

Natürlich braucht jeder Mensch eine gewisse Tradition als Orientierungshilfe, als Richtlinie seines Handelns mit uns bekann­ten Normen, die uns das Leben erleich­tern, weil wir nur so wissen, wie wir uns in bestimmten Situation zu verhalten haben, was wir sagen dürfen und was, wann nicht und wann doch.

 

Oft stehen aber die Traditionen, die Konventionen, die Verhaltensnormen in einem krassen Widerspruch zu dem, was das Einzelindividuum tatsächlich gerne möchte. (Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Mädchen, denen in manchen Gegenden die Klitoris abgeschnitten wird, damit sie wenig Lust beim Geschlechtsverkehr empfinden, überhaupt wissen, was dieses „Ritual“ tatsächlich für sie bedeutet; denn viele erwarten den Tag der „Beschneidung“ mit Freude, weil sie dann zu den Erwachsenen zählen, für mich eine unglaubliche Perversion.)

 

Es hat lange gedauert, bis wir uns an die hosentragenden Frauen gewöhnt hatten. Männer in Röcken machen sich aber immer noch lächerlich, werden entweder als pervers („anders rum“) oder als nicht „normal“ angesehen.

 

Nun haben aber unterschiedliche Kulturen auch unterschiedliche Traditionen. Leider gelingt es nur wenigen, diese Unterschiede zu tolerieren (zu dulden).

 

Wegen meiner Erziehung beschleunigt sich mein Puls (wie bereits erwähnt), wenn ich Leute mit offenem Mund auf ihren Kaugummis schmatzen sehe, obwohl ich keinen einzigen ob­jekti­ven Grund sehen kann, wonach das unanständig und abzu­lehnen ist. (Es soll im Gegenteil sehr gesund für die Zähne sein.) Wenn sie Luft schlucken und Blähungen bekommen, tut es mir nicht weh.

 

Jeder wird bei sich feststellen (wenn er sich ehrlich gegenüber ist), daß er sich, wegen eines bloßen  Behaftetseins in seine Traditionen von einem Mitmenschen angewidert fühlt.

 

Es gab einmal eine kaberettistische Darstellung mit sogenannten Transvestiten im Fernsehen, also eine unterhaltsame, lustige Darbietung mit Liedern, Gedichten, Pan­tomimen von als Frauen verkleideten Männern, denen es überhaupt nicht anzusehen war, daß sich unter ihrer Schminke keine weiblichen Gesichter unter ihren Flitterkleidern keine Frauenkörper befanden. Einer der Darsteller war im „normalen“ Leben Bankangestellter. Ich habe versucht, meine Empfindungen darauf zu konzen­trieren, wie ich es hingenommen hätte, wenn sich unter diesen Transvestiten eine sehr bekannte Persönlichkeit aus dem politischen Leben befunden hätte, ein Minister oder sogar ein Präsident. Ja, dagegen wäre doch nichts einzuwenden oder? Nun spielt es aber eine Rolle, ob diese Person so etwas mal in einer karnevalistischen Sitzung tun würde oder in einem kleinen Privattheater, so aus Spaß an der Freud, wie die Kölner wieder sagen würden. Wenn sie aber das Bedürfnis danach hätte, würde das nicht akzeptiert, so wie auch kein schwuler Präsident, der mit seinem Lebensgefährten in der Öffentlichkeit aufträte und nicht mit einer Ehefrau. Unmöglich! nicht wahr? Warum aber eigentlich?

 

j) Kritik an religiösen, ideologischen Systemen und Traditionen

 

Nach Karl Marx dient Religion der Volksverdummung. Zweifellos wird Religiosität von den Mächtigen genutzt, um ein Aufbegehren gegen ihre Machenschaften zu dämpfen. Da wird dann ein besseres Leben irgendwann im Jenseits versprochen (während diejenigen, die diesen Trost geben, sehr oft „herrlich und in Freuden leben“).

 Fast allen Religionen ist gemeinsam, daß irgendwann ein Erlöser (Messias) kommen wird, das wäre endlich ein gerechter Herrscher und kein Despot, weil von Gott gesandt, oder daß ein sonsti­ger Erlösungsweg die Menschen endlich aus ihrem Elend, aus der ihnen ständig widerfahrenen Un­gerechtigkeit herausführt.

 

Obwohl da nun schon einmal ein Messias, ein Erlöser, sogar direkt als Gottes Sohn den Christen gekommen ist, hat sich nichts geändert. Im Gegenteil wurde die Organisation, die sich auf diesem sogenannten Erlöser aufbaute zu einer der schrecklichsten Macht der Geschichte über Jahrhunderte mit qualvollsten Folterungen und allen Arten von schrecklichsten „Hinrichtungen“ (aufs Rad flechten, vierteilen, verbrennen usw.), totaler geistiger Vergewaltigung, Ausrottung ganzer Volksgruppen und vielem mehr. Was haben die Menschen daraus gelernt? Absolut nichts. Diese Organisation hat heute immer noch die meisten Anhänger, die mehr oder weniger willig ihren Doktrinen folgen.

 

Die religiösen Aktivitäten bedeuten jedenfalls eine unbe­schreibliche Energieabschöpfung:

 

- Statt Schulen und anderer wichtiger Gebäude werden mit immensem Aufwand Götteshäuser errichtet. (Da werden Gehälter an Priester, Tempel- und Kirchendiener gezahlt, die nichts Produktives hervorbringen. Sicher kann man dem entgegenhalten, daß ja Künstler und Sportler auch nichts Eß- und Trinkbares, direkt Lebensnotwendiges hervorbringen. Also dieses Thema ist zu komplex, um es mit einigen Sätzen behandeln zu können.)

 

- Statt des Religionsunterrichtes, d.h. Einhämmern einer einzigen Ideologie sollte Kritikfähigkeit (Systemanalyse und Systementwurf z.B.) vermittelt werden.

 

Ich sehe keinen Unterschied zwischen der Aufrechterhaltung eines („konfessionellen“) Religions­unterrichtes (also je nach Glaubensrichtung der Eltern der dem Unterricht ausgesetzten Kinder) und dem Ideologie-Einhämmern während der Periode des sogenannten Dritten Reiches (dem Hit­lerregime) oder in den Sozialistischen Ländern.

 

- Durch Vorschriften, die sich auf das tägliche Leben erstrecken, wird die Arbeitsleistung behin­dert, durch Gebete, Fasten, durch sexuelles Unbefriedigtsein, durch Behinderung der internatio­nalen Zusammenarbeit; denn in Israel ist der Samstag der höchste Feiertag, in einigen islamischen Ländern der Freitag, wieder in den meisten Ländern der Sonntag. Wird der jeweilige Vortag als arbeitsfreier Tag angestrebt (teilweise schon verwirklicht), so bleiben nur wenige Wochentage der internationalen Zusammenarbeitsaktivität.

 

- Die religiösen Menschen werden dauernd von einem schlechten Gewissen geplagt, da sie wegen eines gewissen „Leidens­drucks“ unter der Vielzahl der Vorschriften mehr oder weni­ger oft „sündig“ werden; denn die Regeln und Vorschriften sind oft gegen die natürlichen Wünsche und Bedürfnisse gerichtet. Das bewirkt eine innere Unausgeglichenheit, schürt Aggressivität und führt zur Selbstverachtung.

 

- Die Gefahr, sich in einen Fatalismus fallen zu lassen, sich also einem un­ausweichlichen Schicksal (Gottes „unerforschlichem Willen“) zu unterwerfen, ist recht groß, was das Eigenverantwor­tungsgefühl, die Eigeninitiative mindert, ja sogar ganz ausschaltet.

