Bilder in 3 Dimensionen: Anleitung für Serien-Bilder

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Wie immer - sollte man möglichst so vorgehen. wie man sich in der Regel irgend etwas anschaut. Man geht also um den Aufnahmegegenstand herum, um ihn untersuchend zu betrachten (natürlich nur, wenn es möglich ist).

 

Man kann auf die exakte Gradeinteilung - wie unten beschrieben - verzichten; denn es spielt in der Praxis keine Rolle, wenn Sie nicht genau bei einer Volldrehung ankommen. Die Schrittweiten sollten jedoch gleich sein. Die Prozedur einer exakten Gradeinteilung wird unten nur ("kleingedruckt") beschrieben, weil es eine gute Übung ist und manche Software-Lieferanten für Anaglyphen- und Linienprismen-Bilder solche Gradeinteilung vorschlagen. Nebenbei gesagt: Selbst leicht unterschiedlich große Bilder sind räumlich zu sehen, solange der Aufnahmegegenstand selbst in der horizontalen Lage und der Größe konstant bleibt. Man kann beispielsweise keine Aufnahme einmal mit etwas Weitwinkel und ein zweites Bild ohne Weitwinkel (also vergrößert) räumlich "auf die Reihe" bekommen. 

 

Parallaktisch gleichmäßig verschobene Serienbilder anfertigen:

("parallaktisch..." = [Blick-]Winkelverschiebung im Bild links)

 

Soll zum Beispiel eine Rose rund herum aufgenommen werden (in der Regel braucht man nicht mehr als 270°, eher weniger), dann stelle oder lege man diese Rose (den Aufnahmegegenstand) auf einen großen Bogen Papier (DIN-A3 vielleicht). Darauf ist vorher ein Kreis gezeichnet worden.  Wenn kein Zirkel - zumindest nicht von der erforderlichen Größe zur Hand ist, dann nehme man einen Faden, an dessen einem Ende eine Nadel geknotet wird und am anderen Ende ein spitzer Bleistift. Nadel in der Papier-Mitte einstechen, mit einer Hand festhalten und den Bleistift herumführen. Diese Methode wird vor allem dann angewendet, wenn man beispielsweise eine Statue fotografieren will. Man bittet einen neugierigen Passanten um Hilfe, der ein Ende eines Seiles festhält, an dessen anderem Ende ein Stück Kreise gebunden wurde. Sie gehen im Abstand, aus dem Sie fotografieren wollen, um die Statue herum und markieren den Kreis auf dem Boden. Ihr "Assistent" geht zwar auch herum, aber so dicht an der Statue vorbei wie möglich.

 

Den Kreis teile man in gleiche Segmente (weiter >hier< die folgende Gradgeschichte erst einmal überspringen). Im Bild sind 15 Grad angedeutet.

 

(Für eine Gradeinteilung braucht man eigentlich einen sogenannten Winkelmesser. Mit einem Zirkel geht das so: Den Radius = Entfernung vom Mittelpunkt bis zum Kreis nimmt man, sticht irgendwo auf den Kreis und markiert rechts und links vom Einstichpunkt je eine Stelle auf dem Kreis.

 

In eine solche markierte Stelle wird nun gestochen und wieder nach beiden Seiten auf den Kreisumfang eine Markierung geschrieben, dabei wird die Stelle, in die Sie zuerst gestochen haben nochmals markiert. Also müssen Sie bereits 4 Markierungen haben bei 0, 60, 120 und 180 Grad.  Es fehlen noch zwei bis 300 Grad für den gesamten Kreis. 0 Grad und 360 Grad sind ja identisch. So, wie im Bild oben links gezeigt, verbindet man die gegenüberliegenden Markierungen und bekommt 6 "Kuchenstücke". Es wird selten gelingen, daß Sie die Markierung für 360 Grad genau bei 0 Grad - also wo Sie angefangen haben - treffen. Das Bild aus der Null-Grad-Stellung ist ja bei genau 360 das gleiche, braucht also nicht wiederholt zu werden.

