Bilder in 3 Dimensionen: Blende für Bilder zum Schielen 2
Beim Betrachten von räumlich zu
sehenden Bildern durch Schielen, sehen unsere Augen auch die Original-Bilder,
was sehr störend ist. Gehen wir vom "normalen" räumlichen Sehen mit Hilfe von 2
Bildern aus, wobei das eine beispielsweise so gestaltet ist, wie es das linke
Auge sieht, und das andere entsprechend für das rechte. Im Bild
auf der rechten Seite wird das verdeutlicht. (Natürlich
sollen die beiden blauen Augen nur andeuten, daß sie vor den beiden Bildern
sind. Sie sind in jedem Falle weiter von den Bildern entfernt und schielen nicht
so stark wie in der Zeichnung. So gucken nur ganz, ganz kurzsichtige Menschen.
Die beiden Bilder sollten in einem Abstand vor den Augen erscheinen, den wir
gewöhnlich beim Lesen eines Textes von diesem haben.)
Man sieht durch Schielen die beiden Bilder zwar beeindruckend räumlich. Aber wir sehen leider 3 Bilder - die beiden Originale und dazwischen das stereografische, virtuelle, also kein reales Bild.
Man kann versuchen, durch Ausstrecken der nach oben geöffneten Handflächen die "störenden" Bilder abzudecken - wie es am Bild hierunter angedeutet werden soll. Die rechte Hand wird von rechts oder von unten kommend über das rechte Bild geschoben und gleichzeitig die linke Hand von links oder auch von unten. Das räumliche Bild erscheint genau in der durch die beiden Hände "gebauten" Spalte, sogar weit von der Ebene entfernt, auf der die Bilder liegen. Versuchen Sie es doch am Bild oben rechts.
Noch einmal: In Abbildung oben rechts befinden sich zwei Bilder von einem Aquarium, die sich inhaltlich nicht sichtbar unterscheiden aber parallaktisch - also aus dem Blickwinkel. Die Bilder sind räumlich durch Schielen zu sehen. Diese Ebene mit den beiden Bildern sollte nach dem Konzept von Abbildungen dieser Art Abbildungen perspektivisch von der Abbildungsebene nach hinten weg verlaufen (was in den beiden letzten Bildern einigermaßen korrekt gemacht wurde).
Das linke Auge ist auf das rechte Bild zu richten und umgekehrt rechtes Auge auf das linke Bild. Wenn der Betrachter diese Sichtweise nachvollzieht, sieht er – wie bereits mehrfach erwähnt - die Bilder räumlich, auf den beiden letzten Bildern dieser Webseite aus der Papierebene nach hinten, d.h. nach unten weglaufen, und die Fische haben immer noch unterschiedliche Entfernungen von der Bildebene. Wenn „richtig“ geschielt wurde, sind auch hier 3 Bilder zu sehen. Nur das mittlere ist räumlich. Die beiden anderen (die Originale) stören; denn man schaut unwillkürlich auf sie und sie haben gar keinen eigenen räumlichen Charakter.
Die jeweiligen Betrachtungsfelder - leicht oliv-grün und grau jedes unserer Augen überschneiden sich dort, wo im oberen Bild von rechts und von links je ein Balken eingesetzt sind. Diese Balken sollen die günstigste Lage einer Blende andeuten. Wäre dort ein Fenster, dann könnten die Augen nur jeweils das Bild sehen, das für das räumliche Betrachten notwendig ist. Ein solches Fenster sei nochmals erklärt für die Benutzung der eigenen Hände; denn man hat in der Regel keine weiteren Hilfsmittel gerade zur Hand:
Das Einschieben der Hände kann übrigens auch benutzt werden, um überhaupt die Schielmethode zum räumlichen Sehen zu erfahren. Man schließe das linke Auge, strecke die rechte Hand aus und verdecke das rechte Bild. Nun schließe man das rechte Auge und verdeckt mit der linken Hand das Bild links. Abwechselndes Öffnen und Schließen - rechts links und umgekehrt - dient der Bestätigung, daß man jeweils nur eines der beiden Bilder sieht. (Man muß allerdings den Abstand der Hände im Entfernungsbereich Auge - Bild verändern, also näher ans jeweilige Auge oder vielleicht umgekehrt.) Werden nun (nachdem man tatsächlich auch nur ein Bild mit dem "dafür zuständigen Auge" sieht) beide Augen geöffnet und die Handkanten anwechselnd betrachtet, erscheint zwischen den Händen - eigentlich unvermeidlich - der gewünschte räumliche Bildspaß.