 

- Die Verankerung in einer festen Ideologie (konservierten Tradition) verhindert Einsicht in geänderte Umstände, Umdenken, Anpassung an neue Situationen. Das halte ich für den allerwichtigsten Punkt als eine offenbar nicht gegebene unerläßliche Voraussetzung für die Abwendung der uns alle bedrohenden Katastrophe.

 

- Die Ideologien haben in der Regel großes Leiden im gesamten Umfeld des Machtbereichs der je­weiligen Ideologen verursacht. Zum Beispiel durften Christen und Juden etwa ab dem Jahre 1000 nicht mehr gemischt leben. Die Juden, als Minderheit und mit Sippenhaft belegten Chri­stusmörder, hatten sich in eigenen Stadtvierteln, Gassen (die vielen „Judengassen“) von der übri­gen Bevölkerung zu trennen, wurden mit Mauern umgeben, schließlich in Ghettos zusammenge­pfercht, zuerst in Venedig. (Ghetto klingt italienisch. Die Herkunft und eigentliche Bedeutung des Wortes ist aber nicht genau bekannt.) Erst im letzten Jahrhundert, nachdem die Allmacht der Kirche(n) gebrochen war, durften sie die Staatsbürgerschaft des jeweiligen Landes erwerben, in dem sie lebten. Der Massenmord an den Juden während des Hitlerreichs geht zweifellos weitge­hend auf das Konto der katholischen Kirche mit ihrer vorbereitenden Diskriminierung der „Christusmörder“. Judenverfolgungen waren immer beliebt, wenn die Mächtigen von irgendwel­chen, von ihnen verursachten Problemen ablenken wollten.

 

Da erflehte der Erzbischof von Sevilla, der andalusischen Hafenstadt in Spanien, mit Hilfe der Statue der Stadtpatro­nin vergebens vom Himmel Regen, der dem Land so sehr fehlt („Der Spie­gel“ 18/1993).

 

 

 

Unendliche Weite völlig vertrockneten Landes in Andalusien

(aus „Der Spiegel“)

 

 

Frage: Hat er, der Herr Bischof, auf die Bevölkerung einge­wirkt, den Was­serverbrauch einzu­schränken? Nach einer Studie des Worldwatch Institutes in Washington ver­brauchen die Spanier 300 Liter pro Kopf der Bevölke­rung pro Tag, als unschlagbare Spitze in Europa. (Sy­rien übrigens 330 pro Person und Tag). Hat er ange­regt, der Herr Bischof, Bäume zu pflanzen, die Um­weltschäden zu reparie­ren, um den Regen wiederkommen zu lassen? Ich fürchte, daß er daran nicht gedacht hat; denn je ärmer ein Land, desto voller die Kir­chen.

 

Das Leiden der Bevölkerung unter der leninistisch-stalinistischen Ideologie ist bekannt, eben­falls im Bereich der Herrschaft von islamischen Fundamentalisten.

 

Kommentar: Ich behaupte, daß alle Ideologien wegen ihres Anspruchs auf „alleinige Wahrheit“ im­mer zur Unterdrückung und Knebelung zumindest der Leute führt, welche die jeweilige Ideologie ablehnen. Damit ist die Gewährung einer absoluten Religionsfreiheit und Ideologiefreiheit zu überdenken und dahingehend einzuschränken, z.B.

 

 Artikel XVIII

der Menschenrechtscharta der Vereinten Nationen:

 

„Jeder Mensch hat Anspruch auf Gedanken-, Gewissens- und Reli­gionsfreiheit; dieses Recht umfaßt die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung zu wech­seln, sowie die Freiheit, seine Religion oder seine Überzeugung allein oder in Ge­meinschaft mit anderen, in der Öffentlichkeit oder privat, durch Lehre, Ausübung, Gottesdienst und Vollziehung von Riten zu bekunden.“

 Hier fehlt:

Diese Freiheit darf nicht dazu führen, daß jemandem ein Schade zugefügt wird.

Volksverhetzung, insbesondere Kriegshetze und Aufruf zur Schädigung eines Mit­menschen, einer Menschengruppe wird als Verbrechen angesehen.

 

 

A.2 Betrachtungen über geschichtliche Entwicklungen

 

A.2.1 Was lief vor „Adam und Eva“?

 

Die sogenannte Schöpfungsgeschichte in der Bibel (1. Buch Moses) beginnt:

 

 

 

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Und die Erde war wüst und leer, und es war finster auf der Tiefe; und der Geist schwebte auf dem Wasser...

 

Und Gott der Herr schuf den Menschen zu seinem Bilde, zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.

 

Und Gott segnete sie und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan und herrschet über die Fische im Meer und die Vögel unter dem Himmel und über das Vieh und über alles Getier, das auf Erden kriecht.

 

Da machte Gott der Herr den Menschen aus Erde vom Acker und blies ihm den Odem des Lebens in seine Nase...

 

Und Gott der Herr sprach: „Es ist nicht gut, daß  der Mensch allein sei; ich will ihm eine Gehilfin machen, die um ihn sei.“

 

Und Gott der Herr baute ein Weib aus der Rippe, die er von dem Menschen nahm, und brachte sie zu ihm.

 

 

So haben wir, die „christlich erzogen“ worden sind, es gelernt, aber auch die Muslime. Doch so einfach ging die Sache nicht los. Und die fatale Aussage, daß der Mensch über alles herrschen soll ist in den überlieferten Urtexten nicht zu finden.

 

Kommentar:   Es ist ja schon bezeichnend, daß fast alle Leute, ich also einge­schlossen, bei diesem Thema mit der anerzo­genen (eigentlich nur zeitvergeudenden) Betrachtungs­weise beginnen.

 

Alle Bücher und Artikel zu diesem Thema, die ich von europäischen oder US-ameri­kanischen Wissenschaftlern gelesen (oder überflogen) habe, setzen sich erst einmal mit der christlichen Weltanschauung auseinander, wobei sie nicht merken, daß sie - wenn schon eine religiöse Betrachtungsweise angewendet werden muß - diese doch durchaus auch vom Stand­punkt anderer Ideologien anstellen sollten. Sie durch­schauen ihre Eingebundenheit in gerade das Umfeld, in dem sie aufgewachsen sind, nicht (einschließlich sehr angesehene Physiker wie die „bekennenden Christen“, Max Planck und Werner Heisenberg).

 

Da werden Auslegungsversuche gemacht, um die Bibelworte irgendwie an die mo­dernen Erkenntnisse anzupassen, anstatt das „Buch der Bücher“ mit einem Lächeln zur Seite zu legen.

 

Doch die Bibelworte, auf die sich fast 2 Tausend Jahre lang die christlichen Ideologen abgestützt haben, haben weitgehend zu den Problemen, vor denen wir heute stehen, beigetragen: Die Menschen haben die Welt wirk­lich gefüllt, sie sich total untertan ge­macht - einschließlich des Islam, der sich ja auch auf das Alte Testament stützt. Daher kommen wir um eine kritische Wertung der Religion nicht um­hin, die ja auch heute noch eine so wichtige Rolle spielt (mit erneutem Unfehlbarkeitsanspruch des Papstes).