 

Jetzt wollen wir Linien je 30 Grad bekommen: Versuchen Sie die Schenkelweite des Zirkels auf die Hälfte vom Radius zu bekommen. Das gelingt ohne ganz genaues Abmessen nie. Abschätzen genügt; dann sticht man in eine der Berührungspunkte von Durchmesserlinie mit dem Kreis und macht eine Markierung auf dem Kreis und dann vom benachbarten Berührungspunkt aus. Die Markierungen sind sehr wahrscheinlich etwas voneinander entfernt. Nun kann man den Zirkel neu einstellen, um den vorigen Vorgang so lange zu wiederholen, bis sich die Markierungen ziemlich genau treffen. Das wäre dann die Stelle für den halben Winkel, also 30 Grad. Jetzt führt man die Prozedur noch einmal durch, um die Winkelsegmente für 15 Grad zu bekommen, die im Bild  nur links unten mit den 3 Kamerastellungen eingezeichnet sind - um keine Verwirrung durch zu viele Linien zu stiften. Sie sollten die Durchmesser von jeweils 15 Grad durch den Kreismittelpunkt ziehen, um 24 Möglichkeiten für die Kamerastellung zu bekommen, wenn ganz um die Rose herum wollen.

 

Nun ist eine parallaktische Verschiebung von 15 Grad schon recht viel. Die räumliche durch Schielen zu erreichende Wirkung wirkt schon übertrieben. ja kann bereits verwirrend sein. Vielleicht muten Sie sich eine weitere Winkelhalbierung zu.

 

Man kann auf dem Kreis, dessen Durchmesser man kennt - bzw. ausmessen kann - auch einfach am besten mit einem Zirkel (oder im Falle der Statue mit einem Zollstock oder voreinandergesetztes Schuhwerk) gleiche Abschnitte markieren, die kleiner sein sollten als Kreis-Durchmesser geteilt durch 8 (am besten geteilt durch 10 - einfacher zu rechnen; denn 15 Grad entspricht "Durchmesser x 3,14 geteilt durch 24"). Von diesen Abschnittsmarkierungen zieht man dann eine Linie nur zum Kreismittelpunkt (oder darüber hinaus, was natürlich bei einer Statue nicht geht).

 

Wie im Bild oben zu sehen, kann man eine Kamera recht gut am Kreis und dem "Winkelgitter" orientieren. Man merkt sich eine bestimmte Stellung: Kreis berührt das Gehäuse rechts und links vom Objektiv. Durchmesserlinie verläuft in der Mitte aus dem Objektiv heraus. (Für Ihre Kamera müssen Sie sich bestimmt andere Orientierungsstellen suchen...)

 

Wenn Sie die Beispielbilder einer Serie >hier< nochmals anschauen, achten Sie darauf, daß Ungenauigkeiten nicht sehr tragisch sind; denn die Beispielbilder sind ohne irgendwelche Hilfslinien und dergleichen aufgenommen worden - einfach nur "Pi mal Schnauze". (Haben Sie eine Digitalkamera, dann verlieren Sie bei einem Fehlschlag nicht viel.)

 

Man kann auch den Aufnahmegegenstand drehen. Dann muß aber der Hintergrund abgedeckt werden; denn sonst wird das räumliche Sehen total unstimmig. Es gibt käuflich zu erwerbende Drehteller. (Fragen Sie einen Schreiner oder jemanden, der eine Loch-Kreissäge hat.) Die "Aufnahmezeremonie" ist beim Drehen des Aufnahmegegenstandes recht einfach; denn die Kamera bleibt an einem festen Ort. Natürlich sollten Sie sich am Drehtellerrand Markierungen anbringen, um gleiche Drehwinkel einstellen zu können. (Das bedeutet gleiche Drehschritte wieder nach der Formel: Verschiebeschritt am Tellerrand sollte weniger betragen als Kreis-Durchmesser geteilt durch 8.)

 


Nun noch eine Bemerkung zu den Schielbildern im Allgemeinen: Sie sollten, damit sie nicht zu klein wirken, ein DIN-A5-Format "hochkant" haben. Dann passen zwei - also ein absolut notwendiges Paar - auf einen DIN-A4-Bogen. Daher wäre eine Kameraaufnahme im Hochkantformat empfehlenswert. Aber die Kameras sind dann etwas unbequemer zu bedienen. Normalerweise ist die Aufnahmequalität gut genug, um sich einen Ausschnitt leisten zu können. Das soll das nachfolgende Beispiel demonstrieren. (Es wird nur ein Originalbild gezeigt, bei dem man auch sieht, das der unscharfe Hintergrund zum räumlichern Sehen sowieso nicht sehr gut geeignet ist. Der Ausschnitt für die Stereobilder ist in diesem Original eingetragen. Dieser Rahmen wurde nach dem "Bild>Freistellen" mit PhotoShop in das zweite Bild gezogen und an die gleiche Stelle gesetzt und dann das zweite Bild freigestellt. Das Bildpaar zeigt die Rose durch Schielen räumlich. Versuchen Sie die Abdecktechnik mit bloßen Händen dazu, die Sie sich >hier< schnell nochmals erklären lassen können.