Bauanleitung für eine einfache Blende:
Nun kann die Benutzung der Hände nur zur Einübung und eines raschen Probierens zum "guten" räumlichen Sehen gedacht sein.
Also was macht der Mensch? Er baut sich etwas - in unserem Fall eine Blende, die schnell aus zwei (leeren) DIN-A-4-Blättern hergestellt ist. Ein Blatt sollte genau in der Mitte gefaltet und zusammengeklebt werden, damit das Papier etwas dicker und fester wird (als ein versteiftes DIN-A-5-Blatt). Dieses Blatt wird nun in der Mitte geteilt, um 2 DIN-A-6 Blättchen zu bekommen.
Von zweiten DIN-A-4-Bogen wird nun an jeder langen Seite ein Streifen von etwa 5 cm Breite abgeschnitten. Beide Streifen werden in der Mitte gefaltet und die Faltung mit dem Daumennagel nachgedrückt, damit man 2 Schienen bekommt. In diese legt man eines der vorher angefertigten DIN-A-6-Teile bündig an einem Ende der Schienen und verklebt sie. Es ist empfehlenswert, das andere DIN-A-6-Blatt auch schon in die Schienen zu legen; denn dieses Blatt soll ja verschoben werden können, um die gewünschte Rechteckblende zu bekommen.
Wenn alles trocken ist, können die Versuche starten. Man geht so vor wie beim vorher beschrieben "Händchen-Halten". Das an den Papier-Schienen festgeklebte Kartenteil deckt ein Bild bei zugekniffenem Auge ab. Der verschiebbare Teil übernimmt die Rolle der anderen Hand. Haben Sie's geschafft?
Nun kann man noch einiges mit Karton verstärken, den mit den Schienen fest verklebten Teil am Ende in einen geteilten, verkürzten Besenstil vernageln, um einen bequemen Haltegriff zu haben. Bestimmt fällt Ihnen noch etwas ein, was die "Primitiv"-Blende angenehmer machen kann.
Hier noch ein wenig Theorie an Hand von 2 Bildern: Das räumlich zu sehende Aquarium ist perspektivisch dahin gehend verzerrt worden, als schaue man schräg von oben auf die beiden Bilder, aber genau parallel zu der schwarzen, in der Mitte durchschnittenen Blende. Aus diesem Blickwinkel sind die Augen jetzt auch korrekt; denn sie verlaufen schräg - umgekehrt wie die beiden Bilder nach unten; denn perspektivisch wird ja die Bildmitte mit zunehmender Entfernung immer kleiner.
Aber - schielen Sie doch mal! Sie werden staunen, wie das 3D-Bild des Aquariums nach "unten" - also vom Betrachter weggeht. (Aber natürlich ist sonst nichts räumlich zu sehen.)
An hand der Bilder soll noch einmal verdeutlicht werden, welche Bereiche vom jeweiligen Auge gesehen werden dürfen (grau für das linke und blaß rosa fürs rechte Auge).

Das Bild hierunter zeigt den Toleranzbereich zum Verschieben der Blende
zwischen Augenebene und Bildern, sowie für die Blendenöffnung.

Die von den Augen ausgehenden Linien zu den Bildrändern zeigen, daß
die Blendenöffnung auf keinen Fall weiter geschlossen werden darf; denn
sonst sind Teile des jeweiligen Bildes nicht mehr zu sehen. Innerhalb des
grau gezeichneten Bereichs der wagerechten Strichteile kann die Blende
geöffnet und die Blende selbst bei weggefallenen grauen Einschränkungen
ziemlich weit zwischen Bild- und Augenebenen variiert werden.
Zu erwähnen ist noch, welchen Einfluß es gibt auf die
- Stellung der Blende zwischen Augen und Bildern
und auf die
- Blendenspaltbreite:
i. Abstand der Bilder von einander
ii. Breite der Bilder
iii. Abstand der Augen von einander (etwa 7 cm im Durchschnitt)
iv. Abstand der Augen von den Bildern
Also gibt es insgesamt 6 Variablen (Veränderliche) – mit den beiden, die Blende direkt betreffend, eingeschlossen. Damit ist eine einzige Blende für alle Anwendungen theoretisch nicht machbar. Praktisch aber genügt jedoch eine Blende mit einer horizontalen Öffnung von 2/3 des Augenabstandes, also etwa 4,5 cm. (Daher wird auf die Angabe des mathematischen Zusammenhangs der Variablen durch eine Formel in dieser Beschreibung verzichtet.)
Noch eine Erwähnung: Von einer Höhe des Blendenfensters ist bisher nichts erwähnt worden, weil in der Regel oberhalb und/oder unterhalb der Bilder kaum Sehenswertes das Gehirn irritiert. Dennoch sollte bei einer professionellen Herstellung der Blende auch die „Höhenvariable“ berücksichtigt werden.