 

a) Der Urknall, Entwicklung des Kosmos, Energie und Materie [x]

 

Am Anfang war eine ungeheure Konzentration von allem, was um uns vor sich geht, in einem einzigen Punkt (sagen die meisten Wissenschaftler. Es gibt jedoch andere Hypothesen, also An­nahmen. Aber es sieht fast so aus, als würde die „Physik-Religion“ inzwischen Andersdenkende ausgrenzen. Die Urknalltheorie paßt doch irgendwie zur Interpretation der Schöpfungsgeschichte).

 

Es soll alles in einem Punkt, also von der Ausdehnung Null, begonnen haben. In diesem Punkt war - völlig unvorstellbar - die gesamte Energie (gleich Materie nach Einstein: Seite xxx) zusammengeballt. Die Temperatur dieses Punktes soll unend­lich groß gewesen sein, weswegen er sich aufgebläht hat, in Form der kosmi­schen Explosion als Ur­knall.

 

Aber da beginnt schon das Problem des Verstehens: Wie kann sich etwas, was keine Ausdeh­nung hat, dann ein explosionsartig sich vergrößerndes Volumen annehmen? Es wird abgewehrt: „Zu dem Zeitpunkt – ja es gab mit diesem Punkt auch keine Zeit – hatten die uns heute bekannten Gesetze der Physik noch keine Geltung.“ Aber die „Physik-Philosophen“ definieren exakter: „Alles begann in einem Raum unendlich kleiner Ausdehnung, bei unendlicher großer Energiekonzentration und unendlich hoher Temperatur…“ (Unendlich klein ist nur für den Laien gleich Null!)

 

Doch weiter in den Überlegungen: Vor etwa 18 Milliarden Jahren fing angeblich alles an, die Zeit und auch der Raum. In den er­sten Bruchteilen von Sekunde war die unendlich hohe Temperatur durch die Ausdehnung schon so weit „runtergekühlt“, daß sich die Bausteine der Atomkerne, die „Quarks“ bilden konnten (Er­klärung von Atombausteinen etwas später in diesem Abschnitt) und damit die Protonen und Neutronen im Atomkern (jedoch noch nicht stabil).

 

Nach einer weiteren Abkühlung infolge der Raumausdehnung entstanden die Elektronen, und nun konnten sich die ersten Atome, der Wasserstoff bilden.

 

Bis hierher sind erst einige Sekunden der Existenz der Welt ver­gangen…

 

Aber das sind alles nur Spekulationen, die – darin sind sich die Physiker einig - durch Beobachtungen, Berechnungen und Überlegungen zu einer allein gültigen Theorie gemacht geworden sind. Der Gedanke, daß alles mit einem Urknall begonnen haben muß, ergibt sich aus der Beobachtung des Astronoms Edwin Powell Hubble. Er fand heraus, daß sich das Weltall ausdehnt (recht kompliziert: Je weiter die Himmelskörper von uns weg sind, desto schneller entfernen sie sich von uns wie Tupfer auf einem Luftballon, den man aufbläst. Nun kann man anfangen zu rechnen. Da gibt es die Hintergrundstrahlung, eine gleichmäßige erhöhte Temperatur am Rande des Weltalls, die zusammen mit der derzeitigen Größe des Alls und den Ausdehnungsgeschwindigkeiten alles ausrechnen, wie es zum Beginn der kosmischen Zeitrechnungen war. (Die sogenannte Hintergrundstrahlung, das Restglimmen des Urknalls vom Rande des Kosmos von 3 Grad Kelvin, gleich minus 270,15 Grad Celsius, ist für unsere Beobachtungen eine undurchdringliche Wand.) Doch lassen wir es – sonst müßten wir uns auch mit den vielen Gottesbeweisen und dergleichen beschäftigen.

 

Machen wir dennoch eine kleine Zeitskala, die auf mathematischen Überlegungen beruhen, mit denen die Wissenschaftler sich immer näher an den Beginn des Weltgeschehens heranzutasten versuchen:

 

Zeit/Raum* 

Temperatur**   

 Materie   

Null 

unendlich groß

(1 mit 32 Nullen***)

nur Energie („Urknall“)

1/100 Sekunden

 100 Milliarden

nur Energie (jedoch bereits als „Quarks“, d.h.

Übergang zur Materie)

10 Sekunden

   10 Milliarden

Paare aus Elektronen/Positronen

(Materie-/Antimaterie-Bildung)

12 Sekunden

     3 Milliarden

Protone (Wasserstoffkerne ohne Elektronen.

Die Energie kann heute in Beschleunigern

nachgemacht werden)

300 Tausend Jahre

  1000

 Atome voll ausgebildet (Materie ist durchsichtig

geworden. Licht kann sich ungehindert ausbreiten)

18 Milliarden Jahre

3°K = -270°C

 heutiger Zustand

 

 

*   Raum = Zeit mal Lichtgeschwindigkeit (300000 km/Sekunde),  z.B. 

                   nach 10 Sekunden ist Raumausdehnung: 3 Millionen Kilometer, 

   nach 300 Tausend Jahren Raumausdehnung 32.850.000.000.000 km

nach 18 Milliarden Jahren: Raum 1.971.000.000.000.000.000 km Radius       (Es gilt der Radius bezogen auf eine hyperbolisch gekrümmte Fläche.)

 

**  in Grad Kelvin (in Celsius gleich minus 273,15°)

 

*** sogenannte Planck-Temperatur

 

Zu Anfang gab es also nur den Wasserstoff als das einfachste chemische Element, ein Atom mit einem Proton im Kern und 1 Elektron.

 

Mit weiterer Ausdehnung bildeten sich allmählich „Wolken“ aus Materie. Der Grund ist jedoch nicht bekannt; denn ohne Störungen können sich keine Wolken bilden. Woher diese Störungen herkommen sind, weiß niemand.

 

Wegen der Massenanziehung zogen sich die „Wolken“ zusammen, bildeten Milliarden von Galaxien (Sternhaufen) und in jeder Galaxie wiederum Milliarden von einzelnen Sonnensystemen (mit und ohne Planeten), die sich aus Materiewolken in der galaktischen Gesamtwolke zusammenzogen.

 

Die Sonnen (gleich Sterne) sind selbst von so großer Masse, daß es in ihnen einige hundert Millionen Grad heiß ist; denn nach den Gesetzen der Energieerhaltung muß eine Massenanzie­hung schließlich in Wärme umgewandelt werden. Das erfahren wir bei einem Unfall: Durch die Abbremsung eines Fahrzeugs durch ein Hindernis, entsteht so viel Wärme, daß es Feuer fangen kann. Oder wenn Sie mit einer Luftpumpe ihren Fahrradreifen aufblasen, dann wird der Pumpenschaft heiß.

 

Die hohe Temperatur (100 Millionen Grad) in den Sternen läßt den Wasserstoff zum Edelgas Helium verschmelzen (vorzugsweise „schweren“ Wasserstoff, Deuterium genannt, der im Vergleich zum „normalen“ Wasserstoff, mit einem Proton im Kern, noch ein Neutron dazu hat). Helium (vom griechischen „helios“ für Son­ne, weil zuerst in der Sonne entdeckt) ist jedoch etwas leichter als 2 Wasserstoffatome, die es bilden. Was geschieht mit dem Unterschied? Nun der wird in Energie umgewandelt, die Sonne (den Stern) ausdehnt, wobei die Temperatur etwas sinkt, was die Kernverschmelzung (Kernfusion) weniger intensiv werden läßt,  und sich nach erneuter Zusammenziehung und damit erhöhter Fusionstätigkeit auf den Wert einschaukelt, der für eine ständige Wasserstoffverschmelzung zu Helium verantwortlich ist.

Unsere Sonne, mit ihren 5 Milliarden Jahren noch sehr jung im Vergleich zum Kosmosalter von 18 Milliarden (nach einigen Wissenschaftlern sogar bis zu 33 Milliarden), verwan­delt auch (schweren) Wasserstoff in Helium. Dabei verliert sie in jeder Sekunde um die 4 Millionen Tonnen an Gewicht (Masse). Dieser Masseverlust wird als Energie in den Welt­raum ge­strahlt, wovon wir auch, zwar nur ein ganz kleines bißchen abbekommen, aber gerade genug, um davon leben zu kön­nen. Der Fusionsreaktor, Sonne, brennt also schon um die 5 Milliarden Jahre. Sie können sich also ausrechnen, wieviel Masse sie dabei verloren hat. Aber sie hat noch soviel Vorrat, daß sie unseren nachfolgenden Generationen weiterhin um die 7 Milli­arden Jahre Leben spendet. (An ihr wird es nicht liegen, wenn es unsere Rasse bald nicht mehr oder nur sehr „verdünnt“ geben sollte.)

 

Ein ganz junger Stern hat also jetzt schon 2 chemische Ele­mente: Was­serstoff und Helium.

 

Ist der Wasserstoff verbraucht, dann steht dem Stern mehr oder weniger schnell der Tod bevor. Er zieht sich zusammen und erwärmt sich erneut. Ist er groß und massereich genug, kann er nun mit dem „Brennen“ (der Verschmelzung; denn das hat nichts mit dem chemischen Verbrennen zu tun) von Helium beginnen bei 200 Millionen Grad (Celsius oder Kelvin - der Unterschied spielt hier keine Rolle mehr; denn 1 Grad Celsius = 237 Grad Kelvin). Zwei Heliumkerne (Alphateilchen {a} genannt) reagieren miteinan­der und bilden einen Beryllium-Kern mit der Massenzahl 8 (4 Neutronen und 4 Protonen) plus freiwerdender Energie. Doch die Beryllium-Kerne (8Be, wobei die Hochzahl die Anzahl der Kernteilchen angibt) zerfallen augenblicklich wieder in Heliumkerne; denn, um stabil zu sein, brauchen sie noch ein Neutron. Kommt während des Beryllium-Zerfalls gerade ein weiteres Alphateilchen (a) vorbei, dann entsteht Kohlenstoff (8Be + a = 12C, C für Carboneum), der recht stabil ist. (Aber es kann auch - zwar selten - vorkommen, das ein Neutron auf das Berylliumatom trifft und es stabil macht.

 

Jetzt haben wir schon 4 chemische Elemente: Wasserstoff, Helium, Beryllium und Kohlen­stoff.

 

Die Helium-Kernreaktion (Fusion) geht recht schnell im Vergleich zur Wasserstoff-Ver­schmelzung zu Helium. Danach schrumpft der Stern erneut, bis er sich auf 600 Millionen Grad aufgeheizt hat und die Kohlenstoffe zu Natrium oder Sauerstoff verschmelzen, schließlich zu Neon. Ist nun der Kohlenstoff soweit verbraucht, daß der Rest nicht mehr ausreicht, um zu verschmelzen, setzt die Neon-Fusion bei 1,2 Milliarden Grad ein, danach andere Verschmelzungen, wie die nachfolgende Tabelle zeigt:

 

Kernverschmelzungen eines Sternes mit 20-facher Sonnenmasse:

 

Verschmelzung           

 Temperatur  

   Dauer  

  entstandene 

  Dichte

        von:

   in Grad   

   Jahre   

   Elemente  

  (g/cm3)

Wasserstoff

30-100 Mio    

10 Mio  

 He, (N),  

           1

Helium     

200 Millionen   

  1 Mio   

 C, O, Be,   

       500

Kohlenstoff

600 Millionen  

10 Taus.  

 Ne, Mg, Na, 

100.000

Neon      

1,2 Milliarden

10    

 Mg, Si,   

       1 Mio

Sauerstoff

   2 Milliarden  

  1    

 Si, S,   

     10 Mio

Silizium  

   3 Milliarden   

  1 Tag    

 Ni, Fe   

   100 Mio

 

Ende des Sterns und Kollaps:      1 Sekunde

 

Ein Stern größer als die Sonne, verbraucht sich schneller, und stirbt mit einem riesigen Spekta­kel. Er fliegt nach dem Zusammenbruch mit einer riesigen Explosion wegen der plötzlich ange­stie­genen Temperatur auseinander, was als Supernova (vom Typ II) bezeichnet wird (Nova für „neuer Stern“). Genauer gesagt: Er stößt seine äußeren Hüllen ab, die die „Brennasche“, also die oben aufgeführten chemischen Elemente mit sich tragen aber auch schwere bis hin zum Uran. Solche Elemente sind dadurch entstanden, daß die Alphateilchen an Eisen anlagern und durch weitere Kernprozesse alles Elemennte bilden, die wir kennen. Die „Asche“ wird sich im Welt­raum verlieren bzw. von anderen Himmelskörpern aufgesogen werden oder so etwas wie unsere Erde bilden.

 

Unsere Erde ist nicht aus der Sonne entstanden, die nur aus Wasserstoff besteht und 10 Pro­zent Helium (mit Spuren anderer Elemente) enthält.

 

Übrigens ist Eisen immer das letzte Produkt einer Kernreaktion, ob als Kernverschmelzung vom Wasserstoff aus oder als Kernspaltung vom Uran her. Daher wird Eisen immer als letztes Pro­dukt übrigbleiben.

 

Der Rest des ausgebrannten Sterns wird als Neutronenstern enden. In ihm herrscht eine so große Dichte, daß sogar Elek­tronen in die Protonen gequetscht werden. Dabei wird ein Neu­trino weggeschickt und das Elektron-Proton-Gematsche in ein Neutron umgewandelt.

 

Die Sonne ist nicht fett genug (massereich), um nach dem Verbrauch des Heliums (2. Stufe) mit anderen Kernfusionen beginnen zu können. Sie wir schrumpfen, als weißer Riese auf­leuch­ten und erlöschen, nachdem sie ihre Energie in den Welt­raum gestrahlt hat.

 

Gelingt es der Sonne von anderen Himmelskörpern Materie abzusaugen, dann wird sie unter dem Gewicht sich so stark aufheizen, daß das Kohlen­stoff-Sauerstoff-Gemisch (nach der obigen Tabelle als Ergebnis der Helium­reaktion) plötzlich eine Kernreaktion beginnt und den ehemals weißen Zwerg in einer gigantischen Kernbombenexplosion zerstört (Super­nova vom Typ I).

 

  Ich würde zwar noch gerne ein paar kosmische Abläufe be­schreiben, aber das erste Ziel ist er­reicht, nämlich zu erklä­ren, wie die chemischen Ele­mente sich entwickelt haben.

 

  Ehe ich mit der Hinführung auf das zweite Ziel, die Entstehung der Erde zu sprechen kom­men, ein paar Betrachtungen über die Zusammensetzung der Materie, die uns umgibt, aus der wir beste­hen und welche die Physiker mit sehr teuerem Aufwand erforschen.

 

  Da sind also die beiden Extreme: Die unvorstellbaren Dimen­sionen der Weltalls mit kaum er­faßbaren Vorgängen, die aber nur verständlich gemacht werden können durch ausreichende Kenntnis der ganz kleinen Welt, der Atome (atomos im Griechi­schen meint „unteilbar“) als dem anderen Extrem, die aber durchaus teilbar sind und aus einer Vielzahl sogenannter Ele­mentar­teil­chen bestehen.

 

Während unsere Sonne, sogar im Vergleich mit anderen Him­mels­kör­pern ein sehr kleines Ob­jekt und am Rande eines durchschnittlichen Sternhaufen oder Spiralnebels, der Galaxis (gala­xias im Griechischen „Milchstraße“), eine Masse von etwa 2•1027 Tonnen hat (2 mit 27 Nullen), be­trachten wir im subatomaren Bereich („Unterteilchen“ der Atome) Grö­ßenordnungen von 10-30 Gramm, also 1 geteilt durch eine Eins mit 30 Nul­len dahinter.

 

Die folgenden Tabellen sind sicher nur verständlich, wenn Sie etwas Ahnung von Physik ha­ben (falls nein, überschlagen Sie sie einfach). Ich habe sie deshalb aufge­listet, um einen Eindruck zu geben, „was unsere Welt im“ kleinsten „Inneren zusammenhält“, wie diese Mikrowelt so unvor­stellbar aufgebaut ist. (Die Tabellen habe ich einmal für eine Einführungsvorlesung in die Elemen­tarteilchen-Physik als grobe Übersicht zusammengestellt.)

 

Von allgemeinem Interesse mag der Satz „Energie-Bilanz“ in der „Kerntechnik“ über dem Doppelstrich der vorletzten Tabelle sein: Kernenergie 372mal günstiger im Preis für Rohstoffaus­nutzung als beim Verbrennen von Kohle.

 

Ohne etwas Kenntnis der Elementarteilchenphysik sind viele Vorgänge in unserer Welt nicht zu verstehen, die Atomkraftwerke, die Bestrahlung von Tumoren in der Medizin, um nur zwei Bei­spiele zu nennen.

 Achtung! Die Tabellen ab hier werden von manchen Browsern

nicht richtig bis zur unleserlichen Verzerrung wieder gegeben.

 Elementarteilchen

             

 

Ladung in

e

Leptonen

Spin = ½ (Fermionen), der elektromagnetischen und schwachen

Wechselwirkung unterworfen. Massen in mc² [MeV]

 

 

0

 

 

 

1

Elektroneutrino            Myneutrino        Tauneutrino

Vc                                  Vµ..                        Vt

< 2·10-5                                  < 0,25                                      < 35

 

Elektron                      Myon                  Tauon

e-                                  µ                             t

0,511                                         106                                  1784

 

Quarks

Spin = ½ (Fermionen), der elektromagnetischen und starken

Wechselwirkung unterworfen. Massen in mc² [MeV]

 

 

 

+2/3

 

- 1/3

1. Generation                     2. Generation                    Generation

Up-Quark                            Charm-Quark                       Top-Quark

u                                               c                                                t

0,35                                          1,7                                           >50

Down-Quark                    Strangeness Quark                   Bottom-Quark

  d                                              s                                                b

» 0,35                                     »  0,55                                      »5,2

 

Quanten

 

Spin = 1, (Bosonen, d.h. Teilchen- und Feldquanten)

 

Gluon                                      Photon                        W-, Z-Boson

 

0                                       0 (Ruhe)                                        » 100

 

mBewegung = h . n/c²                                            

 

Feldquant der starken             Energiequant der               Austauschquant der

 

Wechselwirkung           elektromagnetischen                     schwachen        

 

                                                Strahlung                      Wechselwirkung

 

  e = 1,602•10-19C (Coulomb)

1eV = 1,602•10-19J (entspricht Masse von 1,783•10-33 g)

                   (1eV: Energie eines Elektrons beim Durchlaufen einer Potentialdifferenz von 1 Volt im Vakuum)

 1J  = 1N•m = 1W•s                               h = 6,626·10-34J·s      

 1C = 1A•s                                             n = Frequenz.           

                                                                c = Lichtgeschwindigkeit (2,977·108 m/s)

 

 

Leptonen und Quarks sind die (z.Z.) kleinsten, nicht weiter zerlegbaren Teilchen, also punktför­mig. (Mit einem Volumen, einer Struktur wären sie aus „Unter“-Teilchen zusammengesetzt.)

 

 

Quarks

 

Unterteilung der 3 Generationen u d, c, s, t b („flavours“, d.h. Geschmacksrichtungen):

u = up (englisch „rauf“),                                    d = down („runter“)

c = charme (Charme, Zauber, Anmut)               s = strange (seltsam)

t  = top (oben)                                                  b = bottom (unten, Boden)

 

Nach der Quantenfarbdynamik pro „flavour“:   Rot,Grün,Blau und zugehörige Antiquarks:  Türkis, Violett, Gelb,

damit 36 verschiedene Quarks insgesamt. Viele Eigenschaften der Quarks jedoch oft nur theoretisch-hypothetisch (z.Z.).

 

Klassifizierung

     Ferminonen           

Bosonen

            

Hadronen

 

  Leptonen  

    Baryonen   

     Mesonen    

Teilchen-

Feldquanten

 e-, µ-, t

Neutrinos, Elektron,

Myon, Tauon

Proton, Neutron,

S0-, S--,S+, C--, C0-, W-und Lambda-

Hyperonen

p-Meson oder Pion

(p+-, p--, p0-,) K-, Eta-Meson

  Gluon,  

Photon,

W-, Z-Boson

 

 Fermionen (nach dem Physiker Enrico Fermi)

Teilchen mit halbzahligem Spin

 

stabil

 

 

 

instabil

Elektron

e-Neutrino

m-Neutrino

 

ü

ý

þ

 

 çLeptonenè

(die Leichten)

 Tauon

 

ì

í

î

 

Myon, HWZ 2 ·10-6 s (ent-

steht bei Pion-Zerfall)

t-Neutrino

 

Proton (udu), mp=938MeV

Neutron (dud), mn=939,55MeV

   HWZn, wenn frei: 10min;

   Zerfall in Proton, Elektron und

                              Antineutrino)

 

ü

ï

ý

ï

þ

 

Baryonen

(die Schweren)

 (Masse ³ Proton,

 Spin=1)

 

ì

î

 

Hyperonen (Ruhemasse > Neutron

 HWZ 10-10 s)

 

 Pion ¶0, m=134,97MeV

 (HWZ 0,84·10-1·s, Zerfall zu 99% in

 2 Gammaquanten und zu 1% in  ein

Gammaquant+1 Elektron-Positron-Paar)

Pion ¶+, ¶-, m=139,57MeV

(HWZ 2,6·10-8s, Zerfall in

Myon + Neutrino)

ü

ï

ï

ý

ï

ï

þ

   Mesonen

  (aus 1Quark und 1

    Antiquark aufgebaut)

ì

í

î

Zahlreiche andere  wegen aller

Kombinationsmöglichen aus

den 18 + 18 Quarks

                                                                                              

 

 

Gluon (engl. Klebstoff), m=0

(tragen wie Quarks Farbladungen)

  Photon, mRuhe=0 (Energie [E = h·n]):

       rotes Licht = 1,65 eV,  

         UV-Licht = 12,4 eV  

           Röntgen = 104 - 105 eV,

Gammastrahlen > 1 MeV; 

         Masse=h·n/c²= Energie)

ü ï

ï

ý

ï

ï

ï

þ

Feldquanten

ì

î

W- und Z-Bosonen,

Gravitonen

                  

 

   m    = Masse

HWZ = Halbwertszeit {Kurzlebigkeit (Instabilität) der Hyperonen ist leicht durch Zusam­menwirken von Quarks und Antiquarks zu erklären. Kurzlebige Teilchen werden Resonanzen genannt.}

h = 6,626·10-34J·s

n = Frequenz (Schwingungen pro Sekunde)

 

 

Tachyonen mit Überlichtgeschwindigkeit ( > c) und imaginärer Masse

 

  Art  

 Wirkung

Reichweite

 rel.

 Quant

  Bemerkungen und 

 der WW

   auf  

der Kraft

Stärke

      

     Beispiele    

Gravita-

  alle  

unbegrenzt

     1

Gravitonen

universell, sehr  schwach

  tion 

 Teilchen

 F » 1/r²

     

 Masse = 0

 z. B. Planetenbewegung

Chromodynamische WW

Elektro-

alle Fermi- 

 <10-15m 

 1026 

W- und

Kern-ß-Zerfall,   

schwache

    onen

         

     

Z-Bosonen

Neutrinoreaktionen,

(z.B.radio-

(Baryonen u.   

         

     

(Masse > 0)

Energiegewinnunug der

aktive

  Leptonen

         

     

 

 Sterne durch  

 Zerfälle)

 

         

     

 

Wasserstoff-Fusion

Elektro-

magneti-

alle elek-trisch

unbegrenzt

  F » 1/r²

 1038

   Photon

(Ruhe-

chemische Bindung,

Atomphysik

      sche

geladenen

 

     

masse = 0)

 

   

Teilchen

         

     

 

                   

 Starke

  alle Teil- 

         

     

      

                  

       

chen mit

         

     

      

                  

       

Farbladung:-

         

     

      

                  

       

 

         

     

      

                  

       

Hadronen

 <10-15m 

 1040 

Pionen

Kernkräfte zwischen

       

        

         

     

     

     Nukleonen,   

       

 Quarks 

 <10-18m 

     

Gluonen

Quarkbindung inner-

       

        

 bis <10-15m

     

(Masse = 0)

 halb der Hadronen

 

 

Wechselwirkungen (WW)

 

Protonen (p) und Neutronen (n) können als Modifikation eines einzigen Teilchens, des Nukle­ons aufgefaßt werden, falls sie durch Austausch eines Pions nicht elektro-magnetisch wechsel­wirken.

p und n unterscheiden sich nur durch ihre Ladung. Übergang von p in n entspricht Drehung des Isospins (Isobarenspin) um 90°.

Wird ein Elektron in ein Proton geschossen (oder hineingepreßt), erscheint Proton als Neutron (Neuronenstern z.B.). In Nukleonen (Hadronen) befinden sich Blasen aus Quarks und Gluonen.

 

Z e r f a l l s r e i h e n :

 

   Uran-                                       Uran-                                                              (künstlicher Zerfall)

  Radium                                 Actinium                                 Thorium                          Neptunium

 

          U                              U                                         Th                               Np

            ¯a                                   ¯a                                            ¯a                                    ¯a

          Th                              Th                                        Ra                                   Pa

            ¯b                                    ¯b                                            ¯b                                    ¯b

          Pa                              Pa                                        Ac                                   U

            ¯b                                    ¯b                                            ¯b                                    ¯a

          U                                Ac                                       Th                                    Th

            ¯a                                   ¯                                               ¯a                                    ¯a

          Th                       ߯                  ¯a                             Ra                                   Ra

            ¯a                       Th            Fr                                  ¯a                                    ¯ß

          Ra                                       ¯ß                              Rn                                   Ac

            ¯a                                   ¯                                               ¯a                                    ¯a

          Rn                              Ra                                        Po                                   Fr

            ¯a                                   ¯a                                           ¯                                       ¯a

          Po                              Po                                                  ¯ß                       At

           ¯                                      ¯a                              Pb             At                            ¯a

                 ¯ß                      Po                                  ߯                  ¯a                      Bi    

Pb            At                        ¯                                               ¯                                        ¯         

߯                  ¯a                              ¯ß                              Bi                             ߯            ¯a

            ¯                          Pb            At                                 ¯                          Po        Tl

          Bi                       ߯                  ¯a                       ߯                  ¯a                          ¯ß

           ¯                                       ¯                                  Po                Tl                      ¯

߯                 ¯a                      Bi                                                    ¯ß                       Pb

Po           Tl                          ¯                                               ¯                                      ¯

                ¯ß              ߯                  ¯a                             Pb                                   Bi

            ¯                          Po            Tl

          Pb                                       ¯ß

            ¯ß                                    ¯

          Bi                               Pb

            ¯ß

          Po

            ¯a

          Pb


 

 

Kernprozesse

 

 

Radioaktive Strahlung: a-Teilchen (He-Kerne), ß-Teilchen (Elektronen, Positronen),

                                    g-Strahlen (hochenergetische Röntgenstrahlen, l » 10-11 bis 10-14 m)

 

K e r n t e c h n i k

 

Brutreaktionen:     U + 10n   Þ U + Gamma-Strahlen (g)

                            U    ßÞ    Np   ßÞ   Pu

 

Spaltbare Kerne: U, U, Pu (z.B.)    

 

   Kernspaltung:       U + n Þ K1 + K2 + k•n + Energie + g

                        z.B. U + n Þ Kr + Ba + 3•n + 210 MeV Energie

                                                            (0,9 MeV/Nukleon + Gammastrahlung)

 

Energie-Bilanz: Uran-SpaltungÞ200 MeV pro Kern     = 8,1•1010 W•s•g-1

                        Verbrennen von 1 Gramm Kohle          = 2,9•104 W•s

(1 g Uran um 7.500 mal teurer als 1 g Kohle, Energieausbeute jedoch 2.8 Millio­nen mal höher, also Preis/Rohstoff: 372 mal günstiger)

 

K e r n f u s i o n   (z.B. in der Sonne):

 

Proton-Proton-Kette:

 

p + p       Þ D + e + n                      D + p   Þ He + g.

He + He Þ Be                                       Be + Þ Li + n.

                                                                        Li + p   Þ 2•He

 

Kohlenstoff-Stickstoff-Prozeß:

 

C + Þ N + g                                    N  C + e + g.

C + p Þ N + g                                    N + p   Þ O + g.

O  N + e + n                           N + p   Þ C + He

 

 

Wichtige Kernverschmelzungsprozesse (im künstlichen Reaktor):

 

          H  + H    Þ D  + e  +    9,0 MeV

          H  + D    ÞHe + g   +       5,5 MeV

          He + He  Þ He + 2.H + 2,8 MeV

          D  + D    Þ T  + H  +    4,0 MeV

          D  + D    Þ He + n  +    3,3 MeV

          D  + T     Þ He + n  +    17,6 MeV

          D  + He  Þ He + H  +   18,3 MeV

                                                 å         60,5 MeV

 

Reaktionstemperaturen für Fusionen:     D-T-Reaktion bei   2•108 °K

                                                            D-D-Reaktion bei 12•108 °K

 

(108 = 100 Millionen)    

1MeV (Mega=Millionen Elektronen-Volt) = 0,0383 * 10-9 KiloKalorien  (10-9: geteilt durch Milliarden)

Die Kernfusion haben die Menschen technisch noch nicht im „Griff“. Mit ihr wären die Ener­gie­reserven nahezu unerschöpfbar.

 

Kommentar: Vielleicht gelingt es der Menschheit eines Tages, die Prozesse in den Sternen nachzu­bilden und Elemente künstlich in Reaktoren aus dem Wasserstoff oder in Teilchen­beschleunigern herzustellen. Damit könnten dann aufgebrauchte natürliche Rohstoff­quellen ersetzt werden. Aber der Weg dahin erfordert eine sehr intensive Forschung, für die heute nicht genug Mittel zur Verfügung stehen.

Nun gibt es Spekulationen, wie sich die gesamte Welt weiterentwickeln wird. Es ist (noch) nicht klar, ob sich Raum (und Zeit) weiter ausdehnen für ewig und alle Zeiten, oder ob eines Ta­ges der Ausdehnungsprozeß aufhört. Dazu fehlt den Astrophysikern einiges an Materie, nach der sie krampfhaft suchen. Wird sie gefunden, dann kommt die Ausdehnung zur Ruhe und alles zieht sich wieder, vielleicht zu einem einzigen Schwarzen Loch und einem neuen Urknall zusammen. (Ein Schwarzes Loch ist ein ungeheures Gebilde von Massenansammlung, das aus seinem Um­feld immer mehr Materie einsaugt, aus dem nichts entweichen kann, nicht einmal Licht. Nachge­wiesen ist mindestens ein solches „Loch“ auch in unserer Milchstraße. Aber seien Sie beruhigt. Es kann uns in den nächsten Milliarden Jahren nichts anhaben.)

 

Kommentar: Wir sollten uns damit abfinden, daß vieles im Weltgeschehen mit unserem be­schränk­ten und erdentwickelten Gehirn nur sehr schwer erfaßbar sein wird, wenn überhaupt.

 

Dieses Kapitel habe ich gewählt, um zu zeigen, wie unbedeutend wir vom kosmi­schen Standpunkt aus gesehen sind. Dem kosmischen Geschehen ist es völlig egal, ob wir bei der Durchdringung von Sternhaufen in unvorstellbarer Weise mit allem Drum und Dran durcheinandergewirbelt, in unvorstellbare energeti­sche Prozesse hi­neingezogen, in einem „Schwarzen Loch“ verschwinden werden.

Niemanden kümmert es, ob wir von Lava übergossen, von Geroll oder Lawinen verschüttet werden, uns eine Flut hinwegspült.

 

Aber das sollte uns nicht hindern, nicht nur unsere Lebensbedürfnisse zu befriedi­gen, sondern auch an die Verantwortung für nachfolgende Generationen zu denken. Nach meiner Weltanschauung kümmert sich kein Gott um uns. Da hilft kein Betteln und kein Flehen und kein Beten. Die Verantwortung haben wir ganz allein.

 

Wir haben keine Möglichkeit, von einer unbewohnbar gewordenen Erde auszuwan­dern und werden auch niemals in der Lage sein, uns Rat bei anderen Lebewesen im All zu holen, die intelligenter sein mögen und Erfahrungen gemacht haben, aus de­nen wir lernen könnten. Wir müssen mit unseren Problemen ganz alleine fertig wer­den. Wenn alle es wollen, können wir es.

 

b) Entwicklung der Erde und Voraussetzungen der biologischen Entwicklung

 

Wir leben auf einem idealen Planeten, der von einer idealen Sonne beschienen wird. Unsere Existenz verdanken wir einem sehr seltenen kosmischen Zufall, sehr wahrscheinlich aber keinem einmaligen. Erdähnliche Plane­ten müssen in einer Vielzahl angenommen werden, von denen si­cher auch einige bewohnt sind.

 

Unsere Erde und wir selber sind keineswegs der Mittelpunkt der Welt. Einen solchen gibt es sowieso nicht im Weltsystem.

 

Was waren aber die Voraussetzungen für das Entstehen unserer Erde, die als einziger Planet im Sonnensystem Leben erlaubt? (Ob es auf dem Mars jemals Leben gegeben hat, ist nicht si­cher. Das wird jedoch in den nächsten Jahren geklärt werden.)

 

  I.   Unsere Sonne hat gerade die Größe, die ihr eine lange Lebensdauer ge­währt, wie wir vorher gesehen haben. Nur so konnte sich Leben ent­wickeln, das mindestens 500 Millio­nen Jahre gebraucht hat. Die Sonne wird auch noch lange genug scheinen, so daß wir kein rasches Ende befürchten müssen.

 

 II.   Der Abstand der Sonne ist gerade so, daß wir nicht zu viel Energie von ihr bekommen und auch nicht zu wenig. Die Sonne ist weit genug von uns weg, daß nur vernachlässigbare Ge­zeitenkräfte auf die Erde wirken. Solche Kräfte können schließlich die Eigendrehung des Planeten bis zum Stillstand abbremsen. Unsere liebe Sonne tut das aber nicht; denn dann würde sie eine Seite ständig bescheinen und wahnsinnig aufheizen, während die andere kalt bleibt. Unvorstellbare Luftströmungen wären die Folge. Daran brauchen wir jedoch nicht zu denken.

 

III.   Da unser Sonnensystem am Rande der Milchstraße, als einer der vielen Sternenhaufen, der Spi­ralnebel relativ spät im kosmischen Zeitalter „geboren“ worden ist, nachdem vorher viele, dicke Sterne bereits explodiert waren, konnte die Erde aus den Überresten, den schweren Elementen entstehen.

 

Am Rande der Milchstraße konnten wir auch von anderen Spiralnebeln profitieren.

 

Während sich die Gaswolken auf die im Entstehen begriffene Sonne hin zusammenzogen, begann das System (wahrscheinlich) sich immer schneller zu drehen, wobei die schweren Elemente durch die Drehbewegung wie in einer Zentrifuge (von Mittelpunkt fliehend) nach außen getrie­ben wurden. Die Sonne erhielt dadurch die leichten Gase, wie vorwiegend den Wasserstoff für die spätere Zündung der Kernfusion. Die Planeten, die sich aus dieser zuerst gasförmigen Scheibe bildeten, hatten in ihrer Umgebung die Elemente, die für uns wichtig sind: Eisen, Silizium usw. (Wegen der Drehung des Systems bildet sich aus einer vielleicht anfänglichen Kugel, dann einer Linse, immer mehr eine Scheibe.)

 

 IV. Nun formte sich die Erde wieder in idealer Weise, gerade dick genug, um Wasser auf der Oberfläche zu halten unter einer Atmosphäre die wegen der Erdanziehung nicht im Weltall verschwand (wie auf dem Mond oder auf dem Mars). Ohne Atmosphäre würde das Wasser ver­dampfen.

 

Wäre die Erde zu schwer, würden Gase wie Methan und Ammo­niak auf der Oberfläche flüs­sig werden, wie das auf dem Jupiter der Fall ist.

 

  V. Die Erde dreht sich nicht zu schnell und nicht zu langsam um ihre eigene Achse, so daß durch den Tages- und Nachtzyklus die von der Sonne erhaltene Energie ausgeglichen werden kann mit einem für uns günstigen Klima.

 

 VI. Die Luftzusammensetzung auf der Erde ist ebenfalls ideal. (Die Venus leidet durch den Kohlendioxidgehalt von 97 Prozent unter einer Hitze von 500 Grad.)

 

Nun können wir Menschen diesen Idealzustand ändern durch Erhöhung des Kohlendioxid­ge­haltes (Kapitel E.2.1, Unterpunkt b) oder durch einen Atomkrieg, der die Luft mit Staub er­füllt und die Temperaturen senkt.

 

VII. Die Erde hat einen ausreichend großen Mond im richtigen Abstand, der durch seine Umdre­hung um die Erde die Erdachse stabilisiert.

 

Aber die Erde war nicht so, wie wir sie heute vorfinden. Anfänglich war sie ja ein heißes Gas, das sich abkühlte und flüssig wurde, aber immer noch zu heiß, um bewohnbar zu sein.

 

Die Rohstoffe, die verschiedenen Elemente, das Eisen, überhaupt alle Erze und Mineralien ha­ben sich nicht gleichmäßig verteilt, sondern in sehr kom­plizierten Prozessen mehr oder weniger zu­sammengelagert, so daß wir sie ausgraben können.

 

Das Leben soll nach neuesten Erkenntnissen sich bei der Bildung von Pyritkristallen gebildet haben. Pyritkristalle (FeS2, Fe für Ferrum, d.h. Eisen im Lateinischen, S2 für 2 Atome Sulfurum, „Schwefelbildner“ im Lateini­schen) entstehen aus Eisensulfit (FeS) und Schwefelwasserstoff (H2S, H für Hydroge­nium, „Wasserbildner“). Pyrit heißt auch Schwefelkies, Eisen­kies, glänzt metallisch wie Messing und wird neben indu­striel­ler Nutzung auch für Schmuck verwendet.

 

Die Chemische Reaktion sieht so aus: FeS + H2S => FeS2 + H2. Es entsteht also neben Pyrit auch Wasserstoff (H2 bedeutet: 2 Atome schließen sich zu einem Molekül zusammen.) Nachdem sich Kohlenstoff (massenweise auf unserer Erde vorhanden) an die Oberfläche der Pyritkristalle angekoppelt hatte, konnte sich ein Kohlenwasserstoff als erste organische Verbin­dung bilden.

 

Das ist aber nur eine An­nahme. Da gibt es viele an­dere, angefangen davon, daß in Meteoren einge­schlossene Lebensspuren aus dem Weltraum gekom­men sind bis zu der „Ursuppen“-Theorie (um eine bro­delnde Schwefelquelle). Letztere setzt das Vorhan­densein von Wasserstoff, Wasser, Methan, Ammo­niak, Stickstoff, Kohlenmo­n­oxid und Kohlendioxid voraus. Durch Blitze in der Atmosphäre als Energie hätten sich nach der „Ur­suppentheorie“ (so wie in den Fil­men über den Monstergrafen, den Franken­stein) dann Nukleinsäure­ketten oder Proteine gebildet. Nukleinsäuren

Proteine gebildet. Nukleinsäuren (Kernsäuren) befinden sich in den Zellen aller Le­bewesen.

 

Es führt zu weit, all die Theori­en und deren Einzel-heiten zu beschreiben, die alle durch Laborversuche erhärtet worden sein sollen.

 

  Die ersten Lebensspu-ren (im Bild links) sind aus der Zeit von vor 3,8 Milli­arden Jahren (dem Präkambrium) gefunden worden in Ablagerungen auf Grönland. 3,5 Milliar­den Jahre alt sind Funde aus Australien und Südafrika.

 

 

Ein paar „technische Daten“ unserer Erde:

 

 

Abstand von der Sonne:                         149,9 bis 152,1 Millionen km

Umlaufgeschwindigkeit um die Sonne:                 29,8 km pro Sekunde = 107.280 km/h(!)

Neigung der Polachse gegen Umlaufbahn:            23° 26'

Durchmesser am Äquator:                       12,756 Tausend km

                                                                          (am Pol 43 km weniger)

Masse:                                                       6•1021 Tonnen (6 mit 21 Nullen)

Dichte (Gramm/cm3):                                       5,5 (Wasser etwa = 1)

Anziehungskraft (Erdbeschleunigung):    9,78 m/sec² (am Äquator)

Krustendicke:                10 km (über dem Meer) bis 70 km (auf dem Lande)

Kern vorwiegend aus Eisen und Nickel (flüssig), an der Oberfläche vor­wiegend aus Silizium (Steine) und Aluminium.

In der kontinentalen Kruste:   SiO2                       60,2% (Silizium)

                               Al2O3                       15,2% (Aluminium)

                               Fe2O3+FeO               6,3% (Eisen)

                               CaO                           5,5% (Kalzium)

                               MgO                          3,1% (Magnesium)

                               Na2O                         3,0% (Natrium)

                               K2O                           2,9% (Kalium)

                               TiO2                           0,7% (Titan)

                               P2O5                          0,2% (Phosphor)

                               (Alle an Sauerstoff gebunden)

 

Ein starkes Magnetfeld schirmt vor Höhenstrahlen ab.

 

 

Am Rande:   Die Sterne in unserer Galaxis, die unserem Sonnensystem am nächsten sind, sind die drei Centaurus-Sterne:

 

                        - Proxima Centauri 4,22 Lichtjahre (knapp 40 Billionen km)

                        - a-Centaurus A                4,35 Lichtjahre (über 41 Billionen km)

                        - a-Centaurus B                4,35 Lichtjahre (über 41 Billionen km)

 

 

Hätten diese Nachbarsonnen mit intelligentem Leben ausgestattete Wesen auf Plane­ten, so würde der Austausch einer Nachricht mit ihnen eine Zeit von 2 mal 4,35 Jahre dauern.

 

Der Sternhaufen, also eine Galaxie außerhalb unserer Milchstrasse, der uns am nächsten kommt, ist die „große Magellan'sche Wolke“ mit einer Entfernung von 170 Tausend Lichtjahren (oder 1,6 Tausendbillionen, auch Trillion genannt km).

 

Auf eine Antwort von Lebewesen aus dieser Gegend müßten wir 340 Tausend Jahre warten. (Im Vergleich bis zum Weltende, was gleichzeitig der Anfang ist, wohin das Licht - je nach Wissenschaft­ler - um die 18 Milliarden oder 33 Milliarden Jahre braucht, ist also der Magellan'sche Nebel nur ein Katzensprung weit entfernt.)

 

 

 

 


Hier ist dieser erste Auszug zu Ende.

 

Bei >Hier< wird eine Fortsetzung des Inhalts

A.2.2 Allgemeine biologische Entwicklung...............................................................

          a)  Pflanzenwelt.......................................................................................................

          b)  Tierwelt (einschließlich Mensch)...........................................................................

          c)  Der Mensch als eine unter anderen biologischen Rassen..........................................

          d)  Ein paar Betrachtungen über das menschliche Gehirn.............................................

          e)  Klimatische Entwicklungen...................................................................................

          f)   Ökologisches Gesamtsystem................................................................................

A.2.3 Geschichtlicher Ablauf der Menschheit...........................................................

          a)  Geschichtswissenschaft und was Geschichte bedeutet.............................................

          b)  Geschichtlicher Verlauf........................................................................................

          c)  Abhängigkeiten vom sozialen und wirtschaftlichen Umfeld (Kolonialismus)...............

A.2.4 Entwicklung bis zur heutigen menschlichen Gesellschaft............................

          a)  Soziale Entwicklung.............................................................................................

          b)  Wirtschaftliche Entwicklung.................................................................................

          c)  Kulturelle Entwicklung (Philosophie, Kunst, Sprachen)...........................................

          d) Philosophie..........................................................................................................

          e) Kunst..................................................................................................................

          f) Sprachen..............................................................................................................

          g)  Voraussetzungen für die Entwicklung (umweltbedingt, Zufälligkeiten)......................

 

aufgerufen.

 

Im Originaltext folgen noch einige hundert Seiten... Diese können auf ganz besonderen Wunsch zur Verfügung gestellt werden.

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